Off-Site-Bau, DfMA und KI: Wie ALLPLAN mit der Übernahme von Manufacton die digitale Baustelle in Österreich konkret voranbringt – und was Bauunternehmen jetzt tun können.

Wie ALLPLAN mit Manufacton die digitale Baustelle treibt
Fertigteilwerke in Österreich melden 2025 Auslastungen über 90 Prozent, gleichzeitig bleiben Fachkräfte auf den Baustellen Mangelware. Viele Bauunternehmen stehen damit vor der gleichen Frage: Wie produziere ich mehr Bauleistung mit weniger Ressourcen – und trotzdem sauber koordiniert?
Genau an dieser Stelle wird die Übernahme von Manufacton durch ALLPLAN spannend. Denn hier geht es nicht nur um ein weiteres Softwareprodukt, sondern um ein klares Signal: Off-Site-Bau, modulare Vorfertigung und KI-gestützte Baustelle 4.0 wandern vom PowerPoint-Slide in den Alltag.
In dieser Folge unserer Reihe „KI in der österreichischen Bauindustrie: Digitale Baustellen“ schauen wir uns an, was hinter dem Deal steckt, warum Off-Site und DfMA in Österreich jetzt Fahrt aufnehmen – und wie Bauunternehmen und Fertigteilwerke ganz konkret davon profitieren können.
1. Was hinter der Übernahme von Manufacton steckt
Die Kernbotschaft ist klar: ALLPLAN kauft Manufacton, um Off-Site-Bau und Vorfertigung KI-gestützt zu steuern und transparent zu machen.
Manufacton ist eine Softwareplattform aus den USA, die sich auf:
- Echtzeit-Transparenz in der Off-Site-Produktion
- Optimierung von Vorfertigungsprozessen mit KI und Datenanalysen
- integriertes Projekt- und Produktionsmanagement
spezialisiert hat. Kunden sind Generalunternehmer, Spezialunternehmen und Modulbauer, die Fertigteile, Raummodule oder technische Module (TGA-Skids, Bäder, Schachtmodule) herstellen.
Durch die Integration in das ALLPLAN-Portfolio entsteht eine durchgängige Kette:
- Planung und BIM-Modell in ALLPLAN
- Design for Manufacturing and Assembly (DfMA) – Bauteile werden fertigungsgerecht modelliert
- Produktionsplanung, Tracking und Logistik über Manufacton
- Montage auf der Baustelle mit klarer Reihenfolge und digitalen Rückmeldungen
Die Realität? Für viele Unternehmen wird Digitalisierung erst dann greifbar, wenn Planung, Produktion und Baustelle auf einer einzigen Datenbasis zusammenspielen.
2. Warum Off-Site-Bau und DfMA gerade jetzt wichtig sind
Der Trend zu modularer Bauweise und DfMA ist kein Hype, sondern eine nüchterne Antwort auf mehrere Probleme der Bauwirtschaft – besonders spürbar in Österreich.
2.1 Arbeitskräftemangel und Termindruck
- Bauunternehmen finden kaum noch qualifizierte Fachkräfte.
- Projekte werden immer komplexer, Termine immer enger.
- Schlecht koordinierte Abläufe führen zu Nacharbeit, Stillstand und Streit auf der Baustelle.
Off-Site-Bau verlagert einen Großteil der Wertschöpfung ins Werk:
- Witterungsunabhängige Produktion
- Standardisierte Abläufe
- Bessere Auslastung des vorhandenen Personals
2.2 Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung
Insbesondere für öffentliche Auftraggeber in Österreich rückt CO₂-Reduktion und Ressourceneffizienz in den Fokus. Moderne modulare Methoden unterstützen das:
- weniger Abfall durch präzise Fertigung
- weniger Transporte durch optimierte Logistik
- bessere Qualität, damit weniger Sanierungsbedarf
Hier setzt KI-basierte Planung an: Algorithmen unterstützen etwa bei der Optimierung von Schnittplänen, der Ressourcenzuteilung oder der Lieferreihenfolge, um Leerfahrten und Wartezeiten deutlich zu reduzieren.
2.3 Vom 3D-Modell zur fertigen Einheit – DfMA
DfMA bedeutet, Gebäude so zu planen, als würden sie industriell gefertigt:
- Bauteile werden im BIM-Modell so definiert, wie sie tatsächlich produziert werden.
- Verbindungen, Toleranzen und Montagefolgen sind im Modell abgebildet.
