Eurobaustoff Forum 2025: Was KI für Baustoffhändler bringt

KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0••By 3L3C

8.750 Besucher, 512 Aussteller, ein zentrales Thema: Wie Eurobaustoff mit KI, Digitalisierung und energetischer Sanierung den Weg zur Baustelle 4.0 ebnet.

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Eurobaustoff Forum 2025: Wie „Zusammen Zukunft Bauen“ in Richtung Baustelle 4.0 zeigt

8.750 Fachbesucher, 512 Aussteller, 33.000 m² Messefläche: Das Eurobaustoff Forum 2025 in Köln war eine Hausmesse im XXL-Format – und ein ziemlich klarer Stimmungsindikator für die deutsche Bau- und Baustoffbranche.

Während an vielen Stellen noch über Auftragsflaute und Margendruck geklagt wird, war in den Kölner Messehallen vor allem eines zu spüren: Aufbruchsstimmung in Richtung Digitalisierung, KI und Baustelle 4.0. Besonders spannend aus Sicht der Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“: der Themenstand „Künstliche Intelligenz & Digitalisierung“ und die vielen Praxisansätze rund um energetische Sanierung, Handelstools und Services.

In diesem Beitrag schauen wir nicht nur auf die Fakten der Messe, sondern vor allem auf die Frage: Was können Baustoffhändler, Bauunternehmen und Handwerksbetriebe aus dem Eurobaustoff Forum 2025 konkret für ihre KI- und Digitalstrategie mitnehmen?


1. Eurobaustoff Forum 2025: Zahlen, Stimmung, Richtung

Das Eurobaustoff Forum hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Plattformen für Baustoff-, Fliesen- und Holzhandel in Deutschland entwickelt. 2025 war da keine Ausnahme – eher ein weiterer Schritt in Richtung Zukunftsagenda.

Die wichtigsten Eckdaten:

  • 8.750 Besucher an zwei Messetagen (09.–10.11.2025)
  • 512 Aussteller aus Baustoff-, Fliesen-, Holz- und Bauchemie-Umfeld
  • 33.000 m² Ausstellungsfläche in der Koelnmesse
  • Eurobaustoff-Gemeinschaft: 438 Gesellschafter mit knapp 1.700 Standorten

Der zentrale Slogan des Forums lautete „Zusammen Zukunft Bauen“ – und der war nicht nur Marketingfloskel. Auf dem fast 2.000 m² großen Eurobaustoff-Stand wurde deutlich, wie konsequent die Kooperation an neuen Dienstleistungsmodellen, digitalen Services und datengetriebenen Konzepten arbeitet.

„Mit unserem Auftritt in Köln ist es uns gelungen zu zeigen, wie wir als leistungsstärkste Gemeinschaft die Zukunft des Handels aktiv gestalten wollen.“ – Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung

Für die Reihe „Baustelle 4.0“ ist das spannend, weil genau hier klar wird: Die Transformation hin zu KI-gestützten Prozessen startet nicht erst auf der Baustelle, sondern im Baustoffhandel – bei Sortiment, Beratung, Logistik und Daten.


2. Digitalisierungscampus: Vom Marketing-Service zur KI-basierten Handelsplattform

Der Eurobaustoff-Stand war bewusst als „Dienstleistungscampus“ aufgebaut. Dort zeigte die Kooperation Services entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Marketing und Kommunikation über Standortkonzepte bis zur Personalentwicklung.

Was heißt das konkret für Baustoffhändler?

