Wie aus Kameras KI-Sensoren werden – Chancen für den Tourismus

KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft••By 3L3C

Wie KI aus normalen Kameras intelligente Sensoren macht – und warum das für Wartezeiten, Sicherheit und Gästeerlebnis im österreichischen Tourismus entscheidend ist.

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Wie aus gewöhnlichen Kameras KI-Sensoren werden

Am Einstieg zur Bergbahn leuchtet eine Ampel auf Rot. Nicht, weil jemand auf den Knopf gedrückt hat, sondern weil ein KI-System im Hintergrund genau gezählt hat: Die zulässige Personenzahl ist erreicht, der Mindestabstand wird sonst kritisch. Niemand muss zählen, niemand diskutiert – das System ist der neutrale Schiedsrichter.

Genau hier setzt ferSwarm von feratel und Swarm Analytics an: Normale Kameras werden zu intelligenten Sensoren, die in Echtzeit Menschenströme im Tourismus messen und steuern. Was 2020 mit COVID-19 und Zutrittsbeschränkungen begann, ist heute ein zentraler Baustein für effizientes Destinationsmanagement und ein stressfreies Gästeerlebnis.

In dieser Ausgabe der Serie „KI im österreichischen Tourismus: Gästeerleben der Zukunft“ geht es darum, wie videobasierte KI-Lösungen wie ferSwarm funktionieren, wo sie in österreichischen Destinationen sinnvoll sind – und wie Betriebe damit gleichzeitig Sicherheit, Servicequalität und Erlöse verbessern können.


Was ferSwarm eigentlich leistet – in einem Satz

ferSwarm verwandelt bestehende Videokameras in datenschutzkonforme KI-Sensoren, die Personen zählen, Abstände einschätzen und Besucherströme analysieren, um Zutritt, Kapazitäten und Gästeerlebnis automatisch zu steuern.

Die Lösung wurde in Innsbruck entwickelt und richtet sich an typische Bereiche im Tourismus:

  • Berg- und Talstationen
  • Lift- und Seilbahnanlagen
  • Kassenbereiche und Wartezonen
  • Bäder, Thermen, Seen und Strände
  • stark frequentierte Plätze in Destinationen

Statt Personal an Zugängen abzustellen, übernehmen Algorithmen auf Basis Künstlicher Intelligenz die Zähl- und Analysearbeit – rund um die Uhr, in Echtzeit.


So funktioniert die videobasierte KI-Zutrittskontrolle

Die technische Idee ist simpel, die Umsetzung anspruchsvoll: Aus einer herkömmlichen Kamera wird ein Sensor, der nicht mehr „Filme speichert“, sondern Daten erzeugt.

Von Bilddaten zu anonymen Bewegungsdaten

ferSwarm verarbeitet den Videostream einer Kamera direkt im laufenden Betrieb:

  • Bewegungserkennung: Das System erkennt, wo sich etwas bewegt.
  • Personenerkennung: Algorithmen identifizieren, ob es sich um Personen handelt.
  • Zählung: Ein- und Ausgänge werden gezählt, die aktuelle Auslastung wird berechnet.
  • Klassifizierung: Auf Wunsch können Merkmale wie Altersspanne oder Geschlecht geschätzt werden – immer auf aggregierter, anonymisierter Ebene.

Wichtig ist der Datenschutzaspekt: Laut feratel werden nur jene Pixel verarbeitet, die für Bewegungserkennung, Zählung und Klassifizierung nötig sind. Die Bilddaten werden „on the fly“ analysiert, die Software extrahiert nur die relevanten Ergebnisse (z.B. „73 Personen im Bereich, 4 Gruppen, Auslastung 82 %“). Der Rohvideostream wird nicht dauerhaft gespeichert.

Automatische Signale für Gäste und Mitarbeiter

Auf Basis dieser Echtzeitdaten steuert das System Ausgabemedien unterschiedlichster Art:

  • LED-Wände an Berg- und Talstationen
  • Ampelsysteme an Eingängen
  • Digital-Signage-Displays in Thermen und Bädern
  • Laufschriften in Wartebereichen

Typische automatische Hinweise sind etwa:

  • „Bitte warten“ / „Zugang gesperrt“ (bei erreichter Maximalbelegung)
  • „Abstand halten“ (bei zu hoher Dichte im Wartebereich)
  • „Jetzt einsteigen“ oder „Nächste Gondel abwarten“ (bei Seilbahnen)

Damit entsteht ein dynamisches Leitsystem, das auf aktuelle Situation und Kapazität reagiert, statt auf fixe Schilder oder Bauchgefühl.


Warum das für österreichische Destinationen so spannend ist

Die meisten Tourismusbetriebe kennen das Problem: Entweder alles ist leer – oder alles ist gleichzeitig voll. Genau hier kann KI-basierte Besucherstromsteuerung einen enormen Unterschied machen.

