Wie KI Versicherer wirklich voranbringt – aus Beratungssicht

KI für österreichische Versicherungen: InsurTech••By 3L3C

Wie österreichische Versicherer KI, Prozesse und InsurTechs so kombinieren, dass aus Piloten echte Ergebnisse in Schaden, Risiko, Betrug und Vertrieb entstehen.

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Wie KI Versicherer wirklich voranbringt – aus Beratungssicht

Österreichische Versicherer investieren 2025 so viel in KI und Prozessdigitalisierung wie noch nie – viele Projekte stecken aber trotzdem in Piloten fest. Budgets sind gebunden, erste Use Cases laufen, doch der spürbare Effekt in Schadenbearbeitung, Underwriting oder Vertrieb bleibt aus.

Genau an diesem Punkt setzt die Perspektive von SMP Strategy Consulting (künftig Eraneos Strategy) an, die seit 2025 Mitglied im InsurLab Germany ist. Die Beratung hat über 15 Jahre Erfahrung in der Versicherungsbranche und arbeitet eng mit Data-Science-Teams der Eraneos Gruppe zusammen. Was für deutsche Häuser spannend ist, ist für österreichische Versicherungen mindestens genauso relevant: Wie skaliert man KI und InsurTech-Innovationen so, dass sie im Tagesgeschäft wirken – nicht nur in Präsentationen?

In diesem Beitrag aus unserer Serie „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ geht es genau darum: operative Exzellenz, Business Process Management und KI-Skalierung – übersetzt in konkrete Hebel für Schadenbearbeitung, Risikobewertung, Betrugserkennung und personalisierte Tarife.

1. Operative Exzellenz: Ohne stabile Prozesse keine sinnvolle KI

Wer KI in der Versicherung skalieren will, braucht zuerst eines: saubere, durchgängige Prozesse. Viele Häuser versuchen den Sprung direkt zum KI-Use-Case – und wundern sich dann über Datenprobleme, Medienbrüche und Widerstand in den Fachbereichen.

End-to-End statt Insellösungen

SMP setzt – wie sie es im InsurLab-Interview beschreiben – auf einen wertschöpfungskettenübergreifenden Ansatz: von Corporate & Business Strategy über Customer & Commercial Excellence bis hin zu Organizational Excellence & Transformation.

Für österreichische Versicherer bedeutet das konkret:

  • Schadenprozess End-to-End denken: von der Schadenmeldung (App, Portal, Makler) ĂĽber Triage, PrĂĽfung, Reservebildung bis zur Auszahlung.
  • Durchgängige DatenflĂĽsse statt Excel-Export und manuellem Nacharbeiten in der Fachabteilung.
  • Klare Prozessverantwortung: Wer entscheidet was, auf Basis welcher Regeln und Daten?

Operative Exzellenz ist nichts Abstraktes. Sie ist die Voraussetzung, damit KI-Modelle in Schadenbearbeitung, Betrugserkennung oder Pricing überhaupt stabil laufen können.

BPM als Fundament fĂĽr KI

Business Process Management (BPM) ist 2025 wieder eines der zentralen Schwerpunktthemen – auch im InsurLab. Und zurecht: Ohne durchdachte Prozesse wird jede KI-Lösung zur Dauerbaustelle.

Ein praxistauglicher Ansatz für österreichische Versicherer:

  1. Prozess inventarisieren: Welche Kernprozesse (Schaden, Antragsstrecke, Inkasso, BestandsfĂĽhrung) sind fĂĽr KI-Potenziale besonders relevant?
  2. Reifegrad messen: Wo stehen diese Prozesse heute in Sachen Durchgängigkeit, Automatisierung, Datenqualität und Governance?
  3. Automatisierungspotenziale identifizieren: Wo können Regeln, RPA oder einfache Algorithmen bereits entlasten – bevor komplexe KI-Modelle ins Spiel kommen?
  4. Benchmarks nutzen: Im Interview spricht SMP von Benchmarkings in Leistungsprozessen oder in der digitalen Kundeninteraktion. Gerade im österreichischen Markt lohnt sich der Vergleich mit deutschen Häusern und InsurTechs, die in einzelnen Bereichen schon deutlich weiter sind.

Die Realität: Viele Versicherer starten mit KI dort, wo der Prozess am wenigsten standardisiert ist. Klüger ist es, zuerst Prozesse zu stabilisieren, dann KI zu ergänzen.

2. KI-Skalierung: Vom Pilot zum produktiven Baustein im Alltag

Die Aussage von SMP könnte man nicht klarer formulieren: KI-Initiativen dürfen nicht im Pilotstadium verharren. Genau das ist aber in vielen Häusern der Status quo.

