Eurobaustoff Forum: Was Händler von KI-Ständen lernen

KI im österreichischen Einzelhandel: Retail InnovationBy 3L3C

8.750 Besucher in Köln, ein KI-Themenstand als Magnet: Was das Eurobaustoff Forum 2025 für KI, Bestandsmanagement und Omnichannel im österreichischen Handel bedeutet.

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Eurobaustoff Forum 2025: Was der Handel aus Köln mitnehmen sollte

8.750 Besucher, 512 Aussteller, 33.000 m² in zwei Tagen – das Eurobaustoff Forum 2025 in Köln war eine echte Hausmesse XXL. Spannend daran ist weniger die reine Größe, sondern was dort zwischen den Zeilen passiert ist: Die Branche richtet sich konsequent auf Daten, Services und Künstliche Intelligenz aus.

Für den österreichischen Einzelhandel – egal ob Baustoffhandel, Baumarkt, Holzfachhandel oder klassischer Non-Food-Retail – steckt darin ein klarer Fingerzeig. Wer 2026/2027 nicht nur dabei, sondern vorne sein will, muss sich heute mit KI im Handel, Bestandsmanagement, Preisoptimierung und Omnichannel-Strategien beschäftigen.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was das Eurobaustoff Forum 2025 gezeigt hat – und wie Sie diese Impulse ganz konkret für Ihren Standort in Österreich nutzen können.


1. „Zusammen Zukunft Bauen“ – was das Motto für den Handel bedeutet

Der zentrale Satz des Forums lautete: „Zusammen Zukunft Bauen“. Gemeint war damit nicht nur die Zusammenarbeit innerhalb der Eurobaustoff-Kooperation, sondern ein klarer Kulturwechsel: Weg vom reinen Produktverkauf, hin zu vernetzten Dienstleistungen und Datenplattformen.

Von der Produktfläche zum Dienstleistungscampus

Der fast 2.000 m² große Eurobaustoff-Stand war als „Dienstleistungscampus“ aufgebaut. Genau das ist die Denkrichtung, die ich auch für den österreichischen Handel für richtig halte:

  • Produkte bleiben wichtig, aber sie sind nur noch ein Teil des Angebots.
  • Entscheidend wird, welche Services, Daten und digitalen Werkzeuge Sie als Händler rundherum anbieten.
  • KI wird dabei zum unsichtbaren Motor, der Prozesse im Hintergrund steuert und im Vordergrund bessere Kundenerlebnisse erzeugt.

Für den österreichischen Einzelhandel heißt das: Wer heute nur seine Regalplanung und Flyer optimiert, arbeitet am falschen Ende. Die eigentlichen Hebel liegen in Daten, Algorithmen und klaren Servicekonzepten.

Warum Kooperation und Daten sharing plötzlich zum Wettbewerbsfaktor werden

Auf dem Forum wurde deutlich: 438 Gesellschafter mit rund 1.700 Standorten treten nicht mehr nur als Einkaufsverbund auf, sondern als Daten- und Servicegemeinschaft. Das ist ein massiver Vorteil gegenüber isolierten Einzelplayern.

Übertragen auf Österreich:

  • Verbundgruppen, Einkaufsgenossenschaften und Franchise-Systeme, die KI-Plattformen zentral bereitstellen, werden ihre Mitglieder deutlich stärken.
  • Einzelhändler, die sich clever an externe KI-Lösungen für Retail Innovation anbinden, können Größeneffekte ausgleichen.

Die Botschaft aus Köln ist klar: Alleine KI „basteln“ bringt wenig. Im Verbund, mit gemeinsamen Daten- und Serviceplattformen, entsteht echter Mehrwert.


2. KI & Digitalisierung – warum der Themenstand so viel Zulauf hatte

Auf dem Eurobaustoff Forum war der Themenstand „Künstliche Intelligenz (KI) & Digitalisierung“ einer der Besuchermagneten. Das überrascht nicht: Die Margen im Handel sind unter Druck, gleichzeitig steigen Energie-, Personal- und Flächenkosten. KI adressiert genau diese Punkte.

