KI macht Kanzleien effizienter – doch die Rechnungen bleiben hoch. Wie Rechtsabteilungen Legal Fees 2025 datenbasiert steuern und wertorientiert mit Kanzleien verhandeln.
Legal Fees im KI-Zeitalter: So steuern Sie Ihr Kanzlei-Pricing
2025 geben große Unternehmen in Europa im Schnitt 55–65 % ihres gesamten Legal-Budgets für externe Kanzleien aus – Tendenz stabil, nicht fallend. Gleichzeitig investieren Kanzleien massiv in Legal Tech und Künstliche Intelligenz. Viele österreichische Rechtsabteilungen fragen sich: Wenn Kanzleien durch KI effizienter werden, warum werden die Rechnungen nicht günstiger?
Hier liegt der Kern des Problems: Effizienzgewinne landen derzeit vor allem in den Kanzleien – nicht in den Budgets der Mandanten. Wer sein Pricing nicht aktiv steuert, zahlt 2025 oft noch wie 2015, nur mit schöneren Tools auf Kanzleiseite.
Dieser Beitrag aus der Reihe „KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech“ zeigt, wie Rechtsabteilungen und Kanzleien in Österreich Legal Fees im KI‑Zeitalter neu denken können: weg von der Stundensatz-Fixierung, hin zu datenbasierten, transparenten und wertorientierten Modellen.
1. Erwartung vs. Realität: Warum KI noch keine Honorare senkt
Die kurze Antwort: KI und Legal Tech erhöhen aktuell primär die Marge der Kanzlei, nicht automatisch den Wert für die Rechtsabteilung.
In Studien aus den USA und UK seit 2024 zeigt sich ein klares Bild:
- Stundensätze steigen weiter – vor allem im Premiumsegment.
- Die durchschnittliche Rechnung pro Mandat bleibt stabil oder steigt.
- Gleichzeitig investieren Kanzleien kräftig in Automatisierung, Standardisierung und KI-gestützte Tools.
Der Denkfehler vieler Rechtsabteilungen
Viele Inhouse-Jurist:innen gehen davon aus:
„Wenn die Arbeit schneller geht, muss sie doch billiger werden.“
So funktioniert der Markt aber derzeit nicht. Kanzleien rechnen weiter primär nach Zeit ab. Wenn ein KI-gestütztes Tool eine Due Diligence von 30 auf 10 Stunden reduziert, haben Kanzleien zwei Möglichkeiten:
- Möglichkeit A: Sie reduzieren das Honorar entsprechend.
- Möglichkeit B: Sie behalten den Preis stabil und steigern ihren Deckungsbeitrag.
Realistisch? In vielen Fällen passiert Möglichkeit B – solange die Mandantenseite nicht aktiv etwas anderes einfordert.
Gerade österreichische Rechtsabteilungen, die mit wenigen Kernkanzleien arbeiten, spüren das: mehr Effizienz, schönere Reports, aber keine echte Kostenentlastung. Das ist kein böser Wille, sondern schlicht Marktlogik.
2. Der stille Kulturwandel in Kanzleien: Vom Stundenhonorar zum Produkt
Trotzdem: auf Kanzleiseite bewegt sich etwas Fundamentales. KI zwingt Kanzleien dazu, ihre Leistungen anders zu strukturieren.
Von „Einzelfall“ zu „Produkt“
Immer mehr Kanzleien arbeiten an:
- standardisierten Mandatsprozessen (z.B. für Standardverträge, Arbeitsrecht, M&A-Teilebereiche),
- Paketangeboten mit Fixpreisen (z.B. „Datenschutz-Check für 5 Standorte“),
- modularen Services (z.B. eigene Module für Vertragserstellung, Review, Verhandlung, Schulung),
- KI-basierten Zusatzleistungen (z.B. Vertragsanalyse, Litigation Risk Scoring).
Für Kanzleien ist das ein tiefgreifender Kulturwandel:
- Weg von der reinen Einzelfallbearbeitung,
- hin zu klar definierten Leistungseinheiten.
Damit entsteht für Rechtsabteilungen ein neues Spielfeld: Sie verhandeln nicht mehr nur Preise, sondern Leistungsarchitekturen.
Wer KI in der Kanzlei ernsthaft nutzt, kann bestimmte Leistungen schneller und konsistenter erbringen. Der Hebel für die Rechtsabteilung ist dann nicht mehr: „Macht es billiger“, sondern: „Definiert klar, was genau wir zu welchem Preis bekommen – und wo KI eingesetzt wird.“
3. Was Rechtsabteilungen jetzt konkret aufbauen sollten
Rechtsabteilungen, die KI und Legal Tech strategisch nutzen wollen, brauchen vor allem eines: eigene Daten und klare Strukturen. Sonst bleibt jede Diskussion über Pricing reines Bauchgefühl.
3.1 Struktur & Daten: Weg vom Excel-Friedhof
Wer seine Legal Fees im Griff haben will, muss zuerst wissen, wofür er zahlt. In der Praxis fehlt genau das oft.
