Uniqa erhöht seine Wachstums- und Gewinnziele deutlich. Was dahintersteckt – und wie KI, InsurTech und Automatisierung die Spielregeln für Österreichs Versicherer ändern.
Uniqa 3.0: Wachstum mit KI – was Makler jetzt wissen müssen
Uniqa wächst derzeit mehr als doppelt so schnell wie ursprünglich geplant: 9,2 % Prämienwachstum statt angepeilter 5 %, Combined Ratio bei 91 %, Return on Equity 14,5 %. Auf dieser Basis hebt der Konzern seine Ziele für 2026–2028 an – und zwar deutlich.
Das ist keine reine Kapitalmarktstory. Für den österreichischen Versicherungsmarkt, für Makler, Agenten und InsurTechs ist das ein klares Signal: Wachstum und Profitabilität werden künftig noch stärker über Technologie, Automatisierung und KI entschieden. Genau hier schließt sich der Kreis zu unserer Serie „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was hinter „Uniqa 3.0 – Growing Impact 2025–2028“ steckt, wie der Konzern seine Kennzahlen so schnell verbessert hat – und vor allem: Was das für Vertriebspartner, KMU-Kunden und InsurTech-Player in Österreich konkret bedeutet.
Was Uniqa konkret anhebt – und warum das alle betrifft
Uniqa hat die Ziele des Strategieprogramms „Uniqa 3.0“ schon in den ersten neun Monaten 2025 übertroffen und nutzt den Rückenwind, um die Latte noch höher zu legen.
Die alten vs. neuen Zielgrößen im Überblick
Aus den kommunizierten Zahlen lassen sich klare Ambitionen ablesen:
- Prämienwachstum p.a.
- bisherige Zielspanne 2025–2028: ca. 5 %
- Ist-Wert 1–9/2025: 9,2 %
- neues Ziel 2026–2028: ~ 6 % p.a.
- Verwaltungskostenquote
- Ziel: unter 15 %
- 1–9/2025: 14,5 %
- Combined Ratio netto
- Ziel: unter 94 %
- 1–9/2025: 91,0 %
- neues Ziel: unter 93 %
- Return on Equity (ROE)
- altes Ziel: ĂĽber 12 %
- 1–9/2025: 14,5 %
- neues Ziel: ĂĽber 13 %
- Solvenzquote
- Zielband: 180–230 %
- 1–9/2025: 283 %
- Gewinn je Aktie (EPS)
- altes Ziel: > 6 % Wachstum p.a.
- neues Ziel: > 7 % Wachstum p.a.
- Dividendenpolitik
- progressive Dividende mit Ausschüttungsquote von 50–60 % bestätigt
Warum ist das fĂĽr die Praxis relevant?
Weil diese Ziele praktisch nur erreichbar sind, wenn:
- Prozesse effizienter werden (Stichwort: Automatisierung und KI),
- Produkte profitabler kalkuliert und gesteuert werden (Stichwort: Data Analytics & Pricing),
- der Vertrieb schneller und gezielter abschlieĂźt (Stichwort: digitale VertriebsunterstĂĽtzung).
Wer als Makler, Agent oder InsurTech-Partner mit einem Konzern arbeitet, der so klar auf Effizienz und Wachstum geeicht ist, wird diese Agenda im Alltag spüren – positiv, wenn man sich darauf einstellt.
Treiber des Wachstums: Kranken, Schaden/Unfall – und KI im Hintergrund
Uniqa nennt zwei fachliche Wachstumssäulen: Krankenversicherung in Österreich und profitables Schaden-/Unfallgeschäft national wie international. Hinter den Zahlen steckt aber mehr als klassisches Underwriting.
Krankenversicherung: Personalisierung statt GieĂźkanne
In der privaten Krankenversicherung wird es ohne datengetriebene Modelle kaum noch gelingen, Wachstum und Schadenquote gleichzeitig zu optimieren. Moderne Krankenversicherer setzen heute auf:
- Risikoselektion mit KI-gestĂĽtzter Underwriting-UnterstĂĽtzung
- Analyse medizinischer und soziodemographischer Daten (natĂĽrlich innerhalb der regulatorischen Grenzen)
- konsistente Risikoprüfung statt individueller „Bauchentscheidungen“
- Tarifsegmentierung und dynamische Produkte
- flexible Selbstbehalte und Bausteine, die sich an Nutzung und Risiko anpassen
- optionale Präventionsbausteine, die bei regelmäßiger Nutzung Prämienvorteile bringen können
- digitale Services als Bindungsfaktor
- e‑Health-Services, Telemedizin, digitale Rechnungsapp
- Automatisierung der Leistungsprüfung für Standardfälle
Wer im österreichischen Markt mithalten will, wird sich an diesen Standards orientieren müssen – gerade kleinere Versicherer und InsurTechs, die Nischenprodukte im Gesundheitsbereich anbieten.
