BIMPUT & Co.: Wie KI Baustelle und Baugewerke wirklich voranbringt

KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0By 3L3C

BIMPUT macht Bauhandwerker zu aktiven BIM-Playern. Wie BIM, KI und IoT die Baustelle 4.0 wirklich voranbringen – mit konkreten Praxisansätzen für Betriebe.

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Warum BIM auf der Baustelle oft an der Realität scheitert

In vielen Bauprojekten ist das BIM-Modell perfekt – solange es im Büro bleibt. Auf der Baustelle landen dann trotzdem 2D-Pläne, PDF-Ausdrucke und WhatsApp-Fotos im Chat. Ergebnis: Medienbrüche, Informationsverluste, Nachträge, Verzögerungen.

Genau hier setzt BIMPUT an, eines der spannendsten Projekte aus der Förderlinie „HaMiZu – Handwerk mit Zukunft“. Es macht Bauhandwerker erstmals zu echten Akteuren im BIM-Lebenszyklus – direkt auf der Baustelle, in Echtzeit. Und: Es passt perfekt in unsere Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“.

In diesem Beitrag geht es darum, was BIMPUT konkret kann, warum das für Bauunternehmen, Schweizer Handwerksbetriebe und Planer hochrelevant ist – und wie Sie sich jetzt strategisch aufstellen sollten, um von KI und BIM zu profitieren statt abgehängt zu werden.


BIMPUT: Das fehlende Bindeglied zwischen Planung und Baustelle

Der Kern von BIMPUT: Bauhandwerker können 3D-BIM-Daten direkt auf der Baustelle erfassen, anpassen und zurückspielen – ohne BIM-Expertenstatus, ohne Spezialhardware.

Das Projekt hat ein modulares System aus Softwaretools, Schnittstellen und organisatorischen Konzepten entwickelt. Für die Praxis heißt das:

  • 3D-Modelle sind auf Smartphone oder Tablet verfügbar
  • Änderungen vor Ort werden erfasst und als Feedback ins BIM zurückgeführt
  • As-built-Modelle entstehen nicht mehr im Nachhinein am Schreibtisch, sondern parallel zur Ausführung

Zwei Feedback-Module, die den Unterschied machen

BIMPUT konzentriert sich auf zwei zentrale Module:

  1. Feedback in der Planungsphase
    Gewerke können bereits während der BIM-Planung Rückmeldungen geben:

    • „Das passt statisch, aber nicht für die Montage.“
    • „Hier fehlt Platz für Wartung / Revisionsöffnungen.“
    • „Diese Leitungstrasse ist in der Praxis nicht umsetzbar.“

    Dadurch sinkt die Zahl der nachträglichen Planungsänderungen massiv. Planer bekommen Praxis-Feedback, bevor Fehler betoniert sind.

  2. As-built-Erfassung auf der Baustelle
    Statt später mühsam Pläne zu korrigieren, wird der tatsächliche Bauzustand direkt im Modell dokumentiert:

    • Leitungsführung, die vor Ort angepasst wurde
    • geänderte Positionen von Durchbrüchen
    • abweichende Dimensionen, z. B. bei Bestandsbauten

    Das Ergebnis sind verlässliche Bestandsmodelle, die für Betreiber, Facility Management und spätere Umbauten Gold wert sind.

„Damit wird der BIM-Reifegrad im Handwerk messbar gesteigert.“
– Abschlussbericht Heinz-Piest-Institut

Aus Sicht von „Baustelle 4.0“ ist BIMPUT damit ein Schlüsselfaktor: BIM wird nicht länger nur für Planungsbüros gemacht, sondern endlich für die Baustelle gedacht.


Was Bauunternehmen konkret von BIMPUT lernen können

Der größte Fehler vieler Betriebe: Sie sehen BIM als einmaliges Softwareprojekt. BIMPUT zeigt deutlich: Ohne durchdachte Prozesse, Rollen und mobile Anwendungen bringt BIM auf der Baustelle wenig.

Drei zentrale Learnings für die Praxis

  1. Mobile BIM-Zugänge sind Pflicht, nicht Kür
    Wenn Ihre Poliere, Bauleiter und Monteure nur mit Papier oder statischen PDFs arbeiten, nutzen Sie vielleicht 30 % des Potenzials von BIM. Eine praxistaugliche „Baustelle 4.0“ braucht:

    • robuste Tablets oder Smartphones
    • einfache BIM-Viewer mit Filterfunktionen
    • Offline-Fähigkeit und Synchronisation, sobald Netz verfügbar ist
  2. Feedback aus den Gewerken muss strukturiert sein
    Anrufe und Fotos im Messenger reichen nicht mehr. Erfolgreiche Betriebe etablieren klare digitale Feedback-Wege:

