RFEM 6 und RSTAB 9 erhalten Funktionen, die Automatisierung, API‑Workflows und saubere Schnittstellen stärken – ein wichtiger Schritt in Richtung Baustelle 4.0.
Warum diese RFEM‑6‑ und RSTAB‑9‑Updates mehr sind als „nur“ neue Buttons
Viele Ingenieurbüros und Statikabteilungen kämpfen Ende 2025 mit exakt den gleichen Problemen: zu wenig Zeit, zu komplexe Normen, zu viele Medienbrüche zwischen CAD, Statik und internen Tools – und parallel steigt der Druck, Projekte schneller und wirtschaftlicher abzuwickeln.
Genau hier werden die aktuellen Neuerungen in RFEM 6, RSTAB 9 und den Dlubal‑Add‑Ons interessant. Denn sie sind kein kosmetisches Update, sondern zielen klar darauf, Routinearbeit zu automatisieren, Schnittstellen zu verbessern und KI‑ bzw. algorithmische Workflows vorzubereiten – ein Prinzip, das wir aus dem Thema „KI im österreichischen Einzelhandel: Retail Innovation“ bereits kennen: Daten durchgängig nutzen, Prozesse standardisieren, Menschen von Fleißarbeit entlasten.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was die neuen Features konkret können, welche praktischen Effekte sie im Ingenieurbüro haben – und warum gerade API und DXF‑Export die Brücke zu KI‑gestützten Workflows im Bauwesen schlagen.
1. Multiple Kombinationsassistenten: Mehr Varianten, weniger Klickarbeit
Die wichtigste Nachricht zuerst: RFEMÂ 6 und RSTABÂ 9 erlauben jetzt bis zu fĂĽnf Lastfallklassifizierungen und Kombinationsassistenten in einem Modell.
Das beantwortet ein sehr reales Problem aus der Praxis: Bauprojekte benötigen heute oft verschiedene Nachweisstrategien parallel, z.B.
- eine „konservative“ Kombinatorik für Genehmigungsstatik,
- eine „optimierte“ für Ausführungsplanung und Ausschreibung,
- alternative Nutzungsszenarien (Flex‑Office, Veranstaltungsmodus),
- Varianten mit und ohne gewisse außergewöhnliche Einwirkungen.
Bisher wurde dafür meist kopiert, umbenannt, umgebaut – und regelmäßig ist dabei etwas schiefgegangen. Mit den multiplen Kombinationsassistenten lässt sich das jetzt wesentlich eleganter lösen.
So nutzen BĂĽros das sinnvoll
Was sich direkt in Produktivität und Qualität auszahlt:
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Standard‑Setups als Bürovorlage
Büros können vordefinierte Kombinationstypen anlegen, z.B. „Wohnbau ÖNORM EN 1990“, „Logistikhalle“, „Gerüst / temporäre Konstruktion“, und diese pro Projekt kombinieren. -
Schnelle Variantenvergleiche
In Verbindung mit Parameterstudien oder Optimierungstools (z.B. via Dlubal‑API, siehe unten) lassen sich Material‑ oder Querschnittsvarianten über mehrere Kombinationsstrategien gleichzeitig bewerten. -
Fehlerreduktion
Weniger manuelle Nacharbeit bei Lastfallkombinationen bedeutet schlicht: weniger Risiko für falsche Bemessungslasten – ein Punkt, der Versicherer und Prüfingenieure gleichermaßen freut.
Die Logik, die der österreichische Handel bei Preisoptimierung und Sortimentsvarianten per KI nutzt – viele Szenarien automatisiert durchspielen – wird hier auf die Tragwerksplanung übertragen.
2. Linienkopplung: Saubere Verbindung statt Modellakrobatik
Ein weiterer Baustein für sauberere Modelle ist der neue Linientyp „Linienkopplung“.
Kurz gesagt: Linienkopplungen stellen zum nächstliegenden Objekt eine starre Verbindung her, wobei sich Suchbereich, zu berücksichtigende Objekttypen und auszuschließende Objekte fein einstellen lassen. Liniengelenke können zusätzlich definiert werden.
Wo das im Alltag enorm hilft
- Platten‑zu‑Wand‑Anschlüsse in sehr fein unterteilten Modellen, bei denen sich Linien nicht exakt decken.
- Bestandsumbauten, bei denen alte und neue Bauteile nicht perfekt fluchten, aber statisch gekoppelt werden mĂĽssen.
- Importe aus Architektur‑CAD (BIM‑Modellen), wo Geometrien oft minimale Versätze haben.
Früher wurden solche Fälle gern mit „Behelfstricks“ wie kurzen Hilfsstäben, Dummy‑Elementen oder manuell gesetzten Knotenverbindungen gelöst – pflegeintensiv und fehleranfällig.
Mit Linienkopplungen lässt sich dieses Problem systematisch und automatisiert angehen. Für datengetriebene Workflows (inklusive KI‑gestützter Modellprüfung) ist das ein echter Pluspunkt: Ein konsistenteres, regelbasiert aufbereitetes Modell ist wesentlich leichter automatisch zu analysieren.
