Uniqa 3.0: Wie Wachstum nur mit KI wirklich funktioniert

KI für österreichische Versicherungen: InsurTech••By 3L3C

Uniqa erhöht seine Wachstums- und Gewinnziele. Der Artikel zeigt, warum das ohne KI kaum machbar ist – und wie österreichische Versicherer jetzt nachziehen können.

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Uniqa 3.0: Wie Wachstum nur mit KI wirklich funktioniert

Wenn ein Konzern wie Uniqa sein Strategieprogramm keine zwölf Monate nach Start nach oben anpasst, steckt mehr dahinter als „gutes Operatives“. Dahinter stecken Daten, Automatisierung – und ganz konkret: künstliche Intelligenz im Versicherungsgeschäft.

Dieser Artikel ordnet die neuen Wachstums- und Gewinnziele von Uniqa ein und zeigt, was sie für den österreichischen Markt bedeuten. Vor allem aber: welche Rolle KI, InsurTech und datengetriebene Steuerung spielen müssen, damit Ziele wie 6 % Prämienwachstum p.a., Combined Ratio unter 93 % und ein RoE von über 13 % überhaupt realistisch sind.

Für Vorstände, Bereichsleiter und Digitalverantwortliche in österreichischen Versicherungen ist das eine Blaupause: Wer 2026–2028 mithalten will, braucht eine klare KI-Strategie – nicht nur schöne PowerPoint-Folien.


1. Was Uniqa ankündigt – und warum das ambitioniert ist

Uniqa hat im Rahmen von „Uniqa 3.0 – Growing Impact 2025–2028“ ihre Zwischenbilanz für 1–9/2025 vorgelegt – und gleichzeitig die Ziele bis 2028 angehoben.

Die bisherigen Zielgrößen vs. Realität

Bereits nach neun Monaten 2025 liegen die Kennzahlen deutlich ĂĽber Plan:

  • Prämienwachstum p.a.: Ziel ~5 %, erreicht 9,2 %
  • Verwaltungskostenquote: Ziel < 15 %, erreicht 14,5 %
  • Combined Ratio (netto): Ziel < 94 %, erreicht 91,0 %
  • Return on Equity (RoE): Ziel > 12 %, erreicht 14,5 %
  • Solvenzquote: Ziel 180–230 %, erreicht 283 %

Darauf reagiert der Konzern mit einem „Upgrade“ der Ziele für 2026–2028:

  • Prämienwachstum: statt ~5 % jetzt ~6 % p.a.
  • Netto-Combined-Ratio: kĂĽnftig unter 93 %
  • RoE: > 13 %
  • Gewinn je Aktie (EPS): Wachstum > 7 % p.a. (bisher > 6 %)
  • Dividende: progressive AusschĂĽttung, 50–60 % Payout-Ratio

In Österreich legt Uniqa vor allem in der Krankenversicherung kräftig zu, im Bereich Schaden/Unfall steigen Profitabilität und internationale Beiträge weiter.

Diese Zahlen klingen stark – und sie sind es auch. Aber: Mit den klassischen Mitteln der Versicherungswelt (mehr Vertrieb, ein paar Kostenprogramme, Tarif-Updates) sind solche Steigerungen in einem reifen Markt wie Österreich kaum zu halten. Ohne KI und Automatisierung verflacht das Wachstum, bevor 2028 erreicht ist.


2. Wo KI heute schon direkt auf Uniqa-Kennzahlen wirkt

Wer sich die Uniqa-Ziele anschaut, erkennt sehr schnell: Jede Kennzahl lässt sich auf konkrete KI-Einsatzfelder herunterbrechen. Genau hier wird InsurTech vom „Innovationsthema“ zum harten Steuerungsinstrument.

2.1 Prämienwachstum: mehr Geschäft ohne mehr Reibung

Ein jährliches Prämienwachstum von 6 % in einem gesättigten Markt funktioniert nur, wenn Konversion und Cross-Selling deutlich steigen und die Abschlussstrecken friktionsarm sind.

KI-Ansätze dafür:

  • Personalisierte Produktempfehlungen: Empfehlungen in Portalen und Makler-Tools, die auf Nutzungsverhalten, Lebensereignissen und bestehendem Deckungsportfolio basieren.
  • Next-Best-Action im Vertrieb: Algorithmen sagen Beratern, welcher Kunde wann fĂĽr welche Ansprache offen ist – ob Kfz-Kunde mit LĂĽcke bei der privaten Unfallversicherung oder Junge Familie ohne Risikoabsicherung.
  • Dynamische Pricing-Modelle im erlaubten regulatorischen Rahmen, insbesondere im Kfz- und Gewerbebereich.

Effekt: Mehr Umsatz pro Kunde, höhere Abschlussquoten im Online- und Hybridvertrieb, weniger Streuverluste im Marketing.