1. Besseres Gästeerlebnis statt Gedränge

Niemand erinnert sich gern an den Urlaub, in dem man vor allem eines getan hat: angestanden. KI-Sensorik hilft, Spitzen zu glätten:

  • Echtzeit-Anzeige der aktuellen Auslastung (z.B. „Therme aktuell 65 % belegt“)
  • Prognosen fĂĽr StoĂźzeiten auf Basis historischer Muster
  • Aktive Empfehlung von Alternativen („Skibus Tal A ist voll, Bus Tal B in 5 Minuten frei“)

Die Folge: transparente Erwartungen statt Frust. Gäste treffen informierte Entscheidungen und verteilen sich besser über den Tag.

2. Effizientere Personaleinsatzplanung

Wenn klar ist, zu welchen Zeiten welche Bereiche wie stark genutzt werden, kann das Management deutlich präziser planen:

  • Kassen, Info-Schalter oder Verleih werden nur dann voll besetzt, wenn es nötig ist.
  • Reinigung und Security richten sich an realer Nutzung statt festen Zeitplänen aus.
  • In ruhigen Phasen können Teams fĂĽr Service- oder Zusatzverkäufe eingesetzt werden.

Gerade im alpinen Tourismus mit Fachkräftemangel und saisonalen Schwankungen ist das ein echter Hebel: weniger Überstunden, weniger Leerlauf, trotzdem mehr Service.

3. Sicherheit und Compliance – nicht nur in Pandemiezeiten

Ja, ferSwarm entstand vor dem Hintergrund von COVID-19 und Kapazitätsobergrenzen. Aber der Nutzen geht weit darüber hinaus:

  • Einhaltung von gesetzlich vorgeschriebenen Maximalbelegungen (z.B. in Thermen)
  • Brandschutz und Evakuierungskonzepte auf einer soliden Datenbasis
  • Monitoring von riskanten Bereichen (enge Stege, Gratwanderwege, Einstiege bei Lifte)

Die Realität: Haftungsfragen im Tourismus werden nicht weniger. Wer belastbare Auslastungsdaten hat, steht im Ernstfall deutlich besser da als jemand, der nur auf „gefühlte Werte“ verweisen kann.


Datenschutz: Wie KI-Sensoren DSGVO-konform bleiben

Bei allem Enthusiasmus fĂĽr KI im Tourismus stellt sich sofort die Frage: Wie sieht es mit der DSGVO aus?

Die gute Nachricht: Systeme wie ferSwarm sind so konzipiert, dass sie mit dem Datenschutz arbeiten, nicht dagegen.

Technische Ansätze für Datenschutzfreundlichkeit

  • On-the-fly-Analyse: Der Videostream wird direkt verarbeitet, ohne dauerhafte Speicherung der Rohbilder.
  • Datenminimierung: Es werden nur aggregierte Informationen weitergegeben (Anzahl Personen, Gruppen, Auslastung) – keine Identitäten.
  • Keine biometrische Identifikation: Ziel ist nicht, Personen wiederzuerkennen, sondern Mengen zu erfassen.

Damit gilt: Die Kamera dient als Sensor, nicht als Ăśberwachungsinstrument im klassischen Sinn.

Kommunikation mit Gästen als Erfolgsfaktor

Technisch sauber zu arbeiten reicht nicht. Gäste sollten auch verstehen, was passiert. Gute Praxis in österreichischen Destinationen:

  • Klare Beschilderung: „Dieser Bereich nutzt KI-basierte Sensorik zur anonymen Zählung.
  • Kurz erklärende Hinweistexte zu Zweck und Nutzen (Sicherheit, Komfort, Wartezeitreduktion).
  • Integration in FAQ, Gäste-Apps und Website.

Je transparenter kommuniziert wird, desto eher wird die Technologie als Service wahrgenommen – nicht als Kontrollinstrument.


Von COVID-Notlösung zum strategischen KI-Baustein

Spannend ist, wie sich der Einsatz von ferSwarm & Co. seit 2020 verschoben hat. Viele Systeme wurden damals eingeführt, um Ad-hoc-Probleme zu lösen: Abstand, Maximalbelegung, Zutrittsbeschränkungen.

Heute werden dieselben Systeme als Datenbasis fĂĽr strategische Fragen genutzt:

Besucherstromanalyse und Destinationsplanung

Über Monate und Jahre gesammelt, liefern die anonymisierten Zähldaten Antworten auf Fragen wie:

  • Wann genau beginnen StoĂźzeiten an welchen Liften oder Attraktionen?
  • Wie wirkt sich das Wetter auf Besucherströme aus (z.B. Föhnlage vs. Schneefall)?
  • Wie reagieren Gäste auf neue Angebote oder veränderte Ă–ffnungszeiten?

