Wie ALLPLAN 2025 digitale Vorfertigung, BIM und KI-fähige Workflows verbindet – und was das für Fertigteilwerke und Bauunternehmen in der DACH-Region bedeutet.
Digitale Vorfertigung: Wie ALLPLAN 2025 Fertigteile smarter macht
2025 wird in vielen Fertigteilwerken eine stille Kennzahl diskutiert: Wie viele Stunden verbringt das Team noch mit Kontrollblicken, Nachbearbeitung und Doppelarbeit? In einigen Werken in Deutschland und Österreich liegt der Anteil immer noch bei 20–30 % der Planungszeit. Genau hier setzt die Kombination aus BIM, KI-unterstützten Workflows und durchgängiger Vorfertigung an.
Die Realität: Wer Betonfertigteile digital sauber plant, produziert stabiler, nutzt Material besser aus und reduziert Stillstände auf der Baustelle. Die bauma 2025 zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht – und ALLPLAN positioniert sich mit der Version 2025 genau an dieser Schnittstelle von BIM, KI und industrieller Vorfertigung.
Dieser Beitrag aus unserer Reihe „KI in der deutschen Bauindustrie: Baustelle 4.0“ ordnet den Messeauftritt von ALLPLAN ein und zeigt, was die neuen Funktionen konkret für Fertigteilwerke, Planungsbüros und ausführende Unternehmen bedeuten – gerade im DACH-Raum.
Warum digitale Vorfertigung jetzt zur Pflicht wird
Digitale Vorfertigung mit BIM und KI ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern Antwort auf drei sehr konkrete Probleme der Bauwirtschaft im deutschsprachigen Raum:
- Fachkräftemangel – qualifizierte Planer:innen und Produktionsmitarbeiter:innen sind knapp.
- Kostendruck – Rohstoffe, Energie, Transport und Personal werden teurer.
- Nachhaltigkeit & Regulierung – strengere Vorgaben zu CO₂, Ressourceneffizienz und Bauqualität.
Wer weiterhin mit teilmanuellen Prozessen in CAD, Excel und Papierlisten arbeitet, wird mittelfristig abgehängt. Die Vorfertigung ist einer der Bereiche, in denen sich Digitalisierung und KI-gestützte Automatisierung besonders schnell bezahlt machen:
- weniger Fehler in der Fertigteilplanung
- reproduzierbare Qualität der Bauteile
- planbare Takte in Produktion und Montage
- bessere Auslastung von Schalungen, MWS-Anlagen und Personal
ALLPLAN nutzt diese Hebel und verbindet BIM-Modelle, automatisierte Workflows und Anbindung an ERP/MES zu einem durchgängigen „Design to Build“-Ansatz.
ALLPLAN Precast: Automatisierte Workflows statt Zeichnen im Akkord
Der Kernnutzen von ALLPLAN fĂĽr die Vorfertigung liegt in hochautomatisierten Workflows, die viele klassische Handgriffe ĂĽberflĂĽssig machen.
Was sich in der täglichen Fertigteilplanung ändert
Mit ALLPLAN Precast können Fertigteilwerke und Ingenieurbüros Betonfertigteile deutlich schneller und präziser planen, weil zentrale Schritte automatisiert werden:
- Automatische Elementpläne inklusive Bewehrung, Einbauteilen und Bemaßung
- Direkter Import von Architektur- und MEP-Modellen aus BIM-Planung
- Parametrische Eingabe von Standardbauteilen oder freies 3D‑Modellieren bei Sonderteilen
- Ständige Konsistenz von 2D und 3D – Änderungen im Modell schlagen direkt in den Plänen durch
Statt dass ein Konstrukteur stundenlang Bewehrungslagen nachzieht und BemaĂźungen nachpflegt, kĂĽmmert er sich zunehmend um:
- Plausibilitätsprüfungen
- Optimierung von Bewehrung und Betonverbrauch
- Abstimmung mit Produktion und Montage
Genau hier passt das Thema KI in der Bauindustrie hinein: Viele dieser Prüfungen und Vergleiche lassen sich schrittweise mit Regeln, Algorithmen und KI-gestützten Checks ergänzen. ALLPLAN 2025 geht mit dem Precast Data Validator genau in diese Richtung.
Precast Data Validator: Digitale Qualitätskontrolle vor der Produktion
Der optimierte Precast Data Validator in ALLPLAN 2025 ist im Grunde eine digitale QS-Stelle, die schon in der Planung ansetzt.
Was prĂĽft der Data Validator?
