Wie Golf-Apps das Gästeerlebnis im Tourismus boosten

KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft••By 3L3C

Wie ein Golfresort mit einer App 20 Stunden pro Woche spart – und was österreichische Betriebe daraus für KI, Personalplanung und Gästeerlebnis lernen können.

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Warum 20 Stunden pro Woche plötzlich frei werden

Ein Golfresort in den USA spart mit einer einzigen App über 20 Stunden Planungsaufwand pro Woche – nur beim Einteilen der Caddies. Keine Excel-Listen mehr, kein Chaos am Telefon, weniger Stress im Team.

Für österreichische Touristiker steckt in dieser Geschichte mehr als nur eine nette Anekdote aus der Golfwelt. Sie zeigt, wie intelligente, vernetzte Systeme und KI-Logik Abläufe entlasten und gleichzeitig das Gästeerlebnis verbessern können – vom Golfplatz über die Skischule bis zum Thermenresort.

Dieser Artikel gehört zur Serie „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ und nutzt das Beispiel des Streamsong Resorts und der Agilysys Mobile Caddie App, um zu zeigen, wie sich solche Lösungen ganz konkret in den österreichischen Kontext übertragen lassen – inklusive Ideen, wie Sie daraus echte Wettbewerbsvorteile machen.


Was die Mobile Caddie App konkret leistet

Die Agilysys Mobile Caddie App ist im Kern ein intelligentes Planungs- und Kommunikationswerkzeug für Golfanlagen – eng verzahnt mit dem Tee-Sheet (Startzeitenplanung) des Resorts.

Kernfunktionen auf einen Blick

Die App bringt mehrere Bausteine zusammen, die in Kombination den Effizienzgewinn bringen:

  • Echtzeit-Synchronisation mit dem Tee-Sheet: Jede Ă„nderung einer Startzeit landet sofort im System der Caddies.
  • VerfĂĽgbarkeitskalender: Caddies tragen ein, wann sie verfĂĽgbar sind – das System matcht automatisch mit den Buchungen.
  • Auftragsvergabe mit Bestätigung: Caddies erhalten Push-Nachrichten und können Jobs annehmen oder ablehnen.
  • Paperless Administration: Der Manager sieht alles in einem Dashboard – inklusive Zeitstempel, Zuordnungen und offenen LĂĽcken.

Laut Resort spart allein die automatisierte Einsatzplanung rund 20 Stunden pro Woche. Das sind 80 Stunden pro Monat – im Prinzip eine zusätzliche Arbeitskraft, die man nicht bezahlen muss.

„Wir haben bereits 20 Stunden pro Woche an Planungseffizienz gewonnen und mehr Zeit für Gäste und Golfbetrieb“, sagt der Director of Caddie Services des Resorts.

Für den österreichischen Tourismus heißt das: Wer Arbeitsabläufe digital denkt, kann gerade in Zeiten von Personalmangel massiv gewinnen – ohne mehr Leute einstellen zu müssen.


Ăśbertragbar auf Ă–sterreich: Vom Caddie zur Skilehrerin

Das Szenario aus der Golfwelt klingt vielleicht weit weg. In Wahrheit ist es fast 1:1 auf typische österreichische Angebote übertragbar.

Typische Einsatzfelder in Ă–sterreich

Die gleiche Logik funktioniert ĂĽberall dort, wo:

  • Mitarbeiter in Schichten oder Einsätzen arbeiten
  • Gästezeitfenster (Startzeiten, Kursbeginn, Shuttlefahrten) existieren
  • Kurzfristige Ă„nderungen an der Tagesplanung die Regel sind

Konkret könnte eine „Caddie-App“ im österreichischen Tourismus so aussehen:

  • Skischule in Tirol:

    • Gäste buchen Kurse online, geben Sprache, Niveau und WĂĽnsche an.
    • Skilehrer:innen pflegen ihre VerfĂĽgbarkeiten ein.
    • Ein KI-gestĂĽtztes System matcht automatisch: Wer passt zu wem, welche Gruppe braucht Verstärkung, wo gibt es Ausfälle?
  • Thermen- und Wellnessresort im Burgenland:

    • Anwendungen (Massagen, Beauty, AufgĂĽsse) werden als Slots gefĂĽhrt.
    • Therapeut:innen sehen ihre Einsätze in Echtzeit.
    • Gäste können ĂĽber App zusätzliche Behandlungen buchen, Stornos werden sofort neu vergeben.
  • Golf- & Aktivresort in Kärnten:

    • Kombination aus Golf, gefĂĽhrten Wanderungen, Radtouren.
    • Guides und Pros werden dynamisch zu Aktivitäten eingeteilt.
    • Gruppen werden so zusammengestellt, dass Sprachen, Interessen und Level möglichst gut zusammenpassen.

