ALLPLAN Civil bringt parametrische Infrastrukturplanung, Design-to-Build für Brücken und BIM-Workflows zusammen – und schafft die Basis für KI auf der Baustelle.

ALLPLAN Civil: Warum dieses Tool für Baustelle 4.0 relevant ist
Die meisten Infrastrukturprojekte in Österreich und Deutschland scheitern nicht am Beton, sondern an den Prozessen: Medienbrüche, doppelte Dateneingabe, manuelle Bewehrungspläne, fehleranfällige Abstimmung zwischen Planung, Statik und Ausführung. Genau hier setzt ALLPLAN Civil an – und macht Infrastrukturplanung deutlich näher an das Ideal der Baustelle 4.0.
Hier’s the thing about moderne Infrastrukturplanung: Wer heute Brücken, Straßen oder komplexe Verkehrsbauwerke plant, arbeitet längst nicht mehr nur mit 2D-Plänen. Es geht um durchgängige, digitale Workflows, BIM-Modelle, automatisierte Variantenvergleiche und zunehmend auch um KI-gestützte Auswertungen. ALLPLAN bündelt mit ALLPLAN Civil genau diese Bausteine und verbindet sie zu einem Design-to-Build-Ansatz, der auf digitale Baustellen in der DACH-Region zugeschnitten ist.
In dieser Analyse – als Teil unserer Reihe „KI in der österreichischen Bauindustrie: Digitale Baustellen“ – schauen wir uns an, was ALLPLAN Civil konkret leistet, wie sich damit Infrastrukturprojekte effizienter abwickeln lassen und wo die Tür für KI-Anwendungen bereits weit offensteht.
Was ist ALLPLAN Civil – und was macht es anders?
ALLPLAN Civil ist die neue, integrierte Infrastruktur-Lösung von ALLPLAN. Sie vereint die Modellierungsfunktionen von ALLPLAN und dem bisherigen Spezialtool ALLPLAN Bridge in einer Oberfläche. Ziel: Planung, Entwurf, Analyse und Detaillierung von Infrastrukturprojekten in einem durchgängigen System.
Statt isolierten Einzellösungen gibt es:
- ein einheitliches, parametrisches 3D-Modell,
- Workflows von Design bis Fertigung,
- direkte Übergaben an Statik und Bemessung,
- optimierte Tools für Straßenentwurf und Geländemodell.
Für österreichische und deutsche Büros heißt das: weniger Schnittstellen-Stress, mehr konsistente Daten. Und genau diese Konsistenz ist später die Grundlage, um KI-Services für Mengen, Abläufe, Risiken oder Kostenprognosen sinnvoll einsetzen zu können.
Drei Modellierungsansätze für komplexe Infrastruktur
Der Kern von ALLPLAN Civil ist eine parametrische Modellierungslogik, die speziell auf Infrastruktur zugeschnitten ist. Statt jede Änderung manuell nachzuzeichnen, arbeiten Sie mit Regeln und Parametern.
1. Achsenbasierte Modellierung für Straßen und Brücken
Der erste Ansatz ist die achsenbasierte Modellierung: Querschnitte werden entlang einer Achse – etwa einer Straßen- oder Brückenachse – extrudiert.
Vorteile:
- Änderungen an Trasse oder Höhenlage werden automatisch ins 3D-Modell übernommen
- Varianten (z. B. angepasste Querneigung, andere Fahrstreifenbreiten) sind schnell geprüft
- Ideal für Brücken, Stützmauern, Lärmschutzbauwerke entlang von Verkehrsachsen
Gerade im Kontext „Baustelle 4.0“ ist das relevant: Achsdaten sind ohnehin in vielen Projekten digital vorhanden. Wenn das Modell an diese Achse geknüpft ist, wird die Aktualisierung zum Routinejob statt zum Risiko.
2. Polygonisierte Modellierung für unregelmäßige Geometrien
Der zweite Ansatz – die polygonisierte Modellierung – eignet sich für Bauwerke mit komplexeren, nicht rein liniengebundenen Geometrien. Typische Beispiele:
- Rampen, Knotenpunkte, Verteilerbauwerke
- Geländeanschlüsse und Baugruben
- Sonderbauwerke in Wasser- und Tiefbau
Hier ist der Gewinn: statt Freiform per Hand zu zeichnen, wird über parametrische Polygone gearbeitet. Änderungen wirken sich konsistent auf alle abhängigen Bauteile aus.
