Avanti 2026 verknüpft 2D-PDF, 3D-BIM, Open BIM, IPA, Mängelmanagement und E-Rechnung. So schaffen Planer und Bauunternehmen heute die Basis für die Baustelle 4.0.
Avanti 2026: BIM, KI & IPA für die Baustelle 4.0
Die meisten Büros verlieren heute Geld nicht auf der Baustelle, sondern in ihren Prozessen: Medienbrüche, doppelte Erfassung, unklare Mengen, Excel-Wildwuchs. Wer in der „Baustelle 4.0“ mithalten will, braucht deshalb weniger bunte Visionen – und mehr robuste, integrierte Werkzeuge.
Genau hier setzt das Major Release Avanti 2026 von Softtech an. Die neue Version der AVA-Software zielt auf durchgängige Workflows von 2D-PDF über 3D-BIM bis hin zu Open BIM, integrierter Projektabwicklung (IPA) und E-Rechnung. Und sie passt damit perfekt in unsere Serie „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“: Denn Digitalisierung lohnt sich nur, wenn Daten wirklich fließen – und perspektivisch auch KI-Modelle sauber gefüttert werden.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was Avanti 2026 konkret kann, warum das für Planungs- und Bauunternehmen 2025/2026 relevant ist und wie Sie diese Funktionen gezielt nutzen, um Ihre Projekte effizienter, transparenter und zukunftssicher zu steuern.
1. Warum Avanti 2026 mehr ist als nur ein Update
Avanti 2026 ist im Kern ein Werkzeug für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA) – aber die neue Version denkt AVA deutlich weiter: Richtung BIM, Open BIM, digitale Kollaboration und IPA.
Der zentrale Punkt: Avanti 2026 verknüpft Projektinformationen, die bislang in getrennten Silos lagen:
- 3D-BIM-Modelle (IFC, Revit)
- 2D-PDF-Pläne
- Leistungsverzeichnisse und Kostenstrukturen
- Mängelmanagement in der Ausführung (LPH 8)
- E-Rechnung und GAEB-Datenaustausch
Das ist relevant, weil sich die deutsche Bauindustrie gerade in drei Richtungen gleichzeitig bewegt:
- BIM und Open BIM werden zunehmend bei öffentlichen und größeren privaten Bauherren vorausgesetzt.
- IPA-Modelle (integrierte Projektabwicklung) verlangen eine enge, datenbasierte Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.
- Förderlogik und Vergaberegeln treiben E-Rechnung, GAEB DA XML 3.3 und digitale Nachweise.
Die Realität auf vielen Baustellen: Man arbeitet parallel mit BIM-Modell, PDF-Plänen, Mail-Ordnern und Excel-Listen. Avanti 2026 adressiert genau dieses Spannungsfeld und schafft eine Basis, auf der mittelfristig auch KI-Lösungen für Mengenermittlung, Prognosen und Risikobewertung deutlich besser andocken können.
2. Neuer BIM-Viewer: 2D-/3D-BIM wirklich in die AVA holen
Kernstück des Releases ist der komplett überarbeitete BIM-Viewer, mit dem IFC-Modelle komfortabler und leistungsfähiger in Avanti genutzt werden können.
2.1 Was der neue BIM-Viewer für den Alltag bedeutet
Der neue Viewer ist nicht nur „schicker“, sondern vor allem funktional:
- Performante Darstellung von IFC-Modellen direkt in Avanti
- Bessere Navigation und Filterung nach Bauteilen, Gewerken oder Räumen
- Direkte Verknüpfung von Modellobjekten mit Positionen im LV
Damit wird das, was viele Büros bislang mit Screenshots aus Revit und händischen Zuordnungen in Excel lösen, in einen durchgängigen AVA-Workflow überführt.
Je klarer die Verbindung zwischen Bauteil im BIM-Modell und Position im LV ist, desto besser können später KI-Modelle Kosten, Mengen und Änderungen automatisch bewerten.
2.2 Revit-Plugin 2026 und Open-BIM-Strategie
Softtech liefert zudem ein Plugin für die aktuelle Revit-Version 2026. Praktisch bedeutet das:
- Direkter Austausch von Daten zwischen Revit und Avanti
- Stabile Workflows für Büros, die Revit als zentrales BIM-Werkzeug nutzen
- Weniger Medienbrüche, weniger Ex- und Importe per Hand
In Kombination mit IFC-Unterstützung verfolgt Avanti damit klar eine Open-BIM-Strategie. Für IPA- und Generalplaner-Teams ist das entscheidend, weil:
- jede Partei ihr bevorzugtes CAD/BIM-Tool nutzen kann,
- der Austausch über offene Formate (IFC, BCF, GAEB) abgesichert ist,
- die AVA nicht an ein einzelnes Ökosystem gefesselt ist.
