digitalBAU 2024: Wie Allplan KI auf die Baustelle bringt

KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0By 3L3C

Allplan zeigt auf der digitalBAU 2024, wie Design-to-Build, KI, Metaverse und Punktwolken Baustelle 4.0 konkret machen – und was Bauunternehmen jetzt tun sollten.

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Warum digitalBAU 2024 für Bauunternehmen ein Weckruf ist

Die Zahl ist deutlich: Laut verschiedenen Branchenumfragen arbeiten in Deutschland noch immer über 60 % der Bauunternehmen überwiegend mit 2D-Plänen und Excel-Listen. Gleichzeitig steigen Termin- und Kostendruck, Fachkräftemangel und Nachhaltigkeitsanforderungen. Wer heute noch so plant wie 2010, hat 2030 ein echtes Problem.

Genau hier setzt die digitalBAU 2024 in Köln an – und Allplan nutzt die Messe sehr klar, um zu zeigen, wie Design-to-Build, BIM und Künstliche Intelligenz zusammenwachsen. Für alle, die sich mit Baustelle 4.0 beschäftigen, ist der Auftritt von Allplan ein ziemlich guter Gradmesser: Wo steht die Technologie, was ist heute schon praktikabel – und was noch Zukunftsmusik?

In dieser Ausgabe unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ schauen wir uns an, wie Allplan auf der digitalBAU 2024 KI, Metaverse, Punktwolken und BIM-Schulung kombiniert – und was davon für Bauunternehmen, Planungsbüros und Fertigteilwerke in Deutschland und Österreich heute konkret nutzbar ist.


Design-to-Build: Vom Entwurf bis zur Baustelle durchgängig denken

Das Kernversprechen von Allplan auf der digitalBAU 2024 ist klar: ein durchgängiger Design-to-Build-Prozess. Also keine Insel-Lösungen mehr zwischen Architektur, Tragwerksplanung, Fertigteilwerk und Bauunternehmen, sondern ein gemeinsames digitales Modell.

Was heißt „Design-to-Build“ in der Praxis?

Design-to-Build heißt: Das gleiche BIM-Modell begleitet das Projekt

  • vom ersten Entwurf,
  • über Kostenschätzung und Ausschreibung,
  • bis zur Ausführungsplanung auf der Baustelle
  • und in die Fertigteilplanung hinein.

Allplan 2024 zielt genau auf diese Durchgängigkeit. Typische Brüche im Prozess – etwa wenn die Kalkulation in eigenen Tools läuft oder das Fertigteilwerk mit anderen Datenstrukturen arbeitet – werden reduziert. Für Baustelle 4.0 ist das die Basis: KI kann nur dort sinnvoll ansetzen, wo Daten konsistent und strukturiert sind.

Drei Bausteine, die direkt Mehrwert bringen

Am Messestand zeigt Allplan unter anderem Workflows, die gerade für deutschsprachige Unternehmen spannend sind:

  1. Design2Cost – Baukostenmanagement direkt aus dem Modell

    • Mengen kommen modellbasiert aus Allplan.
    • Änderungen im Entwurf schlagen sich unmittelbar in den Kosten nieder.
    • Der Effekt: weniger „Überraschungen“ in der Ausführung, belastbarere Angebote.
  2. Energieeffizientes Planen mit AX3000

    • Gebäudemodell und energetische Berechnung hängen direkt zusammen.
    • Änderungen an Geometrie, Bauteilen oder Fenstern lassen sich in Szenarien durchspielen.
    • Gerade mit Blick auf GEG, ESG und EU-Taxonomie ist das kein Nice-to-have mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor.
  3. BIM Easy – Standardisierung im Büro

    • Vorkonfigurierte BIM-Standards, Vorlagen und Content.
    • Ideal für Büros und Unternehmen, die nicht bei Null starten wollen.
    • Spart Monate interner Abstimmung und reduziert Fehler durch unterschiedliche Arbeitsweisen.

Wer KI im Bau sinnvoll nutzen will, muss zuerst seine Datenqualität in den Griff bekommen. Genau dafür ist dieser Design-to-Build-Ansatz entscheidend: saubere, einheitliche Modelle statt Planfriedhof.


KI in der Baupraxis: Innovation-Talks als Blick in die Zukunft

Die spannendsten Signale für Baustelle 4.0 kommen auf der digitalBAU 2024 von den Innovation-Talks, die Allplan gemeinsam mit verschiedenen Partnern organisiert. Drei Themen stechen heraus: Ökobilanzierung mit KI, Metaverse in der Zusammenarbeit und KI-gestützte Modellierung aus Punktwolken.

