Dlubal RFEM 6 / RSTAB 9 bringen neue Features, die Handels- und Logistikbauten KI-ready machen – von Materialbibliotheken bis Windsimulation für Retail-Standorte.
Warum RFEM 6 und RSTAB 9 plötzlich für den Handel spannend sind
Die meisten Handelsunternehmen in Österreich investieren gerade viel Geld in KI für Bestandsmanagement, Preisoptimierung und Kundenanalyse. Was dabei fast immer übersehen wird: Die KI kann nur so gut entscheiden, wie die zugrunde liegenden Modelle und Simulationsdaten sind – gerade wenn es um Filialnetze, Logistikzentren oder Parkdecks geht.
Hier kommt etwas ins Spiel, das viele Retail-Verantwortliche nicht auf dem Schirm haben: moderne Statik- und Simulationssoftware wie RFEM 6, RSTAB 9, RSECTION und RWIND von Dlubal. Die neuen Funktionen aus dem aktuellen Update zielen zwar offiziell auf den Ingenieurbau – sie zahlen aber erstaunlich direkt auf das ein, was wir in unserer Serie „KI im österreichischen Einzelhandel: Retail Innovation“ behandeln: verlässliche Datenbasis, durchgängige Workflows und digital planbare Gebäude- und Logistikstrukturen.
In diesem Beitrag zeige ich, was hinter den neuen Features steckt – und wie sie sich konkret nutzen lassen, wenn Sie als Händler, Projektentwickler oder Betreiber Ihre Filial- und Logistikinfrastruktur intelligenter, KI-fähig und wirtschaftlich robuster aufstellen wollen.
Ăśberblick: Was Dlubal im aktuellen Update liefert
Das neue Release von RFEM 6 / RSTAB 9 bringt mehrere Erweiterungen, die alle in eine Richtung gehen:
- genauere Modellierung komplexer Tragwerke
- flexiblere Material- und Querschnittsdefinitionen
- realistischere Wind- und Strömungssimulationen
- effizientere, weniger fehleranfällige Workflows
Konkret wurden unter anderem ergänzt:
- Spannglieder in ebenen und rohrförmigen Flächen
- Benutzer-Materialbibliothek
- parametrische Bewehrungsstabquerschnitte
- erweitere plastische Nachweise nach EC 3 (Teilschnittgrößenverfahren nach Kindmann)
- Strömungslinien-Darstellung bei Windsimulationen
- transiente Randbedingungen am Tunneleinlass in RWIND
- Funktion zum Runden von Knotenkoordinaten
- zusätzliche Durchstanzbewehrungsarten für ACI und CSA
Jetzt wirkt das auf den ersten Blick sehr ingenieur-lastig. Die spannende Frage für unsere Serie: Wie zahlt das auf „Baustelle 4.0“ und datengetriebene Entscheidungen im Handel ein?
Spannglieder in Flächen: Robuste Logistikbauten und Parkdecks planen
Die neue Möglichkeit, Spannglieder nicht nur in Stäben, sondern auch in ebenen und rohrförmigen Flächen in RFEM zu modellieren, ist mehr als ein Detail-Feature.
Warum das fĂĽr den Einzelhandel relevant ist
Moderne Handelsimmobilien – ob Retail-Park an der Südosttangente oder innerstädtische Tiefgarage – setzen oft auf vorgespannte Flachdecken, Rampen und Tank- oder Silobauten (z.B. für Kälteanlagen oder Löschwasserbehälter). Mit der neuen Funktion können Statiker:
- vorgespannte Decken groĂźer Spannweiten effizienter abbilden
- rund- oder rohrförmige Behälter (z.B. Betontanks) mit Spanngliedern genauer berechnen
- die Vorspannungslasten direkt in die Flächen einbringen, ohne Workarounds
Das führt zu realistischeren Tragwerksmodellen. Für Händler und Investoren heißt das:
- bessere Kostenprognosen für tragende Strukturen großer Logistik- oder Verkaufsflächen
- optimierte Materialeinsätze, da Reserven genauer abgeschätzt werden
- belastbare Modelle, die sich in KI-gestĂĽtzte Lebenszyklus- und Instandhaltungsprognosen integrieren lassen
Die KI-Seite: Wenn Sie z.B. ein System aufbauen, das Filialschließungen, Umbauten und Instandhaltungsfenster optimiert, brauchen Sie verlässliche Angaben zur Resttragfähigkeit und Beanspruchung – und genau da zahlt ein sauberes, gut dokumentiertes RFEM-Modell ein.
Benutzer-Materialbibliothek & parametrische Querschnitte: Datengrundlage fĂĽr KI-Workflows
Die Benutzer-Materialbibliothek und die parametrischen Bewehrungsstabquerschnitte klingen trocken, sie sind aber ein wichtiger Schritt hin zu standardisierten, KI-auswertbaren Planungsdaten.