Business und IT als gemeinsames Team

SMP versteht KI-Implementierung als gemeinsame Aufgabe von Business und IT. Das ist mehr als ein Buzzword. Es bedeutet:

  • Fachbereiche definieren den Business Case: z.B. VerkĂĽrzung der Schadenbearbeitungszeit um 30 %, Steigerung der Betrugserkennung um 20 %, Erhöhung der Abschlussquote im Online-Vertrieb.
  • IT stellt skalierbare Plattformen bereit: Datenplattform, Modellbetrieb (MLOps), API-Schnittstellen zu Bestandssystemen.
  • Data Scientists arbeiten embedded in den Fachbereichen statt isoliert im „KI-Lab“.

Gerade im österreichischen Kontext, wo die Häuser oft kleiner sind als große deutsche Konzerne, kann ein kompaktes, interdisziplinäres KI-Delivery-Team schneller Wirkung entfalten als große Programmstrukturen.

Typische KI-Use-Cases für österreichische Versicherer

SMP und die Eraneos Gruppe arbeiten bereits an Use Cases, die sich eins zu eins auf Ă–sterreich ĂĽbertragen lassen. Die wichtigsten Hebel:

  • Schadenbearbeitung

    • Automatisierte Dokumentenklassifikation (Rechnungen, Gutachten, Korrespondenz)
    • KI-gestĂĽtzte Triage: einfacher Schaden vs. komplexer Fall vs. möglicher Betrugsfall
    • Bilderkennung fĂĽr Kfz-Schäden zur Schnellregulierung
  • Risikobewertung (Underwriting)

    • Scoring-Modelle fĂĽr Personen- und Sachversicherungen
    • Nutzung externer Datenquellen (z.B. Geo- und Wetterdaten) fĂĽr Naturgefahren
  • Betrugserkennung

    • Anomalieerkennung in Leistungsdaten
    • Mustererkennung ĂĽber Sparten hinweg (z.B. Kombi-Schäden bei mehreren Versicherern)
  • Personalisierte Tarife & Angebote

    • Tarifsegmentierung auf Basis Verhaltens- und Schadendaten
    • Next-Best-Offer und Next-Best-Action im Online- und Maklervertrieb

Der Schlüssel: Nicht fünfzig Use Cases halbherzig starten, sondern drei bis fünf Use Cases konsequent von der Idee bis in die Produktion durchziehen – mit klaren KPIs.

3. Kundeninteraktion, Vertrieb und Conversational AI

SMP betont im Gespräch besonders die konsequente Digitalisierung der Kundeninteraktionen und den Ausbau innovativer Vertriebswege. Für österreichische Versicherer ist das 2025 kein „Nice-to-have“ mehr – die Kund:innen sind an digitale Services aus Banking, E‑Commerce und Mobilität gewöhnt.

Conversational AI: vom FAQ-Bot zur echten UnterstĂĽtzung

Im InsurLab-Kontext plant SMP Workshops zu Themen wie Conversational AI. FĂĽr Versicherungen bedeutet das weit mehr als ein simpler Chatbot auf der Website.

Konkrete Anwendungsfelder:

  • Digitale Schadenmeldung per Chat oder Sprache – auch mobil, inkl. Upload von Fotos und Dokumenten
  • Guided Selling im Vertrieb: KI-gestĂĽtzte Bedarfsermittlung im Onlineabschluss, im Maklerportal oder im Callcenter
  • Serviceanfragen: Polizzennachweis, Adressänderung, Beitragsfreistellung, Leistungsstand – 24/7, ohne Callcenter-Wartezeit

Ein praxisnaher Ansatz ist, Conversational AI bewusst eng zu starten (z.B. nur KFZ-Schadenerstanzeige) und dann Stück für Stück zu erweitern – immer basierend auf echten Nutzungsdaten.

„Vertrieb der Zukunft“ für den österreichischen Markt

Österreich ist ein klassischer Maklermarkt. Viele Häuser fragen sich: Wie passt KI zu diesem Vertriebsmodell?

Einige wirksame Ansätze:

  • KI-gestĂĽtzte Leads fĂĽr Makler:innen: Priorisierung von Bestandskund:innen mit hoher Wechsel- oder Cross-Selling-Wahrscheinlichkeit.
  • Personalisierte Kampagnen: Kombination aus E‑Mail, App-Push und Maklerkontakt zur richtigen Zeit mit passendem Produkt (z.B. Kfz-Vertrag läuft aus, gleichzeitig Wohnungswechsel bekannt).
  • UnterstĂĽtzung im Beratungsgespräch: KI schlägt im Hintergrund passende Produktkombinationen oder Deckungserweiterungen vor.

