Allplan 2024, BIM Engineering Bundle und neue Workflows: Wie die nächste BIM-Generation die Grundlage für KI und die Baustelle 4.0 in Deutschland und Österreich legt.
BIM 2024: Wie Allplan die digitale Baustelle voranbringt
2023 wurden in Deutschland laut Bauindustrieverband bei über 60 % der größeren Hochbauprojekte BIM-Methoden zumindest teilweise eingesetzt – auf den Baustellen selbst merkt man davon aber oft noch wenig. Der Bruch zwischen Planung und Ausführung kostet Zeit, Geld und Nerven.
Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle BIM-Generation rund um Allplan 2024 und das neue BIM Engineering Bundle an. Sie zielt nicht nur auf schönere Modelle, sondern auf durchgängige, digitale Workflows vom Entwurf bis zur Baustelle 4.0 – inklusive enger Verzahnung mit KI-gestützten Prozessen, wie wir sie in unserer Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ betrachten.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was Allplan auf der BIM World MUNICH 2023 vorgestellt hat, was davon für deutsche (und österreichische) Planungsbüros und Bauunternehmen wirklich relevant ist – und wie Sie diese Werkzeuge nutzen können, um Ihre Projekte messbar effizienter und sicherer zu steuern.
1. Warum die nächste BIM-Generation mehr ist als ein Software-Update
Der Kernpunkt: Allplan 2024 und das BIM Engineering Bundle machen aus vielen Insellösungen einen durchgängigen digitalen Prozess, der für die Baustelle 4.0 entscheidend ist.
Von 2D/3D-Modellen zu durchgängigen Datenketten
Die meisten Unternehmen haben den Schritt weg vom 2D-Plan längst gemacht. Was aber häufig fehlt:
- konsistente Daten von der Vorplanung bis zur AusfĂĽhrung,
- eine einheitliche Arbeitsumgebung fĂĽr Architektur, Tragwerksplanung, Infrastruktur und Fertigteilbau,
- transparente, prüfbare Modelle, die sich direkt für Bauablauf, Mengen, Kosten und Qualitätssicherung nutzen lassen.
Allplan positioniert sich hier klar als Plattform für die gesamte Wertschöpfungskette Bau: Architektur, Ingenieurbau, Brücken, Straßen, Fertigteile und Baumanagement arbeiten auf einem gemeinsamen digitalen Fundament. Für KI-Anwendungen, z. B. automatisierte Kollisionsprüfung oder KI-gestützte Bauablaufoptimierung, ist genau diese Datenkonsistenz die Voraussetzung.
Warum das für deutsche und österreichische Bauunternehmen relevant ist
Der Druck steigt:
- HOAI und Vergabevorschriften fordern immer häufiger BIM.
- Ă–ffentliche Auftraggeber verlangen strukturierte Daten (IFC, BCF, offene BIM-Prozesse).
- Fachkräftemangel zwingt Unternehmen, produktiver zu werden, ohne mehr Personal.
Wer jetzt auf eine BIM-Plattform setzt, die interdisziplinäre Workflows unterstützt, baut sich die Grundlage für die nächsten 5–10 Jahre – inklusive KI-gestützter Prozesse, die gerade erst im Markt ankommen.
2. Allplan 2024 im Ăśberblick: Was wirklich weiterhilft
Allplan 2024 wurde auf der BIM World MUNICH als zentrale Plattform vorgestellt. Statt alle neuen Features aufzuzählen, konzentrieren wir uns auf die Punkte, die in der Praxis am meisten Wirkung haben.
Automatisierte Planungswerkzeuge: Weniger Klicks, weniger Fehler
Allplan 2024 setzt stark auf Automatisierung, zum Beispiel:
- Intelligentere Modellierungsfunktionen fĂĽr Fassaden, BrĂĽcken und StraĂźenbau: Parametrische Bauteile, wiederverwendbare Vorlagen und automatisierte Details ersetzen manuelle Zeichenarbeit.
- Optimierte Durchbruchsplanung: Öffnungen werden modellbasiert koordiniert und können zwischen Fachmodellen abgestimmt werden. Das reduziert Kollisionen zwischen Architektur, TGA und Tragwerk – eine der typischen Fehlerquellen auf der Baustelle.
Im Alltag bedeutet das:
- weniger manuelle Modellierungsarbeit,
- weniger Abstimmungsrunden,
- klarere, aktuelle Informationsstände auf der Baustelle.
Für KI-Anwendungen ist eine saubere, konsistente Modellstruktur Gold wert – nur dann können Algorithmen später automatisiert Mengen, Bauphasen oder Risiken analysieren.