2.2 Combined Ratio & Kostenquote: KI als stille Sanierung

Eine Combined Ratio unter 93 % und Verwaltungskosten unter 15 % sind direkt an Effizienz und Schadenbearbeitung gekoppelt.

Typische KI-Hebel:

  • Automatisierte Schadenbearbeitung
    • Bilderkennung zur Einschätzung von Blechschäden
    • NLP zur automatischen Auslese von Arztbriefen und Gutachten
    • Straight-Through-Processing fĂĽr einfache Standardfälle
  • Betrugserkennung (Fraud Detection)
    • Musteranalysen und Anomalieerkennung in Schadenmeldungen
    • Netzwerk-Analysen, um organisierte Betrugsmuster zu finden
  • Robotic Process Automation (RPA) + KI im Backoffice
    • Eingangspost klassifizieren
    • Policenänderungen automatisiert verarbeiten
    • Zahlungszuordnung, Mahnwesen, Storno-Prozesse

Effekt: Weniger Personalaufwand pro Vertrag/Schaden, schnellere Durchlaufzeiten, sinkende Schadenquote durch weniger Leakage und Fraud.

2.3 Krankenversicherung: Datenintelligenz als Wachstumstreiber

Uniqa meldet verstärktes Wachstum in der Krankenversicherung. Genau hier ist KI besonders wirksam – und sensibel.

Mögliche Anwendungen:

  • Predictive Analytics fĂĽr Stornorisiko und Inanspruchnahme
  • Tarif- und Produktentwicklung auf Basis anonymisierter Leistungsdaten
  • Digitale Gesundheitsservices (Triage-Bots, Symptom-Checker, Telemedizin)

Wer das sauber umsetzt, erzielt höhere Kundenzufriedenheit, geringere Churn-Rate und bessere Risikoselektion – bei gleichzeitig strenger Einhaltung von Datenschutz, DSGVO und IDD.


3. Was andere Versicherer aus Uniqa 3.0 lernen sollten

Die spannendste Frage für den österreichischen Markt lautet: Was heißt das für alle anderen Häuser, die 2026–2028 nicht den Anschluss verlieren wollen?

Aus meiner Sicht sind es fĂĽnf Lektionen:

3.1 Ziele an KI-Fähigkeiten koppeln – nicht an Wunschdenken

Viele Strategiepapiere arbeiten mit Wachstumszielen, die eher politisch als operativ begrĂĽndet sind. Uniqa zeigt:

Ambitionierte Ziele machen nur Sinn, wenn parallel die Daten- und KI-Fähigkeiten hochgezogen werden.

Wer 5–6 % Wachstum und Combined Ratios unter 94 % anstrebt, muss in seinen Business Cases explizit hinterlegen:

  • Welcher Teil kommt aus klassischem Vertrieb?
  • Welcher Teil aus Digitalisierung und KI (z.B. weniger Betrug, höhere Konversion, schnellere Bearbeitung)?

Ohne diese Zuordnung bleiben KI-Projekte „nice to have“ – und werden beim nächsten Kostenschnitt als Erstes gestrichen.

3.2 KI entlang der Wertschöpfung – nicht als Einzelprojekt

Die Versicherungswirtschaft neigt dazu, KI als isolierte Use Cases zu betrachten:

  • ein Chatbot fĂĽrs Service,
  • ein Pilotprojekt in der Schadenbearbeitung,
  • ein kleines Pricing-Projekt mit einem externen InsurTech.

Der effizientere Ansatz: End-to-End-Denken. Beispiel Schaden/Unfall:

  1. Risikoprüfung & Underwriting: KI-gestützte Risikobewertung, automatisierte Annahmeentscheidungen in Standardfällen.
  2. Prävention: Sensorik, IoT & Risikohinweise, um Schäden zu verhindern (Industrie, Gewerbe, Flotten).
  3. Schadenmeldung & Triage: Digitale Meldestrecken, KI-Triage, Steuerung zu Partnerwerkstätten/Ärzt:innen.
  4. Regulierung & Regress: Automatisierte PrĂĽfung, Dokumentenauslese, Fraud Detection, Regresschancen erkennen.

Erst wenn mehrere Glieder der Kette KI-unterstĂĽtzt arbeiten, entstehen die Skaleneffekte, die eine Combined Ratio dauerhaft nach unten bringen.

3.3 Governance, Ethik und Regulierung frĂĽh mitdenken

Gerade in der Krankenversicherung und im Personenbereich ist der Einsatz von KI politisch und rechtlich heikel. Ă–sterreichische Aufsicht, EU-Regulierung (AI Act) und DSGVO spannen hier einen engen Rahmen.

Wer ernsthaft KI skaliert, braucht:

  • klare Modell-Governance (Dokumentation, Monitoring, Retraining)
  • Transparenz gegenĂĽber Kund:innen und Vertrieb
  • Fairness-Checks (keine verdeckte Diskriminierung)
  • enge Abstimmung mit Compliance, Rechtsabteilung und Betriebsrat

Unternehmen, die das ignorieren, fahren früher oder später auf Sicht – mit Projektstopps, Nachbesserungen und Imageschäden. Die Folge: Wachstumsziele geraten im schlechtesten Moment ins Wanken.

