Warum MCP die fehlende KI-Schnittstelle fĂĽr Hotels ist

KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft••By 3L3C

MCP könnte zum fehlenden Bindeglied zwischen KI-Agenten und Hoteldaten werden – und damit Direktbuchungen, Personalisierung und Gästeerlebnis neu definieren.

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Warum MCP die fehlende KI-Schnittstelle fĂĽr Hotels ist

Ein KI-Agent, der im Dezember in Wien in unter 30 Sekunden ein Familienzimmer, Skipässe, eine Kinder-Skischule, einen Spa-Slot für die Eltern und den Bahnticket-Transfer direkt beim Hotel bucht – ohne OTA, ohne Callcenter, ohne E-Mail-Pingpong. Genau auf dieses Szenario steuern wir im österreichischen Tourismus gerade zu.

Der Haken: Die meisten Hotels sitzen zwar auf genau den Daten, die so eine KI braucht, aber diese Daten sind über PMS, CRS, Booking-Engine, Spa-Software, Channel-Manager, Newsletter-Tool und Kassensysteme verteilt. KI kann aktuell nur Bruchstücke sehen – und greift deshalb sehr oft auf die besser strukturierten OTA-Daten zurück.

Hier kommt MCP, das Model Context Protocol, ins Spiel. In der internationalen Hoteltech-Szene sorgt dieses neue Stichwort seit Herbst für Gesprächsstoff. Nicht, weil es „wieder ein Buzzword“ ist, sondern weil es ein sehr konkretes strukturelles Problem löst: Wie KI-Agenten und Chatbots in Echtzeit auf alle relevanten Hoteldaten zugreifen können – ohne hunderte individuelle Integrationen.

In dieser Ausgabe unserer Reihe „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ schauen wir uns an, was MCP wirklich ist, warum es für Direktbuchungen und Gästeerlebnis spannend ist – und wie österreichische Betriebe das Thema pragmatisch anpacken können.


Was ist MCP – und warum reden plötzlich alle Hoteliers darüber?

MCP ist im Kern ein Switchboard fĂĽr KI-Agenten: eine Schaltzentrale, ĂĽber die ein KI-System mit allen relevanten Hotel-Systemen spricht.

Statt: „Chatbot integriert direkt mit PMS, separat mit CRS, separat mit Spa-Software, separat mit CRM …“ gibt es einen Einstiegspunkt – den MCP-Server.

Wie MCP im Hotel funktioniert – die Kurzfassung

  • Der KI-Agent (z.B. ein Chatbot auf der Hotelwebsite oder ein Reise-KI-Assistent) verbindet sich mit dem MCP.
  • MCP kennt die „Steckdosen“: PMS, CRS, Booking-Engine, CRM, Spa, Golf, Restaurant, Skiverleih, Shuttle, etc.
  • Wenn der Agent eine Information oder Aktion braucht, stellt er eine standardisierte Anfrage an den MCP.
  • MCP ĂĽbersetzt diese Anfrage in die jeweilige „Sprache“ des Zielsystems, holt die Daten bzw. fĂĽhrt die Aktion aus – und gibt die Antwort zurĂĽck.

Wichtig: MCP speichert die Daten nicht dauerhaft. Es ist kein neues Data Warehouse und kein neues PMS. Es vermittelt nur in Echtzeit. Das reduziert:

  • Synchronisationsprobleme
  • Cache-IrrtĂĽmer („Ghost Availability“)
  • PCI- und DSGVO-Risiken durch unnötige Datenspeicherung

Ich würde MCP deshalb eher als „Echtzeit-Übersetzer mit Routing-Regeln“ beschreiben.


Warum MCP direktes Umsatzpotenzial hat – gerade im österreichischen Tourismus

Der spannendste Punkt aus Sicht eines Hoteliers: MCP ist nicht nur eine IT-Vereinfachung. Es ist ein Vertriebsthema.

