Was Versicherer aus dem InsurLab Jahresbericht lernen

KI für österreichische Versicherungen: InsurTechBy 3L3C

Was der InsurLab Germany Jahresbericht 2024 für KI-Projekte in österreichischen Versicherungen bedeutet – mit Fokus auf Schaden, Risiko, Betrug und Tarife.

InsurLab GermanyKI in der VersicherungInsurTech ÖsterreichSchadenbearbeitungRisikobewertungBetrugserkennungpersonalisierte Tarife
Share:

Was österreichische Versicherer aus dem InsurLab Jahresbericht 2024 lernen können

2024 war für die Versicherungsbranche kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein Stresstest: volatile Märkte, steigende Schadenaufwände, Fachkräftemangel – und gleichzeitig ein massiver Schub bei KI und InsurTech-Lösungen. Genau hier setzt der InsurLab Germany Jahresbericht 2024 an: Er zeigt sehr konkret, wie Versicherer Innovation organisieren, mit Start-ups kooperieren und KI in den Alltag bringen.

Für österreichische Versicherungen ist dieser Bericht mehr als nur Branchen-News aus Deutschland. Er ist eine Art Blaupause: Was dort funktioniert, lässt sich mit überschaubarem Aufwand auf den österreichischen Markt übertragen – insbesondere, wenn es um künstliche Intelligenz in Schadenbearbeitung, Risikobewertung, Betrugserkennung und personalisierte Tarife geht.

In diesem Beitrag ordne ich die wichtigsten Impulse aus dem InsurLab-Kontext ein und übersetze sie in konkrete Handlungsoptionen für österreichische Versicherer.


1. Warum der InsurLab Germany Jahresbericht auch für Österreich relevant ist

Die Kernbotschaft aus dem Jahresbericht 2024 ist klar: Kooperation zwischen Versicherern, InsurTechs und Technologiepartnern beschleunigt messbar die Umsetzung von KI-Lösungen. Genau das ist der Punkt, an dem viele Häuser in Österreich noch zögern.

Deutsche Versicherer nutzen das InsurLab-Netzwerk, um:

  • passende Start-ups zu finden (Scouting & Matching),
  • konkrete Use Cases zu testen (Bootcamps, Projektinitiativen),
  • Fachbereiche und IT gemeinsam in Bewegung zu bringen (Topic Groups, Peer Meetups),
  • und Wissen zu KI-Trends gezielt aufzubauen (Masterclasses, Academy, Trendradar).

Für Österreich bedeutet das: Es gibt keinen Grund, KI-Experimente im stillen Kämmerlein zu starten und alles allein zu finanzieren. Vernetzte Ökosysteme – ob in Köln, Wien oder digital grenzüberschreitend – verkürzen die Zeit von der Idee bis zum produktiven Einsatz massiv.

„Most companies get this wrong: Sie suchen zuerst nach der perfekten KI-Technologie, statt nach dem besten Ökosystem.“

Wer heute in Österreich KI in der Versicherung etablieren will, kommt an Kooperationen mit InsurTechs und spezialisierten Hubs nicht vorbei.


2. Vier KI-Schlüsselbereiche, die 2024 im Fokus stehen

Der Jahresbericht selbst bleibt relativ kompakt, aber aus den Formaten und Projekten des InsurLab lassen sich klar vier Schwerpunkte für KI in der Versicherungswirtschaft ablesen, die 1:1 auf Österreich übertragbar sind.

2.1 Schadenbearbeitung: Vom „Papierakt“ zur Echtzeitentscheidung

Der größte Hebel für KI liegt nach wie vor in der Schadenorganisation. Deutsche InsurTechs zeigen, wie:

  • Dokumente automatisch ausgelesen werden (OCR + NLP),
  • Fotos von Schäden KI-basiert bewertet werden (Computer Vision),
  • Regel- und KI-Modelle entscheiden, ob ein Schaden straight-through bearbeitet wird,
  • und Sachbearbeiter nur noch die komplexen Fälle übernehmen.

Für österreichische Versicherungen bedeutet das konkret:

  • In Kfz, Haushalt und Kleinschäden lassen sich 40–70 % der Fälle teil- oder vollautomatisieren, wenn Prozesse sauber standardisiert sind.
  • Durchgängige digitale Schadenstrecken (inkl. Self-Service-Portale) sind die Voraussetzung: Erst digital, dann KI – nicht umgekehrt.

Praxis-Tipp:

  1. Wählen Sie einen klar umrissenen Produktbereich (z. B. Kfz-Glasschäden in Österreich).
  2. Messen Sie heute: Durchlaufzeit, Bearbeitungskosten pro Schaden, Kundenzufriedenheit.
  3. Starten Sie einen Pilot mit einem InsurTech oder Technologiepartner – nicht als IT-Großprojekt, sondern als 3–6-Monats-Initiative.
  4. Skalieren Sie erst, wenn Kennzahlen sichtbar besser werden.

2.2 Risikobewertung: Weg vom Gießkannenprinzip

Ein zweites Feld, das im InsurLab-Umfeld stark wächst, ist datengetriebene Risikobewertung. KI-gestützte Underwriting-Modelle berücksichtigen deutlich mehr Signale als klassische Tariftabellen.