Schaden-/Unfall: Combined Ratio 91 % kommt nicht von allein
Eine Combined Ratio von 91 % im Nicht-Leben-Segment ist ambitioniert. Dahinter steckt in aller Regel ein Mix aus:
- effizientem Schadenmanagement (z. B. Dunkelverarbeitung bei Kleinschäden),
- konsequenter Betrugserkennung,
- präziser Risikoselektion und Tarifierung,
- aktiver Bestandssteuerung.
Genau hier spielt künstliche Intelligenz ihre Stärken aus:
- KI-Modelle erkennen Muster bei auffälligen Schäden schneller als jeder Mensch
- prädiktive Modelle schätzen Schadenhäufigkeit und -höhe pro Kundensegment besser ein
- automatisierte Workflows sorgen dafür, dass einfache Kfz- oder Haushalts-Schäden in Minuten reguliert sind
Die Folge: Kundenzufriedenheit steigt, Schadenkosten sinken – und damit die Combined Ratio.
Effizienz, Verwaltungskostenquote und KI: Wo die Musik wirklich spielt
Wenn ein Konzern seine Verwaltungskostenquote dauerhaft unter 15 % drücken will, geht das nicht mehr mit „ein bisschen Prozessoptimierung“. Das braucht konsequente Digitalisierung über die gesamte Wertschöpfungskette – und hier wird die Rolle von KI in der österreichischen Versicherungswirtschaft richtig spannend.
Typische Hebel zur Senkung der Verwaltungskostenquote
In vielen Häusern sehen wir ähnliche Stellschrauben:
- Automatisierte Schadenbearbeitung
- KI-basierte Erkennung von Dokumenten (OCR + NLP)
- automatische Plausibilitätsprüfungen
- Regelwerke, die Freigaben bis zu bestimmten Schadenhöhen eigenständig auslösen
- digitale Policierung und BestandsfĂĽhrung
- voll digitale Antragstrecken im Vertrieb
- automatische Policenerstellung und -versand
- Self-Service-Portale fĂĽr Kunden und Vermittler
- Adressänderungen, Polizzenduplikate, Schadenmeldungen ohne Backoffice
- KI-gestĂĽtzte BearbeiterunterstĂĽtzung
- Next-best-Action-Empfehlungen im Kundenservice
- Priorisierung von Fällen mit hoher Dringlichkeit oder Beschwerde-Risiko
Uniqa ist nicht das einzige Unternehmen, das diese Hebel nutzt – aber die Zielzahlen zeigen sehr klar: Wer diese Themen nicht ernsthaft angeht, läuft in den nächsten Jahren hinterher.
Was heiĂźt das fĂĽr Makler und Agenten?
Viele Vermittler befürchten bei solchen Strategien: „Wenn alles automatisiert wird, braucht man uns nicht mehr.“ Meine Erfahrung aus Projekten in DACH ist eher das Gegenteil:
- Standardvorgänge werden schneller und einfacher
- die Administration wird deutlich schlanker
- der persönliche Vertrieb kann sich stärker auf Beratung, Risikoanalyse und Cross-Selling konzentrieren
Die Kunst ist, sich an die neuen digitalen Schnittstellen der Versicherer anzudocken – technisch wie organisatorisch. Wer seine Prozesse konsequent digitalisiert, passt hervorragend in eine Welt mit niedriger Verwaltungskostenquote.
KI als Wettbewerbsvorteil: Wie österreichische Versicherer nachziehen können
Uniqa ist mit „Growing Impact“ ein Beispiel dafür, wie konsequent gesteuerte Programme wirken können. Andere österreichische Versicherer – von VIG bis zu Spezialanbietern – formulieren inzwischen ähnliche Strategien. Der gemeinsame Nenner: Ohne KI und InsurTech-Kompetenz geht es nicht mehr.
