Weihnachten ändert sich: Statt Dingen schenken viele Erlebnisse. Wie österreichische Tourismusbetriebe mit KI, Social Media und Omnichannel daraus Umsatz machen.
Erlebnis statt Pullover: Was sich im Weihnachtsgeschäft dreht
2025 ist das Jahr, in dem der Geschenke-Tisch voller Erlebnisse ist – und nicht voller Dinge. Plattformen wie Getyourguide melden Rekorde, während klassischer Handel um jeden Einkauf ringt. Gleichzeitig scrollen Millionen Österreicherinnen und Österreicher durch TikTok, Instagram und Reels – und lassen sich dort eher zu Städtetrips, Weihnachtsmärkten und außergewöhnlichen Aktivitäten inspirieren als zu noch einem Paar Socken.
Für den Tourismus in Österreich ist das eine Riesenchance. Wer jetzt klug handelt, kann das Weihnachtsgeschäft neu denken: weg vom Prospekt, hin zum KI-gestützten Gästeerlebnis, das schon beim ersten Social-Media-Kontakt beginnt und nicht mit der Buchungsbestätigung aufhört.
In dieser Folge unserer Reihe „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ geht es darum, wie sich der Konsumtrend hin zu Erlebnissen – befeuert durch Social Media – auf Hotels, Destinationen und Tourismusverbände auswirkt. Und wie künstliche Intelligenz hilft, aus diesem Trend planbaren Umsatz zu machen.
1. Warum Erlebnisse das klassische Weihnachtsgeschäft abhängen
Erlebnisangebote wachsen, weil sie drei starke Motive treffen: Status, Story und Sinn. Social Media verstärkt alle drei.
- Status: Ein außergewöhnliches Wintererlebnis in den Alpen wirkt „wertiger“ als ein Produkt – vor allem, wenn es geteilt werden kann.
- Story: Ein Wochenende in einer verschneiten Berghütte erzählt sich besser als „ich habe einen Gutschein bekommen“.
- Sinn: Viele Menschen wollen weniger konsumieren, aber intensiver leben. Erlebnisse passen perfekt zu diesem Mindset.
Der Erfolg von Anbietern wie Getyourguide zeigt, wie groß der Markt geworden ist. Das ist kein Nischentrend mehr, sondern ein Strukturwandel im Weihnachtsgeschäft.
Für den österreichischen Tourismus bedeutet das:
- Städtereisen nach Wien, Salzburg oder Innsbruck als „Weihnachtsgeschenk“
- Kurztrips in die Berge statt Elektronik unter dem Baum
- Kulinarische Erlebnisse, Wellness-Wochenenden, geführte Wintertouren als Geschenke
Wer als Destination oder Hotel diese Nachfrage nicht sichtbar macht – vor allem online – überlässt das Feld internationalen Plattformen.
2. Social Media als Turbo: Wie Gäste heute ihre Weihnachtsreisen wählen
Die Entscheidung für ein Erlebnis fällt heute oft auf TikTok, Instagram oder YouTube – nicht mehr im Reisekatalog. Ein kurzer Clip vom Adventmarkt in Wien, ein POV-Video von der Rodelbahn, ein Reel vom Rooftop-Spa mit Schneefall: Das sind die neuen Katalogseiten.
Was Social Media konkret verändert
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Entscheidungen werden spontaner
Statt langer Recherche reicht oft ein virales Video oder eine Empfehlung von Creator:innen. -
Trend-Destinationen gewinnen
Orte mit gutem Content wirken begehrenswert, auch wenn sie objektiv nicht „besser“ sind. -
Preis ist wichtig, aber Erlebnis schlägt Rabatt
Wer emotional überzeugt, muss weniger über den Preis verkaufen.
Für Betriebe heißt das: Content reicht nicht – er muss auch personalisiert ausgespielt werden. Genau hier kommt KI ins Spiel.
3. KI als unsichtbarer Reiseberater: Personalisierte Erlebnis-Angebote
Die wichtigste Rolle von KI im Tourismus heute: Sie sortiert das Überangebot an Informationen so, dass für jede Person wenige, dafür perfekt passende Vorschläge übrig bleiben.
