Lexis Create+: Wie KI die Vertragsarbeit in Kanzleien verändert

KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech••By 3L3C

Lexis Create+ bringt KI direkt in die Vertragsarbeit österreichischer Kanzleien. Wie das Tool funktioniert, wo es Zeit spart und worauf Sie beim Einsatz achten sollten.

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Warum Lexis Create+ für österreichische Kanzleien jetzt spannend wird

Die meisten Kanzleien in Österreich kämpfen mit demselben Problem: Verträge, Schriftsätze und Gutachten werden unter enormem Zeitdruck erstellt – und trotzdem schleichen sich immer wieder Flüchtigkeitsfehler, alte Klauseln oder formale Unsauberkeiten ein. Gleichzeitig erwarten Mandant:innen immer schnellere Reaktionszeiten und transparente Honorare.

Genau hier setzt Lexis Create+ an, das neue Tool von LexisNexis Österreich, das auf der Technologie des belgischen LegalTech-Unternehmens Henchman basiert. Es verbindet firmeninterne Vertragsklauseln, Dokumentenmanagement und KI-Unterstützung direkt mit der täglichen Arbeit in Word & Co. Für jede Kanzlei, die sich mit KI für österreichische Rechtsanwälte beschäftigt, ist das ein sehr konkreter Anwendungsfall.

In diesem Beitrag zeige ich, was Lexis Create+ technisch kann, wie es in den Alltag einer österreichischen Kanzlei passt, welche Chancen und Risiken es gibt – und worauf Sie bei der Einführung achten sollten, wenn Sie LegalTech nicht nur „ausprobieren“, sondern wirklich produktiv nutzen wollen.


Was ist Lexis Create+ – und was macht es im Kanzleialltag konkret?

Lexis Create+ ist ein KI-gestĂĽtztes Dokumenten- und Klausel-Tool, das direkt bei der Erstellung juristischer Dokumente hilft. Es wird in die bestehende Office-Umgebung integriert und greift auf Ihr internes Dokumentenmanagementsystem zu.

Die Kernidee: Nicht bei Null beginnen, sondern strukturiert auf bestehende, bewährte Klauseln und Formulierungen zugreifen – ergänzt durch intelligente Vorschläge der KI.

Zentrale Funktionen von Lexis Create+

  • Zugriff auf firmeninterne Klauselbibliothek
    Das Tool durchsucht frühere Verträge und Schriftsätze Ihrer Kanzlei und macht passende Klauselvorschläge – ähnlich wie eine „interne Google-Suche“, aber speziell für juristische Texte.

  • KI-gestĂĽtzte Verbesserungsvorschläge
    Die integrierte AI-Funktion erkennt Inkonsistenzen, veraltete Formulierungen oder stilistische Brüche und schlägt Alternativen vor.

  • Automatisierte Workflows
    Wiederkehrende Standardtexte, Platzhalter, Mandantendaten und Formatvorgaben können automatisiert eingefügt werden.

  • Nahtlose Integration in bestehende Systeme
    Lexis Create+ wird nicht als isoliertes Portal genutzt, sondern dockt an das bestehende Dokumentenmanagement und die Kanzlei-IT an.

Damit verschiebt sich die Arbeit von „Suchen, Kopieren, Anpassen“ hin zu „Auswählen, Prüfen, Freigeben“. Gerade in größeren Einheiten mit vielen Vertragsmustern kann das Stunden pro Woche sparen.


Drei typische Use Cases für österreichische Rechtsanwälte

Die Stärke von LegalTech zeigt sich immer an konkreten Abläufen. Für Lexis Create+ sehe ich vor allem drei Szenarien, die in der Praxis sofort Wirkung entfalten.

1. M&A- und Gesellschaftsrecht – Klauseln konsistent halten

In einer Wiener Wirtschaftskanzlei begleitet ein Team regelmäßig Transaktionen. In jedem Projekt werden ähnliche Klauseltypen benötigt:

  • Gewährleistungs- und Haftungsklauseln
  • MAC-Klauseln (Material Adverse Change)
  • Wettbewerbsverbote
  • Closing-Bedingungen

Mit Lexis Create+ kann die verantwortliche Associate im Vertrag direkt nach bewährten Klauseln aus früheren Deals suchen:

„Zeig mir alle Haftungsklauseln aus Share Purchase Agreements der letzten zwei Jahre mit Haftungsobergrenze unter 50 % des Kaufpreises.“

Statt alte Verträge händisch durchzugehen, werden passende Textbausteine angeboten, inklusive Kontext. Die KI hilft, die Klausel sprachlich an das aktuelle Projekt anzupassen und Inkonsistenzen (z.B. Währungen, Parteienbezeichnungen, anwendbares Recht) zu erkennen.

