Eurobaustoff Forum 2025: Was Händler von KI lernen können

KI im österreichischen Einzelhandel: Retail Innovation••By 3L3C

Eurobaustoff Forum 2025 zeigt, wie KI Bestandsmanagement, Preisoptimierung und Kundenanalyse im Handel verändert – und was der österreichische Einzelhandel jetzt tun sollte.

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Eurobaustoff Forum 2025: Was Händler von KI lernen können

8.750 Fachbesucher, 512 Aussteller, 33.000 m² Messefläche – das Eurobaustoff Forum 2025 in Köln war eine XXL-Hausmesse für die Baustoff-, Fliesen- und Holzbranche. Auffällig: Zwischen neuen Dämmstoffen, Bädern und Holzdesigns war ein Thema besonders umlagert – der Bereich „Künstliche Intelligenz (KI) & Digitalisierung“.

Das wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Branchenevent für den deutschen Baustoffhandel. Wer sich die Schwerpunkte aber genauer ansieht, merkt schnell: Genau hier lassen sich ziemlich klare Lehren für den österreichischen Einzelhandel ziehen – von Baumarkt und Gartencenter bis Mode, Elektro oder Lebensmitteleinzelhandel.

In unserer Serie „KI im österreichischen Einzelhandel: Retail Innovation“ schauen wir uns deshalb an, was hinter solchen Formaten steckt und wie Sie die dort sichtbaren Trends – vor allem rund um KI – in Ihrem eigenen Handelsunternehmen nutzen können.


1. Warum das Eurobaustoff Forum für den österreichischen Handel spannend ist

Das Eurobaustoff Forum ist mehr als nur eine Produktshow. Die Kooperation bringt 438 Gesellschafter mit knapp 1.700 Standorten zusammen und nutzt die Messe, um gemeinsame Strategien fĂĽr die Zukunft des Handels zu testen und sichtbar zu machen.

Drei Punkte sind dabei für den österreichischen Einzelhandel besonders relevant:

  1. Fokus auf Services statt nur Produkte
    Auf dem fast 2.000 m² großen Eurobaustoff-Stand ging es um Marketing, Kommunikation, Digitalisierung, Standortkonzepte und Personalentwicklung. Also genau um die Bereiche, in denen KI im Handel aktuell den größten Hebel hat.

  2. Erlebnisorientierung am POS
    Die Konzeptstände „Bauelemente/Dekoratives Holz“ und „Baderlebnis“ zeigten, wie sich hochwertige Produkte herstellerunabhängig und verkaufsfördernd präsentieren lassen. Das ist für jeden stationären Händler ein Thema: Wie schaffe ich Erlebniszonen, die Verkauf und Beratung messbar unterstützen – idealerweise gestützt durch Daten und KI?

  3. Strategischer Schwerpunkt: Energie & Effizienz
    Das Forum setzte einen klaren Schwerpunkt auf energetische Sanierung. Übertragen auf den österreichischen Einzelhandel heißt das: Wer heute effizient wirtschaften will, braucht Transparenz über Bestände, Energieverbrauch, Flächenproduktivität – und damit verlässliche Daten und automatisierte Auswertungen.

Die Messe zeigt: Selbst eine traditionell eher „analoge“ Branche wie der Baustoffhandel arbeitet inzwischen konsequent an digitalen Services, KI-gestützten Prozessen und neuen Vermarktungskonzepten. Genau dort sollte der übrige Einzelhandel nicht hinterherhinken.


2. „Zusammen Zukunft Bauen“: Kooperative Strategien für KI im Handel

Der Slogan des Forums – „Zusammen Zukunft Bauen“ – passt erstaunlich gut zur aktuellen KI-Diskussion im Handel. Denn KI lohnt sich vor allem dann, wenn Daten, Wissen und Ressourcen gebündelt werden.

Was heißt das konkret für den österreichischen Einzelhandel?

1. Gemeinsame Datenbasis statt Insellösungen
Eurobaustoff bündelt die Kräfte von hunderten Gesellschaftern. Für KI-Anwendungen im Handel ist die Logik ähnlich:

  • Zentrale Artikel- und Stammdatenverwaltung
  • Einheitliche Warengruppenstrukturen
  • Gemeinsame Standards fĂĽr Kassendaten, Lagerbewegungen und Onlineshop-Events

Ohne diese Basis wird jede KI für Bestandsmanagement, Preisoptimierung oder Kundenanalyse zur teuren Einzellösung.

2. Services aus der Zentrale – Umsetzung in der Fläche
Auf dem Forum wurden Services für Marketing, Digitalisierung und Personalentwicklung vorgestellt, die die Zentrale für alle Gesellschafter bereitstellt. Übertragen auf den österreichischen Einzelhandel heißt das:

  • KI-gestĂĽtzte Preis- und Sortimentsvorschläge können zentral gerechnet und filialindividuell ausgespielt werden.
  • Zentrale Kampagnenplanung wird mit lokalen Kundendaten angereichert, um Streuverlust zu senken.
  • Dashboards zu Filialperformance, Abverkaufsraten und Disposition stehen allen FĂĽhrungskräften in einheitlicher Form zur VerfĂĽgung.