Konkrete Einsatzfelder in österreichischen Destinationen
1. Personalisierte Empfehlungssysteme
Statt „Unsere 50 Winterangebote“ zeigt eine Website dynamisch:
- „3 Erlebnisse, die zu deinem Wochenende in Salzburg passen“
- „Ideal für Paare, 2 Nächte, Wellness + Kulinarik“
- „Familienfreundlich, mit Rodeln und Christkindlmarkt“
KI-Modelle können:
- frühere Buchungen auswerten,
- Klickverhalten auf der Website analysieren,
- Social-Media-Daten (z.B. Kampagnen-Interessen) nutzen,
- und daraus drei bis fünf konkrete Pakete vorschlagen.
2. KI-Chatbots für Hotels und Destinationen
Ein gut trainierter Chatbot beantwortet nicht nur Fragen wie Check-in-Zeiten, sondern:
- stellt gezielte Rückfragen („Reist du mit Kindern? Wie viele Nächte?“),
- schlägt passende Weihnachts- oder Winterpakete vor,
- kann direkt buchbare Erlebnisse integrieren: Skipässe, Stadtführungen, Dinner, Spa-Treatments.
Das fühlt sich für Gäste an wie ein sehr geduldiger Concierge – rund um die Uhr.
3. Dynamische Landingpages für Geschenk-Kampagnen
Für die Weihnachtszeit können Tourismusregionen KI-gestützte Landingpages aufsetzen, die sich automatisch anpassen:
- Besucher:in kommt über eine Instagram-Ad zum Thema „Romantischer Kurztrip“ → Fokus auf Paar-Erlebnisse, Spa, Fine Dining.
- Besucher:in kommt über eine Familienkampagne → Fokus auf Rodeln, Thermen, kinderfreundliche Hotels.
Die Inhalte müssen nicht für jede Zielgruppe manuell gebaut werden. KI kann Texte variieren, Bildauswahl anpassen und Prioritäten im Seitenlayout verschieben.
4. Revenue Management: Wie KI Weihnachtsnachfrage in Umsatz verwandelt
Erlebnisse sind nur dann ein gutes Geschäft, wenn Preis, Kontingent und Zeitpunkt stimmen. KI-basiertes Revenue Management sorgt dafür, dass Betten, Tische und Tickets im Dezember nicht zu billig, aber auch nicht leer bleiben.
Was moderne Revenue-Management-Systeme leisten
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Nachfrageprognosen auf Tagebene
KI-Modelle verarbeiten u.a.:- historische Buchungsdaten mehrerer Jahre,
- aktuelle Buchungsgeschwindigkeit,
- Wetterprognosen,
- Ferienkalender in Österreich und den wichtigsten Herkunftsmärkten,
- Flugdaten, Zugverbindungen, Eventkalender.
Ergebnis: Eine ziemlich präzise Schätzung, wie voll ein bestimmtes Wochenende im Advent werden wird.
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Dynamische Preissteuerung
Statt einmal im September die Winterpreise festzulegen, werden sie laufend angepasst:- Hohe Nachfrage? Preise moderat anheben, Zusatzleistungen (z.B. Late Check-out) gut bepreisen.
- Schwächere Auslastung? Bundles schaffen, z.B. „3=2 Nächte + Erlebnisgutschein“.
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Optimierung von Zusatzumsätzen (Ancillaries)
KI erkennt, wann Gäste besonders offen für Upgrades oder Extras sind:- nach der Buchung: „Weihnachtsdinner für 2 hinzufügen?“
- kurz vor Anreise: „Privater Transfer statt Öffis?“
- während des Aufenthalts: „Noch 2 freie Plätze für die geführte Schneeschuhtour heute Nachmittag.“
So wird aus einem bloßen Zimmerverkauf ein Erlebnis-Paket mit deutlich höherem Umsatz pro Gast.
5. Omnichannel-Erlebnis: Wenn Social, Website und vor Ort zusammenspielen
Viele Betriebe sehen Online-Buchungen, stationären Verkauf (z.B. Hotelrezeption, Tourismusbüro) und Social Media noch als getrennte Welten. Die Gäste sehen aber nur eines: Ihre Reise.
Der Trick ist ein KI-gestütztes Omnichannel-Erlebnis, das alles verbindet.
