Der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO stärkt durchgängige Design-to-Build-Workflows – eine zentrale Voraussetzung für KI und Baustelle 4.0 in Deutschland.
Warum der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO für Baustelle 4.0 zählt
Ein Wert von bis zu 30 % Produktivitätsverlust durch Medienbrüche und Nacharbeiten ist in vielen Bauunternehmen in Deutschland traurige Realität. Genau hier setzt der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO an – und er passt perfekt zu dem, was wir in dieser Serie zu „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ betrachten: durchgängige, digitale und perspektivisch KI-gestützte Workflows vom Entwurf bis zur Ausführung.
Der Merger innerhalb der Nemetschek Group ist mehr als eine organisatorische Meldung. Er ist ein Signal: Design to Build wird zur durchgängigen Kette – vom BIM-Modell über die Tragwerksplanung bis zur Fertigteilplanung, verbunden durch Open-BIM, Cloud und zukünftig KI. Für Planungsbüros, Bauunternehmen und Fertigteilwerke in Deutschland bedeutet das: weniger Brüche, mehr Tempo, bessere Datenbasis für intelligente Assistenzsysteme auf der Baustelle.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was dieser Zusammenschluss konkret bringt, wie er digitale Baustellen und KI-Anwendungen unterstützt und was Sie heute schon praktisch daraus machen können.
Was sich durch den Zusammenschluss konkret ändert
Der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO schafft ein gemeinsames Unternehmen mit klarem Fokus: ein End-to-End-Design-to-Build-Workflow für Gebäude, Infrastruktur und Fertigteile.
Kernpunkte:
- ALLPLAN: BIM-Plattform fĂĽr Hochbau, Infrastruktur und Fertigteilplanung
- SCIA: Statik- und Bemessungssoftware fĂĽr 3D-Multimaterialtragwerke
- FRILO: bauteilorientierte Statiksoftware mit starkem Fokus auf den deutschsprachigen Markt
Statt Insellösungen entstehen integrierte Prozesse:
- vom ersten Architektur- und Infrastrukturentwurf
- ĂĽber die Tragwerksanalyse und Bemessung
- bis zu Fertigteil- und AusfĂĽhrungsplanung
Aus Anwendersicht ist das Ziel klar: ein konsistentes Datenmodell statt fünf verschiedener Datenstände in Excel, IFC, PDF und lokalen CAD-Dateien.
Die Integration ist kein kompletter Neustart, sondern baut auf bestehender Zusammenarbeit, direkten Schnittstellen und Open-BIM-Workflows auf. Der Zusammenschluss verstärkt diese Linie und gibt ihr eine gemeinsame Produkt- und Markstrategie.
Open BIM, Cloud und KI: Das Fundament fĂĽr die digitale Baustelle
Open BIM und cloudbasierte Workflows sind die Voraussetzung dafür, dass KI später überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann. Genau hier sind ALLPLAN, SCIA und FRILO bereits stark – und der Zusammenschluss verstärkt diesen Ansatz.
Open BIM als gemeinsame Sprache
Open BIM bedeutet: Modelle und Informationen werden in offenen Formaten wie IFC ausgetauscht, statt die Beteiligten in ein einziges proprietäres System zu zwingen. Das bringt für deutsche Bauprojekte klare Vorteile:
- Planer, Bauunternehmen, Prüfer und Fertigteilwerke können ihre bevorzugte Software nutzen
- Daten bleiben ĂĽber den gesamten Lebenszyklus des Bauwerks nutzbar
- spätere KI-Systeme können auf standardisierte Daten zugreifen
Gerade für öffentliche Auftraggeber, die zunehmend BIM und offene Standards fordern, wird diese Offenheit zum echten Vergabekriterium.
Cloud: Vom Dateiversand zur modellbasierten Zusammenarbeit
Die drei Marken setzen auf cloudbasierte Umwandlung von Bauwerks- in Berechnungsmodelle und gemeinsame Workflows. Das ist mehr als nur eine hĂĽbsche Dateiablage:
- Modelle werden zentral verwaltet und versioniert
- Tragwerksmodelle lassen sich direkt aus dem BIM-Modell ableiten
- Konflikte werden frĂĽhzeitig erkannt
- mehrere Projektbeteiligte arbeiten nahezu in Echtzeit zusammen
In der Logik von Baustelle 4.0 ist das der Schritt von „Wir tauschen Dateien“ hin zu „Wir arbeiten am selben digitalen Zwilling“.
