Warum sich der Besuch einer Legal Tech Konferenz für österreichische Kanzleien lohnt – mit Fokus auf KI für Vertragsanalyse, Rechtsrecherche und Kanzleimanagement.
Warum die Legal Tech Konferenz eine echte AbkĂĽrzung ist
Die meisten Kanzleien unterschätzen, wie viel Zeit sie jedes Jahr mit wiederholbaren Routinetätigkeiten verbrennen. Aktenanlage, Fristenkontrolle, Standardkorrespondenz, einfache Vertragsprüfungen – hier laufen hunderte Stunden durch die Finger. Genau an diesem Schmerzpunkt setzt Legal Tech mit KI an. Und genau dafür ist die Legal Tech Konferenz in Wien so wertvoll.
Im Gastbeitrag von Dilan Abut klingt das sehr persönlich: Neugier, Lust auf Veränderung, Begeisterung für Digitalisierung im Rechtsbereich. Wenn man das auf Kanzleien überträgt, steckt dahinter eine klare Botschaft: Wer heute als österreichische Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt KI versteht und gezielt einsetzt, holt einen massiven Vorsprung heraus.
In dieser Serie „KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech“ geht es darum, wie Kanzleien KI konkret nutzen können. Dieser Beitrag zeigt, warum eine Legal Tech Konferenz nicht „nice to have“, sondern ein strategisches Werkzeug ist – und wie Sie den Besuch so planen, dass danach nicht nur der Kopf voller Ideen, sondern auch Ihre Kanzlei spürbar effizienter ist.
1. Warum Legal Tech Konferenzen fĂĽr Kanzleien wichtig sind
Eine Legal Tech Konferenz ist für Kanzleien der schnellste Weg, den Markt für KI im Rechtsbereich zu verstehen. Statt sich mühsam durch Fachartikel und Produktwebsites zu kämpfen, sehen Sie an einem Tag:
- welche KI-Tools für Vertragsanalyse tatsächlich funktionieren,
- wie andere Kanzleien Rechtsrecherche mit KI organisieren,
- welche Anbieter im DACH-Raum relevant sind,
- und wohin sich der Markt in den nächsten 12–24 Monaten entwickelt.
Dilan bringt es im Originalbeitrag auf den Punkt:
„Es gilt aktiv mitzuwirken, nicht passiv zuzusehen.“
Genau das ist der Kern. Ă–sterreichische Kanzleien stehen aktuell vor einer Weggabelung:
- Passiv: abwarten, bis Mandanten KI-Lösungen selbst nutzen und nur noch die schwierigsten (und oft streitigen) Fälle zur Kanzlei kommen.
- Aktiv: KI verstehen, eigene Legal-Tech-Prozesse aufbauen und als moderner, effizienter Partner wahrgenommen werden.
Die Realität? Es ist einfacher, als viele glauben – wenn man sich einen Tag lang gezielt mit dem Thema beschäftigt, live Fragen stellt und Praxisbeispiele sieht.
2. Drei zentrale KI-Anwendungsfelder für österreichische Kanzleien
Wer zur Konferenz fährt, sollte klar wissen, wo KI in der eigenen Kanzlei den größten Hebel hat. Sonst wird der Tag zur Informationsflut ohne Wirkung.
2.1 Vertragsanalyse: vom „Durchlesen“ zum „Prüfen“
KI-gestĂĽtzte Vertragsanalyse ist aktuell eines der reifsten Einsatzfelder:
- Klauselerkennung (z.B. Haftung, Gerichtsstand, Wettbewerbsverbote)
- Risikobewertung anhand vordefinierter Kriterien
- Vergleich mit Standardklauseln der Kanzlei
- Erstellung erster Änderungsvorschläge
Statt 3 Stunden „lesen und markieren“ investiert die Anwältin am Ende vielleicht 45 Minuten in juristische Bewertung und Strategie. Die KI nimmt den strukturierten Teil ab, die Rechtsanwältin trifft die qualifizierte Entscheidung.
Konkreter Nutzen:
- schnellere Bearbeitung von Standardverträgen,
- attraktivere Pauschalhonorare,
- weniger Überstunden im Transaktions- oder Jahresendgeschäft.
2.2 Rechtsrecherche mit KI
Die klassische Recherche in Datenbanken ist mächtig, aber langsam. KI-gestützte Recherchetools können:
- Entscheidungen vorsortieren,
- relevante Normen identifizieren,
- erste Argumentationslinien vorschlagen,
- Inhalte in verständlicher Sprache zusammenfassen.
