KI-fähige Bestandsführung: Was Peak3 Versicherern bringt

KI für österreichische Versicherungen: InsurTech••By 3L3C

Wie Peak3 mit der KI-fähigen Plattform Graphene österreichischen Versicherern hilft: automatisierte Schadenbearbeitung, Dunkelverarbeitung und Betrugserkennung.

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KI-fähige Bestandsführung: Was Peak3 Versicherern bringt

Österreichische Versicherer stehen gerade vor einem unangenehmen Spagat: Historische Bestandsführungssysteme bremsen, während Kund:innen digitale, schnelle und transparente Services erwarten – rund um die Uhr, egal ob Schadenmeldung, Vertragsänderung oder Angebot.

Genau hier setzt Peak3 mit seiner cloudbasierten Plattform Graphene an. Das Unternehmen ist seit 2025 Mitglied im InsurLab Germany – und die Ideen, die es ins Netzwerk einbringt, sind gerade für österreichische Kompositversicherer hochspannend: von automatisierter Schadenbearbeitung über KI-gestützte Betrugserkennung bis hin zu flexiblen, individuell konfigurierbaren Produkten.

In diesem Beitrag aus der Reihe „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ geht es darum, was hinter der Plattform steckt, wie KI darin „by design“ verankert ist und welche konkreten Use Cases für Versicherer in Österreich heute schon realistisch sind – ohne Mammutprojekt, aber mit klar messbarem Nutzen.


1. Wer ist Peak3 – und warum ist das für Österreich relevant?

Peak3 ist ein internationaler Hersteller von cloudbasierten Bestandsführungssystemen für die Versicherungswirtschaft. Die Plattform Graphene wird in mehr als 20 Ländern eingesetzt und verarbeitet dort über zwei Milliarden abgeschlossene Policen – vom digitalen Greenfield-Insurer bis zur klassischen Core-Modernisierung eines etablierten Hauses.

Für Europa – und speziell für den DACH-Raum – ist spannend:

  • Es gibt bereits Kunden in Ă–sterreich, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich.
  • Fokus liegt klar auf Schaden- und Unfallversicherung (PKW, Haushalt, Gewerbe, Spezialsparten etc.).
  • Die Plattform ist modular, cloudbasiert und KI-fähig – also vorbereitet auf heutige und kĂĽnftige Anforderungen.

Die meisten österreichischen Versicherer kämpfen mit ähnlichen Baustellen:

  • monolithische Altsysteme
  • langsame Produktanpassungen
  • MedienbrĂĽche in Schaden und Leistung
  • heterogene IT-Landschaften nach Fusionen und Zukäufen

Der Ansatz von Peak3 zielt genau auf diese Hebel. Statt nur eine weitere „Schicht“ über Altanwendungen zu legen, stellt Graphene ein modernes Bestandsführungssystem bereit, das:

  1. Produktentwicklung und Tariflogik zentral abbildet,
  2. Verträge über den gesamten Lebenszyklus verwaltet und
  3. Schaden- und Leistungsprozesse hochgradig automatisiert.

Für österreichische Häuser bedeutet das: Nicht mehr jede Innovation über Workarounds und Excellisten, sondern direkt im Core.


2. Warum InsurLab Germany wichtig ist – Co-Creation statt Insellösungen

Peak3 ist dem InsurLab Germany beigetreten, weil das Unternehmen stark an Co-Creation glaubt. Und das ist tatsächlich einer der sinnvollsten Wege für Versicherer, mit KI-Themen voranzukommen.

Co-Creation im InsurTech-Kontext heißt: Versicherer, Start-ups und Tech-Anbieter entwickeln Use Cases gemeinsam – statt jeder für sich teure Einzellösungen zu bauen.

Für österreichische Versicherer hat das zwei konkrete Vorteile:

  • Risiko teilen: Was im deutschen Markt in einer Fachgruppe getestet wurde (z.B. KI-gestĂĽtzte Betrugserkennung), lässt sich adaptieren, statt von Null zu starten.
  • Tempo gewinnen: Erprobte Architektur- und Prozessmuster können ĂĽbernommen werden – von FNOL-Prozessen bis zu Regelwerken fĂĽr Dunkelverarbeitung.

Peak3 bringt hier laut eigener Aussage praxisnahe Use Cases ein und nutzt im Gegenzug die kollektive Expertise von Versicherern, Forschung und anderen Tech-Playern. Das ist genau der Nährboden, den es für skalierbare KI-Anwendungen in der Versicherungsbranche braucht.


3. Operative Exzellenz: Wie eine moderne Plattform den Alltag verändert

Operative Exzellenz ist kein Buzzword, sondern zeigt sich sehr konkret – in Durchlaufzeiten, Touchpoints und Fehlerquoten. Graphene adressiert das mit drei zentralen Prinzipien: Prozessautomatisierung, Data-Driven Decisions und No-Code-Konfiguration.

3.1 Prozessautomatisierung als Standard, nicht als Sonderprojekt

In vielen Häusern ist Prozessautomatisierung ein Sammelsurium aus Makros, RPA-Bots und „Sonderfällen“. Eine moderne Plattform dreht das um: Automatisierung ist der Standard, manuelle Bearbeitung die Ausnahme.