2. Arbeitsrecht – rasche Dokumentenerstellung bei hohem Volumen

Arbeitsrechtliche Standarddokumente sind ein idealer Spielplatz fĂĽr KI in der Kanzlei:

  • Dienstverträge
  • Auflösungsvereinbarungen
  • Abmahnungen
  • Betriebsvereinbarungen

Mit automatisierten Workflows in Lexis Create+ können:

  • Mandantendaten aus dem Kanzleisystem ĂĽbernommen werden,
  • Standardklauseln je nach Vertragstyp vorgeschlagen werden,
  • Risikoformulierungen (z.B. ĂĽberraschende Klauseln) hervorgehoben werden.

Gerade jetzt, wo viele Unternehmen in Ă–sterreich Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Regelungen oder variable VergĂĽtungen neu ordnen, kann diese Beschleunigung einen echten Wettbewerbsvorteil fĂĽr arbeitsrechtlich beratende Kanzleien bieten.

3. IP/IT & Datenschutz – Versionen und Änderungen nachvollziehbar halten

Im IT- und Datenschutzrecht ändert sich nicht nur das Recht, sondern auch die Vertragslandschaft rasant. AV-Verträge, Lizenzbedingungen, AGB und Plattform-Policies werden ständig adaptiert.

Lexis Create+ hilft hier vor allem bei:

  • Versionierung von Standardklauseln (z.B. nach Ă„nderungen durch den AI Act, DSGVO-Judikatur oder neue Standardvertragsklauseln),
  • Vergleich von Klauselvarianten aus frĂĽheren Projekten,
  • Qualitätssicherung: Wo wurde welche Klauselvariante schon eingesetzt? Gibt es Feedback oder Streitfälle dazu?

So entsteht schrittweise ein lernendes Wissenssystem Ihrer Kanzlei, das weit ĂĽber eine simple Vorlagensammlung hinausgeht.


Wie KI-gestützte Dokumentenerstellung Ihre Kanzlei wirklich verändert

Der größte Hebel von KI-Tools wie Lexis Create+ liegt nicht in „spektakulärer“ KI, sondern in nüchterner Effizienz. Wer das unterschätzt, lässt sehr viel Potenzial liegen.

Produktivität: Mehr Output bei gleicher Teamgröße

Erfahrungswerte aus vergleichbaren LegalTech-Implementierungen zeigen:

  • 20–40 % Zeitersparnis bei der Erstellung von Standardverträgen
  • deutlich weniger RĂĽckfragen an Partner:innen wegen formaler Fehler
  • bessere Planbarkeit von Fixhonoraren und Pauschalen

Für eine mittelgroße Kanzlei mit 15–20 Anwält:innen kann das im Jahr schnell hundert oder mehr abrechenbare Stunden freischaufeln, die nicht mehr in Copy-Paste-Arbeit fließen, sondern in Beratung, Strategie und Mandantenkontakt.

Qualität: Weniger Fehler, mehr Konsistenz

KI ersetzt keine Berufsberechtigung – und das ist auch gut so. Aber sie ist gnadenlos, wenn es um:

  • widersprĂĽchliche Begriffsverwendungen,
  • vergessene Definitionen und Verweise,
  • Tippfehler in Parteienangaben,
  • Format- und Zitierfehler

geht. Genau dort, wo Menschen unter Zeitdruck gern patzen, wird die Maschine nicht mĂĽde.

Für Mandant:innen wirkt das nicht spektakulär – sie sehen nur: „Diese Kanzlei liefert sauber.“ Auf Dauer ist das ein starkes Qualitätsmerkmal.

Ausbildung: Junge Jurist:innen schneller produktiv machen

Statt Berufsanwärter:innen wochenlang mit Klausel-Suche und Formatierungen zu beschäftigen, können sie mit Unterstützung von Lexis Create+ früher:

  • Struktur und Risiken von Verträgen analysieren,
  • Varianten von Klauseln vergleichen und bewerten,
  • Argumentationslinien fĂĽr Verhandlungen vorbereiten.

Das macht die Ausbildung attraktiver und entlastet Senior-Anwält:innen, die weniger Mikro-Management bei Standardaufgaben betreiben müssen.


Rechtliche und organisatorische Fragen: Worauf Kanzleien achten mĂĽssen

Wer KI in der Kanzlei einsetzt, muss zwei Ebenen im Griff haben: Recht & Organisation. Sonst wird aus dem Effizienz-Tool schnell ein Compliance-Risiko.

1. Datenschutz, AI Act & Berufsrecht

Für österreichische Rechtsanwälte stellen sich bei KI-gestützter Dokumentenerstellung vor allem diese Fragen:

  • Welche Mandantendaten werden verarbeitet und wo?
    Ist klar geregelt, in welchen Systemen die Daten liegen (On-Premises, Cloud in der EU etc.)?