So könnte das konkret aussehen
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Inspiration auf Social Media
- Ein Kurzvideo über den Advent in Innsbruck wird ausgespielt.
- KI-gestütztes Targeting sorgt dafür, dass es vor allem Menschen mit Affinität zu Winterreisen und Österreich erreicht.
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Klick auf die Kampagne → personalisierte Landingpage
- Erster Eindruck: passende Pakete, keine Überfrachtung.
- Ein Chatbot bietet an, in 2 Minuten das ideale Paket zusammenzustellen.
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Buchung inkl. Zusatzleistungen
- Zimmer + Frühstück + Erlebnisgutschein für eine bestimmte Aktivität.
- Optionaler Upsell per E-Mail oder Messenger, KI-basiert personalisiert.
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Vor Ort: nahtlose Fortsetzung
- Personal an der Rezeption sieht im System: „Gast X kam über Weihnachtskampagne, interessiert sich für Kulinarik und Kultur.“
- Empfehlung vor Ort: Restaurant-Tipp, Zusatz-Buchung für Führung oder Konzert.
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Nach dem Aufenthalt: Social Proof aktiv nutzen
- Automatisierte, aber persönlich wirkende Nachricht: „Wenn dir dein Aufenthalt gefallen hat, teile dein Lieblingsfoto mit #…“
- KI sortiert später Bewertungen und Kommentare, erkennt Muster und liefert Input für Produktentwicklung.
So entsteht ein roter digitaler Faden von der ersten Inspiration bis zur Erinnerung auf dem Smartphone.
6. Praxis-Check: Drei schnelle Schritte für österreichische Betriebe
Nicht jedes Haus braucht sofort ein riesiges KI-Setup. Aber gar nichts tun ist die schlechteste Option. Drei Schritte, die ich für realistisch halte – gerade noch rechtzeitig für das nächste Weihnachtsgeschäft:
1. KI-gestützten Chatbot aufsetzen
- Start mit häufigen Fragen (Anreise, Parken, Wellness-Zeiten, Verfügbarkeit).
- Ergänzen um 3–5 konkrete Weihnachts- oder Wintererlebnis-Pakete, die aktiv vorgeschlagen werden.
- Wichtig: Übergabe an echte Mitarbeitende muss jederzeit möglich sein.
2. Datenbasis für Personalisierung aufbauen
- Buchungsdaten sauber strukturieren (Reisezeit, Reisedauer, Anlass soweit möglich).
- Website-Tracking vorbereiten (welche Angebote werden angesehen?).
- Alle Daten DSGVO-konform in einem zentralen System zusammenführen.
Diese Basis ist nötig, damit KI später sinnvolle Empfehlungen geben kann.
3. Kleine Revenue-Management-Piloten starten
- Ein oder zwei Zeiträume (z.B. Adventwochenenden, Silvester) auswählen.
- Ein KI-gestütztes Revenue-Tool nutzen, um Preise und Verfügbarkeiten zu optimieren.
- Ergebnisse schriftlich festhalten: Auslastung, Durchschnittserlös, Zusatzumsätze.
So entsteht in wenigen Wochen ein konkreter Business Case, mit dem sich intern Budget und Ressourcen für weitere KI-Projekte rechtfertigen lassen.
Ausblick: Weihnachtsgäste erwarten 2026 schon mehr
Der Trend ist eindeutig: Erlebnisse verdrängen Dinge, und Social Media entscheidet mit, welche Destinationen gewinnen. Österreich hat mit seinen Städten, Bergen und Kulinarik dafür nahezu ideale Voraussetzungen – wenn Tourismusverbände, Hotels und Erlebnisanbieter jetzt konsequent auf KI-gestützte Personalisierung, Revenue Management und Omnichannel-Kommunikation setzen.
Wer das Weihnachtsgeschäft 2026 ernst nimmt, sollte 2025 dafür nutzen, KI in kleinen, überschaubaren Projekten zu testen – und daraus zu lernen. Gäste werden sich daran gewöhnen, dass ihnen genau die Erlebnisse vorgeschlagen werden, die zu ihnen passen.
Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob KI den österreichischen Tourismus prägt, sondern wer sie rechtzeitig einsetzt, um aus dem neuen Konsumtrend rund um Weihnachten nachhaltige Wertschöpfung zu machen.