43 % sind im Weihnachtsurlaub dienstlich erreichbar. Wie Hotels und Destinationen mit KI Marketing, Vertrieb und Gästekommunikation laufen lassen – und trotzdem abschalten.
Weihnachtsurlaub im Tourismus: erreichbar, aber bitte smart
43 Prozent der Berufstätigen in Deutschland sind laut Bitkom auch im Weihnachtsurlaub dienstlich erreichbar. Vor der Pandemie waren es 71 Prozent. Der Trend geht klar in Richtung Abschalten – aber der Druck, „trotzdem erreichbar zu sein“, bleibt, gerade in Marketing und Vertrieb.
Für den österreichischen Tourismus ist das eine heikle Mischung: Die Feiertage sind Hochsaison, Anfragen reißen nicht ab, Revenue-Entscheidungen müssen täglich getroffen werden – und gleichzeitig wollen Teams endlich durchatmen. Genau hier wird klar, warum KI im Tourismus nicht nur „nice to have“, sondern ein sehr praktisches Entlastungs-Werkzeug ist.
In diesem Beitrag geht es darum, wie Hotels, Destinationen und touristische Anbieter Marketing und Vertrieb über Weihnachten professionell am Laufen halten können, ohne dass Menschen ständig am Handy hängen. Kurz gesagt: Wie KI dafür sorgt, dass Gäste ein hervorragendes Erlebnis haben, während Ihre Teams Urlaub machen.
Was uns die Bitkom-Zahlen wirklich sagen
Die Bitkom-Studie zeigt mehr als nur ein paar Prozentwerte:
- 43 % der Berufstätigen reagieren im Weihnachtsurlaub auf dienstliche Anfragen.
- 54 % schalten komplett ab.
- 71 % der Beschäftigten haben über die Feiertage überhaupt Urlaub.
- Kommunikation läuft vor allem schriftlich: 42 % lesen Kurznachrichten, 40 % E-Mails, 38 % gehen ans Telefon, nur 14 % nutzen Videotelefonie.
Für den Tourismus – und besonders für Marketing- und Vertriebsteams in Hotels, Thermen, Skigebieten oder Destination Management Organisations – steckt dahinter eine klare Botschaft:
Gäste erwarten Erreichbarkeit, Teams brauchen Erholung. Wer beides gleichzeitig will, braucht Systeme, nicht Helden.
Gerade im österreichischen Tourismus sieht der Alltag in der Hochsaison oft so aus:
- Die Marketingleitung schreibt am 25.12. noch schnell einen Newsletter um.
- Der Revenue Manager checkt am 26.12. die Buchungslage per Smartphone.
- Die Vertriebschefin beantwortet spätabends Anfragen von Gruppenreisen.
Menschlich nachvollziehbar, betriebswirtschaftlich sogar teilweise sinnvoll – aber langfristig nicht gesund. Und unnötig, wenn KI für Automatisierung und Personalisierung vorbereitet im Hintergrund arbeitet.
Warum Weihnachtsgeschäft im Tourismus perfekt zu KI passt
Für die Feiertage im Tourismus sind drei Dinge typisch:
- Hohe Nachfrage – oft ausgebuchte Häuser, viele Last-Minute-Anfragen.
- Hohe Erwartungshaltung – Weihnachts- und Silvesteraufenthalte sollen „perfekt“ sein.
- Geringere Personalverfügbarkeit – Urlaube, Krankenstände, Saisonalität.
Genau dieses Spannungsfeld ist wie gemacht für KI-gestützte Systeme, weil sie:
- rund um die Uhr reagieren (Chatbots, E-Mail-Automationen),
- aus Daten lernen (Revenue-Management, Personalisierung),
- und klar definierte Prozesse verlässlich ausführen (Kampagnen, Antworten, Angebote).
Die Realität: Viele Betriebe setzen zwar schon auf Buchungssysteme und Standard-E-Mail-Vorlagen, aber echte KI für Marketing & Vertrieb ist noch selten. Dabei muss es nicht kompliziert sein.
Praxisfall 1: Gäste-Kommunikation im Weihnachtsurlaub automatisieren
Die größte Quelle für „Erreichbarkeits-Stress“ sind Anfragen von Gästen: per E-Mail, WhatsApp, Social Media oder Website. Genau hier wirkt KI direkt spürbar entlastend.
1. KI-Chatbots für Hotels und Destinationen
Ein gut trainierter KI-Chatbot kann im österreichischen Tourismus heute:
- häufige Fragen in mehreren Sprachen beantworten (Anreise, Check-in, Spa-Öffnungszeiten, Skipass, Kinderbetreuung),
- Verfügbarkeiten aus dem PMS/Channel-Manager abfragen,
- einfache Buchungs-Prozesse anstoßen oder auf Buchungsstrecken verlinken,
- Upselling anbieten (Late-Check-out, Massage, Candle-Light-Dinner).