    • standardisierte Kategorien (Kollision, Erreichbarkeit, Sicherheit, Terminrisiko)
    • direkte Verknüpfung mit den betroffenen Bauteilen im Modell
    • Protokollierung im System statt in Notizbüchern
  3. As-built-Daten sind ein zukünftiges Geschäftsmodell
    Wer saubere, digitale Bestandsmodelle liefert, kann zusätzliche Leistungen anbieten:

    • Wartungsverträge mit digitaler Anlagenübersicht
    • datenbasierte Modernisierungskonzepte
    • bessere Kalkulation von Umbauprojekten

BIMPUT liefert dafür den Proof-of-Concept: Gewerke können As-built-Modelle selbst erfassen, statt auf externe Vermesser oder teure Spezialisten angewiesen zu sein.


Baustelle 4.0 ist mehr als BIM: KI, IoT und AR im Zusammenspiel

Die HaMiZu-Projekte zeigen sehr klar: Wer die digitale Baustelle ernst nimmt, muss über BIM hinausdenken. Mehrere Projekte adressieren genau die Themen, die wir in der Serie „KI in der deutschen Bauindustrie“ immer wieder sehen: KI, IoT, Automatisierung und ergonomische Unterstützung.

KINCHI: Durchgängige digitale Auftragsabwicklung

Problem: Viele Handwerks- und Bauunternehmen arbeiten mit 5–10 verschiedenen Softwarelösungen – von Angebot über Zeiterfassung bis DMS. Schnittstellen? Kaum vorhanden. Das führt zu Mehrfacheingaben, Fehlern und Medienbrüchen.

KINCHI entwickelt dafür eine Cloud-Plattform, die vorhandene IT-Anwendungen im Hintergrund verknüpft. Ziel:

  • Daten einmal erfassen, mehrfach nutzen
  • Angebote, Aufträge, Bauablauf und Abrechnung digital verbinden
  • Fehlerquote bei der Datenerfassung deutlich senken

Für Bauunternehmen heißt das: Weniger Bürokratie, mehr Zeit auf der Baustelle. Und genau das ist im Kontext Fachkräftemangel ein echter Wettbewerbsfaktor.

IoT4H: Wartung neu denken – vom Vor-Ort-Termin zum Sensorvertrag

Ein weiterer Baustein von Baustelle 4.0 ist IoT im Bau- und Ausbaugewerbe. Das Projekt IoT4H zeigt, wie sich digitale Geschäftsmodelle aufbauen lassen:

  • Sensoren in Dachrinnen, die Verstopfungen melden
  • Feuchtigkeitssensoren in Bauteilen für frühzeitige Schimmel- oder Schadensdetektion
  • automatische Benachrichtigung an den Handwerksbetrieb bei Grenzwertüberschreitungen

Der Clou: Der Betrieb verdient nicht nur am Einbau, sondern kontinuierlich an der Überwachung – ohne jedes Mal einen Monteur hinschicken zu müssen. Genau solche Modelle machen Bauunternehmen langfristig robuster.

Minerva: Augmented Reality und KI-Assistenten im Baualltag

AR und KI klingen oft nach Spielerei – Minerva zeigt, wie sie im Bau- und TGA-Umfeld praxisnah funktionieren können:

  • Chef oder Meister wird per AR-Remote-Unterstützung direkt auf die Baustelle geholt
  • Anleitungen, Checklisten und Problemlösungen werden ins Sichtfeld eingeblendet
  • KI-Assistenten übernehmen Terminplanung und einfache Kommunikation

Spannend: Statt teurer Spezialbrillen reichen normale iPhones mit LiDAR und günstige Halterungen. Niedrigschwellig, bezahlbar – genau das braucht der Mittelstand.


KI im Bau: Was wirklich heute schon machbar ist

Viele Bauunternehmer fragen sich: „Klingt spannend – aber was davon ist 2025 wirklich reif für meinen Betrieb?“ Die ehrliche Antwort: Mehr als die meisten denken.

Konkrete Einsatzfelder, die sich schnell rechnen

  1. Digitale Bestandsaufnahme mit Bilderkennung
    Das Projekt DiBesAnSHK zeigt, wie weit wir sind:

    • Smartphone-Kamera im Heizungskeller
    • automatische Erkennung der Anlagenkonfiguration
    • direktes Schnellangebot in ca. 30 Minuten

    Übertragen auf Bauunternehmen sind ähnliche Ansätze denkbar – etwa bei Sanierungen, Leitungsbeständen oder technischen Anlagen.

