Konversationelle KI: Turbo für den Versicherungsvertrieb

KI für österreichische Versicherungen: InsurTechBy 3L3C

Konversationelle KI macht aus Vertriebsorganisationen echte Hochleistungs-Teams. Wie spezialisierte Lösungen wie muffintech funktionieren – und was das für Österreich bedeutet.

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Konversationelle KI: Warum jetzt vor allem Versicherer profitieren

In vielen österreichischen Versicherungen verbringen Vertriebsteams noch immer Stunden damit, Produktunterlagen zu durchsuchen, interne Richtlinien nachzulesen oder rechtliche Details abzuklären. Währenddessen wartet der Kunde – oder ist längst schon beim Mitbewerber. Genau hier setzt konversationelle KI an.

Der spannende Punkt: Es geht nicht um generische Chatbots, sondern um spezialisierte Lösungen, die auf Versicherungsvertrieb, Regulierung und konkrete Prozesse trainiert sind. Das Berliner InsurTech muffintech, frisch im Netzwerk von InsurLab Germany, zeigt sehr gut, wie so eine Lösung aussieht – und was davon für den österreichischen Markt relevant ist.

In diesem Beitrag aus unserer Reihe „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ schauen wir uns an, wie konversationelle KI den Versicherungsvertrieb verändert, welche Rolle Fach-Know-how und Regulatorik spielen und wie Versicherer in Österreich jetzt pragmatisch starten können.


Was konversationelle KI im Versicherungsvertrieb tatsächlich leistet

Konversationelle KI für Versicherungen ist im Kern ein digitaler Fachberater, der Vertrieb und Innendienst in Echtzeit unterstützt – schriftlich und mündlich.

muffintech beschreibt seine Lösung als spezialisierte Conversational-AI-Plattform, die auf dem Expertenwissen nach §34d GewO aufbaut und darüber hinaus modular erweitert werden kann. Übertragen auf österreichische Verhältnisse heißt das: Denkbar ist eine KI, die auf die Anforderungen nach Versicherungsvertragsgesetz (VersVG), Maklergesetz und relevanten FMA-Rundschreiben zugeschnitten wird.

Drei Kernfunktionen, die den Unterschied machen

  1. Fachlich korrekte Antworten in Sekunden
    Produktdetails, Ausschlüsse, Deckungsumfänge, rechtliche Hinweise – alles wird in natürlicher Sprache abgefragt. Die KI greift dabei auf kuratierte, vortrainierte Wissensmodule zu, statt nur frei zu „halluzinieren“.

  2. Geführte Workflows statt Prompt-Magie
    Vertriebsmitarbeiter:innen müssen keine Prompt-Profis sein. Vorgefertigte Gesprächs- und Prozesspfade helfen etwa bei:

    • Bedarfserhebung im Kundengespräch
    • Produktempfehlung im Rahmen der regulatorischen Vorgaben
    • Vorbereitung der Geeignetheitserklärung
    • Dokumentation für Compliance und Revision
  3. Hohe Genauigkeit und Datensouveränität
    muffintech betont, dass die Architektur klassischen RAG- oder reinen Prompting-Ansätzen überlegen sein soll. Technisch bedeutet das: weniger Halluzinationen, besser kontrollierbare Antworten, klar eingegrenzte Wissensquellen – und die Möglichkeit, sensible Kundendaten innerhalb der eigenen Infrastruktur zu halten.

„Das Ergebnis: hohe Genauigkeit, minimale Halluzinationen und volle Datensouveränität für unsere Kund:innen.“
– Simon Moser, Co-Founder & CEO muffintech

Für österreichische Versicherer ist genau diese Kombination spannend: starke Spezialisierung, klare Governance, kontrollierbare KI-Ausgaben.


Warum spezialisierte KI-Lösungen der Versicherungsbranche besser liegen

Die meisten Unternehmen testen heute generische KI-Tools. Für erste Experimente ist das völlig okay. Aber sobald es in den Produktivbetrieb, in Beratungsdokumentation und aufsichtliche Anforderungen geht, kippt das Bild.

Hier liegt der Vorteil spezialisierter InsurTechs wie muffintech:

1. Vortrainiertes Expertenwissen reduziert Implementierungsaufwand

Statt bei Null zu beginnen, bringen diese Lösungen bereits ein Fachgerüst mit:

  • Versicherungsrechtliche Grundanforderungen (z. B. Beratungs- und Dokumentationspflichten)
  • Typische Produktlogiken (Sach, Leben, Kranken, Gewerbe etc.)
  • Übliche Workflows im Vertrieb (Makler, Agentur, Bankassurance, Direktvertrieb)

Unternehmen müssen „nur noch“ ihre spezifischen Produkte, Tarife und internen Richtlinien ergänzen. Das beschleunigt Projekte massiv und reduziert Integrationsrisiken.