Warum KI hier der logische nächste Schritt ist

Die Agilysys-Lösung selbst ist noch kein „reiner KI-Assistent“, arbeitet aber mit Logiken, die KI prädestiniert:

  • Erkennen von Mustern in Buchungen (StoĂźzeiten, No-Show-Wahrscheinlichkeiten)
  • Vorschläge fĂĽr automatische Personaleinteilung
  • Prognosen, wann zusätzliche Kapazitäten nötig werden

In einem KI-gestĂĽtzten Tourismusbetrieb wĂĽrden solche Systeme nicht nur planen, sondern auch empfehlen:

  • „Morgen Vormittag sind 80 % Ihrer Golf-Startzeiten belegt, aber nur 60 % der Caddies eingeteilt.“
  • „Aufgrund der Wetterprognose werden am Wochenende eher Wellness- als Outdoor-Angebote nachgefragt.“
  • „Familien mit Kindern haben in den letzten Wochen vermehrt X gebucht – bieten Sie ein Paket Y an.“

Das ist exakt die Richtung, in die sich die Serie „Gästeerleben der Zukunft“ bewegt: Proaktiv statt reaktiv handeln, auf Basis von Daten und KI.


Was sich am Gästeerlebnis wirklich verändert

Der eigentliche Punkt: Technologie wie die Mobile Caddie App macht nicht nur die Verwaltung angenehmer. Sie verändert das Gästeerlebnis – und zwar spürbar.

Weniger Warten, mehr Betreuung

Wenn Caddies ihre Einsätze in Echtzeit sehen, passiert Folgendes:

  • Gäste mĂĽssen nicht warten, weil sich niemand zuständig fĂĽhlt.
  • Last-Minute-Ă„nderungen (weitere Spieler, frĂĽhere Startzeit, Zusatzleistungen) werden sauber abgebildet.
  • Die Mitarbeiter vor Ort haben den Kopf frei, um persönlich zu betreuen statt Listen zu aktualisieren.

Ăśbertragen auf Ă–sterreich bedeutet das:

  • Check-in ohne Stau, weil das System Zimmer und Personal sauber vorbereitet.
  • Skiverleih, der Gäste schon „kennt“, weil Daten aus der Buchung genutzt werden.
  • Wellnessbereiche, die ĂśberfĂĽllung vermeiden, weil Slots intelligent verteilt werden.

Personalisierung wird Alltag

Je mehr Systeme vernetzt sind – PMS, POS, Reservierung, Marketing –, desto besser kennen Sie Ihre Gäste:

  • Wie oft ist der Gast schon da gewesen?
  • Was wurde gebucht – Golf, Spa, Kulinarik, Aktivitäten mit Kindern?
  • Welche Services wurden positiv bewertet oder häufig wiederholt genutzt?

Ein KI-System für den österreichischen Tourismus kann daraus sehr konkrete Vorschläge machen:

  • „Empfehle dieser Stammkundin ein Wellness-Package, sie bucht regelmäßig Massagen.“
  • „Biete dieser Familie einen späten Check-out an, sie reist immer mit kleinen Kindern.“

Die Mobile Caddie App ist nur ein Stein im Mosaik. Aber genau dieser Stein zeigt: Wenn Abläufe automatisiert und vernetzt sind, wird maßgeschneiderter Service plötzlich skalierbar.


Operative Vorteile: Wo 20 Stunden pro Woche wirklich herkommen

Viele Häuser unterschätzen, wie viel Zeit in Mikro-Organisation steckt. Der Fall Streamsong zeigt, wie sich das summiert.

Typische Zeitfresser in Tourismusbetrieben

  • Einsätze per Telefon und WhatsApp koordinieren
  • Ă„nderungen von Hand in Excel oder Wandplänen nachziehen
  • No-Shows und kurzfristige Stornos neu verteilen
  • Stammdaten fĂĽr freie Mitarbeiter:innen manuell pflegen

Die Agilysys-Lösung hat diese Schritte digitalisiert und gebündelt:

  • Caddies verwalten ihre VerfĂĽgbarkeit selbst.
  • Das System vergibt Einsätze nach festgelegter Logik (Fairness, Präferenzen, Qualifikation).
  • Push-Nachrichten informieren ĂĽber Ă„nderungen in Echtzeit.
  • Neue Caddies können sich direkt im System bewerben und verwaltet werden (ĂĽber 200 aktive Caddies im Resort).

