Nemetschek integriert Firmus AI in Bluebeam Revu. Erfahren Sie, wie KI-gestützte Planprüfung Planungsfehler reduziert, Nachträge senkt und Ihre Baustelle 4.0 voranbringt.
Wie KI-Prüfung in Bluebeam Revu Bauprojekte absichert
2024 lag der durchschnittliche Kostenanstieg bei deutschen Bauprojekten laut Branchenumfragen häufig bei über 20 % gegenüber der ursprünglichen Planung. Die Hauptursache: Planungsfehler, fehlende Informationen und Abstimmungsprobleme zwischen Gewerken – also genau das, was auf der Baustelle eigentlich vor dem ersten Spatenstich geklärt sein sollte.
Hier setzt ein Schritt an, der für die „Baustelle 4.0“ in Deutschland durchaus zum Standard werden kann: Die Nemetschek Group integriert mit der Übernahme von Firmus AI KI-gestützte Entwurfsprüfung direkt in Bluebeam Revu. Damit wandert künstliche Intelligenz nicht in ein weiteres Insellösungs-Tool, sondern mitten in den PDF-Workflow, den viele Büros ohnehin jeden Tag nutzen.
In diesem Beitrag aus unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ schauen wir uns an, was diese Integration konkret bedeutet, welche Risiken deutsche Architektur- und Ingenieurbüros damit adressieren können – und wie Sie das Thema ganz praktisch in Ihre bestehenden Prozesse einbauen.
Was bedeutet die Firmus-AI-Integration in Bluebeam Revu wirklich?
Die Integration von Firmus AI in Bluebeam Revu bedeutet vor allem eines: Planungsrisiken werden direkt im gewohnten PDF-Arbeitsablauf sichtbar gemacht und priorisiert.
Bluebeam ist in vielen deutschen Büros bereits Standard für Planprüfung, Markierungen und die Zusammenarbeit über Bluebeam Studio. Bisher war vieles davon aber Handarbeit: Pläne übereinanderlegen, Abweichungen suchen, Kommentare tippen, Listen führen. Mit Firmus AI kommt nun eine AI-Engine dazu, die:
- PDF-Pläne automatisiert analysiert,
- fehlende Informationen erkennt,
- fachübergreifende Widersprüche (Architektur, Tragwerk, TGA) aufzeigt,
- Problempunkte nach Priorität sortiert meldet.
Für den Alltag heißt das: Die Software übernimmt den stumpfen Teil der Prüfaufgaben. Menschen konzentrieren sich auf die fachliche Bewertung und Entscheidungen.
Wo deutsche Bauprojekte heute wirklich scheitern
Der Kern des Problems ist bekannt, aber selten systematisch angegangen: Die meisten Projektrisiken entstehen nicht auf der Baustelle, sondern in der Planungs- und Ausschreibungsphase.
Typische Beispiele aus der Praxis:
- Die TGA plant Leitungsführungen durch Wände, die in der Statik längst als ausgesteift ausgewiesen sind.
- In der Ausschreibung fehlen wesentliche Leistungspositionen, die später als „Nachtrag“ teuer nachgeschoben werden.
- Detailanschlüsse für kritische Bauteile (z.B. Fassaden, Flachdach, Abdichtung im Bestand) sind unkoordiniert oder widersprüchlich.
- Änderungen werden in einem Fachplan konsequent eingearbeitet, in anderen Gewerken aber übersehen.
Das Ergebnis: Baustopps, Nachträge, Streit mit dem Auftraggeber – und letztlich ein massiver Produktivitätsverlust in einer Branche, die ohnehin schon mit Fachkräftemangel, Materialpreisen und engen Terminen kämpft.
KI-gestützte Prüfwerkzeuge wie Firmus AI setzen genau an dieser Stelle an, indem sie Planstände systematisch und reproduzierbar auf Risiken scannen.
Wie Firmus AI die Planprüfung in Bluebeam Revu verändert
Firmus AI bringt vier zentrale Funktionsblöcke mit, die Bluebeam Revu deutlich aufwerten – ganz im Sinne einer pragmatischen Baustelle 4.0.
1. KI-gestützte Planprüfung direkt im PDF-Workflow
Firmus AI analysiert PDF-Pläne automatisch, erstellt Anmerkungen, Übersichten und Fehlermeldungen – und zwar direkt dort, wo Ihre Teams heute schon arbeiten: im PDF.
Konkret bedeutet das:
- Automatische Markups an den Stellen, an denen Informationen fehlen oder widersprüchlich sind
- Generierte Übersichtslisten von Problemstellen nach Fachgebiet (Architektur, Tragwerk, Haustechnik)
- Vorschläge, welche Bereiche besondere Aufmerksamkeit erfordern
Der große Vorteil: Der Prüfprozess wird nicht nebenher in einem Zusatztool geführt, sondern fügt sich in bestehende Arbeitsabläufe mit Bluebeam Revu und Bluebeam Studio ein.
