ALLPLAN 2025 verbindet KI, BIM und Cloud zu durchgängigen Workflows für Planung und Bau. So wird die deutsche Baustelle 4.0 konkret nutzbar – vom Entwurf bis Fertigteil.
ALLPLAN 2025: Wie KI die Baustelle 4.0 konkret macht
2024 fehlten laut Bauindustrie bundesweit zehntausende Fachkräfte – gleichzeitig steigen Material- und Finanzierungskosten. Die meisten Bauunternehmen wissen: Mit den bisherigen Methoden lassen sich die nächsten fünf Jahre nicht mehr stemmen. Genau hier setzt ALLPLAN 2025 an und verbindet KI, BIM und Echtzeit-Zusammenarbeit zu einem durchgehenden Design-to-Build-Ansatz.
Dieser Beitrag aus unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ zeigt, was hinter ALLPLAN 2025 steckt – und vor allem, wie Architekten, Ingenieure, Fertigteilwerke und ausführende Unternehmen in Deutschland das Tool ganz praktisch für produktivere digitale Baustellen nutzen können.
Warum ALLPLAN 2025 fĂĽr Baustelle 4.0 so relevant ist
ALLPLAN 2025 ist mehr als ein Software-Update. Es ist ein sehr klares Signal, wohin sich BIM in Deutschland bewegt: weg von Insellösungen, hin zu durchgängigen, KI-gestützten Workflows vom ersten Entwurf bis auf die Baustelle.
Die Software adressiert drei zentrale Schmerzpunkte der Branche:
- Arbeitskräftemangel – mehr Output mit kleineren Teams
- Kosten- und Termindruck – weniger Nacharbeit, mehr Planungssicherheit
- Fragmentierte Kommunikation – alle Beteiligten greifen auf ein konsistentes, aktuelles Modell zu
Die Realität: Viele Büros nutzen bereits BIM, aber der Datendurchfluss bricht irgendwo zwischen Entwurf, Statik, Fertigteilplanung und Bauausführung ab. Genau diese Brüche schließt ALLPLAN 2025 mit KI-Werkzeugen, Cloud-Services und besserer Multimaterial-Fähigkeit.
KI im Hochbau: Vom schnellen Entwurf zur präzisen Ausführungsplanung
Kernnutzen für Architekten und Planer: KI nimmt Routinearbeit ab, beschleunigt Variantenstudien und sorgt für sauber koordinierte Modelle – ohne Qualitätseinbußen.
AI Visualizer: Ideen in Sekunden statt Stunden
Der neue AI Visualizer ist ein gutes Beispiel dafĂĽr, wie KI im Alltag wirklich hilft:
- Visualisierungen werden in Sekunden in der Cloud erzeugt
- keine zusätzliche High-End-Hardware nötig
- nutzbar für Außen- und Innenräume, in frühen und späten Entwurfsphasen
Für deutsche Büros mit knapp kalkulierten Honoraren ist das spannend: Statt jede Entwurfsvariante mit externen Renderings aufzuwerten, generiert das Team schnell mehrere Bildwelten intern. Das erhöht die Überzeugungskraft gegenüber Bauherren – gerade bei konkurrierenden Konzeptstudien oder städtebaulichen Wettbewerben.
Praxisidee:
- frĂĽhe Workshops mit Bauherrschaft: Entwurfsmodelle schrittweise anpassen, KI-Visualisierungen live generieren und Entscheidungen direkt im Termin treffen
Deckensysteme & Haustechnik: Konflikte frĂĽh erkennen
Das neue Werkzeug für Deckensysteme erleichtert die Modellierung abgehängter Decken und die Integration der Technischen Gebäudeausrüstung:
- strukturierte Verwaltung von Deckenaufbauten
- bessere Koordination von Leuchten, Rauchmeldern, LĂĽftungsanlagen
- mehrschichtige Decken fĂĽr unterschiedliche Projektphasen
Gerade für die digitale Baustelle ist das relevant: Wenn die TGA früh sauber im BIM-Modell sitzt, reduziert sich das Risiko von Kollisionen auf der Baustelle. Weniger Umbauten, weniger Streit, weniger Nachträge.