3. Freie parametrische Modellierung für Spezialfälle
Dazu kommt eine freie parametrische Modellierung, mit der sich Spezialgeometrien definieren lassen, die in keine Standardkategorie passen – etwa:
- architektonisch anspruchsvolle Brückenüberbauten
- individuelle Fertigteil- oder Sonderquerschnitte
- komplexe Stützkonstruktionen
Aus Sicht von KI-gestützter Planung ist das besonders interessant: Je stärker die Geometrie in Regeln und Parametern abgebildet ist, desto einfacher lassen sich später Optimierungen, Automatiken oder Prognosen darauf anwenden.
Design-to-Build für Fertigteilbrücken: Weniger Handarbeit, mehr Qualität
Ein zentrales Highlight von ALLPLAN Civil ist der Design-to-Build-Workflow für Fertigteilträgerbrücken. Hier wird deutlich, wie nah die Lösung an den Bedürfnissen digitaler Baustellen ist.
Automatisierte Prozesse statt manueller Detaillierung
Brücken sind klassische Problemkandidaten in Projekten: hohe Komplexität, enge Terminpläne, hoher Koordinationsaufwand zwischen Planung, Statik, Fertigteilwerk und Baustelle.
ALLPLAN Civil setzt hier an mit:
- automatisierten Prozessen von Entwurf bis Detaillierung
- durchgängigem Brückenmodell statt vielen Einzelzeichnungen
- parametrischer Bewehrungsmodellierung
Praktisch heißt das:
- Anpassungen im Entwurf wirken direkt in die Detaillierung
- Bewehrungsformen können als Vorlagen definiert und wiederverwendet werden
- Fertigungspläne für Fertigteilwerke lassen sich konsistenter ausgeben
Ergebnis: weniger manuelle Tätigkeiten, weniger Fehlerquellen, schnellere Durchläufe. In vielen Büros sind 30–40 % der Zeit in Infrastrukturprojekten reine Änderungs- und Koordinationsaufwände. Wer das deutlich reduziert, schafft die Basis, um Personal auf wertschöpfendere Tätigkeiten zu konzentrieren – etwa Variantenstudien, Nachhaltigkeitsbewertung oder KI-gestützte Szenarien.
Parametrische Bewehrungsmodellierung als Hebel
Die parametrische Bewehrungsmodellierung ist mehr als ein Komfort-Feature. Sie ist ein Baustein für:
- konsistente Digitalisierung von Bewehrungsdaten,
- automatisierte Mengenermittlung,
- spätere KI-Auswertungen zu Materialverbrauch, CO₂-Bilanz oder Kosten.
Wenn Bewehrung nicht nur gezeichnet, sondern als Datenobjekt mit Regeln existiert, wird die Brücke vom 2D-Plan zum echten Datenmodell. Genau das braucht die Baustelle 4.0.
Straßenplanung, DGM und Kreuzungen: Mehr Automatik, weniger Klicks
Für die Straßen- und Infrastrukturplanung bringt ALLPLAN Civil deutlich erweiterte Funktionen in zwei Bereichen: parametrische Kreuzungen und digitale Geländemodelle (DGM).
Parametrische Kreuzungen
Knotenpunkte zählen zu den zeitintensivsten Teilen im Straßenentwurf. Mit den neuen parametrischen Kreuzungen lassen sich:
- Geometrien regelbasiert aufbauen,
- länderspezifische Normen und Regelwerke abbilden,
- Änderungen an Achsen oder Querschnitten automatisiert durchziehen.
Das reduziert Fehler (z. B. unzulässige Radien oder Sichtweiten) und beschleunigt die Planerstellung. In einem BIM- und KI-Kontext sind solche regelbasierten Kreuzungen ideal, weil sie standardisierte Daten liefern, die sich später für Simulationen, Verkehrsanalyse oder Risikoabschätzungen nutzen lassen.