Für Österreich besonders spannend:

  • Industrie- und Gewerbekunden: Kombination von Firmendaten, Zahlungs- und Schadenerfahrung, externen Datenquellen.
  • Wohngebäude: Nutzung von Geodaten, Klimarisiken, Bauweise, Energieeffizienz.

Der Vorteil: Tarife entsprechen besser dem tatsächlichen Risiko, und Portfolios werden stabiler. Wer heute noch mit sehr groben Risikoklassen arbeitet, lässt Geld liegen – oder übernimmt Risiken, die sich langfristig nicht rechnen.

Wichtige Grundsätze für KI im Underwriting:

  • Transparenz: Modelle müssen erklärbar sein, sonst scheitern sie intern an Fachbereichen und extern an Aufsicht.
  • Governance: KI-gestützte Tarifierung braucht klare Richtlinien, Dokumentation und Monitoring.
  • Ethik & Fairness: Gerade im österreichischen Markt mit starker Regulierung ist es riskant, Black-Box-Modelle ohne verständliche Logik einzusetzen.

2.3 Betrugserkennung: KI als stiller Mitleser

Im InsurLab-Netzwerk wird intensiv an Fraud Detection gearbeitet. Versicherer kombinieren klassische Regelwerke mit KI-Modellen, die Auffälligkeiten erkennen, die Menschen übersehen würden.

Typische Signale:

  • wiederkehrende Kombinationen aus Werkstätten, Gutachtern, Damage Pattern,
  • identische oder sehr ähnliche Formulierungen in Schadenmeldungen,
  • auffällige Verhaltensmuster im Online-Portal.

Für österreichische Versicherer ist das doppelt interessant:

  • Der Markt ist überschaubar, viele Akteure kennt man – aber organisierte Betrugsstrukturen werden professioneller.
  • Schon einige wenige Prozent weniger Betrug können den Gewinn eines Portfolios deutlich verbessern.

Ein erprobter Ansatz aus InsurTech-Projekten:

  • Regelbasierte Filter bleiben die erste Verteidigungslinie.
  • KI-Modelle liefern eine zusätzliche Risikobewertung pro Schadenfall (Score).
  • Sachbearbeiter sehen transparent, warum ein Score hoch ist (z. B. Textmuster, Häufungen, Netzanalyse) und entscheiden dann über vertiefte Prüfung.

2.4 Personalisierte Tarife und Kundenerlebnis

Viele der im Jahresbericht erwähnten Formate – von Topic Days bis Bootcamps – drehen sich um die Frage: Wie wird Versicherung für Kund:innen relevanter? Die Antwort führt fast immer zu datenbasierter Personalisierung.

Für Österreich bieten sich u. a. an:

  • Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung,
  • Nutzungsbasierte Produkte (Pay-per-Use) für bestimmte Zielgruppen,
  • Personalisierte Empfehlungen im Kundenportal oder über Makler.

Hier zeigt sich, warum Ökosysteme wie InsurLab wichtig sind: Kein Versicherer entwickelt all diese Bausteine allein. Start-ups bringen Bausteine für Datenanalyse, App-Erlebnisse, Loyalty-Modelle und Gamification mit.


3. Was der Jahresbericht über erfolgreiche Innovationsarbeit verrät

Der InsurLab Jahresbericht 2024 ist nicht nur eine Rückschau, sondern auch ein Lehrbuch dafür, wie man Innovation in einer traditionell geprägten Branche wirklich auf die Straße bringt. Drei Muster tauchen immer wieder auf.

3.1 Formate, die aus PowerPoint echte Projekte machen

Im Bericht werden verschiedene Formate vorgestellt – von Masterclasses über Topic Groups bis zu Projektinitiativen. Der Kern: Es geht nicht um „Events“, sondern um konkrete Ergebnisse.

Übertragen auf österreichische Versicherer heißt das:

  • Topic Groups → nutzen Sie fokussierte, interdisziplinäre Teams rund um Schwerpunktthemen wie „KI in der Schadenbearbeitung“ oder „Digitales Underwriting“.
  • Bootcamps → fokussierte Wochen oder Monate, in denen mit Start-ups an einem klaren Use Case gearbeitet und ein Prototyp gebaut wird.
  • Peer Meetups → fachlicher Austausch mit anderen Häusern in Österreich oder DACH, um Fehler nicht doppelt zu machen.

Wer nur Konferenzen besucht, aber keine strukturierten Umsetzungsformate etabliert, wird 2026 immer noch über „Potenziale der KI“ sprechen, während andere längst profitieren.

3.2 Netzwerk als Beschleuniger – nicht als Selbstzweck

Der Jahresbericht zeigt eindrücklich, wie stark das InsurLab-Netzwerk gewachsen ist: Corporates, Start-ups, Hochschulen, Investoren, Partnerhubs. Der Mehrwert entsteht aber nicht durch die Anzahl der Logos, sondern durch gezielte Zusammenarbeit.