Eigene Materialien unternehmensweit nutzen
In RFEM 6 und RSTAB 9 können eigene Materialien erstellt, bearbeitet und modellübergreifend gespeichert werden. Für Handels- und Logistikprojekte bedeutet das:
- Sie können unternehmensspezifische Materialsets definieren (z.B. bevorzugte Betonrezepturen, Stahlsorten, Holzmischungen für Regal- oder Dachkonstruktionen).
- Diese Materialdefinitionen bleiben ĂĽber alle Projekte hinweg konsistent.
Wer später KI-Modelle baut – etwa zur CO₂-Bilanzierung über das gesamte Filialnetz –, profitiert enorm von dieser Einheitlichkeit. Wenn jedes Projekt andere, „frei getextete“ Materialien nutzt, sind Datenpipelines die Hölle. Einheitliche RFEM-/RSTAB-Materialbibliotheken dagegen sind strukturierte, maschinenlesbare Faktenquellen.
Parametrische Bewehrungsstäbe: ideal für Variantenstudien
Mit parametrischen Bewehrungsstabquerschnitten können in der Querschnittsbibliothek sämtliche Durchmesser frei definiert werden, zusätzlich zu genormten Varianten.
Das macht es deutlich leichter, z.B. fĂĽr eine neue Filialtypologie:
- mehrere Bewehrungsvarianten systematisch zu durchrechnen
- Materialbedarf und Tragreserven automatisiert zu vergleichen
- diese Varianten anschlieĂźend von einem Optimierungs- oder KI-Modell bewerten zu lassen (Kosten, COâ‚‚, Bauzeit, Lieferbarkeit)
Gerade größere Handelsketten in Österreich, die Standardfilialen in Serie errichten, können so Schritt für Schritt eine Bibliothek optimierter, wiederverwendbarer Bauteilkonzepte aufbauen – die perfekte Spielwiese für datengetriebene Entscheidungen.
Erweiterte Nachweise und runde Knoten: weniger Risiko, sauberere Daten
Im Add-On Stahlbemessung steht jetzt das Teilschnittgrößenverfahren nach Prof. Kindmann für Nachweise nach EN 1993-1-1 zur Verfügung. Parallel dazu gibt es eine Funktion, um Knotenkoordinaten zu runden.
Mehr Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Stahlbau
Viele Handelsgebäude in Österreich – vor allem Retail-Parks, Supermärkte und Logistikhallen – sind stahlbasiert. Das neue Bemessungsverfahren ermöglicht:
- präzisere plastische Nachweise, auch mit Umverteilung
- bessere Ausnutzung der Tragfähigkeit bei gleichbleibender Sicherheit
- wirtschaftlichere Profile, weil Reserven feiner abgeschätzt werden können
FĂĽr Investoren bedeutet das konkret:
- realistischer kalkulierte Stahlmengen und Kosten
- weniger Risiko, dass in späteren Leistungsphasen „Sicherheiten draufgepackt“ werden
Und wieder wird’s KI-relevant: Wer Kostendaten, Tragreserven und Materialeinsätze konsistent erfasst, kann später Preisoptimierungen und Lifecycle-Kalkulationen auf Basis realer Tragwerksdaten fahren – statt auf groben Schätzungen.
Knotenkoordinaten runden: kleine Funktion, groĂźer Effekt
Die neue Funktion „Knotenkoordinaten runden“ erlaubt, alle Knoten auf eine definierte Zahl an Nachkommastellen oder auf einen festen Rasterfaktor zu bringen.
Das klingt banal, verhindert aber gleich mehrere typische Probleme:
- „krumme“ Geometrien durch Zahlenreste wie 12,999999 m statt 13,000 m
- Schwierigkeiten beim Export in BIM-Modelle oder andere CAD-Systeme
- unnötig komplexe Modelle, die Optimierungs- und KI-Algorithmen ausbremsen
Die Realität: Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Algorithmen-Seite, sondern am Chaos in den Quelldaten. Einheitlich gerasterte Modelle sind für nachgelagerte Analysen deutlich sauberer und leichter auszuwerten.
Wind, Strömung, Tunnels: Simulationen für Omnichannel-Standorte
RWIND und die Windsimulationsfunktionen in RFEM 6 / RSTAB 9 haben gleich mehrere spannende neue Features für realistische Strömungsanalysen bekommen.