2. Modularität statt KI-Monolith

muffintech setzt – laut eigenem Selbstverständnis – auf eine modulare Architektur. Für Versicherer heißt das:

  • Start mit klar abgegrenzten Use Cases (z. B. nur Kfz-Vertrieb, nur Gewerbe-Sach, nur Bancassurance)
  • Schrittweise Erweiterung um neue Produktlinien oder Kanäle
  • Unterschiedliche Rollenmodelle (Innendienst, Außendienst, Partnervertrieb) in einem System

Gerade in etablierten österreichischen Häusern mit gewachsenen Strukturen funktioniert dieser inkrementelle Ansatz deutlich besser als „Big Bang“-Transformationen.

3. Governance, Compliance und Auditfähigkeit

Während generische Chatbots Antworten frei generieren, braucht der Versicherungsvertrieb nachvollziehbare, begründbare Aussagen. Spezialisierte KI-Plattformen erlauben:

  • Versionierung von Wissensständen (wichtig für Revision und FMA-Prüfungen)
  • Protokollierung, auf welcher Wissensbasis eine Antwort entstanden ist
  • Freigabeprozesse für neue oder geänderte Inhalte

Damit wird KI nicht zum Risiko, sondern zu einem kontrollierten Baustein der Vertriebsorganisation.


Operative Exzellenz: Wo konversationelle KI im Alltag ansetzt

muffintech betont, dass Technologie allein nicht reicht. Entscheidend ist, wie sie in die operativen Prozesse integriert wird. Genau hier treffen sich die InsurLab-Schwerpunkte „Operative Exzellenz und Business Process Management“ mit den Zielen vieler österreichischer Versicherer.

Konkrete Hebel im Versicherungsvertrieb

  1. Schnellere Angebotserstellung
    Der Außendienstmitarbeiter sitzt beim Kunden, die klassische „Mappe“ wird durch ein Tablet und eine KI-Unterstützung ersetzt. Die KI schlägt auf Basis von Bedarf, Vorversicherungen und Risikoprofil passende Produkte vor – inklusive Hinweisen zu Beratungs- und Aufklärungspflichten.

  2. Weniger Rückfragen an den Innendienst
    Fragen wie „Deckt unsere Gewerbepolizze X diesen speziellen Fall?“ landen heute oft im E-Mail-Postfach des Innendienstes. Eine konversationelle KI kann viele dieser Anfragen direkt beantworten, inklusive Quellenhinweis (z. B. Bedingungswerk, interne Leitlinie).

  1. Onboarding und Schulung neuer Mitarbeiter:innen
    Statt wochenlanger Produktschulungen können Neueinsteiger über die KI laufend Fragen stellen. Das senkt Time-to-Productivity und entlastet Fachexperten.

  2. Bessere Customer Experience im Direktvertrieb
    Im Online-Abschlussprozess wird die KI zum interaktiven Berater, der Fachbegriffe übersetzt, Missverständnisse minimiert und Kunden durch komplexe Tarife führt – ohne, dass irgendjemand im Servicecenter anrufen muss.

Praxis-Tipp: Ohne „interne Champions“ geht es nicht

Raphael Zeller, Head of Business Development & Global Growth bei muffintech, bringt es auf den Punkt: Fachbereiche müssen aktiv eingebunden werden.

Was das in der Praxis heißt:

  • Pro Sparte mindestens eine Product Owner-Figur, die fachlich mitredet
  • Vertriebs-Champions, die das System testen, kritisieren und verbessern
  • Gemeinsame KPIs: z. B. Bearbeitungszeit, Abschlussquote, Beratungsfehler, Schulungsaufwand

Ich habe in Projekten immer wieder gesehen: Wenn KI-Projekte „nur aus der IT“ kommen, versanden sie. Wenn Vertrieb und Fachbereich mit am Tisch sitzen, wird aus einem Pilot ein Werkzeug, das jeden Tag genutzt wird.


KI-Skalierung: Vom Pilotprojekt zur breiten Nutzung

Die größte Hürde für viele österreichische Versicherer ist nicht der Start, sondern die Skalierung von KI-Anwendungen. muffintech und das InsurLab-Netzwerk adressieren genau diese Frage: Wie bekommt man KI aus der Innovationsecke in das Kerngeschäft?

Vier Phasen, die sich bewährt haben

  1. Use Case fokussieren
    Nicht mit „Wir wollen KI im Vertrieb“ starten, sondern mit einem klaren Problem, zum Beispiel:

    • „Wir wollen Rückfragen zu Gewerbe-Sach im Innendienst um 30 % reduzieren.“
    • „Wir wollen die durchschnittliche Angebotserstellungszeit im Außendienst von 3 Tagen auf 1 Tag senken.“
  2. Pilot mit messbaren Zielen
    Klein starten – eine Region, eine Sparte, ein Vertriebskanal. Saubere Messung vor und nach Einführung.

