Volle Pisten, aber sparsame Gäste: Wie KI im österreichischen Wintertourismus hilft, Ertrag und Gästeerlebnis zu steigern – gerade für kleinere Betriebe.
Wintersaison mit vollen Betten – und leeren Geldbörsen
Österreichs Seilbahner melden volle Betten, frischen Neuschnee und Opening-Partys mit großen Namen. Auf den Bildern wirkt alles wie immer: volle Pisten, gute Stimmung, dichtes Gedränge an der Talstation.
Die Realität dahinter ist deutlich nüchterner: Viele Gäste sind da, aber sie geben weniger aus. Sie buchen kürzer, sparen beim Essen, beim Skiverleih, bei der Wellness-Behandlung. Für Betriebe heißt das: hoher Aufwand, aber weniger Wertschöpfung pro Gast.
Genau an diesem Punkt wird Künstliche Intelligenz im Tourismus plötzlich vom Buzzword zum Überlebenswerkzeug – gerade für kleinere und mittlere Betriebe in den österreichischen Alpen. Wer seine Preise, Angebote und Prozesse noch „nach Gefühl“ steuert, verschenkt in dieser Wintersaison bares Geld.
In diesem Beitrag aus unserer Reihe „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ geht es darum, wie Sie trotz sparsamer Wintergäste Ertrag und Gästezufriedenheit steigern – ohne Ihr Team weiter auszupressen.
Warum der Wintertourismus volle Betten, aber weniger Umsatz sieht
Der Kern des Problems ist klar: Die Kosten steigen schneller als die Zahlungsbereitschaft der Gäste. Strom, Personal, Lebensmittel, Pacht – alles wird teurer. Gleichzeitig achten Haushalte wegen Inflation und höherer Fixkosten stärker auf jeden Euro.
Was in vielen Regionen spĂĽrbar ist:
- Mehr Kurzaufenthalte statt ganzer Ferienwochen
- Höhere Sensibilität für Preise bei Skipass, Verleih und Skischule
- Ausgaben werden in den Talorten getätigt statt im Hotel (Supermarkt statt Restaurant)
- Zusatzleistungen (Spa, gefĂĽhrte Touren, Skiservice) werden seltener gebucht
Die Folge: Skigebiet und Ort wirken „voll“, der Deckungsbeitrag bleibt aber hinter früheren Jahren zurück.
Betriebe, die in dieser Situation einfach hoffen, „dass es schon wieder wird“, laufen in ein strukturelles Problem. Wer dagegen aktiv steuert – und dafür KI nutzt – kann aus denselben Gästen mehr Ertrag holen, ohne die Preise plump anzuheben.
Wo KI im Wintertourismus sofort Wirkung bringt
KI im österreichischen Tourismus ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern ein Werkzeugkasten, der heute schon gut funktioniert. Drei Einsatzfelder zahlen direkt auf die Ertragslage in der Wintersaison ein.
1. Dynamic Pricing & Revenue Management für Skipässe und Zimmer
Dynamic Pricing mit KI hilft, knappe Nachfrage optimal zu monetarisieren.
Statt fixer Preislisten kann eine KI-basierte Revenue-Engine unter anderem berĂĽcksichtigen:
- Buchungszeitpunkt (Early Bird vs. Last Minute)
- Aufenthaltsdauer
- Wochentag, Ferienkalender und Feiertage in Kernmärkten
- Wetter- und Schneesituation (Neuschnee vs. Föhnlage)
- Historische Auslastungsdaten und No-Show-Raten
FĂĽr ein KMU-Hotel im Pongau kann das konkret bedeuten:
- Leicht höhere Preise an stark nachgefragten Samstagen bei sehr guter Auslastungsprognose
- Attraktive Midweek-Angebote, wenn die KI erkennt, dass noch viele Zimmer frei sind
- Automatisierte Paketpreise (z.B. „3 Nächte + Skipass + Thermenbesuch“) für preisbewusste Gäste
Der Vorteil: Sie reagieren schneller und präziser auf die tatsächliche Nachfrage, anstatt nur auf Ihr Bauchgefühl.
2. Personalisierte Angebote für preissensible Gäste
Sparsamer zu sein heißt nicht, dass Gäste nichts mehr buchen. Es heißt, sie buchen nur noch das, was für sie wirklich relevant wirkt.