Wer heute einen Baustoff-Fachhandel oder ein Bauzentrum führt, kämpft typischerweise mit:

  • steigenden Anforderungen an Beratungstiefe (z.B. energetische Sanierung, Fördermittel, Normen)
  • hohem Aufwand in Sortimentssteuerung und Disposition
  • Fachkräftemangel im Verkauf und in der Logistik
  • wachsendem Druck durch Online-Wettbewerb und DIY-Märkte

Genau an diesen Punkten setzen digitale und KI-basierte Bausteine an, die sich – auch wenn sie auf der Messe nicht alle so benannt wurden – dahinter verstecken können:

  • Datenbasierte Sortimentsoptimierung: Verkaufsdaten, regionale Bautypen, Saisonverläufe – alles sind ideale Futterquellen fĂĽr KI-Modelle, die Bestände, Platzierungen und Aktionssortimente optimieren.
  • KI-gestĂĽtzte Empfehlungssysteme: Aus Produktdaten (z.B. WDVS-Systeme, Dachaufbauten, PV-Komponenten) lassen sich Beratungstools entwickeln, die Verkaufsteams auf Knopfdruck passende Systemlösungen vorschlagen.
  • Automatisierte Marketing-Kampagnen: Personalisierte Newsletter, regionale Kampagnen und objektbezogene Ansprache (z.B. wenn eine energetische Sanierung ansteht) lassen sich mit KI deutlich effizienter spielen.

Ich habe bei Handelsunternehmen immer wieder gesehen: Wer zuerst seine Daten sortiert und in nutzbare Strukturen bringt, ist bei KI-Anwendungen klar im Vorteil. Genau das spiegeln die gezeigten Services am Dienstleistungscampus wider – auch wenn nicht überall „KI“ draufsteht.


3. Energetische Sanierung: KI als Hebel fĂĽr Beratung und Ressourcenplanung

Ein großer inhaltlicher Schwerpunkt auf dem Forum war die energetische Sanierung. Das Team Hochbau, ergänzt um die Bereiche Dach und Fassade, Photovoltaik und Dämmstoffe, zeigte zusammen mit Akademie und Marketing praxisnahe Ansätze für den Handel.

Für Baustoffhändler und Bauunternehmen ist energetische Sanierung das zentrale Wachstumsfeld der nächsten Jahre – getrieben durch:

  • BEG-Förderkulissen und regionale Programme
  • steigende Energiepreise
  • strengere Anforderungen an GebäudehĂĽlle und Anlagentechnik

Wo passt KI hier konkret ins Bild?

1. Objektanalyse und Sanierungsvorschläge
Mit Hilfe von KI-basierten Tools lassen sich Gebäudedaten (Baujahr, Bauweise, Dachform, Fenster, Heizsystem) analysieren und standardisierte Sanierungspfade vorschlagen:

  • Vorschlag von Dämmstärken und Systemen
  • Kombinationsvorschläge mit PV und Speichern
  • Priorisierung nach COâ‚‚-Einsparpotenzial und Amortisation

Solche Tools können im Baustoffhandel am POS, im Außendienst oder im Online-Portal laufen – und stärken die Rolle des Handels als kompetenter technischer Partner.

2. Ressourcen- und Projektplanung
Gerade bei energetischen Sanierungen wird der Engpass oft nicht das Material, sondern die Kapazität im Handwerk. KI-gestützte Planung kann helfen, Auslastung und Materialverfügbarkeit abzugleichen:

  • Prognosen, wann welche Dämmstoffe, Dachziegel oder PV-Komponenten nachgefragt werden
  • Optimierte Belieferung von Baustellen (Tourenplanung, Lagerumschlag)
  • Szenarienplanung: „Was passiert, wenn die Förderung X angepasst wird?“

3. Schulung und Wissenstransfer
Eurobaustoff bindet die eigene Akademie stark ein. In einem nächsten Schritt lassen sich Schulungsinhalte mit KI-gestützten Lernplattformen koppeln:

  • adaptive Lernpfade fĂĽr Verkäufer, die häufige Fehler und WissenslĂĽcken berĂĽcksichtigen
  • Chatbots fĂĽr Produkt- und Normenfragen im Innendienst
  • automatische Auswertung von Wissensständen je Standort

Wer energetische Sanierung nicht nur als Produktgeschäft, sondern als datengetriebenes Servicegeschäft versteht, wird mittel- und langfristig vorne liegen.