Content Connector & Cadenas: Herstellerdaten direkt im Modell
Mit dem erweiterten Content Connector und der Integration der 3D-Findit-Plattform von Cadenas greifen Planer auf umfangreiche Herstellerbibliotheken zu. Das zahlt auf mehrere Ziele ein:
- aktuelle Produktdaten statt veralteter CAD-Blöcke
- exaktere Mengenermittlung fĂĽr Ausschreibung und Kalkulation
- konsistente Detailqualität über alle Projekte
Für deutsche Generalunternehmer bedeutet das: BIM-Modelle werden zur verlässlichen Basis für Einkauf und Logistik – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Baustelle 4.0.
Ingenieurbau: Automatisierte Bewehrung und bessere Statik-Workflows
Im Ingenieurbau zeigt sich besonders deutlich, wie ALLPLAN 2025 den Planungsaufwand senkt und Fehlerquellen reduziert.
Freiformbewehrung: Automatik statt Stab fĂĽr Stab
Die neue Möglichkeit, Bewehrung entlang beliebiger Flächen automatisch zu platzieren, adressiert einen klassischen Zeitfresser im Alltag von Tragwerksplanern:
- funktioniert für 3D-Freiformgeometrien, Decken und Wände
- kein manuelles Platzieren jedes einzelnen Stabs
- konsistente, regelbasierte Bewehrungsverlegung
Oder anders gesagt: Wo bisher tagelang „gezeichnet“ wurde, werden heute Regeln definiert. Für komplexe Brücken, geschwungene Fassaden oder Sonderquerschnitte ist das ein gewaltiger Produktivitätssprung.
AutoConverter & SAF: Statikmodelle aus Tragwerksmodellen
Der AutoConverter in der ALLPLAN Cloud erzeugt aus Tragwerksmodellen automatisch statische Modelle und exportiert sie im SAF-Format in verschiedenste Statikprogramme. Neu ist die Unterstützung gekrümmter Bauteile – entscheidend für anspruchsvolle Architektur.
Vorteile fĂĽr StatikbĂĽros und Bauunternehmen:
- weniger manuelle Modellreduktionen
- geringere Fehlerquote zwischen BIM- und Statikmodell
- schnelleres Variantenstudium bei Tragwerksoptimierungen
Das zahlt direkt auf die Produktivitätsziele der KI-getriebenen Baustelle 4.0 ein: saubere, widerspruchsfreie Datenketten statt Neumodellierung in jedem Fachgebiet.
Stahlverbindungen & FRILO-Anbindung
Verbesserte Stahlverbindungen inklusive Eurocode-3-Konformität und die Integration mit SDS2 sorgen für:
- praxisnahe Detaillierung
- direkte Durchgängigkeit Richtung Fertigung
Spannend ist auch die Technical Preview zur Ăśbernahme von Bewehrungsparametern aus dem FRILO-StĂĽtzenprogramm B5+ in die automatische StĂĽtzenbewehrung von ALLPLAN:
- Tragwerksplaner definieren in FRILO Querschnitte und Bewehrung
- ALLPLAN ĂĽbernimmt Anzahl, Abstand, Durchmesser
- automatisierte Bewehrungsmodellerstellung ohne Medienbruch
Das ist genau die Art von Verzahnung, die viele deutsche BĂĽros seit Jahren fordern.
Infrastruktur & Brückenbau: Parametrik als Produktivitätsturbo
Im Infrastruktur- und BrĂĽckenbau treffen extrem komplexe Geometrien auf hohen Termindruck. ALLPLAN 2025 antwortet mit mehr Parametrik, Wiederverwendbarkeit und BIM-Prozessen bis ins Detail.