Typische Effekte bei Kompositversicherern, die diesen Weg gehen:

  • 30–60 % weniger manuelle Schritte in Standardprozessen
  • drastisch reduzierte Bearbeitungszeiten im Massengeschäft
  • stabilere Qualität, weil Regelwerke statt BauchgefĂĽhl greifen

In Graphene werden Fachprozesse wie

  • Policierung,
  • Vertragsänderungen,
  • Prämienanpassungen,
  • Storno und Wiederinkraftsetzung

als konfigurierbare Workflows abgebildet – eng verbunden mit Datenmodellen und Geschäftsregeln. Für österreichische Versicherer ist das interessant, weil sich länderspezifische Anforderungen (z.B. Steuerlogiken, regulatorische Vorgaben, Spartenbesonderheiten) in diesen Workflows sauber modellieren lassen.

3.2 Data-Driven Decisions: Entscheidungen dort, wo die Daten sind

„Data-driven“ ist nur dann mehr als ein Schlagwort, wenn Entscheidungen wirklich auf Basis konsistenter Daten im Core-System getroffen werden. Genau hier spielt eine einheitliche Plattform ihre Stärken aus:

  • alle relevanten Vertrags-, Kunden- und Schadendaten an einem Ort
  • historische Daten nutzbar fĂĽr Pricing, Underwriting und Risikomodelle
  • Echtzeit-Entscheidungen in Prozessen (z.B. automatisierte Freigaben)

Für österreichische Versicherer wird das im Alltag greifbar, etwa bei:

  • automatisierten Kleinschäden in Haushalt/KFZ,
  • dynamischen Selbstbehalten je Kundensegment,
  • risikoadäquaten Up- und Cross-Selling-Angeboten.

3.3 No-Code-Konfiguration: Fachbereiche bekommen Tempo

No-Code heißt: Fachanwender:innen können viele Anpassungen selbst vornehmen, ohne jedes Mal auf knappe Entwicklerkapazitäten zu warten.

Typische Beispiele:

  • Anpassung von Fragen im Online-Antrag
  • Ă„nderung von Underwriting-Regeln fĂĽr bestimmte Risikogruppen
  • Konfiguration neuer Kampagnen oder Rabattregeln

Das spart nicht nur Kosten, sondern vor allem Time-to-Market. Wenn ein Wettbewerber in Österreich mit einem neuen Produktkonzept vorprescht, entscheidet die Umsetzbarkeit in Wochen – nicht in Jahren.


4. KI in der Praxis: Von FNOL bis Betrugserkennung

Die spannendste Aussage von Peak3: Künstliche Intelligenz ist kein Add-on, sondern Teil der Plattformstrategie. Das heißt: Die Architektur von Graphene ist so gebaut, dass KI-Modelle und sogar Agentic AI direkt in Geschäftsprozesse eingebunden werden können.

4.1 FNOL ĂĽber Chatbot oder Sprachassistent

Ein zentraler Use Case ist die automatisierte Schadenaufnahme (First Notice of Loss, FNOL) ĂĽber Conversational Interfaces:

  • Kund:innen melden den Schaden per Chatbot auf der Website oder im Portal.
  • Alternativ erfolgt die Meldung ĂĽber einen Sprachassistenten.
  • KI-gestĂĽtzte DialogfĂĽhrung stellt sicher, dass alle relevanten Informationen erfasst werden.

Vorteile für österreichische Versicherer:

  • Schadenmeldungen sind 24/7 möglich – gerade bei Unwettern oder Wintersportunfällen entscheidend.
  • Die Daten liegen strukturiert vor und können direkt in den Schadenprozess einflieĂźen.
  • Callcenter werden deutlich entlastet, ohne dass Kundenerlebnis leidet.

4.2 Dunkelverarbeitung ohne MedienbrĂĽche

Viele Häuser reden über Dunkelverarbeitung, scheitern aber an Medienbrüchen: PDF-E-Mails, handschriftliche Formulare, Fotos, Arztberichte. Graphene nutzt eine Kombination aus:

  • OCR (Optical Character Recognition) zur Texterkennung,
  • NLP (Natural Language Processing) zur Interpretation der Inhalte,
  • regelbasierten Entscheidungsmodellen fĂĽr fachliche PrĂĽfung.

Beispiel aus der Praxis:

  • Kund:in lädt Fotos und Rechnung zu einem Kleinschaden hoch.
  • OCR und NLP extrahieren Betrag, Datum, Leistungsart.
  • Regeln prĂĽfen Plausibilität, Versicherungsumfang und Limits.
  • Der Schaden wird vollautomatisch reguliert – oder zielgerichtet an eine Person zur PrĂĽfung geroutet.

Ergebnis: Hoher Dunkelverarbeitungsgrad bei Standardfällen und gezielte menschliche Aufmerksamkeit bei komplexen oder sensiblen Vorgängen.

4.3 Dynamische Betrugserkennung mit ML + Expertenwissen

Bei Betrugserkennung kommen zwei Welten zusammen:

  1. Maschinelles Lernen (ML) erkennt Muster, die Menschen entgehen.
  2. Versicherungsspezifisches Expertenwissen definiert klare Regeln und Red Flags.