Wo KI im Handel heute schon wirkt

Für den österreichischen Einzelhandel ergeben sich vier sehr konkrete Einsatzfelder:

  1. Bestandsmanagement und Disposition
    KI-gestützte Systeme analysieren Verkaufsdaten, saisonale Muster, regionale Besonderheiten und Lieferzeiten. Ergebnis:

    • geringere Out-of-Stock-Raten
    • weniger Kapitalbindung im Lager
    • präzisere Bestellung pro Filiale
  2. Preisoptimierung und Aktionsplanung
    Dynamische Preislogik ist nicht nur etwas für den Onlinehandel. Auch stationäre Händler können:

    • Preiszonen testen (Stadt / Land / Grenzregion)
    • Aktionszeiträume datenbasiert wählen
    • Rabatte so setzen, dass Marge und Abverkauf ausbalanciert bleiben
  3. Kundenanalyse und Sortimentssteuerung
    Wer Verkaufsdaten, Kassendaten und Loyalty-Informationen klug auswertet, erkennt:

    • welche Warengruppen in welchen Regionen wirklich ziehen
    • welche Kombinationen (z.B. Dämmstoffe + Zubehör) häufig gemeinsam gekauft werden
    • welche Kundensegmente auf Beratung, welche eher auf Preis reagieren
  4. Omnichannel-Strategien
    Kundinnen und Kunden in Österreich informieren sich längst online, kaufen aber oft lokal. KI hilft, dieses Verhalten zu verstehen und zu steuern:

    • Click & Collect mit schlauer Reservierungslogik
    • Online-Verfügbarkeitsanzeigen, die realistisch sind
    • personalisierte Empfehlungen im Webshop mit Bezug auf den jeweiligen Standort

Wenn auf einer Messe wie dem Eurobaustoff Forum ein eigener KI-Stand stark frequentiert ist, zeigt das vor allem eines: Die Fragen sind da, die Bereitschaft ist da – jetzt fehlt vielen nur noch ein praxisnaher Einstieg.


3. Praxisimpulse aus Köln: Von Konzeptflächen bis energetischer Sanierung

Spannend am Eurobaustoff Forum 2025 waren nicht nur die Zahlen, sondern vor allem die Themeninseln. Sie zeigen sehr gut, wie sich stationärer Handel und KI sinnvoll verzahnen lassen.

Konzeptstände: „Bauelemente/Dekoratives Holz“ und „Baderlebnis“

Diese Flächen haben in Köln demonstriert, wie herstellerunabhängige, verkaufsstarke Präsentation aussieht – mit Fokus auf:

  • klare Sortimentslogik
  • inspirierende Musterflächen
  • Beratungsunterstützung für Mitarbeitende

Was hat das mit KI im Handel zu tun? Sehr viel, wenn man es konsequent denkt:

  • KI-Systeme können aus Verkaufsdaten ableiten, welche Musterflächen sich lohnen.
  • Heatmaps und Sensorik im Markt zeigen, welche Zonen stark frequentiert sind – und welche nicht.
  • Sortimentstiefe kann je nach Region, Filiale und Kundentyp angepasst werden.

In Österreich könnten etwa Holz- und Fliesenhändler genau so vorgehen: erst Daten nutzen, dann Fläche planen, nicht umgekehrt.

Energetische Sanierung als Umsatztreiber – gesteuert durch Daten

Ein weiterer Schwerpunkt in Köln war die energetische Sanierung: Dach, Fassade, Photovoltaik, Dämmstoffe. Für Händler ist das ein Paradebeispiel dafür, wie sich Fachkompetenz, Service und KI bündeln lassen:

  • Prognosemodelle zeigen, wann sich Nachfrage nach bestimmten Dämmstoffen erhöht (z.B. vor Förderstichtagen in Österreich).
  • Regionale Daten (Gebäudebestand, Baujahre, Klimazone) helfen, Zielkunden gezielt anzusprechen.
  • Omnichannel-Kampagnen spielen Angebote zeitgleich über Webshop, Newsletter und POS aus – KI optimiert Zielgruppe und Zeitpunkt.

Für österreichische Händler, die sich im Bereich Sanierung, PV oder Holzbau positionieren, liegt hier ein enormes Potenzial. Wer frühzeitig KI-basierte Markt- und Kundendaten nutzt, besetzt Beratungshoheit – bevor es der Wettbewerb tut.


4. Nachwuchs, Kultur & Datenkompetenz: Warum KI nicht nur Technik ist

Rund 260 Auszubildende waren in Köln im Rahmen einer Azubi-Sternfahrt und einer Messe-Rallye unterwegs, dazu gab es einen Azubi-Award. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein nettes Rahmenprogramm – tatsächlich steckt dahinter eine klare Botschaft:

Zukunftsthemen wie KI und Digitalisierung funktionieren nur, wenn die Menschen im Unternehmen mitwachsen.