ALLPLAN Civil & Allplan Bridge
Mit der neuen Edition ALLPLAN Civil wächst die Funktionalität von Allplan Bridge direkt in eine umfassende Lösung für Ingenieurbauwerke hinein:
- BrĂĽcken, StĂĽtzbauwerke, Spezialbauwerke in einem System
- durchgängige BIM-Modelle über den gesamten Lebenszyklus
Das ist gerade für deutsche Infrastrukturprojekte interessant, in denen Bund, Länder und Kommunen immer stärker BIM-basierte Planungen einfordern.
Parametrische Bewehrungsmodellierung
Die parametrische Bewehrung ermöglicht:
- flexible Definition verschiedener Bewehrungsformen
- zentrale Anpassung von Parametern mit Aktualisierung im gesamten Modell
- höhere Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit
Praktisch heißt das: Wird im Projektverlauf ein Querschnitt oder eine Normalausnutzung angepasst, folgt die Bewehrung kontrolliert – anstatt dutzende Schnitte und Ansichten einzeln anzufassen.
Fertigteilträgerbrücken und wiederverwendbare Vorlagen
Mit der BIM-Lösung für Fertigteilträgerbrücken und vordefinierten Vorlagen für mehrfach verwendete Objekte adressiert ALLPLAN 2025 genau die repetitive Natur vieler Infrastrukturprojekte:
- Bibliotheken für wiederkehrende Bauteile (z. B. Standardpfeiler, Kappen, Träger)
- schnellere Modellierung ähnlicher Projekte
- konsistente Qualität über mehrere Bauvorhaben
FĂĽr groĂźe deutsche Baukonzerne und Landesbetriebe fĂĽr StraĂźenbau bedeutet das: Standardisierung, ohne auf projektspezifische Anpassung zu verzichten.
Fertigteilplanung & BauausfĂĽhrung: Design-to-Build in der Praxis
Wer über Baustelle 4.0 spricht, muss die Fertigteilindustrie mitdenken. Hier entscheidet sich, ob digitale Modelle tatsächlich zu besseren Abläufen im Werk und auf der Baustelle führen.
Precast Data Validator: Saubere Daten, weniger Ausschuss
Der verbesserte Precast Data Validator prĂĽft Fertigteilmodelle, bevor diese in die Produktion gehen:
- systematische Qualitätskontrolle der Modelldaten
- Reduktion von Planungsfehlern und Missverständnissen
- höhere Sicherheit bei kostspieligen Fertigteilen
Für Fertigteilwerke bedeutet das: weniger Korrektläufe, weniger Nacharbeiten in der Produktion, besser planbare Taktung.
Ansichten, Schnitte und Baugrube
Verbesserte Texturverarbeitung in Ansichten und Schnitten sorgt für klare, konsistente Pläne – wichtig für Poliere und ausführende Teams, die sich im Zweifel nicht am 3D-Modell, sondern am Plan orientieren.
Die erweiterte Baugrubenfunktion mit Bodenschichten und Aushubberichten bringt zusätzlichen Nutzen:
- belastbare Erdbewegungsmengen
- bessere Abstimmung mit Tiefbauern und Entsorgern
Mit dem Schalungsplanung-Add-on und der Unterstützung von Systemen wie Peri Maximo werden Schalwände automatisch zugeordnet. Das reduziert Abstimmungsaufwand zwischen Planung, Schalungsdienstleister und Baustelle.
Plattform & Zusammenarbeit: Echtzeit statt E-Mail-Pingpong
Digitale Baustellen scheitern selten an der Technik, sondern an der Zusammenarbeit. ALLPLAN 2025 versucht, genau dort anzusetzen.
ALLPLAN Cloud & Bluebeam Studio
Über die ALLPLAN Cloud Services verbindet die Plattform verschiedene Disziplinen und ermöglicht kollaborative Workflows von der Planung bis zur Ausführung.