4. Themenstand „KI & Digitalisierung“: Wo die Reise im Baustoffhandel hingeht

Auf dem Forum sorgte der Themenstand „Künstliche Intelligenz (KI) & Digitalisierung“ für viel Zulauf. Auch wenn im Messebericht nicht jedes Detail beschrieben wird, lässt sich aus der Gesamtentwicklung gut ableiten, wohin es geht.

Mögliche und sinnvolle KI-Anwendungen für Baustoffhändler

Hier ein Ăśberblick ĂĽber konkrete Einsatzfelder, die sich aus dem, was die Branche diskutiert, logisch ableiten lassen:

  1. Preis- und Konditionsmanagement
    • dynamische Preisempfehlungen je Region, Kundengruppe und Projektgröße
    • frĂĽhzeitige Erkennung von Margenrisiken
  2. Projektbezogene Angebotskonfiguration
    • KI schlägt zu einer Leistungsverzeichnis-Position passende Systemprodukte vor
    • automatische PrĂĽfung auf technische Plausibilität (z.B. Systemzulassungen)
  3. BIM-Integration und Produktdaten
    • VerknĂĽpfung von Eurobaustoff-Produktdaten mit BIM-Modellen von Planern
    • KI unterstĂĽtzt bei der Zuordnung von Produktvarianten zu Bauteilen
  4. Kundenservice und Beratung
    • Chatbots fĂĽr Standardfragen (Ă–ffnungszeiten, VerfĂĽgbarkeit, Basisinfos)
    • KI-Assistenten fĂĽr Verkaufsteams mit schnellen Hintergrundinfos zu Normen, Zulassungen und Verarbeitung
  5. Sicherheits- und ProzessĂĽberwachung auf der Baustelle
    • Auswertung von Kamera- oder Sensordaten (z.B. Helmtragpflicht, Zutrittskontrolle, Materialumschlag)
    • Verbindung von Baustellen-Apps mit Händlerlogistik, um Engpässe zu vermeiden

Die Realität ist: Viele dieser Technologien sind heute schon marktreif. Der Engpass liegt eher bei Datenqualität, Prozessen und Mut zur Umsetzung.

Eurobaustoff positioniert sich mit dem Themenstand klar als Multiplikator. FĂĽr Gesellschafter bedeutet das: Die EinstiegshĂĽrde sinkt, weil nicht jeder alles allein entwickeln muss.


5. Nachwuchs, Azubi-Award und KI-Kompetenz: Warum der Mensch im Mittelpunkt bleibt

Rund 260 Auszubildende der Gesellschafterhäuser waren im Rahmen der Azubi-Sternfahrt auf dem Forum unterwegs. Sie nahmen an einer Messe-Rallye teil, konnten Stände erkunden und wurden mit dem Azubi-Award sichtbar gewürdigt.

Das ist mehr als nur hĂĽbsches Rahmenprogramm. FĂĽr eine wirklich funktionierende Baustelle 4.0 braucht es drei Dinge:

  1. Digitale Infrastruktur und Datenbasis
  2. Geeignete KI- und Softwarelösungen
  3. Menschen, die diese Werkzeuge verstehen und nutzen wollen

Gerade der dritte Punkt wird oft unterschätzt. Wenn junge Menschen bereits während der Ausbildung mit Themen wie Digitalisierung, KI, BIM und datenbasierter Logistik in Berührung kommen, sinkt später der Widerstand gegen neue Tools drastisch.

FĂĽr Unternehmen heiĂźt das ganz konkret:

  • Nehmen Sie Azubis und junge Fachkräfte aktiv mit in Digitalprojekte.
  • Nutzen Sie Formate wie Azubi-Rallyes, interne Hackathons oder Projektwochen.
  • Verankern Sie KI- und Softwarekompetenz als Lernziel – nicht als freiwillige Zusatzoption.