Von OTA-zentrierter KI zu hotelzentrierter KI

Heute greifen generative KI-Assistenten fĂĽr Reisen oft auf OTA-Daten zu, weil diese:

  • sauber strukturiert
  • gut dokumentiert
  • zentral zugänglich

sind. Das Ergebnis: Selbst wenn der Gast eigentlich „Hotel XY in Tirol direkt buchen“ möchte, landet er bei einem Vorschlag über eine Plattform.

Mit MCP können wir das umdrehen:

Ein KI-Agent, der MCP versteht, kann direkt auf die Hotel-Systeme zugreifen – inklusive Zimmern, Paketen, Spa, Restaurant, Skischule, Shuttle, Zusatzleistungen.

Damit können österreichische Hotels:

  • Pakete intelligent verkaufen (z.B. Adventpackage mit Konzertkarten, Wellness-Abend und GlĂĽhwein-Tasting)
  • Langaufenthalte optimieren (z.B. „Bleib 5 Nächte, zahle 4“, direkt aus dem RMS/CRS abgefragt)
  • Up- und Cross-Selling automatisieren (Hundebett, E-Bike, Skipass, Romantik-Arrangement, Private Spa)

Konkretes Beispiel: Winterurlaub im Salzburger Land

Eine Familie chattet mit einem KI-Reiseassistenten:

  • Zeitraum: Semesterferien Wien
  • Wunsch: Familienhotel mit Kinderbetreuung, Skischule, Halbpension, Anreise mit Bahn

Mit MCP-Zugang zum Hotel kann der Agent:

  1. VerfĂĽgbare Familienzimmer direkt aus PMS/CRS holen
  2. Skipässe und Skischule über angeschlossene Systeme einplanen
  3. Plätze in der Kinderbetreuung blocken
  4. Transfer vom Bahnhof organisieren
  5. Tischzeiten fĂĽr das Abendessen im Restaurant berĂĽcksichtigen

Und das alles als eine Buchung, direkt beim Hotel – inklusive korrekter Preise, Stornobedingungen und Loyalty-Vorteilen.

Wer das als Destination bzw. Hotelgruppe früh sauber aufsetzt, gewinnt Sichtbarkeit in KI-Suchumgebungen und stärkt den Direktvertrieb massiv.


Wo MCP im Systemdschungel sitzt – und wer es kontrollieren sollte

Die spannende Frage aus dem Originalartikel bleibt: Wer betreibt den MCP in der Praxis?

Es gibt grob drei Modelle, die sich aktuell abzeichnen:

1. MCP beim PMS-Anbieter

Viele PMS-Lösungen wollen zum „System of Record“ werden. MCP liegt dann:

  • direkt beim PMS
  • nutzt dessen API-Landschaft
  • ist technisch nah an VerfĂĽgbarkeit und Reservierungen

Vorteil:

  • Hohe Datenqualität (PMS ist meist die „Truth Source“)
  • Weniger Integrationsaufwand zu anderen Kernsystemen

Nachteil:

  • Gefahr von Vendor-Lock-in und teuren API-Fees
  • Geschwindigkeit hängt vom Innovationsgrad des PMS-Anbieters ab

2. MCP als unabhängiger Drittanbieter

Hier betreibt ein spezialisierter Tech-Partner den MCP als neutralen Layer:

  • Er integriert PMS, CRS, CRM, Spa, POS etc.
  • Das Hotel kontrolliert, welche Daten wie freigegeben werden

Vorteil:

  • Mehr Unabhängigkeit von einem einzelnen Software-Hersteller
  • Bessere Verhandlungsposition bei Schnittstellen

Nachteil:

  • Noch ein zusätzliches System
  • Integrationskosten zu Beginn höher

3. MCP als Destinations- oder Gruppenlösung

Für den österreichischen Tourismus ab einer gewissen Größe hochspannend:

  • Eine Hotelgruppe, Tourismusregion oder ein Verbund (z.B. Thermenregion, Seengebiet, Skiregion) betreibt einen gemeinsamen MCP-Layer.
  • Jeder Betrieb bleibt Herr seiner Daten, nutzt aber einen Standard.

