Digitale Infrastruktur planen: Was Sie von ALLPLAN lernen können

KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0By 3L3C

Internationale Best Practices zeigen, wie digitale Infrastrukturplanung, BIM und KI zusammenwirken. So übertragen Sie die ALLPLAN-Erkenntnisse auf Ihre Baustelle 4.0.

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Digitale Infrastruktur planen: Was Sie von ALLPLAN lernen können

Die meisten Bauunternehmen reden über BIM und KI – aber nur wenige setzen digitale Methoden im Infrastrukturbau so konsequent ein, dass Termine, Kosten und Qualität wirklich profitieren. Genau hier wird es spannend: Wenn internationale Büros ihre Projekte offenlegen, sieht man sehr schnell, was in der Praxis funktioniert – und was nicht.

Die Build the Future – Infrastructure Digital Conference 2025 von ALLPLAN liefert dafür ein ziemlich starkes Schaufenster. Am 03.06.2025 zeigen Ingenieurbüros aus der Türkei, China, Polen, Deutschland und der Schweiz, wie sie digitale Planung, BIM und automatisierte Workflows im Infrastrukturbau konkret nutzen. Für alle, die an „Baustelle 4.0" und KI in der Bauindustrie arbeiten – insbesondere in Deutschland und Österreich – ist das eine Steilvorlage.

In diesem Beitrag aus unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0" geht es darum, wie Sie die gezeigten Best Practices strategisch nutzen können: für effizientere Infrastrukturplanung, robustere BIM-Prozesse und den Weg hin zu wirklich digitalen Baustellen.


Warum digitale Infrastrukturplanung jetzt zur Überlebensfrage wird

Digitale Infrastrukturplanung im Sinne von BIM, Automatisierung und KI entscheidet inzwischen über Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute Brücken, Straßen, Bahntrassen oder Tunnel noch überwiegend 2D und ohne durchgängiges Datenmodell plant, verliert Zeit, Marge und Fachkräfte.

Drei Entwicklungen drücken massiv auf die Branche:

  • Investitionsdruck: Infrastrukturprogramme in Deutschland und Österreich verlangen schnellere Planung und zuverlässige Kostenprognosen.
  • Fachkräftemangel: Komplexe Projekte mit weniger Personal gehen nur mit digitalen Workflows, die Routinearbeiten reduzieren.
  • Nachhaltigkeit & Regulierung: CO₂-Bilanzen, Lebenszyklusbetrachtungen und Dokumentationspflichten lassen sich ohne BIM kaum sauber abbilden.

Hier zeigt die ALLPLAN-Konferenz sehr deutlich: Digitale Tools sind kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung, um Infrastrukturprojekte in der geforderten Qualität und Geschwindigkeit zu stemmen. Und: Viele der dort vorgestellten Ansätze sind direkt auf den deutschsprachigen Markt übertragbar – auch wenn die Projekte in Rumänien, China oder Polen stehen.


Was die ALLPLAN-Konferenz besonders interessant macht

Die „Build the Future – Infrastructure Digital Conference 2025" ist nicht einfach eine Produktshow. Spannend ist vor allem, wie konkret die Ingenieurbüros ihre Projekte und Workflows zeigen. Sieben Vorträge reichen von Straßenbau über Brücken- und Bahnplanung bis hin zu komplexen innerstädtischen Umbauten.

Der rote Faden: integrierte BIM-Modelle, automatisierte Abläufe und digitale Zusammenarbeit. Genau das, was Unternehmen auf dem Weg zur Baustelle 4.0 brauchen.

Typische Fragen, die in den Sessions beantwortet werden

Wenn Sie in einem Planungsbüro oder Bauunternehmen arbeiten, werden Sie sich vermutlich mit diesen Fragen beschäftigen:

  • Wie lässt sich ein komplettes Infrastrukturprojekt durchgängig modellbasiert abwickeln?
  • Wie organisiere ich Bewehrung, Tragwerksplanung und Massenermittlung in einem konsistenten Datenmodell?
  • Wo lohnt sich parametrisches Modellieren wirklich – und wie hoch ist der Einführungsaufwand?
  • Wie kann ich meine bestehenden Workflows mit BIM und KI verbinden, ohne alles neu aufzusetzen?

Die Beispiele aus der Konferenz liefern genau dazu Antworten – teils sehr technisch, aber mit klaren Konsequenzen für Projektorganisation, Kostenkontrolle und Risikomanagement.


Internationale Best Practices: 5 Beispiele, die auch für DACH relevant sind

1. Straßenbauprojekt in Rumänien: Prozessoptimierung statt nur 3D-Bilder

Das türkische Unternehmen Makyol Construction zeigt ein technisch anspruchsvolles Straßenbauprojekt in Rumänien. Kernbotschaft: Ein BIM-Modell ist nicht nur für Visualisierung da – es steuert den gesamten Ablauf.