3.4 Vertrieb und Makler als Partner der KI – nicht als Verlierer

Ein heikler Punkt im österreichischen Markt: Wie nimmt man Makler, Agenturen und Außendienst mit?

Erfolgreiche Häuser behandeln KI nicht als Ersatz, sondern als Produktivitätshebel für den Vertrieb:

  • bessere Leads und Kundenscoring
  • automatisierte Vorbereitung von Jahresgesprächen
  • Cross-Selling-Hinweise direkt im CRM
  • digitale Strecken, die Berater:innen von Administrativem entlasten

Die Praxis zeigt: Wenn Berater klar erkennen, dass sie mit KI mehr Geschäft bei weniger Aufwand machen, steigt die Akzeptanz massiv. Genau das wird nötig sein, wenn man im Feld gegen agile InsurTechs und Direktanbieter bestehen will.

3.5 Datenstrategie vor KI-Strategie

Viele Vorstandspräsentationen springen direkt zu „KI“. Die unangenehme Wahrheit:

Ohne saubere Datenarchitektur, klare Datenhoheit und verbindliche Datenqualität ist jeder KI-Plan ein Luftschloss.

Wer Uniqa nacheifern will, sollte 2026 mit diesen Baustellen fertig sein:

  • zentraler Datenkatalog mit einheitlichen Definitionen
  • einheitliche Kundensicht ĂĽber Sparten und Systeme hinweg
  • Event- und Streaming-Fähigkeiten, um Echtzeit-Signale zu nutzen
  • Datenschutz-by-Design in allen neuen Projekten

4. Konkrete nächste Schritte für österreichische Versicherer

Wie lässt sich das nun in den nächsten 12–24 Monaten praktisch angehen? Drei Schritte, die ich für realistisch und wirksam halte.

4.1 Zielbilder in Kennzahlen ĂĽbersetzen

Statt „Wir wollen KI nutzen“ sollten Sie 2026 sehr konkret formulieren:

  • X % der Kfz-Schäden werden vollautomatisch reguliert.
  • Die mittlere Bearbeitungszeit im Standard-Schaden sinkt um Y %.
  • Die Stornoquote in der Krankenversicherung reduziert sich um Z Basispunkte durch Predictive Churn Prevention.

Diese Kennzahlen hängen direkt an Combined Ratio, Kostenquote und Wachstum – genau den Größen, die Uniqa nach oben zieht.

4.2 3–5 KI-Use-Cases konsequent industrialisieren

Statt 20 Piloten parallel zu starten, empfehle ich:

  1. Schaden-Triage & Automatisierung (Schaden/Unfall)
  2. Fraud Detection (Schaden/Unfall, teils Leben)
  3. Next-Best-Offer im Bestand (Retail, Privatkunden)
  4. Optional: digitale Gesundheitsservices (Kranken)

Diese Use Cases

  • liefern harte finanzielle Effekte,
  • sind technisch heute gut beherrschbar,
  • unterstĂĽtzen direkt die strategischen Kennzahlen.

4.3 Partnerschaften mit InsurTechs gezielt nutzen

Nicht jede Funktion muss intern gebaut werden. Gerade im österreichischen Markt gibt es spezialisierte InsurTech-Lösungen für

  • Schadenfotobewertung,
  • Betrugserkennung,
  • digitale Onboarding-Strecken,
  • Prozessautomatisierung.

Entscheidend ist, dass die InsurTech-Partnerschaft in eine klare KI-Roadmap des Hauses eingebettet ist – sonst bleibt sie ein „Innovationsevent“, aber kein EBIT-Treiber.


5. Fazit: Wer Uniqa folgen will, muss KI ernst nehmen

Uniqa erhöht nach nur neun Monaten ihre Wachstums- und Profitabilitätsziele und zeigt damit, wohin sich die österreichische Versicherungswirtschaft bewegt: hin zu datengetriebenen, KI-gestützten Geschäftsmodellen, die Prämienwachstum, Combined Ratio und Eigenkapitalrendite messbar verbessern.

FĂĽr die Branche heiĂźt das:

  • Wer KI nur als Trendthema behandelt, wird 2028 unterdurchschnittliche Renditen sehen.
  • Wer heute Datenbasis, KI-Use-Cases und Governance sauber aufsetzt, kann ähnliche Zielbilder wie Uniqa nicht nur verkĂĽnden, sondern auch liefern.

Die Frage ist also nicht, ob KI und InsurTech die österreichische Versicherungsbranche verändern, sondern wer diese Veränderung aktiv für Wachstum und Profitabilität nutzt. Wer 2026–2028 in Führung liegen will, sollte seine Strategie schon heuer überprüfen – an den Kennzahlen, die Uniqa jetzt vorlegt.