Warum BGVs Eintritt ins InsurLab für KI-Versicherungen zählt

KI für österreichische Versicherungen: InsurTech••By 3L3C

BGVs Beitritt ins InsurLab zeigt, wie auch regionale Versicherer KI, InsurTech-Ökosysteme und Kooperationen nutzen können – ein Fahrplan für österreichische Häuser.

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Warum der BGV-Beitritt ins InsurLab für KI-Versicherungen zählt

Österreichische Versicherer stehen gerade vor einem sehr nüchternen Befund: Laut Branchenumfragen nutzen zwar über 70 % der Häuser erste Analytics-Tools, aber nur ein Bruchteil setzt echte KI-Lösungen in Schadenbearbeitung, Risikobewertung oder Betrugserkennung produktiv ein. Gleichzeitig steigen Kundenerwartungen, Regulierungsdruck und Kostendruck Jahr für Jahr.

Genau deshalb ist der Schritt der BGV Badische Versicherungen ins InsurLab Germany so spannend – auch für den österreichischen Markt. Ein regionaler Versicherer, über 100 Jahre alt, bewusst nicht der größte Player, schließt sich einem InsurTech-Ökosystem an, um Innovation und insbesondere KI-Themen voranzutreiben. Das ist ziemlich genau der Weg, den viele österreichische Häuser noch vor sich haben.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was hinter diesem Schritt steckt, was Österreich davon lernen kann und wie KI-Projekte in Versicherungen nicht im Lab steckenbleiben, sondern wirklich Geschäft bringen.


Wer ist BGV – und warum ist das für Österreich relevant?

Die BGV Badische Versicherungen sind ein regionaler Versicherer aus Baden, der seit über 100 Jahren Kommunen, Privat- und Firmenkunden absichert. Also kein internationaler Konzernriese, sondern ein Haus, das in Struktur und Größe vielen österreichischen Versicherungen ähnelt.

Der spannende Punkt: „Vergleichsweise klein, aber mit modernem Führungsverständnis“ – so beschreibt das InsurLab den BGV. Genau diese Kombination macht Innovation oft erst möglich:

  • Entscheidungswege sind kĂĽrzer
  • Fachbereiche kennen „ihre“ Kund:innen sehr genau
  • FĂĽhrung ist näher an Teams und Projekten

Für KI-Themen ist das ein massiver Vorteil. Wer schon einmal versucht hat, ein KI-Projekt in einem hochzentralen, überregulierten Konzern zu etablieren, weiß: Schnelligkeit und Pragmatismus sind die härteste Währung.

Österreichische Versicherer – von der regionalen Landesversicherung bis zum bundesweiten Komposit-Player – können sich hier einiges abschauen: Man muss nicht die größte Organisation im Markt sein, um bei KI vorne mitzuspielen. Entscheidend ist, wie konsequent man sich in ein Ökosystem einbindet.


Was bringt ein Ă–kosystem wie InsurLab fĂĽr KI in der Versicherung?

Kurz gesagt: Ein Ă–kosystem wie das InsurLab reduziert die Risiken und Kosten, die mit KI-Innovationen sonst jede einzelne Versicherung allein tragen mĂĽsste.

1. Schneller Zugang zu InsurTechs statt monatelanger Scouting-Prozesse

Das InsurLab bĂĽndelt Start-ups und Scale-ups, die sich auf Themen wie:

  • KI-gestĂĽtzte Schadenbearbeitung (z.B. Bilderkennung bei Kfz-Schäden)
  • Risikobewertung mit Machine Learning
  • Betrugserkennung in Echtzeit
  • Personalisierte Tarife durch Datenanalyse

spezialisiert haben.

Für ein österreichisches Versicherungsunternehmen ist das praktisch ein Abkürzungsweg: Man muss nicht selbst den Markt scannen, Dutzende Pitches hören und Verträge von Null weg verhandeln, sondern kann auf kuratierte Partner und erprobte Formate zurückgreifen.

2. Austausch auf Augenhöhe – auch über heikle Themen

Im InsurLab gibt es Peer-Meetups, Topic Groups und Projektinitiativen. Dort sprechen Fach- und IT-Verantwortliche offen ĂĽber:

  • „Wo scheitern unsere KI-Pilotprojekte wirklich?“
  • „Wie gehen andere mit Datenschutz und Modell-Transparenz um?“
  • „Welche KPIs nutzen wir, um KI im Schadenprozess zu beurteilen?“

Dieser offene Austausch ist Gold wert. In vielen Häusern werden KI-Projekte intern entweder überhöht („Das löst jetzt alles“) oder totgeredet („Zu riskant, zu teuer“). In einem neutralen Ökosystem lässt sich nüchterner prüfen, was tatsächlich funktioniert.