Rechnen wir das auf ein österreichisches Resort hoch:

Nehmen wir an, Sie sparen pro Tag nur:

  • 30 Minuten bei der Personaleinteilung fĂĽr Aktivitäten
  • 30 Minuten durch weniger Telefonate und RĂĽckfragen
  • 30 Minuten durch automatisierte Stornobearbeitung

Das sind bereits 1,5 Stunden pro Tag – also mehr als 10 Stunden pro Woche. Größere Betriebe kommen sehr schnell an die 20-Stunden-Marke – exakt wie im Golfresort.


Was österreichische Betriebe jetzt konkret tun können

Wer KI im Tourismus nicht nur als Buzzword, sondern als Werkzeug für bessere Gästebetreuung sieht, sollte strukturiert vorgehen.

1. Prozesse identifizieren, die sich digital abbilden lassen

Stellen Sie sich drei Fragen:

  1. Wo haben wir viele kurzfristige Änderungen? (z.B. Aktivitäten, Spa, Tischreservierungen)
  2. Wo planen wir regelmäßig Personal manuell ein?
  3. Wo gehen Informationen unterwegs verloren oder werden doppelt gepflegt?

Genau dort lohnt sich der Blick auf intelligente Planungs-Apps – gern auch zuerst ohne „große KI“, einfach pragmatisch gedacht.

2. Systeme vernetzen statt Insellösungen bauen

Der große Vorteil der Agilysys-Welt: PMS, POS, Reservierung, Payment und Caddie-Management laufen im selben Ökosystem. Für österreichische Betriebe heißt das:

  • PMS, Channel Manager, Buchungsstrecken, Reservierungssysteme und Mitarbeiter-Apps sollten miteinander sprechen.
  • KI-Module (z.B. Recommendation Engines, Revenue Management, Chatbots) brauchen Zugriff auf einheitliche Daten.

Je weniger Schnittstellen-Bastellösungen, desto besser funktionieren KI-Anwendungen im Alltag.

3. Mit einem klar umrissenen Pilotprojekt starten

Statt den ganzen Betrieb „auf einmal zu digitalisieren“, ist es sinnvoll, mit einem klaren Use Case anzufangen:

  • „Wir wollen die Personaleinteilung fĂĽr unsere Skilehrer:innen automatisieren.“
  • „Wir wollen Spa-Buchungen und Personalplanung in einer App bĂĽndeln.“
  • „Wir wollen unsere Guides und Aktivitäten dynamisch steuern.“

Messen Sie dann gezielt:

  • Wieviel Zeit spart das Team wirklich?
  • Wie verändert sich die Gästezufriedenheit (Bewertungen, Beschwerden)?
  • Wie oft mĂĽssen Mitarbeiter noch manuell eingreifen?

Wer diese Daten hat, kann intern leichter argumentieren – gegenüber Eigentümern, öffentlichen Förderstellen oder Partnern.

4. Mitarbeiter frĂĽhzeitig einbinden

Die beste Technologie scheitert, wenn das Team das System „umgeht“. Ich habe in Projekten immer wieder gesehen:

  • Wenn Mitarbeiter:innen verstehen, welche Routinearbeiten wegfallen, steigt die Akzeptanz.
  • Wenn sie befĂĽrchten, „ersetzt“ zu werden, blockieren sie.

KI im Tourismus sollte immer als Unterstützung kommuniziert werden: Mehr Zeit für Gäste, weniger Zeit für Listen.


Ausblick: KI als Rückgrat des Gästeerlebens

Der Fall Streamsong zeigt exemplarisch, was passiert, wenn operative Exzellenz und Gästeerlebnis zusammen gedacht werden. Eine mobile Caddie-App mag wie ein Nischenprodukt wirken, ist aber in Wahrheit ein Blueprint für viele Bereiche im österreichischen Tourismus.

Wer heute beginnt,

  • Abläufe zu digitalisieren,
  • Systeme sinnvoll zu vernetzen und
  • KI-Logiken in Planung und Empfehlungen zu integrieren,

schafft die Basis für das, worum es in dieser Serie geht: Gästeerleben der Zukunft. Nicht mehr verwaltet, sondern gestaltet. Nicht mehr nach Bauchgefühl, sondern mit Daten – ohne den menschlichen Faktor zu verlieren.

Wenn Sie sich fragen, wo Sie in Ihrem Betrieb anfangen sollen, ist die ehrlichste Antwort: dort, wo gerade am meisten Zeit in Organisation statt in Gäste gewandert wird. Genau dort lohnt sich der nächste Schritt.