3. Dlubal‑API (gRPC): Der eigentliche Hebel hinter „Baustelle 4.0“
Die vielleicht wichtigste Neuerung für die Digitalisierung und KI‑Strategie von Ingenieurbüros ist die gRPC‑basierte Dlubal‑API für RFEM und RSTAB.
Diese API ermöglicht für nahezu alle Modellierungs‑ und Berechnungsfunktionen:
- Modelle programmatisch erstellen,
- bestehende Modelle ändern,
- Ergebnisse analysieren und weiterverarbeiten.
Was Büros damit heute schon machen können
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Automatisierte Standardstatiken
Wiederkehrende Aufgaben wie Hallenrahmen, Carports, Stützwände oder kleine Aufstockungen lassen sich als Skripte abbilden.- Parameter (Spannweite, Höhe, Schnee‑/Windzone, Nutzungsart) kommen z.B. aus einer internen Web‑Maske oder direkt aus einem ERP‑/CRM‑System.
- Das Skript erzeugt RFEM‑/RSTAB‑Modelle, startet Berechnungen und sammelt maßgebende Nachweise.
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Anbindung an KI‑Tools
Wer bereits im österreichischen Einzelhandel KI zur Nachfrageprognose oder Preisoptimierung nutzt, kennt das Prinzip: Algorithmen testen Tausende Varianten, bevor ein Mensch eine Entscheidung trifft.Über die Dlubal‑API können Büros:
- Optimierungs‑Algorithmen (oder später KI‑Modelle) mit RFEM/RSTAB verknüpfen,
- Querschnitts‑ oder Materialvarianten automatisch durchrechnen,
- Zielgrößen wie CO₂‑Bilanz, Materialkosten oder Verformungen optimieren.
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Qualitätssicherung per Skript
Büro‑Standards, die früher nur als PDF im QM‑Ordner lagen, können in Code gegossen werden: „Kein nicht zugewiesener Lastfall“, „Alle Verbindungsmittel nachgewiesen“, „Minimale Auflagerbreite x cm“.Skripte prüfen Modelle automatisch – ähnlich wie ein Retailer heute seine Stammdaten und Preise automatisiert prüft.
Der Punkt ist: API‑Fähigkeit ist die Voraussetzung, um KI später sinnvoll einzusetzen. Wer RFEM 6 / RSTAB 9 heute mit API in seine Systemlandschaft einbindet, bereitet den Boden für echte Baustelle‑4.0‑Workflows.
4. Neue Bemessungsfeatures: Köcherfundamente & Gerüstlager
Nicht alles dreht sich um Automatisierung – manche Neuerungen zielen direkt auf spezifische Anwendungsfälle in der Praxis.
Köcherfundamente im Add‑On „Betonfundamente“
Neu ist die Möglichkeit, Köcher‑ und Blockfundamente im Add‑On „Betonfundamente“ zu bemessen. Berücksichtigt werden können glatte oder raue Köcherinnenseiten.
Das ist besonders relevant fĂĽr:
- Stahltragwerke mit Stützen in Köchern,
- Lichtmasten, Werbeanlagen, Carports,
- Sportstätten‑ und Hallenbauten.
Vorteil: Die Bemessung wird konsistent im gewohnten Dlubal‑Umfeld durchgeführt, inklusive Lastkombinationen und Bemessungsnormen. Weniger Exporte, weniger Excel‑Insellösungen.
Gerüstlager für temporäre Tragwerke
Für temporäre Konstruktionen – etwa Arbeitsgerüste oder Baustützen – können jetzt Gerüstlager definiert werden.
Die Nichtlinearität „Gerüstgelenk“ in den Knotenlager‑Drehfreiheitsgraden φX und φY bildet dabei das Verhalten gemäß EN 12811‑1 und EN 1065 ab.
Das ist fĂĽr alle interessant, die:
- GerĂĽstkonstruktionen nicht nur typisiert, sondern objektbezogen nachweisen,
- temporäre Abstützungen bei Umbauten oder Sanierungen modellieren,
- die wachsenden Anforderungen an Sicherheits‑ und Nachweisdokumentation erfüllen müssen.
Der Trend ist klar: Temporäre Zustände werden ernster genommen und systematischer nachgewiesen – ein Thema, das mit dem wachsenden Baudruck in Städten wie Wien, Graz oder Linz nur an Bedeutung gewinnt.
5. Wanderlast‑Assistent für Stäbe: Realistischer Verkehr, weniger Handarbeit
Der Lastassistent „Wanderlast“ kann nun auch Wanderlasten auf Stäben generieren. Möglich sind Einzellasten oder Lastmodelle aus mehreren Lasten.
Praktische Anwendungsfälle:
- Kranbahnen in Logistikhallen,
- Brückenträger mit bewegten Lasten,
- Förderanlagen oder Fahrzeuge auf Stahlträgern.
Statt jede Laststellung manuell zu erzeugen, lässt sich das nun automatisiert erledigen. Für Büros, die regelmäßig Hallen‑ oder Brückenprojekte bearbeiten, summiert sich das schnell zu mehreren Stunden pro Woche – pro Mitarbeiter.