Genau diese Offenheit ist eine Grundbedingung für KI in der Bauindustrie: Nur wer saubere, standardisierte Daten hat, kann später wirklich automatisiert auswerten.
3. 2D-PDF trifft 3D-BIM: Mengenermittlung mit Grava connect
Die vielleicht praxisnächste Neuerung ist die direkte Verzahnung von Avanti 2026 mit der browserbasierten Mengenermittlung Grava connect.
3.1 Warum PDF-Pläne weiter bleiben – und wie Avanti damit umgeht
So sehr BIM politisch gefördert wird: In der Realität laufen auch 2025 viele Projekte immer noch PDF-lastig:
- Bestandsumbauten ohne vollständiges Modell
- Nachträge und Detailpläne nur als PDF
- Kleine und mittlere Bauvorhaben, bei denen BIM nicht gefordert ist
Softtech geht nicht den dogmatischen Weg „BIM oder nichts“, sondern sagt:
PDF bleibt ein wichtiges Arbeitsmittel – also muss es sauber in digitale Workflows integriert werden.
Mit Avanti 2026 können Sie jetzt:
- Mengen direkt im Webbrowser auf PDF-Plänen markieren (Grava connect).
- Diese Mengen vollständig in Avanti einlesen.
- Sie sowohl in Grava connect als auch in Avanti farbig hervorheben.
3.2 Ein System für Mengen aus 2D und 3D
Der große Mehrwert: Mengen aus 3D-Modellen und 2D-PDF-Plänen fließen in einem System zusammen.
Das reduziert typische Probleme:
- Doppelte Erfassung von Mengen in verschiedenen Tools
- Unklare Herkunft („Kam das jetzt aus dem Modell oder aus dem PDF?“)
- Streitigkeiten bei Nachträgen, weil die Nachvollziehbarkeit fehlt
Gerade für KI-Anwendungen ist das ein wichtiger Schritt:
- Sie erhalten eine konsolidierte Datenbasis statt zwei Welten (BIM vs. 2D).
- Künftige KI-Tools können automatisch erkennen, welche Mengen aus Modell, welche aus PDF stammen.
- Prognosen zu Kosten, Materialbedarf oder CO₂-Fußabdruck werden belastbarer.
Wer 2026 noch Excel-Listen mit manuell gezählten Mengen pflegt, wird es in Vergaben gegen digital aufgestellte Büros schwer haben.
4. Neues Mängelmanagement: LPH 8, BCF und CDE im Griff
Viele Büros investieren viel Energie in Planung und Ausschreibung – und verlieren in der Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) den Überblick. Mängel werden per E-Mail, Messprotokoll, WhatsApp oder lose Excel-Listen dokumentiert. Genau hier setzt das neue Mängelmanagement in Avanti 2026 an.
4.1 Mängel zentral erfassen und mit LV, Raum, Bauteil verknüpfen
Avanti 2026:
- erfasst Mängel zentral,
- verknüpft sie mit Leistungsverzeichnis, Raum oder Bauteil,
- stellt sie gewerkeübergreifend für das Projektmanagement bereit.
Das Entscheidende: Der Bezug zum LV und zur Zahlungsfreigabe wird direkt hergestellt. Sie sehen:
- Welcher Mangel zu welcher Position gehört
- Welche Zahlungen ggf. zurückzuhalten sind
- Wie sich Mängel auf Kosten und Termine auswirken
Für IPA-Verträge ist das Gold wert, weil Transparenz in der Mängelbearbeitung Konflikte und Nachtragsdiskussionen entschärft.
4.2 BCF und CDE: Andocken an die Open-BIM-Infrastruktur
Mängel können zusätzlich im offenen BCF-Format (BIM Collaboration Format) ausgegeben und an CDE-Plattformen (Common Data Environment) verschiedener Hersteller übergeben werden.
Das bedeutet in der Praxis:
- Mängel aus Avanti tauchen in der gewohnten CDE-/BIM-Umgebung auf.
- Bauleiter, Fachplaner, ausführende Firmen sehen dieselben Informationen.
- Screenshots, Markups und Modellansichten können direkt verknüpft werden.
Für eine Baustelle 4.0 ist das ein zentraler Baustein:
- Ein gemeinsamer Datenraum,
- offene Formate,
- klar dokumentierte Mängel als Datengrundlage.
Darauf lassen sich mittelfristig KI-Anwendungen aufsetzen, die zum Beispiel Risikobewertungen pro Gewerk, Prognosen für Restmängel oder automatische Priorisierung von Problemen liefern.