- Die Fabrik arbeitet direkt mit den aus dem Modell abgeleiteten Fertigungsdaten.
Ohne digitale Werkzeuge und eine starke BIM-Integration ist das kaum zu managen. Genau hier liegt der Hebel der Kombination aus ALLPLAN und Manufacton.
3. Wie KI und Daten Off-Site-Bau wirklich produktiver machen
KI in der Bauindustrie wird oft abstrakt diskutiert. Mit Manufacton wird sie sehr konkret – nämlich dort, wo täglich Zeit und Geld verloren gehen: in Planung, Fertigung und Logistik.
3.1 Echtzeit-Transparenz statt Excel-Chaos
Ein typischer Status quo: mehrere Excel-Listen, Mails, WhatsApp-Gruppen, ein paar Whiteboards im Werk – und niemand hat zu 100 % den Überblick:
- Welche Elemente sind im Werk fertig?
- Was steht im Versand?
- Welche Module fehlen auf der Baustelle, um weiterzumachen?
Manufacton setzt hier an und bietet:
- Live-Status für jedes Bauteil oder Modul (geplant, in Fertigung, fertig, verladen, montiert)
- Dashboards für Bauleitung, Werk und Logistik
- automatische Benachrichtigungen bei Engpässen oder Verzögerungen
Dadurch lassen sich typische Baustellenprobleme erheblich reduzieren:
- Kolonnen stehen nicht mehr vor leeren Flächen, weil das Modul fehlt.
- Fertigteile liegen nicht wochenlang im Weg herum.
- Projektleiter können auf Basis von Echtzeitdaten entscheiden, nicht auf Bauchgefühl.
3.2 KI-gestützte Produktions- und Terminplanung
Die KI- und datengetriebenen Funktionen von Manufacton bringen Struktur in die Fertigung:
- Optimierte Reihenfolgeplanung („Welche Elemente zuerst, um Engpässe zu vermeiden?“)
- Erkennung von Kollisionen in Abläufen („Wenn das Badmodul zu spät kommt, steht der Innenausbau.“)
- Datenbasierte Kapazitätsplanung über mehrere Projekte hinweg
Für österreichische Fertigteilwerke, die oft für mehrere Generalunternehmer gleichzeitig produzieren, ist das ein Hebel mit unmittelbarem Effekt: höhere Auslastung, weniger Überstunden, weniger Chaos.
3.3 Weniger Ausschuss, mehr Qualität
Qualitätsprobleme in der Vorfertigung sind teuer. Eine einbetonierte falsche Aussparung kann ein Element unbrauchbar machen.
Durch die Kombination von ALLPLAN (Planung/BIM) und Manufacton (Produktion/Tracking):
- werden Änderungen aus der Planung frühzeitig in der Fertigung sichtbar,
- können Fehlerquellen durch Datenanalyse identifiziert werden (z.B. wiederkehrende Fehler an bestimmten Detailtypen),
- stehen Produktionsdaten langfristig für Auswertungen zur Verfügung.
So lässt sich Qualität systematisch verbessern – nicht nur durch „mehr Kontrolle“, sondern durch bessere Informationen im richtigen Moment.
4. Praxisnah: Was heißt das für österreichische Bauunternehmen?
Für Unternehmen in Österreich, die Richtung Baustelle 4.0 gehen wollen, eröffnet die ALLPLAN-Übernahme von Manufacton mehrere konkrete Optionen.
4.1 Generalunternehmer und Bauunternehmen
Wenn Sie als GU oder großes Bauunternehmen arbeiten, ist der größte Hebel: Transparenz und Steuerung über den gesamten Prozess.
Mögliche Schritte:
- BIM sauber etablieren: Planungsbüros und interne Teams mit ALLPLAN auf einen einheitlichen Standard bringen.
- DfMA-Potenziale identifizieren: Welche Bauteile bieten sich für Vorfertigung an (Bäder, Technikschächte, Fassaden, Deckenelemente)?
- Off-Site-Prozesse digital abbilden: Mit einer Plattform wie Manufacton Fertigung, Logistik und Montage vernetzen.
- KI-basiertes Controlling nutzen: Über Dashboards und Kennzahlen gezielt steuern – Termintreue, Ausschussquote, Auslastung.
Der Effekt: Projekte werden nicht nur digitaler, sondern besser planbar – ein echter Vorteil bei öffentlichen Ausschreibungen und PPP-Projekten.