Vier Felder, in denen KI heute konkret wirkt
- Schadenbearbeitung
- Bilderkennung bei Kfz-Schäden (z. B. Einschätzung von Reparaturkosten aus Fotos)
- automatische Klassifikation von Schäden und Zuweisung an den richtigen Prozess
- Risikobewertung & Underwriting
- Scoring-Modelle für KMU-Risiken, die historische Schadenverläufe und Branchenkennzahlen verknüpfen
- dynamische Risikoselektion bei Cyber- oder D&O-Produkten
- Betrugserkennung
- Netzwerkanalysen (z. B. Verbindungen zwischen Werkstätten, Ärzten, Kunden)
- Anomalieerkennung in Rechnungen und Leistungsanträgen
- Personalisierte Tarife & Angebote
- Segmentierung von Kunden nach Verhalten statt nur nach soziodemographischen Merkmalen
- individuelle Produktvorschläge im Kundenportal oder über den Vertrieb
Der Unterschied zwischen „Buzzword-KI“ und echtem Mehrwert ist dabei einfach: Messbare Effekte auf Combined Ratio, Verwaltungskostenquote und Wachstum. Uniqa liefert genau diese Metriken – und macht damit Druck auf den Markt.
Wo InsurTechs ins Spiel kommen
Österreichische InsurTechs haben jetzt eine sehr konkrete Chance: Sie können genau die Bausteine liefern, die etablierte Häuser für ihre Strategie brauchen.
Beispiele fĂĽr sinnvolle Kooperationen:
- spezialisierte KI-Module fĂĽr Betrugserkennung oder Bilderkennung
- White-Label-Kundenportale mit integrierter KI-Beratung
- Data-Analytics-Plattformen, die Bestands- und Schadendaten fĂĽr Pricing nutzbar machen
Wer als Start-up zeigen kann, dass seine Lösung die Combined Ratio senkt oder die Verwaltungskostenquote verbessert, wird bei jeder Strategie-Diskussion einen Platz am Tisch haben.
Was Sie jetzt konkret tun sollten – je nach Rolle
Die Strategie von Uniqa ist letztlich ein Weckruf an die gesamte Branche. Je nach Perspektive sehen die nächsten Schritte unterschiedlich aus.
FĂĽr Versicherungsmakler und Mehrfachagenten
- Digitale Anbindung prĂĽfen
- Welche Schnittstellen zu Uniqa & Co. nutze ich bereits (BiPRO, Webservices, Portale)?
- Wo werden Daten heute noch manuell erfasst oder doppelt gefĂĽhrt?
- Beratungsposition schärfen
- Fokus auf komplexe Risiken und Kombinationen (z. B. betriebliche Vorsorge, Cyber + Sach + Haftpflicht fĂĽr KMU)
- Nutzung der Produkt- und Pricing-Dynamik zugunsten der Kunden (aktive Bestandsoptimierung)
- Datenqualität verbessern
- vollständige und saubere Antragsdaten sind die Grundlage für jede automatisierte Bearbeitung
FĂĽr Versicherer
- KI-Projekte konsequent auf Kennzahlen ausrichten
- Jedes Projekt braucht klare Ziele: „-0,5 Prozentpunkte Combined Ratio“, „-1 Punkt Verwaltungskostenquote“ etc.
- Technologie-Partnerschaften aufbauen
- InsurTechs nicht als Konkurrenz, sondern als spezialisierte Zulieferer sehen
- Change-Management ernst nehmen
- Mitarbeiter im Underwriting und Schadenmanagement zu Nutzern von KI machen – nicht zu Gegnern
FĂĽr InsurTechs und Tech-Dienstleister
- Sprache des Managements sprechen
- nicht „coole KI“, sondern „+7 % EPS“, „Combined Ratio unter 93 %“
- Pilotprojekte mit klar messbarem Impact anbieten
- z. B. ein Teilsegment der Kfz-Schäden, eine bestimmte Sparte im KMU-Geschäft
Fazit: Wachstum, Gewinne – und KI als stiller Motor
Uniqa zeigt mit den angehobenen Zielen, wie ernst die Branche das Zusammenspiel von Wachstum, Kostendisziplin und Profitabilität nimmt. Höheres Prämienwachstum, niedrigere Verwaltungskostenquote, bessere Combined Ratio – das ist die Übersetzung von KI und InsurTech in harte Finanzkennzahlen.
Für die österreichische Versicherungswirtschaft bedeutet das: Wer jetzt in moderne Schadenbearbeitung, datengetriebene Risikobewertung, Betrugserkennung und personalisierte Tarife investiert, wird in den nächsten Jahren vorne mitspielen. Wer abwartet, wird an den Zielgrößen seiner Wettbewerber gemessen – ohne deren Werkzeugkasten.
Wenn Sie in diesem Umfeld Leads generieren, Kunden beraten oder neue Produkte bauen wollen, ist der beste Zeitpunkt, Ihre eigene KI-Strategie zu schärfen, genau jetzt. Die Frage ist nicht mehr, ob KI die österreichische Versicherungsbranche verändert, sondern **wie stark Sie davon profitieren wollen.