Vereinfachte DGM-Handhabung
Digitale Geländemodelle sind die Basis jedes Tiefbauprojekts – und gleichzeitig oft ein Zeitfresser. ALLPLAN Civil bietet eine vereinfachte, praxisnahe Handhabung:
- schneller Import und Bearbeitung von Vermessungsdaten
- effizientere Bearbeitung von Geländebrüchen und Böschungen
- bessere Visualisierung für Abstimmungen mit Auftraggebern und Behörden
Je zuverlässiger und detaillierter das DGM ist, desto besser funktionieren nachgelagerte Anwendungen wie Erdmassenberechnung, Bauphasen-Visualisierung oder auch KI-basierte Risikoanalysen (z. B. Hangrutsch-Risiken, Hochwasserbetrachtungen in Kombination mit weiteren Datenquellen).
SCIA-Integration, BIMPLUS und der Weg zu KI-Workflows
ALLPLAN Civil kommt in vielen Märkten mit einem starken Argument: der Integration von SCIA Ultimate sowie der Anbindung an BIMPLUS.* Auch wenn SCIA Ultimate in Österreich aktuell nicht verfügbar ist, lohnt sich der Blick auf den Workflow, denn er zeigt, wie sich Infrastrukturplanung in Richtung integrierter, KI-fähiger Datenplattform entwickelt.
Tragwerksplanung mit SCIA Ultimate
SCIA Ultimate bringt moderne Werkzeuge für Entwurf und Bemessung von Tragwerken in den Workflow:
- präzisere Analysen direkt aus dem BIM-Modell
- Variantenvergleiche ohne Medienbruch
- bessere Entscheidungsgrundlagen für wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen
Statt Geometrien manuell zu übertragen, wird das Informationsmodell genutzt. Fehlerquellen durch Doppelerfassung sinken, und das Modell wird zur einzigen Quelle der Wahrheit – eine Grundvoraussetzung für späteres KI-gestütztes Monitoring, etwa in Richtung Digital Twin.
AutoConverter und BIMPLUS als Datenhub
Mit dem AutoConverter und der direkten Verbindung zu BIMPLUS wird es möglich, Modelle zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Systemen auszutauschen, ohne alles neu aufzubauen.
Das zahlt auf drei Punkte ein:
- Zeitersparnis: weniger Neuaufbau von Modellen, mehr Wiederverwendung.
- Qualität: konsistentere Daten, weniger Übertragungsfehler.
- KI-Fähigkeit: zentral verfügbare, saubere Daten – die Grundlage für jede sinnvolle KI-Anwendung.
Gerade für österreichische und deutsche Unternehmen, die sich mit Themen wie Digital Twin, Predictive Maintenance oder KI-gestützter Bauablaufplanung befassen, ist ein solches Datenfundament entscheidend. Ohne konsistente Modelle bleibt KI ein Pilotprojekt im Labor.
Wer heute saubere BIM-Modelle mit durchgängigen Workflows aufbaut, baut gleichzeitig die Basis für alle KI-Anwendungen von morgen.
*Hinweis: Laut Herstellerangabe ist SCIA Ultimate in Österreich derzeit nicht verfügbar – die grundsätzliche Workflow-Philosophie gilt aber trotzdem.
Praktische Nutzen für Bauunternehmen und Planer in Österreich
Die Vorteile von ALLPLAN Civil sind nicht nur technisch, sondern ganz handfest betriebswirtschaftlich.
1. Effizientere Projektabwicklung
- Parametrische Modelle bedeuten schnellere Plananpassungen.
- Automatisierte Brücken- und Kreuzungsentwürfe reduzieren Routinearbeit.
- Durchgängige Workflows sparen Abstimmungs- und Korrekturschleifen.
Viele Büros berichten bereits bei ähnlichen Workflows von Zeitersparnissen im zweistelligen Prozentbereich bei Änderungsphasen. Über ein Jahr und mehrere Projekte hinweg ist das ein deutlicher Margenhebel.
2. Höhere Planungsqualität und weniger Baufehler
- Konsistente 3D-Modelle verhindern Widersprüche zwischen Lageplan, Schnitt und Ansicht.
- Parametrische Regeln stellen sicher, dass Normen und Richtlinien eingehalten werden.