Damit das über Weihnachten zuverlässig läuft, braucht es:
- klare Wissensbasis (FAQ, Hausregeln, Preise, Angebote),
- Brand-Tonality (wie „spricht“ das Haus?),
- Fallback-Regeln: Wann soll doch ein Mensch übernehmen (z.B. bei Reklamationen, Presseanfragen, VIP-Gästen).
Ergebnis: Viele der Anfragen, die heute am 24.12. oder 25.12. noch spontan ans Handy der Marketingleitung gehen, werden sauber vom System übernommen.
2. E-Mail-Antworten mit KI vorbereiten
Statt jedes Mail während des Urlaubs manuell zu beantworten, funktioniert ein Hybrid-Ansatz sehr gut:
- KI-gestützte E-Mail-Klassifizierung: Welche Anfragen sind dringend (heute anreisende Gäste), was kann warten (Kooperationsanfrage, Blog-Anfrage, Gruppenbuchung für den Sommer)?
- Automatische, personalisierte Antworten: „Wir haben Ihre Anfrage erhalten, hier sind schon erste Infos, ein persönlicher Ansprechpartner meldet sich bis…“
Wer das geschickt aufsetzt, schafft zwei Dinge:
- Gäste fühlen sich ernst genommen und schnell informiert.
- Mitarbeitende können definierte „Response-Zeitfenster“ einplanen, statt dauernd aufs Handy zu schauen.
Praxisfall 2: KI im Revenue Management – auch wenn das Team am Berg ist
Im Weihnachts- und Wintersportgeschäft entscheiden oft wenige Tage über den Ertrag der gesamten Saison. Trotzdem möchten viele Revenue- und Sales-Verantwortliche verständlicherweise über die Feiertage raus aus dem Büro.
KI-gestütztes Revenue Management kann genau hier den Unterschied machen.
Was KI im Revenue Management übernehmen kann
Ein KI-System kann zum Beispiel:
- Nachfrageprognosen auf Basis von Buchungshistorie, Wetter, Events und Marktpreisen erstellen,
- Preisempfehlungen für Zimmerkategorien und Arrangements in Echtzeit berechnen,
- Mindestaufenthalte und Restriktionen dynamisch anpassen,
- Vertriebskanäle (Direktbuchung vs. OTA) optimieren.
Wichtig ist: Niemand sagt, dass KI „blind“ machen soll, was sie will. Der clevere Weg ist:
- vor den Feiertagen Regeln definieren (Preisgrenzen, Mindestmargen, Belegungsschwellen),
- Szenarien testen (Was passiert bei starkem Last-Minute-Aufkommen? Wie reagiert das System bei Wetterumschwung?),
- automatische Aktionen mit alerts kombinieren: Das System informiert per Mail/Message, wenn definierte Schwellen überschritten werden.
Damit müssen Menschen nur noch punktuell eingreifen, statt permanent auf den Laptop zu schauen.
Praxisfall 3: KI-Marketing-Kampagnen, die durchlaufen – auch an den Feiertagen
Ein Klassiker: Der Weihnachtssale, das Silvesterangebot, der „Neujahr im Schnee“-Newsletter. Viele Betriebe schieben Kampagnenplanung bis kurz vor knapp – und wundern sich, warum dann jemand am 23.12. noch Texte anpasst.
Mit KI im Marketing lässt sich das deutlich entspannter lösen.
1. Kampagnen vorplanen, Inhalte mit KI verfeinern
Der sinnvollste Ansatz:
- Redaktions- und Kampagnenplan für Dezember und Jänner definieren.
- Zielgruppen klar festlegen (Stammgäste, Familien, Paare, DACH-Markt, Nahmarkt).
- Inhalte rechtzeitig erstellen – und KI nutzen, um:
- Varianten für unterschiedliche Zielgruppen zu formulieren,
- Betreffzeilen und Anzeigen-Texte zu testen,
- Tonalität an Marke und Land (z.B. Deutschland vs. Österreich) anzupassen.
So müssen kurz vor Weihnachten nur noch Automatismen scharf gestellt werden – nicht mehr Grundsatzarbeit.
2. Personalisierte Angebote, ohne dass jemand live „am Knopf“ sitzt
Moderne Marketing-Automation mit KI kann:
- Gäste-Segmente erkennen (z.B. Spa-Liebhaber, Wanderer, Skifahrer, Familien),
- auf Basis vergangener Aufenthalte passende Pakete vorschlagen,
- Buchungswahrscheinlichkeit einschätzen und danach die Intensität der Ansprache steuern,
- Retargeting für Website-Besucher automatisiert ausspielen.
Konkretes Beispiel für ein alpines Hotel:
- Gast A war letztes Jahr über Silvester im Spa-Bereich sehr aktiv.