Wer später KI‑ oder Optimierungstools einsetzen will, profitiert doppelt: Ein standardisierter Wanderlast‑Assistent macht es deutlich leichter, automatisierte „Worst‑Case‑Suche“ nach maßgebenden Laststellungen zu etablieren.
6. 3D‑DXF‑Exporte: Saubere Brücke zwischen Statik und CAD/BIM
DXF klingt unspektakulär – ist aber in vielen Büros nach wie vor der entscheidende Klebstoff zwischen Statik und Konstruktion. Dlubal hat hier zwei Punkte deutlich ausgebaut:
3D‑DXF‑Export einer Szene
Die Funktion „3D‑Szene in DXF exportieren“ erlaubt den Export von Linien unter Berücksichtigung der Sichtbarkeitseinstellungen. Je nach Rendering werden ausgegeben:
- Berandungslinien von Stäben und Flächen,
- Mittellinien von Bewehrungen,
- Grafiken von StahlanschlĂĽssen u.a.
Damit lässt sich z.B. ein klar reduziertes Tragwerksmodell an die CAD‑Abteilung oder an einen externen Planer schicken, ohne das ganze Projekt offen legen zu müssen. Ein großer Vorteil auch für Generalplaner‑Konstellationen.
3D‑DXF‑Export von Stahlanschlüssen
Im Add‑On „Stahlanschlüsse“ können jetzt DXF‑Dateien direkt aus der Anschlussgeometrie erzeugt werden. Die 3D‑Linienmodelle sind so aufgebaut, dass CAD‑Programme sie gut einlesen und weiterverarbeiten können.
Konkrete Effekte:
- Detailkonstruktion im Stahlbau wird beschleunigt, weil Anschlüsse nicht neu „nachgeklickt“ werden müssen.
- Fehlerquellen beim manuellen Ăśbertragen von Geometrien sinken.
- Der Weg zu halbautomatisierten Fertigungsprozessen wird kürzer – ein ähnlicher Schritt wie im Einzelhandel, wo saubere Daten aus der Warenwirtschaft die Basis für automatisierte Nachbestellung und Preisgestaltung sind.
7. Was das alles mit KI und Retail‑Innovation zu tun hat
Wer sich mit KI im österreichischen Einzelhandel beschäftigt, erkennt Muster:
- APIs verbinden Systeme,
- saubere Datenstrukturen ermöglichen Auswertungen,
- Automatisierungsbausteine (Assistenten, Vorlagen) reduzieren manuelle Arbeit.
Genau diese Bausteine liefern die neuen Funktionen von RFEM 6, RSTAB 9 und den Add‑Ons – nur eben für das Statik‑ und Tragwerksplanungs‑Ökosystem.
Für Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Software‑Anbieter, die an „Baustelle 4.0“ arbeiten, ergeben sich drei klare nächste Schritte:
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API testen und erste Skripte etablieren
Klein anfangen: ein Standardtragwerk, ein automatisierter Prüfbericht, eine simple Optimierung. Hauptsache, der Weg „vom Modell zur Auswertung per Code“ wird im Haus bekannt. -
Assistenten und Vorlagen als BĂĽrostandard definieren
Mehrere Kombinationsassistenten, Wanderlast‑Vorlagen, Standardfundamente: Was heute als Feature kommt, sollte morgen Teil der Bürobibliothek sein. -
Schnittstellen bewusst planen
DXF‑Exports, BIM‑Anbindung, ERP‑/CRM‑Schnittstellen und perspektivisch KI‑Tools: Wer seine Systemlandschaft klar strukturiert, hat in fünf Jahren einen massiven Vorsprung.
Die Realität ist: KI im Bauwesen wird nicht mit einem magischen „Smart‑Button“ starten, sondern mit genau solchen, oft unspektakulären Schritten – APIs, Assistenten, robuste Exporte. Dlubal schiebt hier ganz bewusst an.
Fazit: Jetzt die Weichen stellen – nicht warten, bis KI „fertig“ ist
Die neuen Funktionen in RFEM 6, RSTAB 9 und den Add‑Ons sind weit mehr als Komfort‑Features. Sie helfen, Tragwerksplanung robuster, schneller und automatisierungsfreundlicher zu machen – von multiplen Kombinationsassistenten über Linienkopplungen bis zur gRPC‑API.
Wer heute im Bauwesen ähnliche Effizienzsprünge anstrebt wie der österreichische Einzelhandel mit KI‑gestützter Preis‑ und Bestandsoptimierung, sollte mit genau solchen Werkzeugen anfangen: Prozesse standardisieren, Datenflüsse öffnen, Routinearbeit per Assistenten und Skripte reduzieren.
Die Frage ist weniger, ob KI und algorithmische Planung in Ihr Büro kommen, sondern wann – und ob Ihre Tools und Datenmodelle dann bereit sind. RFEM 6 und RSTAB 9 liefern jetzt die Bausteine, um diese Vorbereitung gezielt anzugehen.