  • Wie wird Vertraulichkeit gesichert?
    Besonders brisant ist die Frage: Werden Daten fĂĽr das Training allgemeiner KI-Modelle verwendet oder bleiben sie strikt im Mandantenkreis der Kanzlei?

  • Wie fĂĽgt sich das in die Verschwiegenheitspflicht ein?
    Das Berufsrecht der Rechtsanwälte setzt hier enge Grenzen. Jede KI-Lösung muss dazu passen – technisch und vertraglich.

Seriöse Anbieter wie LexisNexis adressieren diese Punkte mit klaren Vertrags- und Sicherheitskonzepten. Trotzdem bleibt: Die Verantwortung liegt letztlich bei der Kanzlei. Ein sauber dokumentiertes KI- und Datenschutzkonzept ist Pflicht.

2. Wissensmanagement und Governance

Lexis Create+ ist nur so gut wie Ihre interne Klauselbibliothek. Ohne Struktur wird aus „Wissensschatz“ schnell „Datenmüll“.

Bewährt hat sich:

  • Klarer Verantwortlicher je Rechtsgebiet (Partner:in oder Senior Associate),
  • Freigabeprozesse fĂĽr neue Klauseln,
  • Kennzeichnung von „Standard“, „risikoreich“, „kundenspezifisch“,
  • Regelmäßige Reviews (z.B. 1–2 Mal jährlich je Bereich).

So stellen Sie sicher, dass die KI auf aktuelle und qualitätsgeprüfte Inhalte zugreift – und nicht auf zufällige Altverträge, deren Klauseln schon längst überholt sind.

3. Change Management: Wie Sie Ihr Team mitnehmen

Die ehrlichste HĂĽrde bei LegalTech ist selten die Technik, sondern die Kultur.

Typische Stolpersteine:

  • „Ich mach das seit 15 Jahren so, das dauert bei mir eh nicht lang.“
  • „KI in der Kanzlei? Das wirkt unseriös auf Mandant:innen.“
  • „Noch ein Tool mehr, das niemand wirklich nutzt.“

Was in der Praxis hilft:

  • Pilotprojekt mit einem motivierten Team (z.B. M&A oder Arbeitsrecht),
  • klare Messgrößen (Zeit pro Vertrag, Fehlerquote, Nachbearbeitung),
  • sichtbare Erfolge intern kommunizieren,
  • Schulungen, die nicht nur Technik erklären, sondern konkrete Workflows zeigen.

Wenn Partner:innen in Mandantengesprächen aktiv erwähnen, dass die Kanzlei KI-gestützte Dokumentenprüfung einsetzt, dreht sich das Narrativ: Aus „unerprobt“ wird „modern und qualitätsorientiert“.


Wie Lexis Create+ in Ihre KI-Strategie passt – und was der nächste Schritt ist

Im Rahmen unserer Serie „KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech“ sieht man bei Lexis Create+ sehr gut, wie fokussierte KI funktioniert: kein Spielzeug, kein Alleskönner, sondern ein Werkzeug, das einen klar umrissenen Bereich – Vertrags- und Dokumentenerstellung – massiv effizienter machen kann.

Wer ernsthaft eine KI-Strategie fĂĽr seine Kanzlei aufbauen will, sollte:

  1. Ein bis zwei Kernbereiche definieren, z.B. Vertragsrecht und arbeitsrechtliche Standarddokumente.
  2. Ein Tool wie Lexis Create+ testen, das sich in bestehende Systeme integrieren lässt.
  3. Messbare Ziele festlegen, etwa:
    • 30 % weniger Zeitaufwand fĂĽr Standardverträge,
    • einheitliche Klauselstandards pro Rechtsgebiet,
    • dokumentierte Qualitätsprozesse fĂĽr AI-Einsatz.
  4. Rechtliche Rahmenbedingungen klären (DSGVO, AI Act, Verschwiegenheit, IT-Sicherheit).
  5. Schrittweise auf andere Bereiche ausrollen, wenn der Pilot funktioniert.

Die Realität: Kanzleien, die 2025/2026 gezielt in KI-gestützte Dokumentenerstellung investieren, werden mittelfristig schnellere Durchlaufzeiten, stabilere Honorarmodelle und eine sichtbar höhere Dokumentenqualität haben als jene, die alles beim Alten lassen.

Wer jetzt beginnt, baut sich ein Wissens- und Klausel-Ökosystem auf, von dem das gesamte Team in den nächsten Jahren profitiert – unabhängig davon, wie sich KI-Tools im Detail weiterentwickeln.


Fazit: Lexis Create+ ist kein „nice to have“, sondern ein ziemlich konkreter Baustein für jede Kanzlei, die KI nicht nur diskutieren, sondern im Alltag nutzen will. Die Frage ist weniger, ob solche Tools kommen, sondern mit welchem Setup Ihre Kanzlei 2026 arbeiten möchte.