Graphene kombiniert beides:

  • ML-Modelle bewerten Schadenmeldungen anhand historischer Daten.
  • Expertenregeln (z.B. Häufung von Kleinschäden, auffällige Konstellationen) verschärfen oder relativieren das Risiko.
  • Die Plattform entscheidet, ob ein Fall:
    • automatisch reguliert,
    • stichprobenartig geprĂĽft oder
    • gezielt an Spezialist:innen ĂĽbergeben wird.

Gerade in Österreich, wo die Betrugsquote offiziell niedrig wirkt, aber verdeckte Fälle schwer messbar sind, lässt sich hier direkt messbarer Nutzen erzielen: weniger Schadenaufwand, bessere Steuerung der Prüfinstanzen und saubere Dokumentation für Revisionszwecke.

4.4 Agentic AI: Mehrere spezialisierte KI-Agenten orchestrieren

Der nächste Schritt ist Agentic AI: Nicht ein „großes Modell für alles“, sondern mehrere spezialisierte KI-Agenten, die orchestriert in einem Geschäftsprozess zusammenarbeiten.

Beispiel Szenario:

  • Agent A fĂĽhrt den Dialog mit der Kundin (Chat/Voice).
  • Agent B klassifiziert den Schaden und ermittelt fehlende Infos.
  • Agent C prĂĽft Deckung und ruft Regelwerke in Graphene auf.
  • Agent D schlägt die optimale Regulierung vor und dokumentiert den Vorgang.

Die Architektur von Graphene ist laut Peak3 AI- und Agentic-AI-ready, das heißt: Solche Abläufe lassen sich sicher und kontrolliert in den operativen Betrieb bringen – mit Logging, Audit-Trails und klaren Eskalationspunkten.


5. Wie österreichische Versicherer konkret starten können

Viele Häuser in Österreich zögern, weil Core-Modernisierung wie ein Jahrzehntprojekt klingt. Das muss es nicht sein. Sinnvoll ist ein inkrementeller Ansatz – und genau hier passt eine modulare Plattform wie Graphene gut ins Bild.

5.1 Mögliche Einstiege

Typische Einstiegsszenarien, die ich bei Versicherern als praktikabel erlebt habe:

  1. Digitaler Schadenkanal fĂĽr eine Sparte (z.B. Haushalt, Kfz-Kasko) mit FNOL-Chatbot und Teil-Dunkelverarbeitung.
  2. Neues digitales Produkt als Greenfield in der Cloud – außerhalb des Altsystems, aber mit Anbindung an Bestand.
  3. Modernisierung eines Teilsegments (z.B. Kfz-Flotten, KMU-Sach), um erste Erfahrungen mit No-Code, Automatisierung und KI in der Linie zu sammeln.

5.2 Erfolgsfaktoren fĂĽr KI-Projekte im Bestand

Wer KI im Versicherungsbestand skalieren will, sollte auf ein paar Punkte konsequent achten:

  • Klare Business-Ziele: z.B. „Durchlaufzeit im Kfz-Schaden um 40 % senken“ oder „Dunkelverarbeitung im Haushalt auf 60 % erhöhen“.
  • Datenqualität vor Fancy-Features: Ohne saubere Daten helfen auch die schönsten Modelle wenig.
  • IT und Fachbereich gemeinsam: Product Owner aus der Fachabteilung plus technische Leitung ist Pflicht.
  • Regulatorik einplanen: Datenschutz, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, Audit-Trails – alles von Anfang an mitdenken.

Eine Plattform, die KI nicht als nachträglichen Aufsatz, sondern als integralen Bestandteil versteht, nimmt viele dieser Hürden von Haus aus ernst.


Fazit: KI im Versicherungsbestand – von der Vision zur täglichen Routine

Peak3 zeigt mit Graphene recht deutlich, wie KI und Bestandsführung zusammengehören können:

  • Automatisierte Schadenaufnahme,
  • medienbruchfreie Dunkelverarbeitung,
  • dynamische Betrugserkennung,
  • No-Code-Konfiguration fĂĽr Fachbereiche,
  • und eine Architektur, die Agentic AI von Anfang an mitdenkt.

Für österreichische Versicherer, die in den nächsten Jahren nicht nur digitale Services anbieten, sondern auch wirtschaftlich stabil durch volatile Zeiten kommen wollen, ist genau diese Kombination entscheidend: operative Exzellenz + skalierbare KI-Anwendung im Kernsystem.

Wer heute mit klar abgegrenzten Use Cases startet – etwa einem digitalen Schadenkanal oder einem neuen Produkt in einer modernen Plattform – baut sich Schritt für Schritt die Grundlage, auf der KI nicht mehr „Projekt“, sondern Teil des Tagesgeschäfts ist.

Die Frage ist weniger, ob KI künftig in der österreichischen Versicherungsbranche eine Rolle spielt. Die eigentliche Frage lautet: In welchem System wird sie verankert – und wie konsequent nutzen Sie diese Möglichkeiten?