ALLPLAN und Dietrich’s verknüpfen BIM und Holzbau zu einem durchgängigen digitalen Workflow – ein entscheidender Schritt Richtung serieller, nachhaltiger Baustelle 4.0.
Digitaler Holzbau: Wie ALLPLAN & Dietrich’s Tempo machen
Die meisten Bauunternehmen wollen seriell, nachhaltig und trotzdem rentabel bauen – scheitern aber an Medienbrüchen, Inselsoftware und Abstimmungschaos. Gerade im Holzbau ist das fatal: kurze Taktzeiten in der Vorfertigung treffen hier auf komplexe Planung und hohe Präzisionsanforderungen.
Die neue strategische Partnerschaft von ALLPLAN und Dietrich’s zeigt sehr klar, wohin die Reise geht: durchgängig digitale Workflows, BIM als gemeinsame Sprache und ein klarer Fokus auf industriellen Holzbau. Für alle, die sich mit Baustelle 4.0, BIM-Integration und KI im Bauwesen beschäftigen, ist das ein spannender Baustein – auch für den österreichischen Markt, in dem Holzbau traditionell stark verankert ist.
In diesem Beitrag aus der Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ schauen wir uns an, was hinter der Kooperation steckt, wie der Workflow konkret aussieht und wo hier das Potenzial für datengetriebene und KI-unterstützte Prozesse im Holzbau liegt.
1. Warum der Holzbau jetzt eine digitale Plattform braucht
Holzbau boomt. In einigen Bundesländern liegt der Anteil von Holz bei Neubauten im Wohnbau bereits bei rund 20–25 %. Gleichzeitig kämpft die Branche mit drei Dauerproblemen:
- Wohnungsnot und Kostendruck: schneller und günstiger bauen bei gleichbleibender Qualität.
- Fachkräftemangel: weniger Personal muss mehr Projekte in kürzerer Zeit abwickeln.
- Nachhaltigkeit: CO₂-Emissionen senken, nachwachsende Rohstoffe nutzen, Ressourcen schonen.
Serieller Holzbau – von der Hybridbauweise bis zum modularen Geschosswohnungsbau – ist dafür ein logischer Ansatz. Aber nur dann, wenn Planung, Statik, Fertigung und Montage digital verzahnt sind. Sonst entstehen statt Produktivität nur Mehrarbeit und Konflikte auf der Baustelle.
Genau an dieser Stelle setzt die Partnerschaft von ALLPLAN (BIM-Plattform für Architektur, Tragwerksplanung und Infrastruktur) und Dietrich’s (Spezialist für computergestützte Holzbaukonstruktionen) an.
Der Kern der Kooperation: ein durchgängiger Workflow vom Entwurf über die Werkplanung bis in die CNC-Fertigung – inklusive Kollaboration in der Cloud.
Für Bauunternehmen, Holzbaubetriebe und Planungsbüros ist das mehr als ein „Software-Feature“. Es ist eine Voraussetzung, um überhaupt seriell und industriell mit Holz arbeiten zu können.
2. Der gemeinsame Workflow: Vom BIM-Modell in die Fertigung
Die Integration von ALLPLAN und Dietrich’s zielt auf einen klar strukturierten File-to-Factory-Prozess. Vereinfacht läuft das so:
2.1 BIM-Entwurf in ALLPLAN
Architekt:innen und Tragwerksplaner:innen erstellen in ALLPLAN ein vollständiges BIM-Gebäudemodell – inklusive städtebaulichem Kontext, Geschossstruktur, Wand-, Decken- und Dachaufbau.
- Geometrie, Bauteile, Lastabtrag und Materialaufbauten liegen sauber strukturiert vor.
- Relevante Informationen für Nachhaltigkeit und Kosten (Bauteilkataloge, Mengen) können früh eingebunden werden.
Der Vorteil: Holzbau ist kein Sonderfall, sondern integraler Bestandteil eines offenen BIM-Modells.
2.2 Übergabe an Dietrich’s für Holzbaukonstruktion
Die Holzelemente (Wände, Decken, Dächer) werden anschließend an Dietrich’s übergeben. Dort passiert der holzbauspezifische Teil:
- Statische Berechnung der Holzbauteile
- Detaillierung von Anschlüssen, Ausklinkungen, Verbindungsmitteln
- Fertigungsplanung bis hin zur CNC-Ansteuerung für Abbund- und Fertigungslinien
Dietrich’s arbeitet dabei modellbasiert und hochautomatisiert. Das heißt: Wiederkehrende Konstruktionsregeln lassen sich als Vorlagen nutzen – eine wichtige Basis für serielles Bauen mit Holz.