1. KI-basierte Ökobilanzierung: Welche Immobilie lohnt sich wirklich?

Der erste Talk dreht sich um eine sehr praktische Frage für Projektentwickler, Bestandshalter und Wohnungsunternehmen:

Welche Immobilien haben das größte Sanierungspotenzial – und welche Maßnahmen bringen den größten Nutzen?

Das KI-Startup elevait arbeitet mit Allplan an Lösungen, die genau hier ansetzen:

  • Gebäude werden anhand verfügbarer Daten (Baujahr, Geometrie, Bauteile, Energiekennwerte) analysiert.
  • KI-Modelle errechnen, wo sich Sanierung ökologisch und wirtschaftlich am meisten lohnt.
  • Varianten (Fassade, Dach, Technik, Fenster) lassen sich vergleichen – nicht nur kostenseitig, sondern auch in Bezug auf CO₂-Einsparung.

Für die deutsche und österreichische Bauwirtschaft ist das hochrelevant: Förderlogik, Nachhaltigkeitszertifizierungen und ESG-Berichtspflichten werden komplexer. KI kann hier als „Schnellfilter“ dienen, um Investitionsentscheidungen vorzubereiten, bevor teure Detailgutachten beauftragt werden.

Meine Einschätzung: Wer in den kommenden Jahren größere Bestände steuert und ohne KI-Unterstützung saniert, wird schlicht langsamer und teurer sein als die Konkurrenz.

2. Metaverse: Virtuelle Baubesprechungen statt Anreise-Marathon

Der zweite Innovation-Talk zeigt, wie das Metaverse mehr sein kann als ein Buzzword aus der IT-Ecke. Allplan arbeitet mit zwei Startups zusammen, die einen sehr greifbaren Nutzen liefern:

  • Virtuelle Immobilienerlebnisse im Verkauf

    • Mit Allplan-Modellen können Käufer, Mieter oder Investoren durch ein Gebäude gehen, lange bevor der erste Bagger anrollt.
    • Das erleichtert Entscheidungen, verkürzt Verkaufszyklen und reduziert Missverständnisse.
  • Virtuelle Baubesprechungen mit Vrex

    • Bauherren, Planer, Ausführende und Betreiber treffen sich in einem gemeinsamen virtuellen Raum.
    • BIM-Modelle kommen direkt aus Bimplus in die Anwendung.
    • Issues (z. B. Kollisionen, Planungsfehler, offene Punkte) werden in Echtzeit synchronisiert.

Gerade für deutschlandweit agierende Unternehmen ist das spannend: weniger Dienstreisen, bessere Abstimmung, schnelleres Verständnis bei komplexen Projekten. Und: Wer Metaverse-Anwendungen als natürliche Erweiterung von BIM sieht – nicht als Spielerei –, wird merken, wie viel Konflikte sich vor Baubeginn klären lassen.

3. Punktwolken & KI: Bestandserfassung ohne Zeichnen bis Mitternacht

Der dritte Talk widmet sich einem Thema, das in jeder Sanierung weh tut: Bestandsaufnahme. 3D-Laserscanning und Punktwolken sind längst etabliert, doch die eigentliche Arbeit beginnt danach – beim Modellieren.

Mit Partnern wie Scalypso und dem Fraunhofer-Spin-off bimeto zeigt Allplan, wo KI heute bereits unterstützt:

  • Punktwolken werden intelligent klassifiziert (Wände, Decken, Stützen, Öffnungen).
  • Aus den Daten lassen sich mit Allplan schneller 2D-Pläne und BIM-Modelle erzeugen.
  • Das Modell dient anschließend als Basis für den digitalen Zwilling.

Für Baustelle 4.0 ist das ein Schlüsselfaktor: KI nimmt die monotonen, fehleranfälligen Schritte heraus und sorgt dafür, dass Planer und Bauunternehmen sich auf Entscheidungen konzentrieren können – nicht auf das manuelle Nachzeichnen von Bestandswänden.


BIM-Schulungen: Ohne Qualifizierung bleibt KI nur ein Buzzword

Die ehrlichste Botschaft am Stand von Allplan ist vielleicht diese: Ohne Weiterbildung funktioniert BIM – und damit auch KI – in der Praxis nicht. Viele Firmen kaufen Software, aber nicht die nötige Kompetenz. Das rächt sich in jedem Projekt.

