Wintersaison unter Druck: Wie KI den Tourismus rettet

KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft••By 3L3C

Volle Pisten, aber knappe Budgets: Wie KI österreichischen Wintersportregionen hilft, aus sparsamen Gästen profitable Stammgäste zu machen – mit Praxisbeispielen.

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Wintersaison mit vollen Betten – und leereren Geldbörsen

Die Buchungslage passt, die Betten sind gut gefüllt, auf den Pisten ist ordentlich was los. Und trotzdem kneift die Wintersaison 2025/26 in Österreich. Viele Gäste kommen zwar, aber sie konsumieren zurückhaltender – weniger Hüttenbesuche, kürzere Aufenthalte, mehr Preisvergleich am Handy.

Für Hotels, Seilbahnen und Gastronomie bedeutet das: Auslastung allein reicht nicht mehr, die Marge bröckelt. Wer sich jetzt nur auf „gute Stimmung“ und Neuschnee verlässt, wird im Frühjahr ein böses Erwachen erleben.

Genau hier wird Künstliche Intelligenz im Tourismus vom netten Zukunftsthema zum harten betriebswirtschaftlichen Werkzeug. KI hilft, die knappere Kaufkraft besser auszuschöpfen, Angebot und Preis punktgenau auszurichten und Gäste so anzusprechen, dass sie trotz Sparmodus Geld im Ort lassen.

Dieser Beitrag gehört zur Reihe „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ und zeigt konkret, wie Wintersportregionen und Betriebe mit KI-Technologien auf die aktuelle Zurückhaltung bei Ausgaben reagieren können.


Problem: Volle Skigebiete, aber schwache Pro-Kopf-Umsätze

Die Lage ist paradox:

  • Events mit Stars wie Rita Ora oder DJ Ă–tzi sorgen fĂĽr Aufmerksamkeit.
  • Der Saisonstart profitiert von Neuschnee und guten Pistenverhältnissen.
  • Viele Skigebiete melden ordentliche Auslastung der Betten.

Und trotzdem klagen Betriebe ĂĽber:

  • niedrigere Pro-Kopf-Umsätze im Ort,
  • weniger konsumfreudige Tagesgäste,
  • stärkeren Fokus der Gäste auf „Preis-Leistung“ statt „Erlebnis um jeden Preis“.

Der Grund ist simpel: Viele Haushalte in Österreich und den Herkunftsmärkten stehen wegen Inflation, höheren Wohn- und Energiekosten sowie Kreditbelastung unter Druck. Der Skiurlaub bleibt, aber er wird „abgespeckt“.

Was heiĂźt das fĂĽr Tourismusbetriebe?

  1. Du kannst nicht mehr darauf vertrauen, dass Gäste „eh schon da sind und schon konsumieren werden“.
  2. Du musst viel besser verstehen, welche Gäste wofür noch Geld ausgeben – und wann.
  3. Du brauchst Daten, keine BauchgefĂĽhle.

Genau hier spielt KI ihren Vorteil aus.


Wie KI hilft, aus sparsamen Gästen profitable Gäste zu machen

Der Kernnutzen von KI im Tourismuswinter: aus vorhandenen Gästen mehr passenden Umsatz holen, ohne sie mit belanglosen Angeboten zu überfrachten oder mit falschen Preisen zu verprellen.

1. Personalisierte Angebote statt GieĂźkanne

Die klassische Wintersaison-Kommunikation lautet oft: „Skipass, Unterkunft, ein, zwei Events, fertig.“ Das funktioniert nicht mehr, wenn Gäste genau abwägen, wofür sie Geld ausgeben.

KI-gestĂĽtzte Personalisierung erlaubt etwa:

  • Analyse von Buchungsdaten, Interessen, vergangenen Aufenthalten und Kaufverhalten.
  • Ableitung von Gästesegmenten wie:
    • „Familien mit Fokus auf leistbarem Spaß“
    • „Eventorientierte Kurzurlauber“
    • „Genuss-Skifahrer mit Interesse an Kulinarik und Wellness“
  • Automatisierte Erstellung von Angeboten, die genau dazu passen.

Beispiel:

  • Familie aus Wien, Aufenthalt 4 Nächte, mittleres Budget, reist mit Kindern an.
    • KI schlägt vor: vergĂĽnstigter Skikurs am Nachmittag, FamilienmenĂĽ im Ort, Shuttle zu einer Rodelbahn.
  • Pärchen aus Deutschland, Short-Trip Freitag–Sonntag, ohne Kinder, höhere Zahlungsbereitschaft.
    • KI schlägt vor: Early-Access auf die Piste, reservierter Tisch beim Konzert, Sundowner-Package an der Bergbar.