Vorteil:

  • Einheitlicher Zugang fĂĽr KI-Agenten zu einer ganzen Region
  • Stärkere Position gegenĂĽber globalen Plattformen

Genau hier liegt aus meiner Sicht die größte Chance für Österreich als Destinationsland: Wenn Regionen früh MCP-Standards etablieren, können KI-Reiseassistenten komplette Urlaube auf Basis regionaler Qualitätsdaten planen – nicht nur auf Basis anonymer OTA-Listings.


MCP + KI im Hotel: Konkrete Einsatzszenarien

Damit das nicht theoretisch bleibt, hier einige Szenarien, die mit MCP realistisch werden – viele davon schon 2026.

1. KI-Concierge mit Zugriff auf alle Systeme

Ein KI-Concierge, der wirklich hilft, braucht Daten:

  • Gibt es morgen um 18:00h noch einen Tisch im Restaurant?
  • Ist der Private Spa von 20:00–22:00h frei?
  • Welche gefĂĽhrten Wanderungen werden ĂĽbermorgen angeboten?

Ăśber MCP kann der KI-Concierge:

  • VerfĂĽgbarkeiten live abfragen
  • direkt buchen oder umbuchen
  • die Reservierung im PMS und die Gästekartei im CRM aktualisieren

Das erzeugt das, was wir im Rahmen unserer Serie immer wieder betonen: nahtloses Gästeerleben von der Anfrage bis zum Check-out.

2. Intelligentes Revenue Management mit KI-Agenten

Revenue-Management-Systeme können via MCP:

  • dynamische Preise nicht nur im Zimmerbereich, sondern auch fĂĽr Zusatzleistungen steuern
  • Pakete automatisiert testen (z.B. „Thermen-Thursday“-Special mit Spa-Slot + Abendessen)
  • KI-Agenten erlauben, profitoptimierte Angebote zu erstellen, nicht nur „billigste Rate“

Wenn ein KI-Assistent weiß, dass ein bestimmtes Paket eine 20 % höhere Marge und bessere Auslastungssteuerung bringt, wird er es eher vorschlagen – sofern er Zugriff auf diese Informationen hat. Genau dort hilft MCP.

3. Personalisierte Angebote entlang der gesamten Guest Journey

In der Serie „KI im österreichischen Tourismus“ sprechen wir oft darüber, wie wichtig Personalisierung ist. MCP ist hier das technische Rückgrat:

  • Vor Anreise: KI analysiert CRM-Daten (z.B. Vorlieben, vergangene Aufenthalte) und schlägt passende Upgrades vor.
  • Während des Aufenthalts: KI sieht in Echtzeit Auslastung von Spa, Restaurant, Rahmenprogramm und bietet gezielt freie Slots an.
  • Nach dem Aufenthalt: KI erstellt individuelle Angebote fĂĽr den nächsten Besuch, basierend auf konsumierten Leistungen.

Ohne MCP mĂĽsste jeder dieser Schritte ĂĽber eine eigene, fragile Integration laufen. Mit MCP nutzen KI-Agenten einen einheitlichen Standard, um mit allen Systemen zu sprechen.


Typische Fragen aus der Praxis: Kosten, DSGVO, Latenz

Wer in Österreich Hotels oder Destinationen berät, hört immer die gleichen drei Einwände. Gehen wir sie kurz durch.

„Wird das nicht extrem teuer?“

Ja, es kostet Geld – vor allem in der initialen Integration. Aber im Vergleich zu dutzenden Einzelintegrationen ist MCP:

  • planbarer (ein Standard, mehrere Systeme)
  • skalierbarer (neue KI-Usecases kommen oben drauf, nicht seitlich)

Wichtiger ist die Gegenfrage: Was kostet es, wenn KI-Assistenten auch in zwei Jahren hauptsächlich OTA-Daten nutzen – und nicht Ihre?

„Wie sieht es mit DSGVO aus?“

Der Charme von MCP: Es speichert die Daten typischerweise nicht langfristig, sondern ruft sie nur ab und reicht sie weiter. Das reduziert Risiken.