Destinationen können dadurch

  • Infrastrukturinvestitionen besser planen (z.B. neue Zubringerlifte, Parkplätze, Shuttlelinien),
  • Marketingaktionen gezielt auf schwächere Zeitfenster legen,
  • und ihre Nachhaltigkeitsziele besser steuern, indem sensible Naturräume entlastet werden.

Zielgruppenverständnis ohne persönliche Daten

Durch Klassifizierungen nach Altersgruppen oder Nutzungsmustern (Familien vs. Alleinreisende, Tagesgäste vs. Übernachtungsgäste) entsteht ein indirektes Zielgruppenprofil – ohne personenbezogene Datenspeicherung.

Beispiele:

  • Ein Familien-Skigebiet erkennt, dass zwischen 10:00 und 12:00 Uhr ĂĽberdurchschnittlich viele Kinder im Anfängerbereich sind – idealer Slot fĂĽr Skischul- und Gastroangebote.
  • Eine Therme sieht, dass ihr „Adults only“-Bereich vor allem unter der Woche nach Feierabend genutzt wird – perfekte Basis fĂĽr After-Work-Pakete.

Damit fügt sich ferSwarm nahtlos in die größere Entwicklung ein, die wir in dieser Blogserie beschreiben: KI im österreichischen Tourismus heißt nicht nur Chatbots und Recommendation Engines, sondern auch intelligente Sensorik im Raum, die das Gästeerleben direkt beeinflusst.


Konkrete Einsatzideen fĂĽr Betriebe und Destinationen

Wer die Technologie nicht nur zur reinen Zutrittskontrolle, sondern gezielt für das Gästeerleben der Zukunft nutzen will, kann Schritt für Schritt vorgehen.

1. Start mit einem klar abgegrenzten Use Case

Statt „überall KI“ zu wollen, lohnt sich ein fokussierter Einstieg:

  • Kapazitätssteuerung in der Talstation am Samstagvormittag
  • Auslastungsmessung in der Panorama-Therme an Spitzentagen
  • Besucherzählung auf einem beliebten Wanderweg im Sommer

Wichtig: Ein Use Case, dessen Erfolgskennzahlen klar messbar sind (z.B. Wartezeiten, Beschwerden, Personaleinsatzstunden).

2. Bestehende Hardware mitdenken

feratel betont, dass bereits vorhandene Kameras und Bildschirme oft weiterverwendet werden können. Das senkt die Einstiegshürde deutlich:

  • Bestehende Webcams werden zu Sensoren
  • Vorhandene Info-Screens dienen als Ausgabemedien
  • Ampelsysteme an Liften oder Parkplätzen werden integriert

So wird aus einer Infrastruktur, die primär für Marketing gedacht war (schöne Live-Bilder), plötzlich ein operatives Steuerungsinstrument.

3. VerknĂĽpfung mit anderen KI-Bausteinen

Spannend wird es, wenn die Sensordaten mit anderen KI-Anwendungen kombiniert werden, die wir in dieser Serie bereits behandeln:

  • Gäste-Apps zeigen in Echtzeit Auslastungen und empfehlen Alternativen.
  • KI-gestĂĽtztes Revenue Management passt Preise an Nachfrage und Auslastung an.
  • Chatbots beantworten Fragen wie „Wann ist der gĂĽnstigste Zeitpunkt fĂĽr die Therme?“ auf Basis echter Live-Daten.

So entsteht über die Jahre ein vernetztes Ökosystem aus KI-Tools, das aus Sicht der Gäste einfach nur eines bedeutet: Der Urlaub fühlt sich organischer, entspannter und individueller an.


Fazit: Intelligente Kameras als stiller Motor des Gästeerlebens

Die spannendsten KI-Lösungen im österreichischen Tourismus sind oft die, die Gäste gar nicht bewusst wahrnehmen. Systeme wie ferSwarm arbeiten im Hintergrund, zählen anonym Menschen, steuern Anzeigen – und sorgen dafür, dass es weniger Gedränge, klarere Infos und bessere Abläufe gibt.

Wer als Destination oder Betrieb ernsthaft am Gästeerleben der Zukunft arbeitet, kommt an intelligenter Sensorik nicht vorbei. Sie liefert die Daten, auf denen viele weitere KI-Anwendungen überhaupt erst sinnvoll werden.

Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Regionen den Schritt vom punktuellen Einsatz zur strategischen Nutzung von KI-Sensorik gehen. Klar ist schon jetzt: Die Betriebe, die ihre Gäste durchdacht steuern, statt sie dem Zufall zu überlassen, werden in Bewertungen, Auslastung und Erlösen vorne liegen.

Wer also aktuell ĂĽber KI im Tourismus nachdenkt, sollte nicht nur an Chatbots und Personalisierung denken, sondern ganz pragmatisch fragen:

Wo würden intelligente Sensoren meinen Gästen heute schon das Leben leichter machen – und mir morgen bessere Entscheidungen ermöglichen?