2.3 Kollaboration über BIM-Server und Cloud
Die Koordination der Werkplanung erfolgt über die Kollaborationsplattform Bimplus:
- Alle Fachmodelle (Holzkonstruktion, TGA, Tragwerk, Architektur) werden dort zusammengeführt.
- Kollisionen und Konflikte können früh identifiziert und gelöst werden.
- Änderungen laufen nachvollziehbar und zentral, statt per Mail-Anhang im CC-Chaos zu enden.
Anwendende von Dietrich’s profitieren zusätzlich von einem leistungsstarken BIM-Viewer für IFC-Modelle. So lassen sich Modelle im Browser prüfen, kommentieren und abstimmen – ein klarer Schritt in Richtung Baustelle 4.0.
2.4 Von der Werkplanung in die Vorfertigung
Ist das Modell abgestimmt, geht es in die Vorfertigung:
- CNC-Maschinen erhalten ihre Daten direkt aus dem Dietrich’s-Modell.
- Fehleranfällige manuelle Übertragungen entfallen.
- Taktzeiten in der Produktion werden stabiler und kürzer.
Die Realität ist: Wer diesen digitalen Faden abreißen lässt – etwa durch 2D-Zwischenpläne oder Inselsoftware – zahlt später mit Nacharbeit, Verzögerungen und Mehrkosten.
3. Effizienz, Kosten, Nachhaltigkeit: Was Betriebe konkret gewinnen
Die Kooperation von ALLPLAN und Dietrich’s ist kein PR-Thema, sondern knallhart wirtschaftlich relevant. Drei Punkte stechen hervor.
3.1 Höhere Planungseffizienz und weniger Fehler
Ein durchgängiger BIM-Workflow reduziert:
- Doppelte Dateneingaben (z.B. Geometrie mehrfach aufbauen)
- Informationsverluste zwischen Architektur, Statik und Fertigung
- Kollisionsrisiken auf der Baustelle
Planungsbüros und Holzbauunternehmen können mehr Projekte mit gleicher Mannschaft abwickeln. Gerade im deutschsprachigen Raum, wo Fachkräfte fehlen und gleichzeitig staatliche Wohnbauziele hoch sind, ist das ein echter Hebel.
3.2 Besser kalkulierbare Kosten im seriellen Bauen
Serielles Bauen mit Holz lebt von Wiederholung und Standardisierung. Eine integrierte digitale Plattform sorgt dafür, dass:
- Stücklisten und Mengen früh und verlässlich aus dem Modell kommen.
- Varianten schnell bewertet werden können (Material, Statik, Kosten).
- Risikoaufschläge sinken, weil Planungsunsicherheiten abnehmen.
Wer seriell plant, aber analog kalkuliert, verspielt einen Großteil des Potenzials. Hier spielt die Kombination aus BIM in ALLPLAN und holzbauspezifischen Routinen in Dietrich’s ihre Stärken aus.
3.3 Nachhaltigkeit messbar machen
Nachhaltiges Bauen braucht Daten, keine Bauchgefühle. Im BIM-Modell können beispielsweise hinterlegt werden:
- Materialkennwerte für CO₂-Bilanzen
- Informationen zur Demontagefähigkeit
- Lebenszyklusdaten von Bauteilen
Mit einem sauberen digitalen Modell wird Holzbau nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch gegenüber Förderstellen, Bauherren und Banken belegbar nachhaltig. Genau das fordern immer mehr Programme im Bereich Klimaschutz und ESG.
4. Rolle von KI und „Baustelle 4.0“ im digitalen Holzbau
Wo passt in diesem Setup Künstliche Intelligenz hinein? Die Antwort: in fast jeder Phase – vorausgesetzt, die Datenbasis stimmt. Und genau diese Basis schaffen ALLPLAN und Dietrich’s gemeinsam.
4.1 KI-Anwendungen auf Basis von BIM-Daten
Sobald Planungs- und Fertigungsinformationen strukturiert im BIM-Modell liegen, werden KI-Anwendungen spannend:
- Automatisierte Variantenvergleiche: KI bewertet Holzbauvarianten hinsichtlich Kosten, CO₂, Bauzeit.