Der Validator analysiert die Daten der Fertigteile und sucht systematisch nach Unstimmigkeiten, zum Beispiel:
- fehlende oder widersprĂĽchliche Attribute
- unlogische Kombinationen von Bauteildaten
- Konflikte bei Bewehrung, Einbauteilen oder Anschlussdetails
Das Ziel ist klar: Fehler frĂĽh erkennen, bevor sie teuer werden. Denn fehlerhafte Daten fĂĽhren zu
- Fehlproduktionen im Werk,
- Nacharbeit in der Produktion,
- Vor-Ort-Problemen auf der Baustelle (z.B. nicht passende AnschlĂĽsse),
- Sicherheitsrisiken und Verzögerungen im Bauablauf.
Warum das mehr ist als nur ein „Check-Tool“
Solche Validierungsfunktionen sind ein typischer Einstiegspunkt für KI-gestützte Automation. Heute laufen viele Regeln noch deterministisch (wenn – dann). In der Baustelle 4.0 geht der Trend dahin, zusätzlich Muster aus vergangenen Projekten zu nutzen:
- Welche Bauteilkombinationen fĂĽhren besonders oft zu Problemen?
- Welche Planungsfehler tauchen in welchen Projekttypen immer wieder auf?
Wer seine Daten sauber strukturiert – wie im ALLPLAN‑Ökosystem – schafft damit die Grundlage, KI später gezielt einzusetzen, um noch mehr Fehlerquellen proaktiv zu erkennen.
Freiform-Schalungen: Komplexe Geometrien industriell beherrschbar machen
Ein großer Kostenfaktor im Hochbau sind Sonderformen: geschwungene Fassaden, komplexe Treppenläufe, Freiformträger oder geneigte Wände. Klassische Schalungssysteme stoßen hier schnell an Grenzen.
ALLPLAN 2025 und Freiformschalungen
ALLPLAN 2025 bietet ein Werkzeug zur Planung von Freiform-Schalungen, das die Planung und digitale Produktion verzahnt:
- Modellierung von einfachen und komplexen Freiformgeometrien direkt im BIM-Modell
- Ableitung maĂźgeschneiderter Schalungselemente
- Vorbereitung der Daten für digitale Fertigung (CNC, Robotik, 3D‑Schneiden)
FĂĽr die Vorfertigung heiĂźt das konkret:
- Sonderformen verlieren ihren Schrecken, weil sie planbar und wiederholbar werden.
- Aufwändige Handschalungen vor Ort können durch industriell gefertigte Schalungselemente ersetzt werden.
- Bauzeiten auf der Baustelle lassen sich verkürzen, weil komplexe Geometrien weitgehend im Werk „gelöst“ werden.
Gerade im Kontext „Baustelle 4.0“ ist das ein wichtiger Punkt: Die wirklich komplexen, fehleranfälligen Arbeitsschritte wandern in eine kontrollierte, digital gesteuerte Umgebung – das Fertigteilwerk.
Durchgängige Informationsflüsse: Vom BIM-Modell bis zur MWS-Anlage
Eine starke Modellierung allein bringt wenig, wenn später jemand händisch Listen ins ERP tippt oder Produktionsdaten neu aufbereiten muss. Die Stärke von ALLPLAN liegt im durchgängigen Datenfluss.
Anbindung an ERP, MES und MWS
ALLPLAN knĂĽpft an Enterprise Resource Planning (ERP), Manufacturing Execution Systems (MES) und MattenschweiĂźanlagen (MWS) an.
Das ermöglicht:
- automatisierte Ăśbergabe von Bauteildaten an ERP
- Synchronisation von Produktionsreihenfolgen mit MES
- direkte Nutzung von Bewehrungsdaten in MWS-Anlagen
Das Ergebnis: weniger Medienbrüche, weniger Tippfehler, weniger Missverständnisse zwischen Planung, Disposition und Produktion.
Was heiĂźt das fĂĽr KI in der Bauindustrie?
Sobald diese Systeme durchgängig Daten austauschen, wird die Tür geöffnet für:
- Predictive Analytics in der Fertigteilproduktion
- automatische Vorschläge für Taktplanung und Belegung von Schalungstischen
- Optimierung von Bewehrungsnetzen und Zuschnitten
Viele Betriebe sind noch nicht an diesem Punkt, aber wer jetzt sauber in BIM- und Datendurchgängigkeit investiert, schafft die Grundlage, um später KI‑Funktionen gezielt einzubinden.
Fertigteile vergleichen & Tragwerksplanung integrieren: Mehr Effizienz im gesamten Projekt
Neben der reinen Fertigteilplanung bringt ALLPLAN 2025 weitere Funktionen, die direkt auf Effizienz und Sicherheit einzahlen.
Neue Vergleichsfunktion fĂĽr Fertigteile
ALLPLAN 2025 bietet die Möglichkeit, gleiche oder ähnliche Fertigteile automatisch zu vergleichen:
- Die Software zeigt, ob Bauteile ident sind.
- Abweichungen in Geometrie, Bewehrung oder Attributen werden sichtbar gemacht.