SMP bringt hier Erfahrung aus Banken, Telekommunikation und Energie mit – Branchen, die im datengetriebenen Vertrieb meist ein paar Jahre voraus sind. Davon können Versicherer direkt profitieren.

4. Zusammenarbeit mit InsurTechs und Start-ups: Skalieren statt nur pilotieren

SMP will im InsurLab nicht nur beraten, sondern aktiv als Sparringspartner für Start-ups auftreten. Genau das ist für österreichische Versicherer interessant, die oft noch zögern, eng mit InsurTechs zusammenzuarbeiten.

Warum viele InsurTech-Kooperationen scheitern

Aus Projekterfahrung (und sehr ehrlich gesprochen) scheitern Kooperationen mit InsurTechs selten an der Technologie, sondern an:

  • unklaren Zielen und KPIs,
  • fehlender Integration in Prozesse und Systeme,
  • internen Vorbehalten („Not invented here“),
  • zu wenig Ressourcen im Fachbereich fĂĽr Pilot und Roll-out.

SMP adressiert das mit strukturiertem Sparring: Geschäftsmodell schärfen, Go-to-Market klären, Skalierungsstrategie definieren, Integration mit Bestandssystemen planen.

Das lässt sich direkt auf Österreich übertragen: Wer etwa ein Start-up im Bereich Telematik, Bilderkennung oder Fraud Detection integrieren will, braucht einen klaren Pfad von PoC über Pilot bis in den Regelbetrieb – inklusive Betriebsmodell und Verantwortlichkeiten.

Formate, die wirklich Mehrwert bringen

Im Interview nennt SMP Formate wie:

  • Workshops zu Conversational AI, Paperless, Vertrieb der Zukunft
  • Gemeinsam aufgesetzte Studien (z.B. zu KI-Reifegrad oder Customer Journeys)
  • Benchmarkings in Leistungsprozessen und digitaler Kundeninteraktion

Für österreichische Versicherer, die gerade mit KI und InsurTech skalieren wollen, sind genau solche Formate hilfreich, um:

  • intern Stakeholder zu alignen,
  • konkrete Use Cases zu priorisieren,
  • Aufwand und Nutzen belastbar zu bewerten.

5. Blick nach vorn: Versicherungen 2026 – und was jetzt zu tun ist

SMP beschreibt 2026 als Wendepunkt: KI, neue Customer Journeys, veränderte Erwartungen und Nachhaltigkeit/CSR werden zur Pflicht, nicht mehr zur Kür. Das passt exakt zu dem, was wir im österreichischen Markt sehen.

Wer 2026 im Markt vorne mitspielen will, sollte 2025 drei Dinge ernsthaft angehen:

  1. Operative Exzellenz schaffen

    • Kernprozesse (Schaden, Antragsstrecke, Bestandsverwaltung) End-to-End durchleuchten
    • MedienbrĂĽche und manuelle Arbeitsschritte konsequent reduzieren
    • BPM-Framework und klare Prozessverantwortung etablieren
  2. KI gezielt skalieren – nicht experimentell verzetteln

    • 3–5 priorisierte Use Cases mit klarem Business Case auswählen
    • Gemeinsames Team aus Business, IT und Data Science aufbauen
    • FrĂĽhe Erfolge sichtbar machen (z.B. geringere Durchlaufzeit, höhere Dunkelverarbeitungsquote)
  3. Ă–kosysteme und Netzwerke nutzen

    • Austausch in Netzwerken wie InsurLab und mit Beratungen wie SMP/Eraneos suchen
    • InsurTechs als Ergänzung zur eigenen Organisation verstehen – nicht als Bedrohung
    • Kooperationen mit klaren Skalierungspfaden aufsetzen

Die Versicherungswirtschaft in Österreich und Deutschland rückt fachlich und technologisch immer näher zusammen. Wer jetzt die richtigen Partner wählt und den Fokus auf umsetzungsorientierte KI-Projekte legt, wird sich 2026 nicht über Regulierung oder Wettbewerb beklagen – sondern messbare Ergebnisse vorweisen.

Wenn Sie in Ihrem Haus aktuell über KI in Schadenbearbeitung, Risikobewertung, Betrugserkennung oder personalisierte Tarife nachdenken, lohnt sich genau jetzt ein kritischer Blick: Haben Sie Piloten oder bereits skalierte Lösungen?


Dieser Beitrag ist Teil der Reihe „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ und richtet sich an Entscheider:innen, die aus KI-Projekten konkrete Ergebnisse im Tagesgeschäft machen wollen.