Ich habe erlebt, dass gerade Auszubildende oft die treibende Kraft sind, wenn es darum geht, neue Systeme im Alltag wirklich zu nutzen.


6. Wirtschaftliche Lage und Ausblick: Warum jetzt der richtige Zeitpunkt fĂĽr KI ist

Auf dem Forum gab die Geschäftsführung Einblick in die Geschäftsentwicklung: Nach einem schwachen August zog die Nachfrage im September und besonders im Oktober deutlich an. Zum 31.10.2025 lag Eurobaustoff rund 2 % über dem Vorjahr. Im Einzelhandel zeigte sich dagegen ein leichtes Minus – man hängt am schwierigen DIY-Marktumfeld.

Was heiĂźt das fĂĽr die Digital- und KI-Strategie?

  • GroĂźhandel und Profisegment bleiben stabil bis wachsend – hier lohnt sich Investition in Prozessoptimierung, digitale Services und KI-gestĂĽtzte Angebote.
  • Einzelhandel / Baumarkt steht stärker unter Preisdruck – hier werden effiziente Prozesse, Online-VerfĂĽgbarkeit, Click-&-Collect und datenbasiertes Category Management zur Ăśberlebensfrage.

Eurobaustoff hat bereits den nächsten Schritt angekündigt: Am 08. und 09.11.2026 folgt in Köln eine Leistungspräsentation speziell für Einzelhandel, Prima Handelsmarke und Marketing für Baumarkt, Gartencenter und Fachmarkt. 2027 soll das große Forum erneut starten.

Wer sich jetzt mit KI und Digitalisierung beschäftigt, kann diese Meilensteine gezielt nutzen:

  • 2025/2026: Pilotprojekte starten, erste KI-Use-Cases testen (Preise, Sortimente, Kundenservice)
  • 2026 Messe: Erfahrungen austauschen, Lösungen skalieren, neue Tools auswählen
  • ab 2027: Roll-out auf mehrere Standorte, VerknĂĽpfung mit BIM, Baustellen-Apps, Logistik

Die Botschaft zwischen den Zeilen: Warten ist riskanter als anfangen.


Fazit: Was Sie konkret aus dem Eurobaustoff Forum 2025 mitnehmen sollten

Das Eurobaustoff Forum 2025 war mehr als eine klassische Hausmesse. Es war eine Lehrstunde darin, wie sich der Baustoffhandel aktuell in Richtung Baustelle 4.0 bewegt – mit klarer Betonung auf Gemeinschaft, Services und datengetriebene Prozesse.

Die wichtigsten Punkte fĂĽr Ihre eigene Agenda:

  • „Zusammen Zukunft Bauen“ ist kein Slogan, sondern eine Strategie. Kooperationen, geteilte Datenmodelle und gemeinsame Plattformen beschleunigen den KI-Einsatz massiv.
  • Energetische Sanierung ist das Feld, auf dem KI im Baustoffhandel sofort Wirkung entfalten kann – von objektbezogener Beratung bis zur Ressourcenplanung.
  • Der Themenstand „KI & Digitalisierung“ zeigt: KI ist im Handel angekommen. Jetzt geht es darum, konkrete Use-Cases auszuwählen und pragmatisch umzusetzen.
  • Nachwuchsförderung ist ein Kernbaustein der Baustelle 4.0. Wer Azubis frĂĽh mit KI und Digitaltools vertraut macht, beschleunigt jede Transformation.

Wenn Sie als Baustoffhändler, Bauunternehmen oder Fachhandwerksbetrieb in den nächsten 12–24 Monaten konkurrenzfähig bleiben wollen, führt an einer klaren KI- und Digitalroadmap kein Weg vorbei. Das Eurobaustoff Forum 2025 liefert dafür den Beleg – und eine Menge Inspiration.

Die Frage ist weniger, ob KI in Ihrem Unternehmen Einzug hält, sondern wer sie zuerst sinnvoll nutzt: Sie – oder Ihre Wettbewerber.