Wichtig ist: Die Verantwortung bleibt immer bei der Anwältin / dem Anwalt. KI ist ein Recherche-Assistent, kein Ersatz für die juristische Prüfung. Auf einer Legal Tech Konferenz sieht man sehr gut, welche Lösungen seriös arbeiten (z.B. mit Zitaten, Dokumentation, Quellenangaben) – und welche nur „schön aussehen“.
2.3 Kanzleimanagement & Produktivität
Viele unterschätzen, wie viel Potenzial im Backoffice steckt. KI kann heute u.a. helfen bei:
- automatisierter Aktenanlage (Daten aus E-Mails auslesen),
- smarter Fristen- und Aufgabenplanung,
- automatisierten, aber personalisierten Standardanschreiben,
- Auswertung von Kanzleikenndaten (z.B. Durchlaufzeiten, Rentabilität pro Mandat).
Wer sich wie Dilan offen auf Veränderung einlässt, stellt fest: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein sehr praktisches Mittel, um wieder mehr Zeit für das Wesentliche zu schaffen – Mandantengespräche, Strategie, Verhandlung.
3. Von Skepsis zu Neugier: Kulturwandel im Rechtsbereich
Der Rechtsbereich ist traditionell skeptisch, besonders in Österreich. Vollkommen nachvollziehbar – Mandatsgeheimnis, Haftungsrisiken, Datenschutz. Trotzdem zeigt die Erfahrung: Die größte Hürde ist meist nicht die Technik, sondern die Kultur.
Drei typische Haltungen, die ich immer wieder sehe:
-
„Das braucht unsere Kanzlei nicht.“
Meistens, bis der erste Großmandant nachfragt, ob man bei der Dokumentenprüfung „eh schon KI einsetzt“, weil das international Standard ist. -
„KI ist zu riskant.“
KI unterliegt – wie jedes Tool – rechtlichen Rahmenbedingungen. Wer sich informiert, wählt datenschutzkonforme Lösungen, trifft Auftragsverarbeiter-Vereinbarungen und definiert klare Einsatzgrenzen. -
„Dafür haben wir keine Zeit.“
Der eigentliche Punkt: Wer nie Zeit in Prozessverbesserung investiert, wird dauerhaft Zeit verlieren. Eine gute Konferenz komprimiert Monate an Recherche in einen Tag.
Auf einer Legal Tech Konferenz passiert häufig ein Perspektivwechsel:
- Man hört Praktikerinnen aus Kanzleien, nicht nur Anbieter.
- Man sieht Live-Demos statt Werbefolien.
- Man merkt: Andere kämpfen mit denselben Fragen – und haben bereits funktionierende Lösungen.
4. Wie Sie den Konferenztag maximal nutzen
Wer einfach „nur so“ zur Konferenz fährt, kommt oft begeistert zurück – aber der Kanzleialltag frisst die Energie. Deutlich wirkungsvoller ist ein konkreter Plan, idealerweise schon vor dem 12.11. oder dem jeweiligen Konferenzdatum.
4.1 Vor der Konferenz: Ziele festlegen
Beantworten Sie fĂĽr Ihre Kanzlei drei Fragen:
-
Welches Hauptproblem wollen wir in 2026 lösen?
Beispiel: „Bearbeitungszeit bei M&A-Due-Diligence reduzieren“, „mehr Pauschalmandate im Arbeitsrecht profitabel anbieten“, „Kosten im Backoffice senken“. -
Welcher Bereich hat Priorität?
- Vertragsanalyse
- Rechtsrecherche
- Kanzleimanagement / Workflow
- Mandantenkommunikation
-
Wer fährt mit?
Idealerweise nicht nur die Partnerin/der Partner, sondern auch jemand aus der operativen Ebene (Associate, Kanzleimanagerin). So wird aus der Idee später auch Umsetzung.
Mit klaren Zielen im Kopf filtern Sie Vorträge, Stände und Gespräche anders. Plötzlich ist nicht jeder Input spannend, sondern nur der, der zu Ihren Zielen passt.