KI-gestützte Empfehlungssysteme – ähnlich wie bei Streaming-Plattformen oder Online-Shops – können im Tourismus:
- frühere Buchungen und Aktivitäten analysieren
- Herkunftsmarkt, Reiseanlass und Reisezeitpunkt berĂĽcksichtigen
- daraus wahrscheinliche Interessen ableiten
Konkrete Anwendung:
- Familien aus Wien bekommen im Vorfeld per Mail-App-Kombi gezielte Vorschläge für Rodeln, Skikurs-Kombiangebote oder vergünstigte Mittagsspecials am Berg
- Sportliche Paare aus Deutschland erhalten Tipps zu Skitouren, Freeride-Guiding oder Premium-Skiservice
- Tagesgäste werden via App oder WLAN-Login auf günstige Nachmittags-Skipässe plus Hüttengutscheine hingewiesen
Damit wird aus „Urlaub ja, große Ausgaben nein“ ein „Ich gönn mir das, weil es genau zu mir passt“.
3. KI-Chatbots als digitale Gästebetreuung
Viele Hotels, Pensionen und Destinationen verlieren Geld, weil Gäste Fragen nicht stellen – und Angebote deshalb gar nicht erst wahrnehmen. Oder sie stellen Fragen, aber niemand hat Zeit für ausführliche Antworten.
Ein mehrsprachiger KI-Chatbot kann hier rund um die Uhr unterstĂĽtzen:
- Beantwortung häufiger Fragen zu Skipass, Skibus, Leihmaterial, Kinderbetreuung
- Upselling-Hinweise („Für Ihre Kinder passt unser Anfängerkurs am Montag perfekt – hier gleich buchen“)
- Vorschläge für Schlechtwetter-Programme im Ort
- Orientierung bei Anreise, Parken, Skidepot
Wichtig ist: Der Chatbot ersetzt kein herzlicher Service, sondern entlastet Ihr Team, damit es sich vor Ort noch besser um die Gäste kümmern kann.
Praxisnah: Wie ein Wintersport-Ort KI wirklich nutzt
Stellen wir uns einen mittelgroĂźen Wintersportort in Salzburg vor. 80-Zimmer-Hotel, einige Privatvermieter, ein mittelgroĂźes Skigebiet, Skischule, Sportshops, ein kleines, aber feines Thermenangebot im Tal.
Ausgangslage
- Gute Buchungslage in den Ferien und an Wochenenden
- SpĂĽrbarer RĂĽckgang der Ausgaben pro Gast im Ort
- Hoher Personalengpass in Gastronomie und Hotellerie
- Starke Abhängigkeit von einigen Kernmärkten (z.B. Deutschland, Niederlande)
Einsatz von KI – Schritt für Schritt
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Daten sortieren und nutzbar machen
Buchungsdaten, Auslastung, Preise, Zusatzverkäufe, Stornodaten der letzten Jahre werden konsolidiert. Ein KI-basiertes Analyse-Tool erkennt Muster: Wann wird gebucht, welche Zimmerkategorien verkaufen sich wie, welche Pakete laufen gut, welche kaum. -
Dynamic Pricing für Zimmer und Skipässe einführen
Statt starrer Preise werden Preis-Korridore festgelegt. Die KI schlägt innerhalb dieser Bandbreite optimale Preise vor – je nach Nachfrage, Wetter und Buchungsverlauf. -
Digitale Gästekarte mit KI-Empfehlungen
Alle Gäste erhalten eine App oder WebCard. Die KI spielt – je nach Profil – passende Angebote aus: Familienprogramm, Wellness, Kulinarik, Sport. Mit klaren Call-to-Actions und einfacher Buchung. -
KI-Chatbot fĂĽr Ort & Betriebe
Ein gemeinsamer Destinations-Chatbot, eingebunden auf mehreren Webseiten, beantwortet Standardfragen und empfiehlt Aktivitäten. Die Betriebe sparen Zeit, der Gast erhält bessere Information.
Ergebnisse, die realistisch sind
Kein Märchen von +50 % Umsatz, sondern realistische Größenordnungen, die man aus Projekten kennt:
- +5–10 % mehr Umsatz pro verfügbarem Zimmer durch besseres Pricing
- +10–20 % höhere Buchungsquote bei Zusatzleistungen durch personalisierte Empfehlungen
- Deutlich weniger RĂĽckfragen per Mail/Telefon, weil Chatbot und App gut informieren
Gerade für KMU in der österreichischen Hotellerie sind das Größenordnungen, die den Unterschied zwischen angespannt und solide machen können.
Häufige Einwände von KMU – und wie man sie löst
Viele kleinere Betriebe im alpinen Tourismus haben Vorbehalte gegenüber KI. Die meisten davon sind lösbar.