Warum das alles fĂĽr KI entscheidend ist
KI im Bau spielt ihre Stärken nur aus, wenn die Datenlage stimmt. Mit durchgängigen, sauberen und verknüpften Modellen wird möglich:
- automatisierte Qualitätsprüfung von Modellen (z.B. statische Plausibilitätschecks)
- KI-gestĂĽtzte Mengenermittlung und Kostenprognosen
- intelligente Terminplanung, die statische Anforderungen, Bauablauf und Ressourcen verknĂĽpft
- laufende Optimierung fĂĽr Nachhaltigkeit (Materialeinsatz, COâ‚‚, RĂĽckbau)
Der Zusammenschluss sorgt genau für diese Datenkontinuität, auf der KI-Anwendungen für die Baustelle 4.0 später aufsetzen.
Nutzen fĂĽr Ingenieure, Architekten und Bauunternehmen
Der Mehrwert zeigt sich vor allem in den täglichen Routinen. Wer in Deutschland plant und baut, kennt die Reibungsverluste zwischen Architektur, Statik und Ausführung nur zu gut.
FĂĽr Tragwerksplaner
SCIA und FRILO bringen massive Erfahrung in der Tragwerksanalyse und -bemessung ein:
- komplexe 3D-Multimaterialmodelle (Stahlbeton, Stahl, Holz, Mauerwerk)
- bauteilorientierter Ansatz fĂĽr schnelle Nachweise
- starke Verankerung im deutschen Normenumfeld
In Kombination mit ALLPLAN entsteht ein Workflow, bei dem:
- Tragwerksmodelle direkt aus dem BIM-Modell erzeugt werden
- Änderungen im Architekturmodell schneller in der Statik ankommen
- wiederkehrende Bauteile (z.B. StĂĽtzen, UnterzĂĽge, Decken) standardisiert nachgewiesen werden
Dadurch verringern sich:
- manuelle Neueingaben
- Ăśbertragungsfehler
- Abstimmungsschleifen mit Architekten
FĂĽr Architekten und Infrastrukturplaner
Architekten und Infrastrukturplaner profitieren vor allem von einem klareren Informationsfluss:
- Tragwerksanforderungen werden frĂĽher sichtbar
- Auswirkungen von Entwurfsänderungen auf Statik und Kosten lassen sich besser einschätzen
- Konflikte zwischen Tragwerk, Architektur und Haustechnik werden früher gelöst
Gerade bei komplexen Infrastrukturprojekten mit vielen Schnittstellen kann ein integrierter Design-to-Build-Workflow Wochen an Koordination sparen.
FĂĽr Fertigteilwerke und Bauunternehmen
Fertigteilwerke und ausführende Unternehmen haben ein starkes Interesse an präzisen, ausführungsnahen Modellen. ALLPLAN bringt hier seine Stärken in der Fertigteilplanung ein.
Kombiniert mit einer konsistenten Statik ergeben sich Vorteile:
- präzise Fertigteilpläne und Schalpläne aus einem konsistenten Modell
- weniger RĂĽckfragen aus dem Werk oder von der Baustelle
- geringeres Risiko für Nachträge und Verzögerungen
Aus Sicht von Baustelle 4.0 ist das die Basis, um dann:
- Bauabläufe zu simulieren
- Materialströme zu optimieren
- KI-gestĂĽtzte Logistik und Terminplanung aufzusetzen
Design to Build trifft KI: Wie sich die nächsten Jahre entwickeln können
Der Zusammenschluss ist heute noch stark auf Prozessintegration und Produktivitätssteigerung ausgerichtet. Aber er bereitet die Bühne für die nächsten Schritte: KI in der Bauplanung und auf der Baustelle.
Mögliche KI-Anwendungsfälle im ALLPLAN–SCIA–FRILO-Ökosystem
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Automatisierte Tragwerksvorschläge
Auf Basis typischer Bauteile, Normen und Erfahrungswerten können KI-Modelle Varianten für Tragwerke vorschlagen, die anschließend durch Statiksoftware verifiziert und optimiert werden. -
Intelligente Plausibilitätsprüfungen
Statt nur formal zu prüfen, ob ein Modell „vollständig“ ist, kann KI Auffälligkeiten erkennen:- ungewöhnliche Querschnitte
- kritische Details in Knotenbereichen
- potenzielle Fehler in der Lastabtragung
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Baukosten- und Terminprognosen
Verknüpft man das durchgängige Design-to-Build-Modell mit historischen Projektdaten, können Prognosen zu Kosten, Bauzeiten und Risiken entstehen, die weit über klassische Kennwerttabellen hinausgehen. -
Digitale Assistenz auf der Baustelle
Verknüpft mit mobilen Geräten oder AR-Brillen kann die Baustellenmannschaft auf das Modell zugreifen, während KI im Hintergrund prüft:- ob aktuelle Ausführungsdetails zum Plan passen
- ob Sicherheitsabstände eingehalten werden
- wo Abweichungen auftreten, die später zu Mängeln führen könnten
Warum deutsche Unternehmen jetzt handeln sollten
Viele Büros und Bauunternehmen warten, bis „KI fertig ist“. Das ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz. Ohne saubere Datenprozesse bringt KI wenig. Wer jetzt auf integrierte BIM- und Statik-Workflows umstellt, hat später einen massiven Vorsprung.