Cloud-basierte Prozesse als Standard, nicht als Zusatz
Allplan 2024 integriert cloud-basierte Workflows deutlich stärker:
- Modelle und Informationen werden zentral verwaltet,
- Teams greifen standortunabhängig auf den aktuellen Stand zu,
- Änderungen sind nachvollziehbar und versioniert.
Gerade bei bundesweiten Projektteams oder bei Kooperationen zwischen deutschen und österreichischen Büros ist das entscheidend. Wer heute noch mit Planständen per E-Mail oder USB-Stick arbeitet, verliert im Wettbewerb.
3. BIM Engineering Bundle: BrĂĽcke zwischen Modell und Statik
Das BIM Engineering Bundle bündelt Allplan mit den Schwesterlösungen SCIA und FRILO. Die Idee dahinter ist klar: Tragwerksplanung soll nahtlos in den BIM-Prozess eingebunden werden.
Was das Bundle leistet
In der Praxis bedeutet dieses Paket:
- Analyse: Tragwerksmodelle werden direkt aus dem BIM-Modell abgeleitet und für statische Berechnungen (z. B. mit SCIA) genutzt.
- Entwurf: Varianten von Tragwerken können schneller durchgerechnet und bewertet werden.
- Detaillierung: Bewehrung, Anschlüsse und Fertigteil-Bewehrungspläne werden modellbasiert erzeugt.
Das reduziert typische MedienbrĂĽche:
- weniger Nachmodellieren,
- weniger Ăśbertragungsfehler,
- deutlich bessere Nachvollziehbarkeit.
Warum das fĂĽr die Baustelle 4.0 entscheidend ist
Für eine KI-gestützte Baustelle 4.0 ist die Verbindung von Statik und Geometrie zentral. Nur wenn das Tragwerksmodell strukturiert vorliegt, können etwa:
- Lastpfade analysiert,
- Risiko-Szenarien simuliert,
- Materialeinsätze optimiert
werden. Das BIM Engineering Bundle legt somit die Basis, um später KI-Tools für Ressourcenoptimierung, CO₂-Bilanzierung oder Sicherheitssimulationen einzusetzen.
4. Neue Connectors: Content, GIS und der Weg zur „intelligenten Baustelle“
Die auf der BIM World vorgestellten Content- und GIS-Connectors klingen zunächst technisch, haben aber enorme Auswirkungen auf den Projektalltag.
Content Connector: Industriestandard statt Bastellösungen
Der Content Connector ermöglicht den Zugriff auf strukturierte Bauteilbibliotheken und BIM-Content:
- Herstellerdaten (z. B. Türen, Fenster, TGA-Objekte) können standardisiert ins Modell eingebunden werden.
- Attribute wie Produkteigenschaften, Wartungsintervalle oder Umweltkennwerte werden direkt am Bauteil mitgefĂĽhrt.
FĂĽr Bauunternehmen und Facility Management heiĂźt das:
- bessere Grundlage fĂĽr Ausschreibung und Einkauf,
- sauberer Ăśbergang in den Betrieb (digitaler Zwilling),
- Vorbereitung fĂĽr KI-Analysen, etwa zur Wartungsplanung oder Betriebskostenoptimierung.
GIS Connector: Kontext wird Teil des Modells
Mit dem GIS Connector werden Geodaten direkt in den BIM-Prozess eingebunden:
- Lagepläne, Topographie, Bestandsdaten der Stadtplanung,
- Verkehrsanbindungen, Umweltzonen, Hochwasserbereiche.
Der Nutzen:
- bessere Standortentscheidungen,
- realitätsnahe Simulation von Bauabläufen und Logistik,
- Möglichkeit, KI später mit Umgebungsdaten zu füttern (z. B. für Bauzeitenprognosen oder Sicherheitsanalysen im städtischen Kontext).
Gerade für deutsche und österreichische Städte mit komplexen Randbedingungen ist diese Verknüpfung von BIM und GIS ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur digitalen Stadtentwicklung.
5. Kollaborative Workflows: Vom PlanungsbĂĽro bis zum Fertigteilwerk
Der Messeauftritt von Allplan stand klar unter dem Thema interdisziplinäre Zusammenarbeit. Das ist in der Praxis der Punkt, an dem viele Projekte scheitern – nicht an der Software, sondern an Prozessen und Kommunikation.