- Digitale Geländemodelle und Kreuzungen reduzieren Planungsunsicherheiten.
Fehler in der Infrastrukturplanung schlagen auf der Baustelle teuer zu Buche – besonders bei Brücken oder Verkehrsknoten. Digitale Modelle sind hier eine Versicherung gegen Kostenexplosionen.
3. Vorbereitung auf KI und digitale Baustellen
ALLPLAN Civil ist zwar kein „KI-Tool“ im engeren Sinn, aber ein Enabler dafür, KI sinnvoll einzusetzen:
- Daten liegen strukturiert, vollständig und maschinenlesbar vor.
- Prozesse sind standardisiert und dokumentiert.
- Modelle sind mit BIMPLUS verknüpfbar – ein Pluspunkt für spätere Cloud- und KI-Services.
Wer heute ein Büro oder Bauunternehmen führt, das in 3–5 Jahren noch wettbewerbsfähig sein soll, kommt an dieser Vorbereitung nicht vorbei. KI braucht keine schönen PowerPoint-Folien, sondern saubere, vernetzte Daten – genau das liefert ein System wie ALLPLAN Civil.
Wie Sie den Einstieg in ALLPLAN Civil strategisch nutzen
Der Umstieg auf eine neue Infrastrukturplattform ist kein „Installieren und loslegen“. Wer den Mehrwert von ALLPLAN Civil wirklich ausschöpfen will, sollte strukturiert vorgehen.
1. Pilotprojekt statt Big Bang
Starten Sie mit einem klar abgegrenzten Projekt, z. B.:
- einer kleineren Brücke mit Fertigteilen,
- einer Ortsdurchfahrt mit Kreuzungsumbau,
- einem Abschnitt einer Landesstraße mit komplexem Gelände.
So kann das Team:
- Workflows testen,
- Vorlagen entwickeln,
- Lessons Learned sammeln, ohne den gesamten Betrieb zu riskieren.
2. Rollen und Prozesse definieren
Digitale Infrastrukturplanung funktioniert nur, wenn Rollen und Zuständigkeiten klar sind:
- Wer verwaltet Achsen und DGM?
- Wer verantwortet das parametrische Brückenmodell?
- Wer pflegt die Bewehrungsvorlagen?
Transparente Prozesse sind mindestens so wichtig wie die Software selbst – gerade wenn später KI-Services darauf aufbauen sollen.
3. Schulung, Standards und Templates
Nutzen Sie:
- Schulungen und Webinare zum Thema Infrastrukturplanung,
- eigene Bürostandards für Achsdefinition, Querschnitte, Bewehrung,
- Vorlagen für wiederkehrende Bauteile (Fertigteilträger, Widerlager, Stützwände).
Je mehr Standards sie früh definieren, desto größer wird der Skaleneffekt in späteren Projekten – und desto besser können KI-Algorithmen aus Ihren historischen Daten lernen.
Fazit: ALLPLAN Civil als Baustein für die digitale Baustelle
ALLPLAN Civil zeigt sehr deutlich, wohin sich die Infrastrukturplanung bewegt: weg von losen 2D-Plänen, hin zu parametrischen, durchgängigen Modellen, die vom Entwurf bis zur Fertigung reichen. Wer in Österreich heute Brücken, Straßen und komplexe Infrastruktur plant, bekommt damit ein Werkzeug, das Effizienz, Qualität und Datenbasis gleichzeitig verbessert.
Für unsere Reihe „KI in der österreichischen Bauindustrie: Digitale Baustellen“ ist ALLPLAN Civil ein wichtiger Baustein. Die Lösung selbst ist noch keine KI, aber sie schafft genau das, was KI braucht: strukturierte Modelle, saubere Workflows und zentral verfügbare Daten. Auf dieser Grundlage lassen sich in den nächsten Jahren Themen wie KI-gestützte Terminplanung, Kostenprognosen, Risikoanalyse oder Digital Twins viel pragmatischer angehen.
Wer jetzt in solche Werkzeuge investiert, baut nicht nur bessere Brücken und Straßen – sondern vor allem eine Brücke in die eigene digitale Zukunft.