3. Strukturierte Formate statt losem Networking

InsurLab bietet – und das ist im RSS-Inhalt gut erkennbar – eine ganze Palette an strukturierten Formaten:

  • Topic Days & Masterclasses fĂĽr Wissensaufbau
  • Bootcamps & Zukunftsworkshops fĂĽr konkrete Use-Case-Entwicklung
  • Scouting & Matching fĂĽr gezielte Partnerschaften

Die Realität: Ein einmaliger „KI-Workshop“ im eigenen Haus bringt selten nachhaltige Veränderung. Was wirkt, ist eine reiseartige Begleitung über mehrere Monate mit klaren Meilensteinen und externen Sparringspartnern. Genau das liefern solche Hubs.


Warum BGVs Schritt strategisch clever ist

Der Beitritt des BGV zum InsurLab ist kein PR-Gag, sondern eine ziemlich rationale Strategie, wenn man sie aus Sicht eines regionalen Versicherers betrachtet.

1. KI-Kompetenz aufbauen, ohne das Rad neu zu erfinden

Ein traditioneller Versicherer kann drei Wege gehen:

  1. Alles selbst entwickeln (teuer, langsam, groĂźes Risiko)
  2. Nur fertige Standardlösungen kaufen (wenig Differenzierung, Abhängigkeit von Anbietern)
  3. In ein Ă–kosystem einsteigen und gezielt aufbauen

BGV wählt Variante 3. Man holt sich über das InsurLab:

  • Know-how-Transfer
  • Partnerzugang
  • erprobte Best Practices

und kann gleichzeitig eigene Schwerpunkte setzen – etwa im kommunalen Geschäft oder bei regionalen Schadenbildern.

2. Kultur und Führungsverständnis weiterentwickeln

Vorstandsassistentin Julia Fischer betont im Zusammenhang mit dem InsurLab die Bedeutung eines modernen Führungsverständnisses. Übersetzt für den Alltag heißt das:

  • Fachbereiche dĂĽrfen Experimente mit KI starten
  • Scheitern einzelner Piloten ist akzeptiert
  • FĂĽhrungskräfte treffen Entscheidungen auf Basis von Daten, nicht nur Intuition

Für österreichische Versicherer ist genau das einer der Knackpunkte. Viele Häuser haben fachlich hervorragende Menschen, aber wenig strukturierten Freiraum für KI-Experimente. Ein Umfeld wie das InsurLab hilft, diese Kultur zu trainieren – zunächst in Projekten, später im ganzen Unternehmen.

3. Attraktiver fĂĽr digitale Talente werden

Wer heute Data Scientists, KI-Engineers oder digitale Produktmanager:innen gewinnen will, muss mehr bieten als „stabile Jobs“ und „gute Kantine“. Talente wollen:

  • spannende Use Cases
  • moderne Tech-Stacks
  • Austausch mit anderen Profis

Mitgliedschaft in einem anerkannten InsurTech-Hub ist da ein sehr sichtbares Signal. Auch österreichische Versicherer, die Nachwuchs für KI-Rollen suchen, profitieren enorm, wenn sie sich aktiv in solche Netzwerke einklinken – ob in Deutschland, Österreich oder international.


Was österreichische Versicherer konkret daraus lernen können

Der BGV-Beitritt ist ein guter Aufhänger, um praktisch zu werden: Wie könnte ein österreichischer Versicherer 2026 an KI herangehen, ohne sich zu überheben?

1. Klaren Fokus setzen: erst 2–3 KI-Use Cases, nicht 20

Die Versuchung ist groß, überall gleichzeitig zu starten. Erfolgreiche Häuser tun das Gegenteil. Typische, realistische Startpunkte:

  • Schadenbearbeitung: Automatisierte Dokumentenklassifikation, Bilderkennung bei Kfz- oder Haushalts-Schäden
  • Risikobewertung: Machine-Learning-Modelle fĂĽr bestimmte Sparten (z.B. Kfz, Haushaltsversicherung)
  • Betrugserkennung: Anomalieerkennung und Mustererkennung in bestehenden Daten

Mein Rat: Lieber drei Use Cases mit klar messbarem Business-Impact, als 15 Ideen auf Folien. Jedes Projekt sollte harte KPIs haben, z.B.:

  • „Durchlaufzeit im einfachen Kfz-Schaden um 30 % reduzieren“
  • „X% mehr potenzielle Fraud-Cases automatisch markieren“

2. FrĂĽh Kooperationspartner aus einem Ă–kosystem einbinden

Statt nach dem Motto „Wir probieren erstmal intern, dann sehen wir weiter“ zu handeln, lohnt sich der umgekehrte Weg:

  1. Use Case definieren
  2. Interne Datenlage grob prĂĽfen
  3. InsurTechs und KI-Partner ansprechen (über Hubs, Verbände, Netzwerke)
  4. In einem strukturierten Format (Bootcamp, Proof of Concept) testen

Gerade kleinere und mittelgroße österreichische Versicherer sparen damit Monate.