5. E-Rechnung, GAEB DA XML 3.3 und Adressverwaltung: Büro-Realität abbilden
Neben BIM-Features bringt Avanti 2026 auch einige „unspektakuläre“, aber extrem praxisrelevante Neuerungen, die direkt auf Effizienz und Liquidität einzahlen.
5.1 E-Rechnungen per Assistent: X-Rechnung & ZUGFeRD
Avanti 2026 enthält einen Assistenten für den Export von E-Rechnungen:
- Unterstützung von X-Rechnung und ZUGFeRD
- Orientierung an den Anforderungen der öffentlichen Hand
- Vorbereitung auf weitere Verschärfungen im E-Rechnungs-Umfeld
Wer häufig für Kommunen, Länder oder Bundesbauvorhaben arbeitet, kann damit Rechnungsstellung und -prüfung deutlich beschleunigen – und reduziert Rückfragen, formale Ablehnungen und Zahlungsziele, die ins Leere laufen.
5.2 GAEB DA XML 3.3: Zukünftige Ausschreibungen im Blick
Avanti 2026 befindet sich in Vorbereitung auf das neue GAEB-Datenformat DA XML 3.3. Für Planer und Bauunternehmen heißt das:
- Sie sind vorbereitet, wenn öffentliche Auftraggeber auf das neue Format umstellen.
- Ausschreibung, Angebotsabgabe und Abrechnung bleiben kompatibel.
- Medienbrüche und manuelle Konvertierungen werden vermieden.
Gerade für mittelständische Firmen, die sich Zugang zu größeren öffentlichen Projekten sichern wollen, ist diese Zukunftssicherheit ein wichtiges Argument.
5.3 Neue Adressverwaltung auf SQL-Basis
Ebenfalls neu ist eine Adressverwaltung, die auf einer SQL-Datenhaltung basiert. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, zahlt aber direkt auf einen schnelleren, unterbrechungsfreien Workflow ein:
- Zentrale Pflege von Stammadressen (Bauherren, Firmen, Ansprechpartner)
- Neue Suchfunktionen für schnelle Zuordnung im Projekt
- Technische Basis für weitere Automatisierungen und KI-Auswertungen
Wer viele Projekte parallel betreut, spart hier schlicht Zeit – und reduziert Fehler bei Angeboten, Rechnungen und Schriftverkehr.
6. Wie Sie Avanti 2026 in Ihre Baustelle-4.0-Strategie einordnen
Wer KI im Bauunternehmen ernsthaft nutzen will, muss zuerst die Hausaufgaben bei Daten und Prozessen machen. Avanti 2026 ist dafür kein Allheilmittel, aber ein sehr solider Baustein.
Aus meiner Sicht passt die Software ideal in fünf typische Strategien:
- BIM stufenweise einführen: Erst 2D+PDF sauber digitalisieren (Grava connect), dann IFC/ Revit-Workflows etablieren, später KI-gestützte Auswertungen aufsetzen.
- Open BIM verankern: IFC, BCF, GAEB konsequent nutzen und damit Abhängigkeit von Einzelsystemen reduzieren.
- IPA-Projekte professionell abwickeln: Datenbasierte Zusammenarbeit über CDE, transparentes Mängelmanagement, saubere Kosten- und Mengengerüste.
- Liquidität sichern: E-Rechnung, klare Zuordnung von Mängeln zu Zahlungen, strukturierte Adress- und Vertragsdaten.
- KI-Readiness herstellen: Standardisierte, konsistente Datenstrukturen sind die Grundlage für spätere KI-Tools – ob für Kostenschätzung, Bauzeitenprognose oder Qualitätskontrolle.
Wer Avanti 2026 nur als „neue AVA-Version“ sieht, verschenkt Potenzial. Richtig eingesetzt, wird die Software zum Rückgrat der digitalen Projektabwicklung – auf dem später KI-Lösungen sinnvoll aufbauen können.
Wenn Sie Ihre Organisation in Richtung Baustelle 4.0 entwickeln wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die eigenen AVA- und BIM-Prozesse zu prüfen: Wo entstehen Medienbrüche, wo fehlen Schnittstellen, wo liegen Mengen und Mängel noch in Excel? Genau dort kann Avanti 2026 ansetzen.
Die Baustellen der nächsten Jahre werden nicht nur digitaler, sondern auch datengetriebener. Wer heute seine Strukturen und Tools darauf ausrichtet, verschafft sich einen klaren Vorsprung – gegenüber Wettbewerbern und in der Zusammenarbeit mit öffentlichen wie privaten Auftraggebern.