2. Smarte Überlagerungen und Vergleiche von Plansätzen
Bluebeam konnte schon bisher Pläne vergleichen. Firmus AI geht einen Schritt weiter:
- Pläne werden fachübergreifend analysiert.
- Unterschiede und Konflikte zwischen Architektur-, Statik- und TGA-Plänen werden gezielt hervorgehoben.
- Zwischen verschiedenen Projektphasen (Vorplanung, Entwurf, Ausführungsplanung) werden Änderungen nachvollziehbar gemacht.
Statt stundenlanges „Hin-und-Her-Zoomen“ mit dem Mausrad bekommen Sie eine strukturierte Sicht auf Abweichungen und Risiken – inklusive Priorisierung.
3. Effizienz und Skalierbarkeit in der Qualitätskontrolle
Wo heute häufig stichprobenartig geprüft wird, kann Firmus AI größere Planmengen systematisch untersuchen.
Das ist besonders relevant für:
- große Wohnungsbauprojekte mit vielen Wiederholungsgrundrissen,
- komplexe Nichtwohngebäude mit umfangreichen TGA-Planungen,
- Generalplaner, die viele Fachgewerke koordinieren müssen.
Statt eine Person mehrere Tage prüfen zu lassen, kann die KI Vorarbeit leisten und die Fachplaner konzentrieren sich auf die risikoreichen Themen.
4. Bessere Zusammenarbeit dank objektiver Risikoberichte
Firmus AI ergänzt Bluebeam Studio, indem es Risiken klar benennt und transparent dokumentiert.
Das reduziert typische Konflikte:
- Diskussionen à la „Das stand doch so gar nicht im Plan“ werden seltener.
- Alle Beteiligten sehen die gleiche, von der KI generierte Auswertung.
- Informationslücken zwischen Büros und Gewerken werden sichtbar, bevor sie auf der Baustelle teuer werden.
Gerade in deutschen Projekten mit komplexen Honorar- und Haftungsfragen ist diese nachvollziehbare Dokumentation ein echter Vorteil.
Konkrete Anwendungsfälle: Von Ausschreibung bis Projektübergabe
Firmus AI soll – laut Nemetschek und Firmus – den kompletten Projektverlauf unterstützen: von der Planung über Kalkulation und Ausschreibung bis zur Übergabe. Schauen wir uns das an typischen Phasen an.
Planung & Entwurf
In der frühen Phase geht es vor allem darum, Planungsrisiken früh zu erkennen:
- fehlen relevante Räume, Türen, Fluchtwege?
- sind Nutzflächen konsistent und nachvollziehbar?
- passen Tragwerk und Architektur zueinander?
Je früher diese Punkte auffallen, desto günstiger lassen sie sich korrigieren. KI-Prüfung in Bluebeam Revu wirkt hier wie ein ständiger Zweitprüfer, der nie müde wird.
Kalkulation & Ausschreibung
In dieser Phase entstehen viele der späteren Nachträge. Typische KI-Fragen an die Unterlagen:
- Stimmen die ausgeschriebenen Leistungen mit den Plänen überein?
- Gibt es Bereiche, die zwar geplant, aber nicht ausgeschrieben wurden?
- Gibt es Widersprüche zwischen Positionsbeschreibungen und Planständen?
Wer hier systematischer prüft, reduziert Nachtragsrisiken und beschleunigt gleichzeitig die Vergabe, weil weniger Rückfragen auftreten.
Ausführung & Bauüberwachung
Auch in der Ausführung bringt die Kombination aus Bluebeam Revu und Firmus AI Vorteile:
- Pläne aus verschiedenen Phasen (z.B. Änderungsstände) werden verglichen.
- Risiken aus Planänderungen werden erkannt, bevor sie auf die Baustelle durchschlagen.
- Die Bauleitung bekommt eine bessere Entscheidungsgrundlage für Freigaben und Anweisungen.
Projektübergabe & Dokumentation
Saubere Dokumentation ist ein Dauerthema. Hier hilft der KI-unterstützte PDF-Workflow:
- Prüfberichte können strukturiert archiviert werden.
- Nachvollziehbarkeit von Planungs- und Entscheidungswegen steigt.
- Für den Betreiber ergibt sich eine klarere Ausgangsbasis für den Gebäudebetrieb.