Für Österreich kann das z. B. so aussehen:

  • Kooperation mit einem deutschen oder internationalen InsurTech für einen Piloten, während Regulierung und Produktdefinition lokal bleiben.
  • Gemeinsame Projektinitiativen mehrerer österreichischer Versicherer zu Themen, die keinen Wettbewerbsvorteil allein erzeugen (z. B. Betrugsdatenpools, Standards für Schadendokumente).
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen in Wien, Graz, Linz oder Innsbruck für Modellierung, Datenethik und Explainable AI.

3.3 Lernen als Dauerprozess – nicht als Einmalprojekt

Der Jahresbericht 2024 betont neue Formate, Learnings und kontinuierlichen Austausch. Die dahinterliegende Erkenntnis ist simpel: KI-Projekte sind nie „fertig“. Modelle müssen neu trainiert, Datenquellen angepasst, regulatorische Anforderungen überprüft werden.

Für österreichische Versicherer heißt das:

  • InsurTech- und KI-Kompetenz muss im Haus aufgebaut werden, nicht nur bei Dienstleistern liegen.
  • Fachbereiche brauchen verständliche Schulungsformate, keine reinen Data-Science-Vorträge.
  • Innovation sollte in der Jahresplanung (Budget, Ressourcen, OKRs) verankert sein – nicht als Side-Project.

4. Konkrete Schritte für österreichische Versicherer ab 2025

Die gute Nachricht: Man muss nicht das gesamte InsurLab-Programm kopieren, um voranzukommen. Aber die Muster lassen sich in wenigen klaren Schritten für Österreich nutzbar machen.

4.1 Fokus setzen: Ein Use Case, nicht zehn

Die meisten Häuser verzetteln sich, weil sie zu viele Ideen parallel verfolgen. Besser:

  1. Einen geschäftskritischen Use Case auswählen, der direkt Ergebniswirkung hat – z. B. KI-gestützte Schadenbearbeitung in einem klar umrissenen Segment.
  2. Einen Sponsor im Vorstand benennen, der das Thema sichtbar verantwortet.
  3. Ein kleines, interdisziplinäres Team (Fachbereich, IT, Data, Recht/Compliance) freistellen.

4.2 Partner bewusst auswählen

Österreichische Versicherer können sowohl auf lokale als auch auf internationale Partner setzen. Entscheidend ist:

  • Hat der Partner nachweisliche Erfahrung im Versicherungskontext?
  • Gibt es Referenzprojekte in ähnlicher Größenordnung?
  • Wie gut passt seine Lösung in Ihre bestehende Systemlandschaft?

Kooperationen mit Hubs wie InsurLab Germany können helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen, bevor man Zeit und Budget investiert.

4.3 Governance & Regulierung früh mitdenken

Gerade im Bereich KI für Risikobewertung und personalisierte Tarife wird die Aufsicht genau hinsehen – in Deutschland genauso wie in Österreich. Erfolgreiche Projekte aus dem InsurLab-Umfeld zeigen drei Erfolgsfaktoren:

  • Frühzeitige Einbindung von Compliance, Risikomanagement und Datenschutz.
  • Klare Dokumentation von Datenquellen, Modellen und Entscheidungspfaden.
  • Testphasen mit begrenztem Kundenkreis und laufender Evaluation.

4.4 Erfolge sichtbar machen

Der Jahresbericht 2024 funktioniert auch deshalb so gut als Kommunikationsinstrument, weil er Fortschritte, Formate und Learnings sichtbar macht. Für österreichische Versicherer ist das ein wichtiger Punkt:

  • Interne Kommunikation schafft Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Führungskräften.
  • Externe Kommunikation positioniert das Haus als innovationsfähigen Player im Markt.

Wer seine KI-Erfolge nicht erzählt, verliert im Kampf um Talente und Partner an Attraktivität.


5. Fazit: KI-Vorsprung entsteht im Netzwerk – nicht im Elfenbeinturm

Der InsurLab Germany Jahresbericht 2024 zeigt sehr deutlich, wie Versicherer in einem starken Ökosystem schneller zu greifbaren Ergebnissen kommen – von automatisierter Schadenbearbeitung über intelligente Risikobewertung bis zu Betrugserkennung und personalisierten Tarifen.

Für die Reihe „KI für österreichische Versicherungen: InsurTech“ heißt das: Der Weg ist vorgezeichnet. Österreichische Versicherer müssen ihn nicht neu erfinden, aber sie müssen ihn gehen – mit klaren Use Cases, den richtigen Partnern und einer Organisation, die Lernen zulässt.

Wer 2025/2026 jetzt gezielt ein bis zwei KI-Fokusprojekte startet, wird absehbar:

  • schnellere und günstigere Schadenprozesse haben,
  • stabilere und fairere Risikomodelle fahren,
  • und Kund:innen Angebote machen können, die tatsächlich relevant sind.

Die Frage ist also weniger ob KI in der österreichischen Versicherungsbranche ankommt, sondern wo Sie als Unternehmen in diesem Prozess stehen wollen.

🇩🇪 Was Versicherer aus dem InsurLab Jahresbericht lernen - Germany | 3L3C