Was Allplan hier konkret anbietet

Allplan stellt auf der digitalBAU ein BIM-Weiterbildungsportfolio vor, das verschiedene Zielgruppen abholt:

  • Grundlagenschulungen für alle, die BIM verstehen und anwenden wollen
  • Aufbauprogramme für BIM-Koordinator:innen und BIM-Manager:innen
  • Softwareunabhängige Formate zur Methodik (Prozesse, Rollen, AIA/BAP, Informationsanforderungen)
  • Allplan-spezifische Schulungen für praktische Anwendung im Büro oder Unternehmen

Für Unternehmen in Deutschland und Österreich, die jetzt ernsthaft auf BIM und KI setzen wollen, ist das ein strategischer Hebel. Wer frühzeitig interne BIM- und KI-Kompetenzteams aufbaut, ist in wenigen Jahren deutlich flexibler:

  • eigene Standards statt komplett externer Abhängigkeit
  • saubere Datenbasis für KI-Auswertungen
  • bessere Verhandlungsposition gegenüber Auftraggebern und Nachunternehmern

Nachwuchs im Blick: Studierende und Young Professionals

Spannend ist auch, wie Allplan auf der Messe den Nachwuchs adressiert:

  • kostenlose Allplan-Lizenzen für Studierende
  • Online-Schulungen und Lernressourcen
  • Checkliste für den Berufseinstieg in der BIM-Welt

Wer heute als Student mit BIM und KI-Workflows einsteigt, wird morgen die Entscheidungsrollen in Büros und Unternehmen prägen. Für Firmen lohnt es sich, diese Zielgruppe früh zu vernetzen – zum Beispiel über gemeinsame Projekte, Praktika oder Werkstudentenstellen mit klarem BIM-Fokus.


Was bedeutet das konkret für Ihr Unternehmen?

Der Messeauftritt von Allplan auf der digitalBAU 2024 zeigt ziemlich klar, wohin sich Baustelle 4.0 entwickelt: weg von Einzellösungen, hin zu integrierten Workflows mit KI-Unterstützung. Entscheidend ist jetzt, das nicht nur als Messe-Trend abzuhaken, sondern in handfeste Schritte zu übersetzen.

Drei pragmatische Schritte für 2025

  1. BIM-Status klären
    Wo stehen Sie heute?

    • Arbeiten Ihre Teams schon durchgängig modellbasiert?
    • Gibt es definierte BIM-Rollen und Standards?
    • Welche Projekte eignen sich als Pilot für echte Design-to-Build-Workflows?
  2. Zwei KI-Anwendungsfälle auswählen
    Statt „KI überall“ empfehle ich: zwei konkrete Use Cases für 12 Monate festlegen, z. B.:

    • KI-unterstützte Ökobilanzierung für einen Bestand
    • Punktwolken-zu-BIM für ein Sanierungsprojekt
    • Virtuelle Baubesprechungen mit einem ausgewählten Partnerkreis
  3. Team qualifizieren und Verantwortung klären

    • Mindestens eine Person pro Standort mit fundierter BIM- und KI-Kompetenz aufbauen.
    • Schulungsplan für 2025 definieren (BIM-Grundlagen + spezifische Tools).
    • Rollen sauber benennen: Wer verantwortet Datenqualität? Wer koordiniert Modelle und KI-Workflows?

Die Realität ist: KI in der Bauindustrie ist kein Zukunftsprojekt mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Wer heute strukturiert startet, hat in drei Jahren einen Vorsprung, den andere kaum aufholen.


Ausblick: Baustelle 4.0 wird konkret – wenn Sie jetzt anfangen

Allplan nutzt die digitalBAU 2024, um zu zeigen, wie KI, Metaverse, Punktwolken und Design-to-Build in einem Ökosystem zusammenwachsen. Für die Bauwirtschaft im deutschsprachigen Raum ist das mehr als ein Technologieschaufenster: Es ist ein Fahrplan, wie sich Planen, Bauen und Betreiben in den nächsten fünf Jahren verändern wird.

Wer Design-to-Build ernst nimmt, BIM-Schulung konsequent angeht und sich gezielt zwei bis drei KI-Anwendungsfälle vornimmt, wird von diesen Entwicklungen direkt profitieren: stabilere Kosten, schnellere Entscheidungen, weniger Konflikte auf der Baustelle.

Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob KI in der deutschen und österreichischen Bauindustrie ankommt, sondern: Welche Rolle Ihr Unternehmen in dieser neuen Bau-Realität spielen wird.

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