So starten deutsche Büros pragmatisch mit KI in der Planprüfung
Viele Büros fragen sich: „Wie viel Veränderung braucht das? Müssen wir alle Prozesse umbauen?“
Die ehrliche Antwort: Nein. Der Einstieg kann sehr pragmatisch sein.
1. Einen klaren Pilotbereich definieren
Statt alles auf einmal zu verändern, wählen Sie:
- ein Pilotprojekt (z.B. ein überschaubares Wohngebäude) und
- eine klare Fragestellung, etwa: „Erkennen wir mit Firmus AI systematisch mehr fachübergreifende Konflikte als mit unserer heutigen manuellen Prüfung?“
2. Bluebeam-Revu-Workflows bewusst strukturieren
Viele Büros nutzen Bluebeam „nebenbei“. Für KI-gestützte Prozesse lohnt sich eine klare Struktur:
- einheitliche Ordnerstrukturen und Benennungen,
- definierte Planstände (z.B. V2, V3, Ausführungsplanung),
- definierte Verantwortlichkeiten für Prüfungen.
Je sauberer der Grundprozess, desto besser greifen KI-Funktionen.
3. Rollen im Team klären
KI ersetzt keine Fachplanung, aber sie verändert Rollen:
- Senior-Planer:innen prüfen künftig stärker die von der KI gefundenen Risiken und treffen Entscheidungen.
- Junioren oder BIM-Koordinator:innen übernehmen die Organisation der Prüfzyklen und die Kommunikation mit den Gewerken.
So wird KI zu einem Qualitätsverstärker, nicht zu einem zusätzlichen Zeitfresser.
4. Ergebnisse dokumentiert in Entscheidungen übersetzen
Die beste KI-Analyse bringt nichts, wenn sie im Projektordner verschwindet. Bauen Sie einen einfachen Standard ein:
- KI-Bericht kommt rein,
- verantwortliche Person bewertet ihn,
- Entscheidungen und Maßnahmen werden direkt im Bluebeam-Studio-Sitzungskontext oder in einem festgelegten Protokoll festgehalten.
Risiken, Grenzen und der richtige Umgang mit KI im Planungsalltag
So hilfreich KI in der Bauplanung ist – sie ist kein Autopilot. Wer das ignoriert, schafft neue Risiken.
Worauf Sie achten sollten:
- Fachliche Verantwortung bleibt immer beim Menschen. Auch wenn Firmus AI eine Problemstelle markiert oder übersieht – haftbar ist das Büro, nicht die Software.
- False Positives & False Negatives: KI wird Fehler finden, die keiner sind, und echte Probleme übersehen. Entscheidend ist, wie Ihr Team damit umgeht.
- Transparenz im Projekt: Kommunizieren Sie offen, dass KI ein Werkzeug ist, das Prüfarbeit unterstützt, aber nicht den „Fachverstand ersetzt“.
Mein Eindruck: Die Büros, die am besten mit KI arbeiten, sehen sie als dritten Kollegen, nicht als Magiebox. Sie lernen, wo die Stärken liegen (Mustererkennung, Wiederholung, Fleißarbeit) – und wo Menschen überlegen bleiben (Kontext, Erfahrung, Kreativität, Baukultur).
Warum diese Entwicklung für die Baustelle 4.0 in Deutschland zentral ist
Die Integration von Firmus AI in Bluebeam Revu ist mehr als nur ein Produkt-Update. Sie zeigt, wohin die deutsche Bau-IT sich bewegt:
- weg von isolierten Speziallösungen,
- hin zu KI-Funktionen direkt in den Standardwerkzeugen der täglichen Arbeit,
- mit klarem Fokus auf Risikominimierung, Transparenz und Zusammenarbeit.
Für die Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ ist das ein wichtiges Puzzleteil: Während andere Beiträge Themen wie Sicherheitsüberwachung, BIM-Integration oder Ressourcenmanagement beleuchten, geht es hier um die Qualität der Grundlagen – der Planung. Wenn diese besser wird, werden viele Probleme auf der Baustelle gar nicht erst sichtbar.
Wer heute beginnt, KI-gestützte Planprüfung in Tools wie Bluebeam Revu zu testen, baut sich einen echten Vorsprung auf: weniger Nachträge, klarere Planstände, stabilere Projekte. Oder anders gesagt: mehr Verlässlichkeit in einer Branche, die sich das dringend wünscht.
Wenn Sie intern über Baustelle 4.0 diskutieren, stellen Sie ruhig eine einfache Frage in den Raum:
„Welche 10 Fehler der letzten Projekte hätten wir mit einer KI-gestützten Planprüfung früher erkannt – und was hätte uns das an Zeit und Geld gespart?“
Die Antworten darauf zeigen sehr schnell, ob es sich lohnt, das Thema 2026 aktiv anzugehen.