  3. Prozesse anpassen, nicht nur Technik einführen
    Wenn die KI Antworten liefert, aber die Organisation weiter arbeitet wie bisher, bleibt der Effekt gering. Prozesse, Verantwortlichkeiten und Schulungen müssen nachgezogen werden.

  4. Rollout nach klaren Kriterien
    Erst wenn definierte Ziele erreicht werden (z. B. Produktivität +20 %, Zufriedenheit im Vertrieb >80 %), wird in weitere Sparten bzw. Länder ausgerollt.

Netzwerk als Beschleuniger

muffintech ist nicht zufällig Mitglied bei InsurLab Germany und Alumnus des Collaborator-Programms. Solche Hubs bringen Versicherer und InsurTechs zusammen, ermöglichen Peer-Austausch und beschleunigen Lernkurven. Für österreichische Häuser lohnt sich der Blick über die Grenze:

  • Welche Use Cases wurden in Deutschland bereits erfolgreich umgesetzt?
  • Welche Fehler kann man sich sparen?
  • Mit welchen Partnern (Tech, Beratung, Hochschulen) lassen sich Projekte beschleunigen?

Gerade jetzt – mit wachsendem Kostendruck, steigenden Kundenerwartungen und intensiver Regulierung – ist kollektives Lernen ein echter Wettbewerbsvorteil.


Was bedeutet das konkret für österreichische Versicherer?

Der österreichische Markt hat seine eigenen Besonderheiten: starke Maklerlandschaft, regionale Vertriebsstrukturen, hohe Bedeutung persönlicher Beratung und ein klarer Fokus der FMA auf Konsumentenschutz. Trotzdem – oder gerade deshalb – passt konversationelle KI sehr gut ins Bild.

Mögliche Startpunkte für österreichische Häuser

  • Makler- und Agenturunterstützung: Digitale „Co-Piloten“ für Vermittler:innen, die in Echtzeit Produktfragen beantworten und Beratungsdokumentation vorbereiten.
  • Bancassurance: Unterstützung von Bankberatern, die nur gelegentlich Versicherungsprodukte verkaufen und daher stark von KI-gestütztem Fachwissen profitieren.
  • Gewerbe- und Industriegeschäft: Schnelle Erstbewertung komplexer Risiken, Vorbereitung von Angebotsvarianten, strukturierte Erfassung von Risikodaten im Gespräch.
  • Ausbildung & Weiterbildung: KI-gestützte Wissensabfragen, Rollenspiele mit virtuellen Kunden, automatisiertes Feedback auf Beratungsqualität.

Worauf Sie achten sollten

Wenn Sie in Österreich eine konversationelle KI im Versicherungsvertrieb einführen wollen, achten Sie besonders auf:

  • Regulatorische Passung: Anpassung an VersVG, Maklergesetz, FMA-Leitlinien und interne Compliance-Vorgaben.
  • Sprachliche und kulturelle Feinheiten: Österreichisches Deutsch, regionale Ausdrucksweisen und Beispiele aus dem heimischen Alltag erhöhen Akzeptanz und Verständlichkeit.
  • Datenschutz & Hosting: Klare Antwort auf die Frage „Wo liegen die Daten?“ – idealerweise in der EU, mit sauber dokumentierten TOMs.
  • Einbindung des Betriebsrats, wo erforderlich: Transparente Kommunikation, wie die KI eingesetzt wird und dass sie den Menschen unterstützt, nicht ersetzt.

Fazit: Konversationelle KI ist ein Werkzeug – kein Selbstzweck

Das Beispiel muffintech zeigt, wohin die Reise geht: spezialisierte konversationelle KI, tief in die Prozesse des Versicherungsvertriebs integriert, mit klarem Fokus auf Fachlichkeit, Compliance und Alltagstauglichkeit.

Für österreichische Versicherer ist das eine Chance, Vertrieb und Service deutlich effizienter zu machen, ohne den Kern der persönlichen, vertrauensbasierten Beratung aufzugeben. Wer KI als intelligenten Co-Piloten versteht, nicht als Ersatz für Menschen, hat die beste Ausgangsposition.

Wenn Sie sich fragen, wie KI in Ihrem Haus konkret in Vertrieb, Schadenbearbeitung, Risikobewertung oder Betrugserkennung eingesetzt werden kann, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu planen. Wählen Sie einen klaren Use Case, suchen Sie sich einen spezialisierten Partner – und bauen Sie die ersten internen Champions auf.

Die Frage ist nicht mehr, ob konversationelle KI im Versicherungsvertrieb ankommt. Die Frage ist, welche Versicherer sie zuerst sinnvoll produktiv nutzen – und damit den Takt im Markt vorgeben.

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