„Wir haben gar nicht die Daten dafür“
Doch, haben Sie – nur oft unstrukturiert:
- PMS-/Buchungsdaten
- Channel-Manager-Informationen
- Newsletter-Listen
- Kassendaten aus Restaurant oder Skiverleih
Moderne KI-Lösungen für Tourismus-KMU sind darauf ausgelegt, mit diesen Daten zu arbeiten, ohne dass Sie ein eigenes Data-Warehouse aufbauen müssen.
„Das ist doch nur was für große Ketten“
Der Unterschied liegt weniger in der Technologie, sondern im Umfang:
- GroĂźe Ketten lassen eigene Systeme entwickeln
- KMU nutzen spezialisierte Standardlösungen mit fertigen Schnittstellen
Entscheidend ist, dass Sie klein anfangen: zum Beispiel nur mit KI-gestĂĽtztem Pricing fĂĽr zwei Zimmerkategorien oder einem einfachen Chatbot fĂĽr Standardfragen.
„Verliert der Kontakt zum Gast nicht an Menschlichkeit?“
Das Gegenteil passiert, wenn Sie es richtig machen:
- KI ĂĽbernimmt Routinefragen und einfache Empfehlungen
- Ihr Team hat mehr Zeit für persönliche Begegnungen vor Ort
Der Gast merkt: Jemand kümmert sich, und Antworten kommen schnell – egal ob um 23:30 Uhr am Anreisetag oder am Sonntagabend vor der Abfahrt.
Konkrete erste Schritte fĂĽr diese Wintersaison
Wer jetzt in der laufenden Saison startet, sollte pragmatisch vorgehen. Es geht nicht darum, in drei Monaten die perfekt digitalisierte Destination zu bauen, sondern ein, zwei spĂĽrbare Verbesserungen umzusetzen.
Schritt 1: Problem klar benennen
Fragen Sie sich sehr konkret:
- Wo verlieren wir im Winter am meisten Geld? (z.B. Leerstände unter der Woche, unverkaufte Spa-Kapazitäten, ungenutzte Skikurse)
- Wo verbringt das Team ĂĽberproportional viel Zeit mit immer gleichen Fragen?
Dieses Klarziehen ist wichtiger als jede Technikentscheidung.
Schritt 2: Ein fokussiertes KI-Projekt starten
Mögliche Einstiege:
- KI-gestĂĽtztes Revenue Management nur fĂĽr Hochsaisonwochen
- Einfacher KI-Chatbot fĂĽr FAQs auf der Hotel- oder Destinationsseite
- Personalisierte E-Mail-Strecke vor Anreise, basierend auf Buchungsdaten
Wählen Sie ein Projekt, das innerhalb von 4–8 Wochen sichtbare Effekte bringen kann.
Schritt 3: Messen, lernen, ausbauen
Definieren Sie einfache Kennzahlen:
- Umsatz pro Gast / pro Zimmer
- Anteil der Gäste mit Zusatzbuchungen
- Anzahl der Anfragen per Mail/Telefon vs. Chatbot
Auf dieser Basis entscheiden Sie, was im nächsten Sommer oder in der kommenden Wintersaison der nächste logische Schritt ist.
Warum gerade jetzt: KI als Antwort auf den Spar-Winter
Die Wintersaison 2025/26 zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht: volles Haus ist nicht mehr automatisch gleich gutes Ergebnis. Gäste sind preissensibler, aber nicht weniger anspruchsvoll. Sie wollen Erlebnis, Qualität und Fairness – nur eben ohne gedankenloses Konsumieren.
KI im österreichischen Tourismus ist deshalb kein nice-to-have-Projekt, sondern eine strategische Antwort auf diese Entwicklung:
- Sie holen aus jedem Gast mehr relevanten Umsatz, statt nur den Zimmerpreis zu erhöhen
- Sie entlasten ein ohnehin knappes Team
- Sie schaffen ein Gästeerlebnis, das sich personalisiert anfühlt, ohne dass jemand Tag und Nacht vor dem Computer sitzt
Wer jetzt beginnt, sich mit personalisierter Gästeansprache, KI-gestütztem Revenue Management und Chatbots für Hotels und Destinationen zu beschäftigen, baut einen klaren Vorsprung auf. Nicht nur gegenüber der Nachbarpension, sondern auch im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Gäste in den nächsten Jahren.
Die Frage für diese Wintersaison lautet daher weniger: „Kommt genug Schnee?“
Die wichtigere Frage ist: Nutzen wir unsere vorhandenen Gäste und Daten klug genug – oder lassen wir den nächsten Spar-Winter einfach wieder über uns drüberfahren?