Strömungslinien in RFEM/RSTAB
Bei der Auswertung von Windsimulationen können nun Strömungslinien visualisiert werden. Das erleichtert es Ingenieuren, auf einen Blick zu erkennen:
- wie der Wind um ein Gebäude, eine Mall oder eine Tankstelle herumgeführt wird
- wo es zu Turbulenzen, Sogzonen oder hohem Druck kommt
- welche Bereiche z.B. fĂĽr WerbetĂĽrme, AuĂźengastronomie oder Eingangsbereiche kritisch sind
FĂĽr den Einzelhandel ist das nicht nur Komfort, sondern bares Geld:
- Außenflächen (Parkplätze, Freiflächen von Retail-Parks) lassen sich windtechnisch optimiert planen.
- Windlasten für PV-Anlagen auf Dächern von Filialen können besser eingeschätzt werden – wichtig, wenn Sie im Rahmen Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie massiv auf Photovoltaik setzen.
In einer KI-getriebenen Welt sind solche Strömungsdaten ein weiterer Baustein, um z.B. Energieerträge, Wartungsintervalle oder Ausfallrisiken statistisch zu bewerten.
Transiente Randbedingungen am Tunneleinlass in RWIND
Neu ist auch, dass in RWIND transiente Randbedingungen am Tunneleinlass definiert werden können.
Konkret:
- Es lassen sich zeitabhängige Windgeschwindigkeiten an mehreren Punkten am Tunneleinlass festlegen.
- Diese Datenpunkte können aus einer XML-Datei importiert oder exportiert werden.
Das ist vor allem dann spannend, wenn:
- Retail- oder Logistikstandorte an Verkehrstunneln oder stark befahrenen Einfahrten liegen.
- Sie Verkehrsströme, Abgase oder Komfort in Zu- und Abfahrtstunneln simulieren wollen (z.B. Einfahrten zu Tiefgaragen großer Einkaufszentren).
Durch die XML-Schnittstelle wird der Weg frei für Workflows, in denen externe Datenquellen (z.B. Verkehrssimulationen, Wetterdaten, KI-Prognosen) die Randbedingungen liefern. So entsteht ein echter Kreislauf aus Simulation, Realität und datenbasierten Optimierungen.
Durchstanzbewehrung nach ACI/CSA: international planen, zentral steuern
RFEM unterstĂĽtzt nun fĂĽr Durchstanznachweise nach ACI (USA) und CSA (Kanada) sechs verschiedene Durchstanzbewehrungsarten:
- BĂĽgel
- mehrere Schenkel
- Querkraftschenkel
- Doppelkopfbolzen
- Kopfbolzen mit Basisschiene unten
- Kopfbolzen mit Basisschiene oben
Für international tätige Handelsketten, die in Österreich starten, aber Filialen oder Logistikzentren in Nordamerika planen, ist das Gold wert. Sie können:
- einheitliche Modellierungs- und Auswertestandards im gesamten Konzern einfĂĽhren
- die Daten aus RFEM-Projekten in zentrale KI-Systeme fĂĽr Investitions- und Standortentscheidungen einspeisen
- regionale Unterschiede (Normen, Bewehrungstypen) abbilden, ohne den Datenstandard zu verlieren
Die Vision: Ein Konzern-„Cockpit“, das Standortperformance, Baukosten, CO₂, Instandhaltung und Ausfallrisiken standortübergreifend analysiert – auf basisgleich aufgebauten Statik- und Bewehrungsmodellen.
Was heißt das konkret für „Retail Innovation“ im österreichischen Handel?
Wer KI-Lösungen im Handel ernst meint – von Bestandsmanagement über Preisoptimierung bis zu Omnichannel-Strategien –, darf die baulich-technische Seite nicht als Black Box behandeln.
Die neuen Features in RFEM 6, RSTAB 9, RSECTION und RWIND unterstützen Sie dabei,
- Filial- und Logistikgebäude konsistent zu modellieren
- Materialien, Querschnitte und Bewehrungen standardisiert zu verwalten
- realistische Wind- und Strömungssimulationen mit externen Datenquellen zu koppeln
- Modelle so sauber aufzubauen, dass sie BIM- und KI-ready sind
Damit entsteht eine durchgängige Kette:
von der Tragwerksplanung ĂĽber BIM und Betrieb bis hin zu KI-gestĂĽtzten Handelsentscheidungen.
Wer heute anfängt, seine Bau- und Simulationsdaten strukturiert in Systemen wie RFEM und RSTAB abzulegen, hat in fünf Jahren einen massiven Vorsprung, wenn KI-Systeme nicht nur Sortiment und Preise, sondern auch Standorte, Umbauten und Investitionen optimieren sollen.
Wenn Sie im Rahmen der Serie „KI im österreichischen Einzelhandel: Retail Innovation“ nach der nächsten Stellschraube suchen, lautet mein Rat:
Schauen Sie nicht nur auf Kundendaten und ERP, sondern auch auf Ihre Statik- und BIM-Welt. Genau dort entstehen die Daten, die entscheiden, wie flexibel und wirtschaftlich Ihr Filialnetz morgen wirklich ist.