- Optimierte Belegung und Zuschnitt: Algorithmen reduzieren Verschnitt in der Fertigung.
- Clash Detection mit KI-Unterstützung: Konflikte im Modell werden priorisiert und nach Relevanz geordnet.
- Qualitätssicherung: KI prüft, ob Konstruktionsregeln, Normen oder Holzbau-Richtlinien eingehalten wurden.
Ohne saubere, standardisierte Daten ist all das kaum möglich. Mit einem integrierten BIM-Holzbau-Workflow hingegen wird es realistischer, solche Anwendungen Schritt für Schritt im Betrieb zu etablieren.
4.2 Digitale Baustelle im Holzbau – was sich ändert
Für Unternehmen, die Richtung Baustelle 4.0 gehen wollen, ergeben sich im Holzbau konkrete Veränderungen:
- Weniger Improvisation auf der Baustelle, mehr Taktplanung dank präziser Vorfertigung.
- Digitale Montageanweisungen auf Tablets, basierend auf dem 3D-Modell.
- Bessere Sicherheitsplanung, weil Abläufe, Lasten und Kranpositionen modellbasiert geplant werden können.
Ich habe in Projekten immer wieder gesehen: Wer früh in BIM investiert, kann später deutlich einfacher KI-Tools für Bauablauf-Optimierung, Terminprognosen oder Ressourcenplanung einsetzen. Genau diese Entwicklung adressiert unsere Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ – und der Holzbau ist ein ideales Testfeld dafür.
5. Was Bauunternehmen und Planer jetzt konkret tun sollten
Wer vom digitalen Holzbau profitieren will, sollte das Thema strategisch angehen – nicht als „wir probieren mal eine neue Software aus“-Projekt.
5.1 Klare Zielbilder definieren
Fragen, die Sie im Team beantworten sollten:
- Wollen wir serielle Holzbauprojekte in größerem Umfang abwickeln?
- Welche Teile des Prozesses sollen automatisiert werden (z.B. Zuschnitt, Elementierung)?
- Welche Daten brauchen wir dafür in welcher Qualität?
Ohne Zielbild verkommt jede BIM- oder KI-Initiative zum Tool-Test.
5.2 Prozesse vor Software klären
Bevor Sie ALLPLAN, Dietrich’s oder andere BIM-Lösungen einführen oder ausbauen:
- Definieren Sie Standarddetails und Bauteilkataloge für den Holzbau.
- Legen Sie fest, wer im Projekt für welche Informationen verantwortlich ist.
- Halten Sie einen klaren BIM-Abwicklungsplan (BAP) fest – auch in kleineren Projekten.
5.3 Schrittweise Digitalisierung der Holzbau-Workflows
Ein pragmatischer Einstieg kann so aussehen:
- Erste Projekte mit BIM-Modell in ALLPLAN planen, inklusive Holzelementen.
- Für ausgewählte Bauteile mit Dietrich’s in die detaillierte Holzbaukonstruktion einsteigen.
- Kollaboration über eine Cloud-Plattform etablieren, um E-Mail-Overkill zu reduzieren.
- Nach einigen Projekten auswerten: Wo entstehen Mehrwerte, wo bremsen interne Prozesse noch?
Wer so vorgeht, sammelt reale Projekterfahrung und baut Stück für Stück den digitalen Faden, der später für KI-gestützte Analysen und Optimierungen genutzt werden kann.
Fazit: Digitaler Holzbau ist der Türöffner zur Baustelle 4.0
Die Partnerschaft von ALLPLAN und Dietrich’s ist mehr als eine technische Integration. Sie zeigt, wie Holzbau, BIM und industrielle Vorfertigung zusammenwachsen – und wie dadurch der Weg Richtung Baustelle 4.0 konkret aussieht.
Für Bauunternehmen, Holzbaubetriebe und Planungsbüros in Deutschland und Österreich ergibt sich daraus eine Chance: Wer jetzt in durchgängige, BIM-basierte Holzbauprozesse investiert, schafft die Grundlage für KI-unterstützte Planung, verlässliche Kostensteuerung und echte Nachhaltigkeit im Projekt.
Die spannende Frage für die nächsten Jahre lautet: Welche Betriebe nutzen diese Basis, um datengetriebene Entscheidungen zu treffen – und welche bleiben im analogen Projektmodus stecken? Wer beim seriellen Holzbau vorne mitspielen will, sollte diese Frage nicht auf 2026 verschieben.