- Serienbauteile können gezielt gebündelt und in Stapelverarbeitung bearbeitet werden.
FĂĽr die Praxis bedeutet das:
- weniger Variantenvielfalt in Serie,
- bessere Wiederverwendung von Schalungen,
- klarere Struktur fĂĽr Produktion, Logistik und Montage.
Tragwerksplanung aus einem Guss: ALLPLAN, SCIA, FRILO
Durch den Zusammenschluss mit SCIA und FRILO deckt ALLPLAN inzwischen neben Modellierung und Bewehrung auch Tragwerksanalyse und -berechnung ab:
- SCIA Engineer 25: erweiterte Schwingungsanalyse, präzisere 3D‑Windlasten, bauteilweise Bauphasenbewertung.
- FRILO 2025: neuer Workflow zwischen FRILO und ALLPLAN fĂĽr effizientere Bewehrung von StahlbetonstĂĽtzen.
Im Kontext „Baustelle 4.0“ ist das ein wichtiger Schritt: Tragwerksplanende, Fertigteilwerke und ausführende Unternehmen arbeiten auf einer gemeinsamen, konsistenten Datenbasis. Das reduziert Reibungsverluste und macht digitale Freigabeprozesse (Model Checks, Clash Detection, Freigaben) deutlich robuster.
Was bedeutet das konkret fĂĽr Bauunternehmen im DACH-Raum?
Wer in Deutschland oder Ă–sterreich im Hochbau mit Betonfertigteilen arbeitet, kann mit ALLPLAN 2025 sehr konkrete Hebel bewegen.
Typische Einsatzszenarien
- Wohnungsbau in Serie – Standardschotten, Deckenplatten, Balkonplatten: hohe Wiederholrate, ideal für automatisierte Planung und Vergleichsfunktion.
- Büro- und Gewerbebauten – komplexere Geometrien, kombinierte Fertigteil‑/Ortbeton‑Konzepte, hohe Anforderungen an Taktplanung und Logistik.
- Infrastrukturprojekte – Stützwände, Brückenelemente, Lärmschutzwände mit Wiederholteilen und Sonderformen.
In allen Szenarien gilt:
- Mehr Planung im BIM-Modell statt auf der Baustelle „zu lösen“.
- Digitale Vorfertigung reduziert Risiken bei Terminen, Qualität und Sicherheit.
- KI‑fähige Datenstrukturen entstehen quasi „nebenbei“ – und können später für Prognosen und Optimierungen genutzt werden.
Wie starten, ohne den Betrieb zu ĂĽberfordern?
Pragmatischer Fahrplan, den ich in vielen Projekten als sinnvoll erlebt habe:
- Pilotprojekt definieren – klar begrenztes Bauvorhaben, überschaubare Bauteilvielfalt.
- Standardbauteile parametrisieren – Platten, Wände, Stützen, Unterzüge als wiederverwendbare Bauteilfamilien anlegen.
- Precast Data Validator aktiv nutzen – QS-Regeln für das eigene Werk schärfen und Prozesse anpassen.
- ERP-/MES-Schnittstellen in Stufen einführen – erst Reporterzeugung, dann echte Live-Schnittstellen.
- Daten systematisch auswerten – Fehlerquoten, Nacharbeiten, Ausschuss, Durchlaufzeiten vergleichen.
Wer diesen Weg geht, kann später sehr gezielt KI‑Services oder zusätzliche Automatisierungslösungen andocken.
Ausblick: Von der bauma 2025 zur Baustelle 4.0
Die bauma 2025 zeigt sehr deutlich, wie sich der Markt ausrichtet: BIM-Modelle, Vorfertigung und KI‑fähige Workflows wachsen zusammen. ALLPLAN 2025 ist ein Beispiel dafür, wie Software diesen Weg praktisch unterstützt – vom Modell über den Precast Data Validator bis zur MWS-Anlage.
Für Unternehmen, die sich mit der Baustelle 4.0 ernsthaft beschäftigen, heißt das:
- Vorfertigung wird zum zentralen Hebel für Produktivität und Nachhaltigkeit.
- Datenqualität ist nicht mehr „Nebenaufgabe“, sondern Grundvoraussetzung.
- Wer heute in integrierte BIM- und Precast-Workflows investiert, sorgt dafür, dass KI morgen sinnvoll eingesetzt werden kann – und nicht nur als Buzzword.
Die spannende Frage für die nächsten Jahre lautet: Welche Bauunternehmen nutzen diese Werkzeuge, um ihre Projekte nicht nur digitaler, sondern stabiler, sicherer und profitabler zu machen? Wer früh startet, wird auf der nächsten bauma nicht mehr über Grundsatzfragen diskutieren – sondern über konkrete Leistungskennzahlen seiner digitalen Fertigung.