Azubis als KI-Multiplikatoren im Handel

Für österreichische Händler kann das ein sehr pragmatischer Ansatz sein:

  • Binden Sie Lehrlinge und junge Mitarbeitende gezielt in Digital- und KI-Projekte ein.
  • Geben Sie ihnen die Rolle von „Digital Scouts“ im Unternehmen.
  • Nutzen Sie ihren Blick auf Online, Apps und Social Media, um Omnichannel-Strategien realistisch zu testen.

Gerade im stationären Einzelhandel sehe ich immer wieder: Die Technik wird angeschafft, aber intern fehlt jemand, der sie wirklich „lebt“. Der Nachwuchs ist hier oft deutlich näher an digitalen Themen dran als die Führungsebene.

Datenkompetenz als Kernkompetenz

Wer ernsthaft KI im Handel einsetzen will, braucht im Unternehmen drei Fähigkeiten:

  1. Verstehen, welche Daten vorhanden sind (Kasse, Warenwirtschaft, Online, CRM).
  2. Einschätzen, welche Fragestellungen sinnvoll sind (z.B. „Wie reduziere ich Out-of-Stock in Saisonspitzen?“ statt „Welche fancy KI können wir einsetzen?“).
  3. Ergebnisse erklären und in Prozesse übersetzen (Logistik, Einkauf, Marketing, Verkauf).

Das Eurobaustoff Forum hat gezeigt, dass große Kooperationen dieses Thema mittlerweile sehr bewusst angehen – inklusive Akademien, Schulungen und Konzeptständen. Für mittelgroße Händler in Österreich heißt das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich mindestens eine Basis-Datenstrategie zu erarbeiten.


5. Was der österreichische Handel konkret tun sollte – ein 5-Punkte-Plan

Die gute Nachricht: Sie müssen kein 33.000-m²-Forum veranstalten, um ins Thema KI im Einzelhandel einzusteigen. Fünf pragmatische Schritte reichen für den Anfang:

  1. Status quo klären

    • Welche Datenquellen haben Sie? (Warenwirtschaft, Kasse, Webshop, Newsletter)
    • Welche Systeme sprechen heute schon miteinander?
  2. Ein Use Case, nicht zehn
    Wählen Sie einen konkreten Anwendungsfall, z.B.:

    • KI-gestützte Nachbestellung für eine Warengruppe
    • automatisierte Preisempfehlungen für Aktionen
    • personalisierte Produktempfehlungen im Webshop für Click & Collect
  3. Partner und Lösungen prüfen

    • Gibt es in Ihrer Verbundgruppe / Ihrem Franchise bereits KI-Module?
    • Welche spezialisierten Anbieter haben Erfahrung im österreichischen Handel (Themen wie Mehrwertsteuer, Preisauszeichnung, Förderlogik)?
  4. Pilotfiliale definieren und messen

    • Starten Sie mit einer Filiale oder einem klar abgegrenzten Onlinebereich.
    • Definieren Sie vorab: Welche Kennzahlen sollen sich verändern? (z.B. Out-of-Stock-Quote, Rohertrag, Warenbestand in Tagen)
  5. Mitarbeitende einbinden und schulen

    • Erklären Sie Teams offen, was KI tut – und was nicht.
    • Nehmen Sie Ängste vor Automatisierung ernst und zeigen Sie, wie Routinearbeit sinkt und Beratungszeit steigt.

Der Punkt, an dem die meisten Händler scheitern, ist nicht die Technik, sondern Konsequenz und Fokus. Wenn Sie einen Use Case sauber durchziehen, entsteht automatisch der nächste.


Ausblick: Vom Messeimpuls zur eigenen KI-Strategie

Das Eurobaustoff Forum 2025 in Köln hat klar gemacht: Die Baustoff- und Holzbranche stellt sich auf eine Zukunft ein, in der Daten, KI und Kooperation zentrale Rollen spielen. Für den österreichischen Einzelhandel ist das mehr als eine nette Messegeschichte – es ist ein Blick in die eigene Zukunft.

Wer jetzt beginnt,

  • Bestandsmanagement und Preisgestaltung datenbasierter zu steuern,
  • Kundenanalyse ernst zu nehmen,
  • Omnichannel-Strategien mit KI zu verbinden,

wird in zwei bis drei Jahren deutlich robuster dastehen als Wettbewerber, die weiterhin nur über Flyer, Regalplan und Bauchgefühl arbeiten.

Wenn Sie Teil dieser Entwicklung sein wollen, dann ist die wichtigste Frage heute weniger „Welche KI ist die beste?“, sondern: „Welches konkrete Problem in meinem Handel löse ich als Erstes mit KI?“

Genau dort beginnt echte Retail Innovation.

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