3. Kooperation auch ĂĽber Unternehmensgrenzen hinweg
Gerade mittelständische Händler in Österreich müssen sich fragen:

„Welche Daten kann ich mit Verbundgruppen, Einkaufskooperationen oder Technologiepartnern teilen, um KI-Modelle überhaupt sinnvoll zu trainieren?“

Wer KI-Lösungen isoliert auf Filial- oder Unternehmensniveau denkt, arbeitet fast immer unter kritischer Datengröße. Verbünde wie Eurobaustoff zeigen, wie stark man ist, wenn man Skaleneffekte gemeinschaftlich organisiert.


3. Der KI-Schwerpunkt in Köln: Was sich übertragen lässt

Der Themenstand „Künstliche Intelligenz (KI) & Digitalisierung“ war einer der klaren Publikumsmagnete des Forums. Details wurden im Ursprungstext nicht ausbuchstabiert, aber man kann aus ähnlichen Projekten in Handel und Bauindustrie gut ableiten, welche Use Cases hier eine Rolle spielen.

Typische KI-Anwendungen im (Bau-)Handel – und ihre Relevanz für Retail

A. Bestandsmanagement und Disposition
Im Baustoffhandel sind Lieferketten komplex, Lagerflächen teuer und Projekte stark saisonabhängig. KI-Modelle können hier:

  • Abverkaufsprognosen auf Basis mehrjähriger Daten erstellen
  • Projekteffekte (z.B. GroĂźbaustellen in der Region) berĂĽcksichtigen
  • Sicherheitsbestände dynamisch anpassen

Für den österreichischen Einzelhandel heißt das:
Wer Warenbestände in Echtzeit mit KI-basierten Forecasts steuert, reduziert Abschriften, Überbestände und Out-of-Stock-Situationen. Besonders spannend in Branchen mit:

  • Saisongeschäft (Sport, Mode, Garten, DIY)
  • Hoher Aktionsdichte (Lebensmitteleinzelhandel, Drogerie)

B. Preisoptimierung und Aktionsplanung
Gerade in DIY- und Baumärkten schwanken Preise teils stark, Wettbewerber reagieren schnell. KI-gestützte Preisoptimierung analysiert:

  • Nachfrageverlauf je Artikel und Standort
  • Wettbewerbspreise und Online-Angebote
  • Preiselastizität verschiedener Kundensegmente

Übertragen auf den österreichischen Einzelhandel können Händler:

  • Aktionen gezielter timen, weil sie Absatzspitzen erwartet statt „hofft“
  • Preise filialweise differenzieren, ohne die Preisstrategie zu verwässern
  • Margen stabil halten, obwohl Aktionsdruck steigt

C. Kundenanalyse und Omnichannel-Strategien
Eurobaustoff adressiert sowohl Profikunden als auch private Bauherren. Das ist im Kern nichts anderes als das Spannungsfeld, in dem viele österreichische Händler zwischen B2B- und B2C-Zielgruppen stehen.

KI-Modelle helfen hier, etwa:

  • Kundensegmente nach Kaufverhalten, Projektphase oder Preisaffinität zu clustern
  • personalisierte Newsletter, Empfehlungen und Kampagnen zu steuern
  • Kund:innen kanalĂĽbergreifend (Filiale, Onlineshop, App) wiederzuerkennen

Wer Bestandsmanagement, Preisoptimierung und Kundenanalyse aus einem Guss denkt, kommt in Richtung einer wirklich funktionierenden Omnichannel-Strategie.


4. Vom Konzeptstand zur Filiale: Wie Sie KI am POS spĂĽrbar machen

Die Konzeptstände „Bauelemente/Dekoratives Holz“ und „Baderlebnis“ hatten eine klare Aufgabe: zeigen, wie wertige Produkte erlebnisorientiert und verkaufsfördernd präsentiert werden können. Für KI im Handel ist das eine wichtige Erinnerung:

KI ist im Alltag Ihrer Kund:innen völlig unsichtbar – spürbar wird nur das Ergebnis.

So wird KI im Store konkret erlebbar

1. Bessere VerfĂĽgbarkeit, weniger Frust
Wenn Ihre KI fĂĽr das Bestandsmanagement funktioniert, erlebt der Kunde schlicht:

  • „Der Artikel ist da, auch am Samstag um 16:30 Uhr.“
  • „Die Beratung kann Alternativen anbieten, weil sie den Bestand im Blick hat.“

2. Treffendere Empfehlungen
Ob Baustoff oder Mode: Wenn das System weiß, welche Artikel oft gemeinsam gekauft werden, können Sie:

  • passende Cross-Selling-Vorschläge direkt am Regal oder auf Displays zeigen
  • in Apps oder auf Handscannern der Mitarbeiter:innen Empfehlungen anzeigen

3. Visualisierte Komplettlösungen
Das „Baderlebnis“ in Köln zeigt, wie wichtig Komplettangebote sind. Übertragen:

  • Im Baumarkt: Bad-Sets, Garten-Sets, ProjektbĂĽndel
  • Im Modehandel: Outfits statt Einzelteile
  • Im Elektronikhandel: Home-Office- oder Gaming-Sets

KI kann dafür sorgen, dass diese Sets auf echten Kaufdaten basieren und nicht auf Bauchgefühl. Das steigert Warenkörbe und Konversionsraten.