Der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO bietet gerade fĂĽr den DACH-Markt:
- hohe Normensicherheit
- vertraute Softwareumgebungen
- klare Roadmap Richtung durchgängiger, digitaler Prozesse
Wer früh beginnt, kann interne Standards, Bibliotheken und Workflows aufbauen – und diese später gezielt durch KI erweitern.
Wie Sie den neuen Design-to-Build-Workflow konkret nutzen können
Der praktische Einstieg muss kein Mammutprojekt sein. Drei pragmatische Schritte reichen, um den Nutzen des erweiterten ALLPLAN–SCIA–FRILO-Ökosystems zu heben – und gleichzeitig den Weg Richtung Baustelle 4.0 zu ebnen.
1. Pilotprojekt definieren
Wählen Sie ein überschaubares, aber typisches Projekt:
- z.B. ein Mehrfamilienhaus, ein kleines Bürogebäude oder ein standardisiertes Infrastrukturteilbauwerk
- klare Projektbeteiligte: ein ArchitekturbĂĽro, ein Tragwerksplaner, ein ausfĂĽhrendes Unternehmen
Ziel: Den kompletten Modelldurchlauf von Architektur ĂĽber Statik bis zur AusfĂĽhrungs- oder Fertigteilplanung in einem integrierten Workflow abbilden.
2. Gemeinsame Modellierungs- und Austauschstandards festlegen
Vor Projektstart sollten folgende Punkte geklärt sein:
- Welche Informationen mĂĽssen im BIM-Modell fĂĽr die Statik vorhanden sein?
- Wie werden Bauteile benannt und strukturiert (Bauteil-IDs, Ebenen, Materialien)?
- Welche Formate werden genutzt (z.B. IFC-Version, Austauschregeln)?
- Wer ist fĂĽr welche Modellteile verantwortlich?
Dieses Set an Standards ist später die Basis, um KI-Systeme mit konsistenten Daten zu füttern.
3. Ergebnisse auswerten und Prozesse anpassen
Nach Projektabschluss sollte nicht nur die Abrechnung stattfinden, sondern auch eine prozessuale Auswertung:
- Wie viele Iterationen zwischen Architektur und Statik waren nötig?
- Wo kam es zu Datenverlusten oder Missverständnissen?
- Wie stark konnten Modellierungs- und Berechnungsaufwände reduziert werden?
Auf dieser Basis lassen sich interne Leitfäden und Schulungskonzepte entwickeln – ein entscheidender Baustein, um digitale Baustellen und KI-Projekte im Unternehmen dauerhaft zu verankern.
Fazit: Design to Build als Sprungbrett fĂĽr KI in der Bauindustrie
Der Zusammenschluss von ALLPLAN, SCIA und FRILO ist ein klares Signal in Richtung integrierter Design-to-Build-Workflows – und damit ein wichtiger Puzzlestein für die Vision der Baustelle 4.0 in Deutschland.
Wer heute auf Open BIM, Cloud und durchgängige Prozesse setzt, legt automatisch den Grundstein für sinnvolle KI-Anwendungen in Planung, Statik und Ausführung. Weniger Medienbrüche, mehr Datenqualität, klarere Verantwortlichkeiten – das sind keine Buzzwords, sondern handfeste Produktivitätshebel.
Wenn Sie als Planungsbüro, Bauunternehmen oder Fertigteilwerk nicht in drei Jahren von KI überrollt, sondern aktiv davon profitieren wollen, beginnt die Arbeit nicht im Rechenzentrum, sondern in Ihren Workflows, Standards und Modellen. Der neue ALLPLAN–SCIA–FRILO-Verbund bietet dafür eine solide, praxisnahe Grundlage.
Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Sie in Richtung Design to Build und Baustelle 4.0 gehen, sondern wie schnell – und mit welchen Pilotprojekten Sie den ersten Schritt machen.