Architektur, Ingenieure, Fertigteilwerke, Bauunternehmen an einem Tisch
Allplan adressiert diese LĂĽcke, indem es:
- Mehrere Disziplinen in einer Plattform vereint (Hochbau, Infrastruktur, BrĂĽcken, Fertigteile),
- Cloud-basierte Kollaboration ermöglicht (z. B. Model-Sharing, BCF-Kommunikation),
- BIM-Schulungen und Zertifizierungen anbietet, um das Know-how im Team aufzubauen.
FĂĽr Bauunternehmen heiĂźt das konkret:
- frĂĽhzeitige Einbindung in die Planung,
- bessere Abstimmung von Bauablauf, Logistik und Fertigteilproduktion,
- reduzierte Nachträge, weil weniger Unklarheiten und Planfehler auftreten.
Wie KI hier ansetzt
Sobald diese kollaborativen Workflows etabliert sind, wird KI deutlich wirksamer:
- Algorithmen können Konflikte in Modellen erkennen und Prioritäten vorschlagen.
- Bauzeiten lassen sich aus Erfahrungswerten und Projektparametern prognostizieren.
- Sicherheitsrisiken auf der Baustelle können anhand von Modell- und Ablaufdaten identifiziert werden.
Ohne saubere, gemeinsame Datengrundlage bleibt KI ein Pilotprojekt. Mit Lösungen wie Allplan 2024 und den erweiterten Workflows entsteht die digitale Infrastruktur, auf der KI-Anwendungen dauerhaft laufen können.
6. Praxis-Check: Wie Unternehmen jetzt konkret starten können
Theorie ist schön – entscheidend ist, was sich im Alltag ändert. Aus Projekten mit mittelständischen Büros und Bauunternehmen lassen sich einige klare Schritte ableiten.
Schritt 1: Anwendungsfälle definieren statt „BIM um jeden Preis“
Bevor neue Software eingefĂĽhrt wird, sollte klar sein:
- Wo ist heute der größte Schmerzpunkt? (z. B. Kollisionen, Terminprobleme, Mengenunsicherheit)
- Welche BIM-Funktionen adressieren genau diesen Punkt? (z. B. Durchbruchsplanung, modellbasierte Mengen, kollaborative Freigabeprozesse)
Ein fokussierter Einstieg erhöht die Akzeptanz im Team und liefert schnell messbare Erfolge.
Schritt 2: Pilotprojekt mit klaren Zielen
Ein geeigneter Weg ist ein Pilotprojekt mit begrenztem Umfang, aber:
- definierten KPIs (z. B. Anzahl der Kollisionen, Planänderungen, Nachträge),
- klaren Rollen (BIM-Koordinator, Disziplinverantwortliche),
- verbindlichen Standards (Modellstruktur, Benennung, Attributierung).
Allplan 2024 bietet dafür eine solide Basis – insbesondere mit den neuen Workflows für Durchbrüche, Brücken, Straßen und Fertigteile.
Schritt 3: Schulung und kontinuierliche Verbesserung
Ohne qualifizierte Anwender bleibt jede Plattform unter ihren Möglichkeiten. Hier helfen:
- BIM-Trainings und Zertifizierungen,
- praxisnahe Webinare und Best-Practice-Guides,
- interne BIM-Richtlinien, die auf den eigenen Projekten basieren.
Gerade wenn perspektivisch KI-Lösungen ins Spiel kommen sollen, ist ein gemeinsames Verständnis von Datenqualität und Modellstruktur unverzichtbar.
Fazit: BIM 2024 als Sprungbrett zur KI-gestĂĽtzten Baustelle 4.0
Allplan hat auf der BIM World MUNICH 2023 klar gezeigt, wohin die Reise geht: von isolierten Planungsinseln hin zu einer integrierten, kollaborativen BIM-Plattform, die die Grundlagen fĂĽr KI-gestĂĽtzte Prozesse in der Bauindustrie legt.
Für Unternehmen, die in der Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ gedanklich schon einen Schritt weiter sind, lautet die Botschaft: Ohne solide BIM-Basis wird keine KI dauerhaft funktionieren. Mit Lösungen wie Allplan 2024, dem BIM Engineering Bundle sowie Content- und GIS-Connectoren lässt sich diese Basis heute aufbauen.
Wenn Sie 2025 nutzen wollen, um Ihre Projekte digital robuster aufzustellen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Pilotprojekte zu starten, Teams zu schulen und die eigenen Prozesse ehrlich zu hinterfragen. Die Technik ist da – die Frage ist, wer sie zuerst so einsetzt, dass Bauprojekte tatsächlich schneller, sicherer und wirtschaftlicher werden.