5. Nachwuchs, Award, Get-together: Was das mit Ihrer KI-Strategie zu tun hat

260 Auszubildende, Azubi-Rallye, Azubi-Award, 4.000 Gäste beim Get-together-Abend – Eurobaustoff investiert sichtbar in Nachwuchs und Gemeinschaftsgefühl. Das wirkt auf den ersten Blick weit weg von KI – ist es aber nicht.

Warum Kultur und Menschen ĂĽber den Erfolg Ihrer KI entscheiden

1. Ohne geschultes Personal bringt die beste KI nichts
Mitarbeiter:innen mĂĽssen verstehen:

  • was die KI-Empfehlungen bedeuten
  • wie sie damit im Alltag umgehen (z.B. bei Disposition, Preisanpassung, Beratung)
  • wann sie bewusst gegen eine Empfehlung entscheiden dĂĽrfen

2. Nachwuchs ist Ihre KI-Generation
Die Azubi-Sternfahrt in Köln zeigt: Junge Menschen werden früh mit digitalen Themen vertraut gemacht. Für den österreichischen Handel heißt das:

  • Binden Sie Lehrlinge und junge Mitarbeitende aktiv in KI-Projekte ein.
  • Nutzen Sie deren Digitalaffinität, um Prozesse kritisch zu hinterfragen.

3. Austauschformate schaffen Vertrauen
Der Get-together-Abend mit 4.000 Gästen ist im Kern ein großes Change-Management-Instrument. Dort wird erklärt, diskutiert, gefeiert – und damit Akzeptanz aufgebaut.

Wer KI im Handel „von oben“ verordnet, ohne solche Austauschformate, wird an der Filialrealität scheitern.


6. Konkrete Schritte: So nutzen österreichische Händler die Learnings

Aus dem Eurobaustoff Forum 2025 lassen sich fĂĽr Handelsunternehmen in Ă–sterreich sehr praktische Schritte ableiten.

Schritt 1: Klaren Use Case wählen

Starten Sie nicht mit „Wir brauchen KI“, sondern mit einer klaren Frage wie:

  • „Wie reduziere ich Abschriften um 10 %?“
  • „Wie erhöhe ich die VerfĂĽgbarkeit unserer Top-500-Artikel?“
  • „Wie senke ich den manuellen Planungsaufwand im Pricing?“

Daraus ergibt sich, ob Sie mit Bestandsmanagement, Preisoptimierung oder Kundenanalyse beginnen.

Schritt 2: Datenqualität sichern

Ohne saubere Daten keine sinnvolle KI. PrĂĽfen Sie:

  • Sind Artikelstammdaten vollständig und aktuell?
  • Sind Kassendaten sauber, fehlerfrei und zentral verfĂĽgbar?
  • Gibt es eine einheitliche Struktur ĂĽber alle Filialen und Kanäle hinweg?

Schritt 3: Kooperationspartner einbinden

Orientieren Sie sich an der Eurobaustoff-Logik:

  • Nutzen Sie Einkaufsverbände oder Franchisezentralen als Drehscheibe fĂĽr KI-Services.
  • Arbeiten Sie mit Spezialisten, die Erfahrung im Handel haben, nicht nur in der IT.

Schritt 4: Pilotieren, messen, skalieren

  • Start mit wenigen Filialen oder Warengruppen
  • Klare Kennzahlen (z.B. VerfĂĽgbarkeitsquote, Abschriften, Rohertrag)
  • Bewusste Entscheidung: Was wird ausgerollt, was verworfen?

Fazit: Vom Kölner Forum zur KI-Strategie im österreichischen Handel

Das Eurobaustoff Forum 2025 zeigt sehr klar, wohin die Reise im Handel geht: Kooperationen, datenbasierte Entscheidungen und der praktische Einsatz von KI in Kernprozessen. Selbst eine traditionell bodenständige Branche wie der Baustoffhandel stellt sich genau diesen Themen – mit Fokus auf Bestandsmanagement, Digitalisierung, Personal und erlebnisorientierten Flächen.

Für den österreichischen Einzelhandel heißt das: Wer jetzt in KI-gestützte Bestandsplanung, Preisoptimierung, Kundenanalyse und Omnichannel-Strategien investiert, verschafft sich in den nächsten Jahren einen sehr realen, messbaren Wettbewerbsvorteil.

Die Frage ist weniger, ob KI im Handel kommt – sie ist schon da. Die eigentliche Frage lautet: Wollen Sie Zuschauer sein oder aktiv mitgestalten?