  2. KI-gestützte Visualisierung für Kundenkommunikation
    Was im Friseurhandwerk mit FrisAR passiert, lässt sich auf Bau und Ausbau übertragen:

    • Kunden sehen vorab, wie der neue Raum, die Fassade oder das Bad wirkt
    • weniger Missverständnisse
    • höhere Abschlussquote, bessere Margen
  3. Datenbasierte Ergonomie und Arbeitsschutz
    ReHOpE analysiert typische Bewegungen und Belastungen im Handwerk mit Sensorik und optimiert Exoskelette. Für Bauunternehmen bedeutet das langfristig:

    • weniger Ausfälle durch körperliche Überlastung
    • attraktivere Arbeitsplätze für jüngere Fachkräfte

Warum gerade jetzt handeln sinnvoll ist

Stand 12.2025 gilt für die Bauindustrie:
Wer jetzt mit überschaubaren Projekten startet, baut sich in 12–24 Monaten einen Vorsprung auf, den andere kaum noch aufholen. Denn:

  • Datenqualität verbessert sich nicht über Nacht
  • Prozesse müssen sich einspielen
  • Mitarbeitende brauchen Zeit für Schulung und Akzeptanz

Wer wartet, startet später – aber mit denselben Kinderkrankheiten.


Praxisleitfaden: So nähern Sie sich BIMPUT & Baustelle 4.0 Schritt für Schritt

Statt alles auf einmal umzukrempeln, funktioniert ein pragmatischer, klar strukturierter Ansatz deutlich besser.

Schritt 1: BIM-Prozess vom Ziel her denken

  • Definieren Sie, wofür Sie BIM nutzen wollen:
    Kollisionsprüfung, Kostensteuerung, As-built-Dokumentation, FM?
  • Legen Sie fest, welche Gewerke zwingend ins Modell eingebunden werden sollen.
  • Entscheiden Sie, welche Informationen zurückfließen sollen (z. B. Leitungsführung, Änderungsmeldungen, Mängel, Fotodokumentation).

Schritt 2: Mobile Infrastruktur auf der Baustelle schaffen

  • Mindestens ein robustes Endgerät pro Kolonne (Tablet/Smartphone)
  • Klare Vorgaben: Wer nutzt welches Tool, wofür, wie oft?
  • Offline-Szenarien berücksichtigen (viele Baustellen haben schlechten Empfang)

Schritt 3: Strukturiertes Feedback etablieren

  • Standardformulare für Rückmeldungen zum BIM-Modell
  • Schulung der Poliere und Vorarbeiter:
    – Wie finde ich mein Bauteil im Modell?
    – Wie dokumentiere ich Abweichungen?
    – Welche Infos sind Pflicht (Foto, Maß, Grund)?

Schritt 4: Pilotprojekt auswählen

  • Mittelgroßes Projekt, überschaubare Zahl an Gewerken
  • BIM-affines Planungsbüro, das offen für Rückmeldungen ist
  • Von Beginn an definieren:
    – Welche Kennzahlen messen wir?
    – Was bedeutet „Erfolg“ für uns? (z. B. weniger Nachträge, schnellere Abstimmung)

Schritt 5: Daten konsequent für neue Leistungen nutzen

  • As-built-Modelle in Angebote für Wartung, Service und Umbau integrieren
  • Kunden aktiv mit dem Mehrwert digitaler Dokumentation vertraut machen
  • Prüfen, wo sich wiederkehrende Services (ähnlich IoT4H) aufbauen lassen

Warum HaMiZu ein Weckruf für die Bauindustrie ist

Die HaMiZu-Projekte zeigen sehr deutlich: Digitalisierung im Handwerk passiert nicht im Labor, sondern mit echten Betrieben auf echten Baustellen. Und sie zeigen ebenso klar, was funktioniert:

  • Technologien wie BIM, KI, IoT und AR werden akzeptiert, wenn sie konkret Probleme lösen
  • mobile, einfache Lösungen gewinnen gegenüber teuren „High-End-Spielzeugen“
  • Betriebe, die sich beteiligen, gewinnen Know-how, Sichtbarkeit und einen klaren Marktvorteil

Für die Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ ist BIMPUT so etwas wie das verbindende Element: Es macht die Baustelle BIM-fähig, während Projekte wie KINCHI, IoT4H und Minerva die Abläufe, Geschäftsmodelle und Assistenzsysteme drumherum liefern.

Wer als Bauunternehmen oder Handwerksbetrieb heute seine Zukunft sichern will – ob in Deutschland oder in der Schweiz – sollte genau hinschauen und sich fragen:

Wo wollen wir in 3 Jahren stehen: noch mit PDF-Plänen und Excel-Listen – oder mit einer Baustelle, auf der BIM, KI und IoT ganz selbstverständlich zum Alltag gehören?

Der bessere Zeitpunkt, um damit anzufangen, wird nicht kommen.

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