- Das System erkennt Kauf- und Nutzungsverhalten und sendet im November ein personalisiertes Silvester-Spa-Angebot.
- Reagiert der Gast nicht, bekommt er im Dezember ein abgeschwächtes Angebot mit leicht verändertem Fokus (z.B. „Entspannung nach den Feiertagen“ im Jänner).
All das läuft, während Marketing und Vertrieb über Weihnachten offline sind.
Saubere Erreichbarkeits-Regeln: Technik allein reicht nicht
KI ersetzt keine Kultur. Gerade weil 43 % der Menschen immer noch im Weihnachtsurlaub erreichbar sind, braucht es in Unternehmen klare Absprachen.
Für Tourismusbetriebe empfehle ich drei Ebenen:
-
Unternehmensregeln
- Wann gilt „echter Notfall“?
- Welche Kommunikationskanäle sind im Urlaub tabu (z.B. kein WhatsApp auf Privatgeräten)?
- Welche Reaktionszeiten werden Gästen gegenüber kommuniziert?
-
Team-Abstimmung
- Wer hat über die Feiertage Bereitschaft – und wird dafür fair kompensiert?
- Welche Aufgaben übernimmt KI, welche unbedingt ein Mensch?
- Wie werden Übergaben organisiert (z.B. shared Inbox, CRM-Notizen)?
-
Technische Umsetzung mit KI
- Chatbots, E-Mail-Automation, KI-gestütztes Ticket-Routing,
- Revenue-Management-Regeln mit klaren Limits,
- Monitoring-Dashboards, die nur bei echten Auffälligkeiten melden.
Bitkom-Chef Bernhard Rohleder bringt es auf den Punkt: „Urlaub soll der Erholung dienen – ständige Erreichbarkeit verhindert das.“ KI ist hier kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, damit diese Aussage auch in einem umsatzkritischen Umfeld wie dem Tourismus Realität werden kann.
Wie Sie konkret starten können – ohne Großprojekt
Viele Tourismusbetriebe schrecken vor KI zurück, weil sie an riesige Digitalisierungsprojekte denken. Das ist selten nötig. Besser: klein, fokussiert, messbar.
Sinnvolle erste Schritte für Marketing & Vertrieb im österreichischen Tourismus:
-
Quick-Check: Wo sind die Stresspunkte an Weihnachten?
- Welche Anfragen kommen ständig?
- Wer wird regelmäßig im Urlaub gestört – und warum?
- Wo brechen Prozesse, wenn eine Schlüsselperson offline ist?
-
Ein Pilotprojekt auswählen
- KI-Chatbot nur für Standardfragen,
- KI-gestützte E-Mail-Vorbereitung für Reservierungspostfach,
- einfache KI-Komponente im bestehenden Revenue-Tool aktivieren.
-
KPIs definieren
- Reaktionszeiten,
- Anzahl Anfragen, die vollständig automatisiert beantwortet werden,
- Zufriedenheit der Mitarbeitenden (subjektiv, aber extrem wichtig),
- Umsatz- und Buchungskennzahlen über die Feiertage.
-
Nach der Saison auswerten
- Wo hat KI wirklich entlastet?
- Wo braucht es mehr Training, bessere Daten oder andere Regeln?
- Welche Erweiterung lohnt sich für das nächste Jahr (z.B. Personalisierung, weitere Kanäle, mehr Automatisierung)?
Wer das 2025/2026 sauber aufsetzt, hat in den kommenden Jahren eine deutlich entspanntere Hochsaison – und zufriedene Gäste, die merken, dass ihr Anliegen ernst genommen wird, egal ob gerade der Christbaum leuchtet oder nicht.
Fazit: Bessere Gästeerlebnisse, weniger Handy im Wohnzimmer
Die Bitkom-Zahl – 43 % der Berufstätigen sind im Weihnachtsurlaub erreichbar – zeigt ein Spannungsfeld, das im österreichischen Tourismus besonders deutlich wird: Gäste wollen Nähe, Teams brauchen Distanz.
KI im Tourismus bietet hier einen pragmatischen Ausweg:
- Chatbots und E-Mail-Automation halten die Kommunikation auf hohem Niveau.
- KI-gestütztes Revenue Management trifft fundierte Entscheidungen, auch wenn niemand am Schreibtisch sitzt.
- Personalisierte Marketing- und Vertriebsprozesse sorgen dafür, dass Buchungen und Upselling weiterlaufen – planbar und messbar.
Wer das ernsthaft angeht, ermöglicht seinen Teams, an den Feiertagen wirklich abzuschalten – ohne schlechtes Gewissen und ohne Umsatzangst. Und schafft gleichzeitig genau das, worum es in dieser Serie „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ geht: ein Gästeerlebnis, das intelligent, persönlich und verlässlich ist – auch dann, wenn gerade alle im Urlaub sind.