Was hier passiert:

  • Trassierung, Kunstbauten und Erdbewegungen werden konsistent im Modell geführt.
  • Varianten können schnell durchgerechnet und visuell bewertet werden.
  • Schnittstellen zwischen Planung, Ausführung und Bauüberwachung werden über das Modell geklärt.

Für Bauunternehmen in Deutschland und Österreich bedeutet das: Wer Straßenbauprojekte mit BIM plant, kann Nachträge reduzieren, weil Mengen, Kollisionen und Bauphasen früher klar sind. In Verbindung mit KI-gestützten Termin- oder Risikoanalysen entsteht ein deutlich robusterer Projektplan.

2. Fachwerkbogenbrücke in China: Detailierung und Bewehrung im BIM-Modell

Die Guizhou Transportation Planning Survey & Design Academe zeigt eine Fachwerkbogenbrücke mit komplexer Geometrie. Spannend ist hier vor allem, wie weit die Detailierung und Bewehrungsplanung direkt im BIM-Modell umgesetzt wird.

Konsequenz: Statt Bewehrungspläne „nebenher" aus der Statik zu entwickeln, werden Bewehrung, Geometrie und Statik durchgängig digital abgeglichen. Das verringert Fehlerquellen und erleichtert spätere Anpassungen – ein klarer Vorteil bei Nachweisen, Prüfstatik und Qualitätssicherung.

Gerade im deutschsprachigen Raum, wo Nachweissicherheit und Dokumentation einen hohen Stellenwert haben, ist das ein entscheidender Hebel. Wer hier zusätzlich KI-gestützte Plausibilitätsprüfungen einbindet, minimiert Planungsfehler weiter.

3. Hochgeschwindigkeits-Bahnprojekt in Polen: Parametrik & Visual Scripting

Das polnische Büro BPK Mosty Ltd. geht einen Schritt weiter: Dort wird im Hochgeschwindigkeits-Bahnprojekt Visual Scripting mit PythonParts eingesetzt. Bedeutet konkret:

  • Wiederkehrende Elemente wie Stützen, Widerlager oder Ausrüstungsteile werden parametrisch definiert.
  • Änderungen (z. B. an Gleisgeometrie oder Lichtraumprofilen) lassen sich über Parameter durch das gesamte Modell propagieren.
  • Aufwändige manuelle Anpassungen entfallen, Fehlerquellen werden reduziert.

Das ist genau die Denke, die man für Baustelle 4.0 braucht: Standardisieren, was sich standardisieren lässt – und komplexe Sonderlösungen digital beherrschbar machen. KI kann hier zusätzlich unterstützen, etwa indem sie optimierte Parameterkombinationen (z. B. für Materialeinsatz oder Bauzeiten) vorschlägt.

4. Vorgespannten Fertigteilbrücke in Deutschland: Softwarevergleich in der Praxis

Die Harrer Ingenieure GmbH präsentiert eine vorgespannte Fertigteilbrücke in Deutschland und vergleicht dabei Berechnungsergebnisse verschiedener Softwarelösungen. Das ist für viele Büros ein sensibles Thema, aber enorm wichtig.

Kernaspekte:

  • Wie gut lassen sich Statik, Bewehrungsplanung und BIM-Modell ineinander verzahnen?
  • Wo entstehen Redundanzen oder Medienbrüche im Planungsprozess?
  • Welche Softwarelandschaft ist für welche Bürogröße wirtschaftlich sinnvoll?

Wer in Deutschland über Digitalisierung und KI im Bauwesen spricht, kommt an dieser Frage nicht vorbei: Es geht nicht darum, „noch ein Tool" einzuführen, sondern eine robuste Systemlandschaft zu bauen. KI-Workflows können nur dann Mehrwert bringen, wenn die zugrundeliegenden Datenmodelle sauber und konsistent sind.

5. Wallisellenstrasse in Zürich: Der lebende Laborversuch für urbane Infrastruktur

Das Projekt der Hans H. Moser AG in Zürich – die Wallisellenstrasse mit rund 11.000 m² Projektfläche – ist ein Paradebeispiel für komplexe innerstädtische Infrastruktur:

  • Straßenumbau unter laufendem Verkehr
  • Barrierefreier Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs
  • Komplexe Grundwasser- und Leitungsumbauten

Solche Projekte sind prädestiniert für BIM-gestützte Bauablaufplanung, Simulation von Verkehrsphasen und digitales Leitungsmanagement. Wer das konsequent mit KI-gestützter Kollisionsprüfung, Terminprognosen und Sicherheitsanalysen kombiniert, reduziert Störungen für Anwohner, Betreiber und Verkehrsteilnehmer spürbar.