4.2 Während der Konferenz: aktiv statt konsumierend
Ein Konferenztag vergeht schnell. Damit er fĂĽr Ihre Kanzlei einen echten ROI hat, helfen ein paar einfache Regeln:
- Fragen stellen: Wie viele Anwender nutzen das Tool? Wie lange dauert eine EinfĂĽhrung realistisch? Welche Schnittstellen gibt es zu typischen Kanzlei-Softwares?
- Use Cases notieren: Für jeden spannenden Vortrag: „Wie sähe das in unserer Kanzlei konkret aus?“
- Kontakte sammeln: Nicht nur von Tool-Anbietern, sondern auch von Kanzleien, die schon mit KI arbeiten – das ist oft die wertvollste Quelle.
Oder, um Dilan zu zitieren:
„Es gilt aktiv mitzuwirken, nicht passiv zuzusehen.“
4.3 Nach der Konferenz: 90-Tage-Plan statt lose Notizen
Der entscheidende Schritt passiert nach dem Tag. Sonst bleibt es bei einem Kopf „mit riesigem Schädel voller Information“, aber ohne Wirkung auf die Kanzlei.
Empfehlung fĂĽr die ersten 90 Tage:
-
Kurzes internes Debriefing (max. 60 Minuten)
- Was waren die drei wichtigsten Learnings?
- Welche zwei Tools oder Themen testen wir konkret?
-
Pilotprojekt definieren
Beispiel: „In den nächsten drei Monaten prüfen wir alle Standard-NDA mit einem KI-Tool und messen Zeitersparnis und Qualität.“ -
Klare Verantwortlichkeit
Eine Person ist „Product Owner“ für das Pilotprojekt, mit klarer Zeitfreigabe. -
Am Ende bewerten
- Zeitersparnis pro Vorgang
- Akzeptanz im Team
- Auswirkungen auf Honorarstruktur / Mandantenzufriedenheit
Aus einem Konferenztag wird so ein konkreter Digitalisierungsschritt – messbar und wiederholbar.
5. Warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich mit KI zu beschäftigen
Wir sind Ende 2025 an einem Punkt, an dem KI im Rechtsbereich kein Experiment mehr ist. Die ersten Hypes sind vorbei, viele Tools sind gereift, rechtliche Rahmenbedingungen (DSGVO, EU-AI-Act) zeichnen sich klarer ab. Wer jetzt einsteigt, profitiert doppelt:
- von den Erfahrungen der „Early Adopter“,
- und von einer Mandantschaft, die zunehmend digitale, effiziente Kanzleien bevorzugt.
Für österreichische Rechtsanwälte bedeutet das konkret:
- Wettbewerbsvorteil im DACH-Raum: Mandanten vergleichen nicht nur lokal, sondern international.
- Attraktivität als Arbeitgeber: Junge Juristinnen wie Dilan erwarten moderne Arbeitsweisen, nicht endlose Copy-Paste-Marathons.
- Bessere Planbarkeit: KI-unterstützte Standardarbeit schafft Raum für hochwertige Beratung – und damit für honorarstarke Mandate.
Die Legal Tech Konferenz ist dabei kein Event „für die Galerie“, sondern ein Werkzeug. Sie bündelt Inspiration, Wissen, Marktüberblick und Networking auf einen Tag. Wer – wie Dilan – mit echter Neugier hingeht und danach konsequent handelt, verändert die eigene Kanzlei dauerhaft.
Fazit: Vom Konferenztag zur KI-Strategie fĂĽr Ihre Kanzlei
Der rote Faden dieses Beitrags und der gesamten Serie „KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech“ ist klar: KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern ein Gestaltungsfeld für die nächsten 12–24 Monate.
Eine Legal Tech Konferenz bietet dafĂĽr eine einmalige Chance:
- Sie zeigt, wo KI fĂĽr Vertragsanalyse, Rechtsrecherche und Kanzleimanagement heute praktisch steht.
- Sie gibt Einblick, wie andere Kanzleien HĂĽrden ĂĽberwunden haben.
- Sie ermöglicht, in kurzer Zeit eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die eigene Digitalstrategie zu schaffen.
Der nächste logische Schritt? Definieren Sie jetzt, mit welchem konkreten Problem Ihre Kanzlei 2026 nicht mehr kämpfen soll – und nutzen Sie die nächste Legal Tech Konferenz gezielt, um genau dafür Lösungen zu finden. Die Frage ist weniger, ob KI Ihren Kanzleialltag verändern wird, sondern wie stark Sie diesen Wandel selbst steuern wollen.