3. Regulatorik und Datenschutz von Beginn an mitdenken

KI in der Versicherungsbranche ohne DSGVO, FMA-Vorgaben und kommenden EU-AI-Act zu denken ist naiv. Die gute Nachricht: Viele Fragestellungen sind wiederkehrend:

  • Welche Daten dĂĽrfen wir fĂĽr personalisierte Tarife nutzen?
  • Wie erklären wir ein ML-Modell gegenĂĽber Kund:innen und Aufsicht?
  • Wie stellen wir sicher, dass Modelle keine unzulässige Diskriminierung erzeugen?

In Ökosystemen wie dem InsurLab werden genau diese Punkte immer wieder diskutiert. Österreichische Häuser können von dortige Erfahrungen profitieren – und müssen nicht jeden juristischen Stolperstein selbst entdecken.

4. Organisation vorbereiten: KI ist kein reines IT-Thema

Die erfolgreichsten KI-Projekte, die ich in Versicherungen gesehen habe, hatten vier Dinge gemeinsam:

  • einen klar benannten Business Owner im Fachbereich
  • starke UnterstĂĽtzung aus dem Top-Management
  • eine IT, die als Enabler und nicht als Gatekeeper agiert
  • ein Data-Team, das frĂĽh eingebunden ist

BGV beschreibt sich selbst als „klein, aber beweglich“. Genau das können österreichische Häuser nutzen: Pilotbereiche schaffen, in denen Fachbereich, IT und Data eng zusammensitzen – physisch oder virtuell – und iterativ an Lösungen arbeiten.


Wie dieser Schritt in unsere KI-Serie für österreichische Versicherer passt

Unsere Serie „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ dreht sich um vier Kernthemen:

  • Schadenbearbeitung effizienter und kundenfreundlicher machen
  • Risikobewertung präziser und dynamischer gestalten
  • Betrugserkennung automatisieren
  • Personalisierte Tarife datenbasiert entwickeln

Der BGV-Beitritt ins InsurLab zeigt sehr klar: Der Weg zu diesen Zielen führt fast immer über Kooperationen. Kaum ein Versicherer – schon gar nicht im österreichischen Markt – kann die nötige Geschwindigkeit, Technologiebreite und Talente allein aufbauen.

Wer heute startet, sollte sich zwei Fragen ehrlich stellen:

  1. In welchen 2–3 Geschäftsfeldern würde uns KI binnen 12–24 Monaten den größten Mehrwert bringen?
  2. Mit welchen Partnern und in welchem Ă–kosystem kommen wir dort am schnellsten hin?

Wenn Sie gerade genau darüber nachdenken, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die nächsten Schritte zu planen – nicht erst, wenn Wettbewerber KI-gestützte Schadenprozesse und dynamische Tarife längst im Markt etabliert haben.


Nächste Schritte für österreichische Versicherer

Wenn Sie als Entscheider:in in einem österreichischen Versicherungsunternehmen arbeiten, könnten Ihre ganz konkreten nächsten Schritte so aussehen:

  • Ist-Stand erheben: Wo stehen wir bei Daten, Analytics, Automatisierung wirklich?
  • 3 priorisierte KI-Use Cases definieren – klar, messbar, mit Business-Owner
  • Kooperations- und Ă–kosystempartner identifizieren – ob InsurTech-Hubs, Start-ups oder Technologiepartner
  • Pilotprogramm 2026 aufsetzen mit klaren Zielen, Budget und Management-Sponsoring

Das Beispiel BGV zeigt: Man muss nicht warten, bis man „perfekt vorbereitet“ ist. Man braucht den Mut, mit überschaubaren, aber konsequent umgesetzten Schritten in ein starkes Netzwerk einzutreten.

Die spannendste Frage für 2026 ist daher nicht mehr, ob KI die österreichische Versicherungsbranche verändert – sondern wer diese Veränderung aktiv gestaltet und wer nur hinterherreguliert.