Der neue Workflow mit Bluebeam Studio bringt 3D-Modelle, 2D-Pläne und PDF-basierte Prüfprozesse zusammen:
- Dokumente aus Bluebeam Studio Projects in ALLPLAN-Prozesse integrieren
- Markups aus Review-Runden direkt in die Modellarbeit zurĂĽckfĂĽhren
- Nachverfolgbarkeit von Änderungen über Projektphasen hinweg
Gerade in deutschen Projekten mit stark formalisierten Freigabeprozessen (HOAI, VgV, öffentliche Auftraggeber) ist das Gold wert.
Bessere Navigation, höhere Akzeptanz
Verbesserte Navigationslogik – schnelleres Drehen, Zoomen und Ausrichten – klingt unspektakulär, hat aber einen Effekt: Mehr Nutzer arbeiten tatsächlich im Modell, statt 2D-Pläne auszudrucken.
Je intuitiver die Bedienung, desto niedriger die Einstiegshürde für ältere Kollegen und neue Mitarbeitende. Und genau diese Akzeptanz braucht es, wenn KI und BIM nicht nur Prestigeprojekte, sondern den Alltag der deutschen Bauindustrie prägen sollen.
Was bedeutet ALLPLAN 2025 strategisch fĂĽr Bauunternehmen?
FĂĽr Unternehmen, die ernsthaft in Richtung Baustelle 4.0 gehen wollen, ist ALLPLAN 2025 vor allem eines: ein Werkzeugkasten, der sehr unterschiedliche Digitalisierungsvorhaben unterstĂĽtzt.
Typische Einsatzszenarien:
- ArchitekturbĂĽro: KI-Visualisierung + TGA-koordinierte Deckensysteme fĂĽr schnellere, ĂĽberzeugendere EntwĂĽrfe
- IngenieurbĂĽro: automatische Freiformbewehrung + AutoConverter fĂĽr effizientere Tragwerksplanung
- Baukonzern: BIM-basierte Fertigteilplanung + Precast Data Validator fĂĽr weniger Fehler in Werk und Montage
- Infrastrukturplaner: parametrische BrĂĽcken- und StraĂźenplanung mit wiederverwendbaren Vorlagen
Wer den vollen Nutzen ziehen will, sollte ALLPLAN 2025 nicht als „neue CAD-Version“, sondern als Prozess-Plattform betrachten:
- Workflows definieren: Wo entstehen heute MedienbrĂĽche zwischen Planung, Statik, Fertigteilwerk und Baustelle?
- Rollen klären: Wer pflegt welche Informationen in welcher Projektphase ein?
- Pilotprojekte wählen: Ein bis zwei realistische Projekte, an denen neue Funktionen wie AI Visualizer, AutoConverter oder Precast Data Validator getestet werden.
- Schulung & Change-Management: Ohne klare Verantwortlichkeiten und Training bleibt jede Software unter ihren Möglichkeiten.
Fazit: KI-gestütztes BIM wird zur neuen Normalität
ALLPLAN 2025 zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht: KI, BIM und Cloud verschmelzen zu durchgängigen Workflows, die Planung und Bauausführung enger zusammenbringen. Wer heute in Deutschland über „KI in der Bauindustrie“ spricht, kommt an solchen integrierten Lösungen nicht mehr vorbei.
FĂĽr Unternehmen, die sich auf die Baustelle 4.0 vorbereiten wollen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, konkrete Schritte zu gehen: Pilotprojekte aufsetzen, bestehende Prozesse hinterfragen und KI-gestĂĽtzte Werkzeuge wie AI Visualizer, automatische Bewehrung und Datenvalidatoren gezielt testen.
Die spannende Frage für die nächsten Jahre lautet nicht, ob KI den Bau verändert, sondern welche Unternehmen sie zuerst in stabile, wirtschaftliche Prozesse übersetzen. ALLPLAN 2025 liefert dafür einen sehr brauchbaren Werkzeugkasten.