Was Bauunternehmen und Planer konkret daraus machen können

Der Nutzen solcher Best-Practice-Beispiele steigt massiv, wenn Sie sie nicht nur konsumieren, sondern in eine klare Digitalisierungsstrategie für Ihr Unternehmen übersetzen.

1. Digitalisierungsfahrplan statt Tool-Sammlung

Ein häufiger Fehler: Man kauft Software, ohne den Planungsprozess neu zu denken. Besser funktioniert:

  1. Ist-Analyse: Welche Schritte von Projektakquise bis Abrechnung sind heute analog, redundant oder fehleranfällig?
  2. Zielbild: Wo wollen Sie in 3 Jahren stehen? Z. B. 80 % der Infrastrukturprojekte mit BIM, automatisierte Mengenermittlung, digitale Bauakten.
  3. Pilotprojekte: Kleine, gut abgrenzbare Projekte auswählen und dort gezielt BIM, Parametrik oder KI-Workflows testen.
  4. Skalierung: Erfolgreiche Ansätze standardisieren und in Unternehmensprozesse (QM, Schulungen, Vorlagen) überführen.

2. KI und BIM sinnvoll kombinieren

Der Begriff KI in der Bauindustrie ist schnell gesagt, der Nutzen steht und fällt aber mit der Integration in bestehende Workflows. Typische, kurzfristig realistische Einsatzfelder:

  • Automatisierte Kollisions- und Plausibilitätsprüfungen in BIM-Modellen
  • Prognosen für Bauzeiten und Kostenentwicklungen auf Basis von Erfahrungswerten
  • Dokumenten- und Protokollanalyse, z. B. für Mängelmanagement und Nachtragsargumentation

Die Konferenzbeispiele zeigen: Erst kommt das saubere digitale Modell, dann lohnt sich KI. Wer versucht, KI auf schlechte Daten zu setzen, bekommt nur schneller schlechte Ergebnisse.

3. Kompetenzen im Team gezielt aufbauen

Digitale Infrastrukturplanung ist kein Thema, das man „der IT" überlassen kann. Erfolgreiche Büros haben meistens drei Rollen gut besetzt:

  • Fachplaner:innen mit BIM-Erfahrung, die Modelle nicht nur „schön", sondern technisch korrekt aufbauen.
  • BIM-/Digitalisierungskoordinator:innen, die Standards, Datenstrukturen und Workflows definieren.
  • Power User für Parametrik, Skripting und später KI-Integrationen.

Für den deutschsprachigen Markt, insbesondere für kleinere und mittlere Büros, kann es sinnvoll sein, mit externem Consulting zu starten und parallel interne „Champions" aufzubauen.


Wie diese Best Practices in die Serie „Baustelle 4.0" passen

In unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0" geht es immer wieder um dieselben Fragen:

  • Wie bringe ich Daten, Menschen und Maschinen auf der Baustelle zusammen?
  • Wo bringt KI echten Mehrwert – und wo ist sie nur Buzzword?
  • Wie schaffe ich es, Digitalisierung nicht als einmaliges Projekt, sondern als dauerhaften Verbesserungsprozess zu sehen?

Die ALLPLAN-Konferenz liefert dazu praktische Antworten aus der Perspektive der Infrastrukturplanung. Auf der Baustelle 4.0 hängt alles an einem belastbaren, digitalen Abbild des Projekts. Erst darauf können Sie KI, Sensorik, Echtzeitüberwachung und automatisierte Auswertungen sinnvoll aufsetzen.

Die gezeigten Projekte beweisen: Die Technologie ist längst da. Die Frage ist nur, welche Unternehmen sie zuerst konsequent nutzen – und damit im Wettbewerb die Nase vorn haben.


Fazit: Jetzt vom Wissen der anderen profitieren

Wer Infrastrukturprojekte plant oder baut, steht vor einem klaren Wendepunkt: Digitale Planung, BIM und KI werden zum Standard. Die Build the Future – Infrastructure Digital Conference 2025 zeigt sehr anschaulich, wie unterschiedlichste Büros diesen Schritt bereits gegangen sind – von der parametrischen Bahnplanung bis zur voll durchmodellierten Stadtstraße.

Mein Rat: Nutzen Sie solche Formate, um konkrete Ideen für Ihr eigenes Unternehmen abzuleiten. Identifizieren Sie 2–3 Ansatzpunkte, die Sie in den nächsten 6–12 Monaten umsetzen wollen – sei es ein BIM-Pilotprojekt, der Einstieg in parametrische Brückenmodelle oder ein KI-gestützter Prüfprozess.

Wer heute anfängt, Erfahrungen zu sammeln, wird in wenigen Jahren eine eingespielte, digitale Projektkultur haben. Und genau diese Unternehmen werden bestimmen, wie Infrastruktur und Baustelle 4.0 im deutschsprachigen Raum tatsächlich aussehen.

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