4.2 Fertigteilwerke und Modulbauer
Für Fertigteilwerke in Österreich ist Manufacton in Verbindung mit ALLPLAN besonders spannend, weil Planung und Fertigung oft noch zu getrennt laufen.
Konkret möglich sind:
- Direkte Übernahme von Stücklisten und Fertigungsinformationen aus ALLPLAN
- Feinplanung der Produktion pro Linie, Schicht und Projekt
- Rückmeldungen aus der Fertigung (Start/Stopp, Ausschuss, Störungen) in Echtzeit
- Transparente Auslieferungspläne für alle Kundenprojekte
Wer das gut aufsetzt, kann seinen Kunden – gerade auch bei großen Infrastruktur- und Wohnbauprojekten – etwas anbieten, das immer gefragter wird: verlässliche Termine statt „ungefähr Woche 42“.
4.3 Planungsbüros und Ingenieure
Auch für Planer bringt der Schritt von ALLPLAN Nutzen. Wer früh in DfMA denkt und modelliert, kann sich klar differenzieren:
- BIM-Modelle enthalten bereits Informationen, die für Fertigung und Montage relevant sind.
- Kollisionsprüfungen und Plausibilitäten werden gegen reale Fertigungsprozesse gespiegelt.
- Planungsbüros werden zu Partnern der Industrie, nicht nur zu Lieferanten von Plänen.
Gerade in Österreich, wo viele mittelständische Büros stark im Hochbau und in der Tragwerksplanung sind, liegt in dieser Spezialisierung eine echte Chance.
5. So starten Sie in Richtung KI-gestützte digitale Baustelle
Die gute Nachricht: Niemand muss von heute auf morgen alles umkrempeln. Erfolgreiche Unternehmen starten mit überschaubaren Schritten.
5.1 Pilotprojekte statt Big Bang
Ein erprobter Ansatz:
- Ein Projekt auswählen, das sich für Vorfertigung eignet (z.B. Wohnbau mit Wiederholungstypen, Studentenheim, serielles Bauen).
- Klare Ziele definieren: z.B. 20 % weniger Baustellenlogistikfahrten, 30 % weniger Nacharbeit, bessere Termintreue.
- BIM-Prozess mit ALLPLAN sauber aufsetzen und DfMA-Prinzipien berücksichtigen.
- Off-Site-Prozess digitalisieren – etwa mit einer Plattform wie Manufacton, zunächst für einen ausgewählten Bauteiltyp.
- Auswerten und lernen: Welche Engpässe sind aufgetreten? Welche Daten fehlen? Wo hat KI wirklich geholfen?
5.2 Organisation und Kultur mitnehmen
Neue Software allein löst nichts. Entscheidend ist, wie sie genutzt wird.
Erfolgsfaktoren sind:
- klare Verantwortlichkeiten (wer pflegt Daten, wer entscheidet auf Basis welcher Kennzahlen?)
- Schulung und Begleitung der Teams in Werk und auf Baustelle
- transparente Kommunikation der Ziele („Wir wollen es für euch einfacher machen, nicht nur mehr Kontrolle schaffen.“)
Ich habe oft gesehen: Dort, wo Vorarbeiter und Werkmeister aktiv eingebunden werden, steigen Akzeptanz und Nutzen spürbar. Dort, wo „von oben“ nur neue Tools verordnet werden, bleibt es beim Pflichtprogramm.
Ausblick: KI als Alltagstool der österreichischen Bauindustrie
Die Übernahme von Manufacton durch ALLPLAN ist mehr als eine Pressemeldung. Sie passt zu einem klaren Trend: KI, BIM und Off-Site-Bau wachsen zusammen und werden zum Rückgrat der digitalen Baustelle in Österreich.
Wer früh einsteigt, baut sich einen Vorsprung auf – bei Kosten, Terminen, Qualität und Nachhaltigkeit. Gerade im Wettbewerb um öffentliche Aufträge, ESG-Vorgaben und serielles Bauen ist das ein echter Pluspunkt.
Wenn Sie für Ihr Unternehmen klären wollen, wie Sie von BIM über DfMA bis hin zu Off-Site-Produktion und KI-gestützter Steuerung kommen, lohnt sich jetzt ein genauer Blick auf Ihr nächstes Projekt. Die Frage ist weniger, ob die österreichische Bauindustrie diesen Weg geht, sondern wer ihn schnell und professionell umsetzt.