Trotzdem gilt:

  • Auftragsverarbeitung sauber regeln
  • Datenminimierung umsetzen (was muss der KI-Agent wirklich sehen?)
  • Logging und Rechte-Rollen-System klar definieren

Wer heute schon DSGVO-konform mit PMS, CRM & Co arbeitet, kann MCP relativ gut in bestehende Strukturen einbauen.

„Bleibt da nicht alles zu langsam (Latenz)?“

Latenz lässt sich nicht komplett wegzaubern. Aber MCP löst das strukturelle Problem, nicht das physikalische.

  • Statt 5 separaten Requests an 5 Systeme geht nur noch ein Request an MCP raus.
  • MCP kann Antworten bĂĽndeln und optimieren.
  • FĂĽr viele KI-Usecases sind Antwortzeiten von 1–2 Sekunden völlig ausreichend.

Die Erfahrung aus anderen Branchen zeigt: Die größten Performance-Gewinne kommen durch clevere Architektur, nicht durch rohe Geschwindigkeit.


Wie können österreichische Hotels jetzt konkret starten?

Wer MCP nicht erst beobachten, sondern nutzen will, kann in drei Schritten beginnen.

1. Systemlandschaft sauber kartieren

  • Welche Kernsysteme nutzen Sie? (PMS, CRS, Booking-Engine, RMS, CRM, Spa, POS, Events, Aktivitäten)
  • Welche davon haben APIs, welche nicht?
  • Wo liegen heute schon Integrationsprobleme (z.B. doppelte Datenpflege, falsche VerfĂĽgbarkeiten)?

Diese Bestandsaufnahme ist ohnehin Grundlage jeder sinnvollen KI-Strategie im Tourismus.

2. Mit Tech-Partnern über MCP-Fähigkeiten sprechen

  • PMS-/CRS-Anbieter: Arbeiten sie bereits an MCP-UnterstĂĽtzung?
  • CRM- und Spa-Anbieter: Sind sie offen fĂĽr standardisierte Protokolle wie MCP?
  • Region/Verband: Gibt es Ăśberlegungen zu gemeinsamen Daten- und KI-Projekten?

Wer hier aktiv nachfragt, setzt ein wichtiges Signal in Richtung Anbieterlandschaft.

3. Pilot-Usecase definieren

Statt „Wir wollen alles“ empfehle ich einen konkreten ersten Schritt, zum Beispiel:

  • KI-Concierge mit Zugriff auf Spa und Restaurant
  • KI-gestĂĽtzte Direktbuchung fĂĽr Pakete auf der Website
  • Regionaler KI-Assistent, der Betriebe einer Destination kombiniert anbietet

Mit so einem Pilotprojekt sammeln Sie Erfahrung, interne Akzeptanz – und erste messbare Effekte auf Buchungen und Gästezufriedenheit.


Fazit: MCP ist kein Hype, sondern Infrastruktur – und genau die brauchen wir jetzt

MCP wird in den nächsten 2–3 Jahren für viele Gäste unsichtbar bleiben. Wer den Sommer- oder Winterurlaub via KI-Assistent bucht, wird das Protokoll dahinter nicht kennen. Aber aus Sicht des österreichischen Tourismus ist klar:

Ohne einen offenen, standardisierten Zugang zu Hotel- und Destinationsdaten wird KI immer bei den Plattformen landen – und nicht bei den Betrieben selbst.

MCP ist aktuell der spannendste Ansatz, dieses Problem strukturell zu lösen. Es verbindet KI im österreichischen Tourismus, direktes Gästeerleben und wirtschaftliche Ziele wie mehr Direktbuchungen und bessere Auslastungssteuerung.

Wer jetzt beginnt,

  • seine Systemlandschaft zu ordnen,
  • MCP-fähige Partner zu suchen und
  • erste KI-Usecases zu testen,

wird 2026 nicht darüber diskutieren, ob KI „gefährlich“ ist, sondern sehr konkret sehen, wie sie Umsatz bringt, Prozesse entlastet und Gäste begeistert.

Die eigentliche Frage für Hotels und Destinationen lautet also nicht: „Kommt MCP?“ – sondern: „Wer in unserer Region nutzt MCP zuerst – und wer muss dann aufholen?“