Die Realität? Viele Destinationen schicken noch immer allen dieselbe Newsletter-Paketliste. Wer jetzt auf KI-gestützte Segmentierung setzt, macht aus vorsichtigem Konsum gezielte Kaufentscheidungen – und gewinnt damit Umsatz, ohne zusätzliche Gäste zu brauchen.

2. Dynamisches Revenue Management fĂĽr Pisten, Zimmer und Rahmenprogramm

Revenue Management mit KI bedeutet: Preise, Kontingente und Pakete werden in Echtzeit an Nachfrage, Wetter, Saisonphase und sogar Eventkalender angepasst.

FĂĽr die Wintersaison in Ă–sterreich kann das so aussehen:

  • Skipässe: Niedrigere Nachfrage an einem grauen Dienstag? KI erkennt das im Voraus und empfiehlt ein „Dienstag-Plus-Ticket“ mit kleiner VergĂĽnstigung oder inkludiertem Kaffee in der HĂĽtte.
  • UnterkĂĽnfte: Zwischen zwei Hochsaisonwochen entstehen buchungsschwächere Tage. KI erkennt Muster und schlägt „3=2“-Nächte oder vergĂĽnstigte Verlängerungsnächte fĂĽr Gäste vor, die ohnehin schon vor Ort sind.
  • Events & Zusatzleistungen: Wenn ein Konzert (z. B. in Schladming oder Ischgl) noch nicht ausgebucht ist, können gezielte, zeitlich befristete Angebote an passendes Publikum ausgespielt werden.

Das Ziel ist klar:

Jede Saisonminute mit dem bestmöglichen Mix aus Auslastung und Preis zu füllen.

Wer das ernst nimmt, kommt an KI-basierter Nachfrageprognose nicht vorbei. Manuell sind diese Feinjustierungen bei hunderten Zimmern, Skipässen und Rahmenangeboten kaum zu schaffen.


KI im Gästeerlebnis: Mehr Wert wahrnehmen, trotz Sparmodus

Wenn Gäste weniger Geld haben, muss sich jeder ausgegebene Euro besonders gut anfühlen. KI kann dazu beitragen, dass der Aufenthalt wie „mehr Urlaub fürs Geld“ wirkt – ohne, dass Betriebe automatisch alles billiger machen müssen.

1. Smarte Empfehlungen entlang der gesamten Guest Journey

Von der Inspiration bis zur Abreise kann KI an vielen Stellen ansetzen:

  • Vor der Reise: Chatbots beantworten Fragen zu Skipreisen, Familienangeboten, Leihmaterial, Anreise per Bahn. Unsicherheit kostet Buchungen – schnelle, präzise Antworten geben Sicherheit.
  • Vor Ort: Eine KI-gestĂĽtzte Destinations-App empfiehlt tagesaktuell:
    • kinderfreundliche Pisten bei besserem Wetter,
    • Schlechtwetter-Alternativen (Therme, Museum, Indoor-Spielplatz),
    • lokale Kulinarik-Tipps passend zum Budget.
  • Nach der Reise: Automatisierte, aber personalisierte Follow-up-Mails mit passenden FrĂĽhbucherangeboten fĂĽr den nächsten Winter.

So entsteht das Gefühl: „Diese Region versteht mich und meine Situation.“ Genau das entscheidet oft, ob jemand eine zweite Konsumentscheidung trifft oder beim ersten Skipass bleibt.

2. Echtzeit-Reaktion auf Wetter, Auslastung und Stimmung

Der Wintertourismus hängt stark am Wetter. Ein Tag mit Schneeregen oder Sturm kann einen ganzen Aufenthaltsplan über den Haufen werfen.

KI-gestützte Systeme können etwa:

  • Wetterdaten, Buchungen, Auslastung der Lifte und Echtzeitfeedback der Gäste kombinieren.
  • In Sekunden Vorschläge ausspielen:
    • Push-Nachricht: „Heute stĂĽrmisch am Berg – 20% auf Tageskarten in der Therme.“
    • Hinweis in der App: „Rodelabend vorverlegt auf 17:00 Uhr, da morgen Sturmvorwarnung.“
  • Gastronomie entlasten, indem StoĂźzeiten vorhergesagt und Reservierungsvorschläge automatisiert werden.

Der Effekt: Gäste erleben weniger Frust, der Aufenthalt wirkt trotz Einschränkungen „gut organisiert“ – und sie sind eher bereit, Geld für passende Alternativen auszugeben.


Praxisnah: Wo KMU im Tourismus jetzt mit KI starten sollten

Viele kleinere Betriebe und Regionen denken bei KI sofort an teure Großprojekte. Das ist unnötig. Für österreichische Tourismus-KMU gibt es drei realistische Startpunkte mit spürbarem Effekt schon in der kommenden Wintersaison.

1. KI-gestĂĽtzte Kommunikation (Chatbots & Mail-Automation)

Ein moderner, KI-basierter Chatbot auf der Hotel- oder Regionsseite kann:

  • häufige Fragen zu Preisen, Skikursen, Verleih, Stornobedingungen 24/7 beantworten,
  • Gäste automatisch voranqualifizieren (Budget, Reisedatum, Interessen),
  • aus Anfragen strukturierte Daten fĂĽr spätere Personalisierung erzeugen.

Kombiniert mit einem einfachen Marketing-Automation-Tool lassen sich daraus:

  • zielgruppenspezifische Newsletter,
  • Reminder fĂĽr Angebotsanfragen,
  • Upselling-Mails während des Aufenthalts generieren.

2. Einfache KI-Analysetools fĂĽr Buchungs- und Umsatzdaten

Viele Betriebe sitzen auf wertvollen Daten: Excel-Listen, PMS-Auswertungen, Kassendaten. Nur: Sie werden selten systematisch ausgewertet.

KI-Anwendungen können schon heute:

  • typische Aufenthaltsdauern nach Segmenten erkennen,
  • Buchungsfenster (wie viele Tage vor Anreise gebucht wird) genau prognostizieren,
  • Preissensitivität bestimmter Gästegruppen analysieren.

Auf dieser Basis lassen sich konkrete MaĂźnahmen setzen:

  • frĂĽher oder später mit FrĂĽhbucher-Rabatten beginnen,
  • Mindestaufenthalte intelligenter steuern,
  • Zusatzangebote gezielt dort bewerben, wo die Zahlungsbereitschaft hoch ist.

3. Kooperationen auf Destinationsebene

Gerade im Wintertourismus ist Einzelkämpfertum selten sinnvoll. Regionale Tourismusverbände können:

  • gemeinsam KI-basierte Destinations-Apps entwickeln,
  • zentrale Datenplattformen fĂĽr Buchungen, Veranstaltungen und Auslastung aufbauen,
  • kleine Betriebe ĂĽber Plug-and-Play-Lösungen einbinden.

So profitieren auch Pensionen, kleinere Hotels, Skischulen und HĂĽtten von KI, ohne selbst groĂźe IT-Projekte stemmen zu mĂĽssen.


Risiken & Stolpersteine: Wo Vorsicht angebracht ist

Ich habe bei Betrieben gesehen, wie KI-Projekte scheitern – meist aus denselben Gründen:

  • Unklare Ziele: „Wir brauchen auch KI“ ist kein Ziel. „Wir wollen den Umsatz pro Gast um 15% steigern“ schon.
  • Daten-Chaos: Ohne saubere Stammdaten, nachvollziehbare Preise und strukturierte Buchungsinfos kann KI nicht sinnvoll arbeiten.
  • Ăśbertechnisierung: Gäste wollen keine Roboterferien. KI sollte Mitarbeiter entlasten, nicht das persönliche Gespräch ersetzen.
  • Datenschutz-Fehler: DSGVO-konforme Einwilligungen und transparente Kommunikation sind Pflicht, gerade bei personalisierten Angeboten.

Wer diese Punkte ernst nimmt und Schritt für Schritt vorgeht, erhöht die Chance, dass KI nicht zum teuren Experiment, sondern zum messbaren Wettbewerbsvorteil wird.


Warum KI fĂĽr die Wintersaison 2025/26 ein Wettbewerbsfaktor ist

Die aktuelle Wintersaison zeigt deutlich:

  • Auslastung alleine reicht nicht mehr.
  • Der Kampf entscheidet sich beim Wert pro Gast.
  • Destinationen und Betriebe, die ihre Angebote präzise auf BedĂĽrfnisse und Budgets ausrichten, werden die Nase vorne haben.

KI im österreichischen Tourismus ist kein Luxusprojekt mehr, sondern eine Antwort auf reale Probleme: Kaufkraftverlust, Preisdruck, hohe Betriebskosten und stark schwankende Nachfrage.

Wer jetzt mit ausgewählten KI-Anwendungen startet – etwa Personalisierung, Revenue Management und smarte Gästekommunikation – wird schon in dieser und der nächsten Wintersaison spüren, wie sich Umsatz und Zufriedenheit zugleich verbessern.

Die spannende Frage für die kommenden Jahre lautet nicht: „Brauchen wir KI im Tourismus?“ sondern: „Wer setzt sie so ein, dass Gäste sich besser betreut fühlen – und trotzdem mehr Wert im Ort lassen?“

Wenn Sie als österreichisches Tourismus-KMU genau dort ansetzen wollen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die ersten konkreten KI-Projekte zu planen.