Zentrale Bausteine:
- systematische Erfassung aller externen Mandate:
- Mandatstyp (z.B. Arbeitsrecht, IP, Litigation, M&A),
- Umfang (Stunden, Volumen, Anzahl Dokumente),
- Ergebnis (z.B. gewonnen/verloren, Dealgröße, Risiko reduziert),
- Preis (Honorarstruktur, Rabatte, Success Fee etc.).
- Benchmarks für wiederkehrende Tätigkeiten:
- Was kostet ein typisches Standard-Gutachten?
- Wie teuer ist eine „normale“ Kündigungsbegleitung?
- Welche Preisspanne ist für eine KI-gestützte Vertragsanalyse marktüblich?
- zentrale, auswertbare Datenbasis:
- kein Flickenteppich aus E-Mails und Einzelrechnungen,
- sondern ein einfaches Legal Spend Dashboard (zur Not: ein sauber gepflegtes Tool statt zehn Excel-Sheets).
Nur wer diese Transparenz hat, kann in Ausschreibungen überhaupt sinnvoll vergleichen – und erkennt, ob KI-Leistungen wirklich einen Mehrwert bringen.
3.2 Prozesse & Governance: Legal Procurement als eigene Disziplin
Legal Procurement ist in vielen österreichischen Unternehmen noch ein „Nebenjob“ der Rechtsabteilung oder des Einkaufs. Das reicht in der KI-Ära nicht mehr.
Notwendig sind klare Spielregeln:
- Vergaberichtlinien: Ab welchen Beträgen braucht es Vergleichsangebote? Wann sind Rahmenverträge Pflicht? Wann ist ein Festpreis sinnvoller als ein Stundenhonorar?
- digitale Ausschreibungen: Standardisierte RfPs (Request for Proposal) mit klaren Leistungspaketen, in denen auch der Einsatz von KI-Leistungen abgefragt wird.
- klare Definition von Festpreisen:
- Welche Leistungen sind inkludiert (z.B. Anzahl Dokumente, Sprachvarianten, Entwürfe)?
- Was ist optional (z.B. Vor-Ort-Workshops, Verhandlungen)?
- Wie werden Change Requests abgerechnet (Fixbetrag, Tagessatz, Hybridmodell)?
Wer diese Punkte nicht vorab klärt, zahlt am Ende für „Nebenleistungen“, die nie bewusst beauftragt wurden – besonders häufig bei KI-gestützten Analysen, die als Zusatzservice „mitlaufen“.
3.3 Zusammenarbeit & Erwartungsmanagement intern
Je planbarer die Legal Fees werden, desto stärker wird das Thema intern politisch. CFO, Einkauf und Fachabteilungen erwarten oft: Planbarkeit = billiger.
Das ist ein Trugschluss.
Bessere Steuerung bedeutet zunächst einmal:
- weniger böse Überraschungen,
- mehr Transparenz,
- klarere Vergleichbarkeit der Kanzleien.
Damit das intern akzeptiert wird, braucht es:
- gemeinsame KPIs für
- Qualität (z.B. Fehlerquote, Eskalationsfälle),
- Geschwindigkeit (z.B. Durchlaufzeiten),
- Kosten (z.B. Kosten pro Mandatstyp, Kosten je Standort).
- regelmäßige Vendor Reviews:
- Wie performen unsere Kanzleien?
- Wo setzen sie KI sinnvoll ein?
- Wo zahlen wir faktisch für ineffiziente Altprozesse?
- objektive Vergleichskriterien statt „Bauchgefühl“:
- klare Scoringmodelle (z.B. 40 % Qualität, 30 % Preis, 20 % Effizienz/KI-Einsatz, 10 % Zusammenarbeit),
- dokumentierte Entscheidungen statt „Wir nehmen wieder die übliche Kanzlei“.
4. Die neue Rolle der Rechtsabteilung: Architekt:in von Legal Services
Rechtsabteilungen, die ihre Legal Fees datenbasiert steuern, werden zu Architekt:innen eines eigenen Legal Service Ökosystems – und sind nicht mehr reine „Besteller:innen“ von Stunden.
Von der Rechnung zur Leistungsarchitektur
Die zentrale Frage verschiebt sich von „Ist die Rechnung zu hoch?“ zu:
- Welche Leistungen brauchen wir wirklich individuell von der Top-Kanzlei?
- Welche Teile können standardisiert und KI-unterstützt erledigt werden?
- Welche Aufgaben gehören gar nicht zur Kanzlei, sondern in ein internes Legal Operations-Team oder zu einem alternativen Legal Service Provider?
Ein praktisches Beispiel aus einem österreichischen Unternehmen:
- Bisher: Jede Vertragsprüfung (auch Standard-NDA) ging an die Kanzlei, abgerechnet nach Stunden.
- Neu:
- KI-gestütztes Contract-Review-Tool in der Rechtsabteilung für Standardverträge,
- nur komplexe Klauseln oder strategisch wichtige Verträge gehen an die Kanzlei,
- Rahmenvertrag mit Festpreisen pro „komplexem Review“.
Ergebnis nach 12 Monaten:
- ca. 30–40 % weniger Volumen bei Standardreviews,
- bessere Durchlaufzeiten für Fachabteilungen,
- die externe Kanzlei konzentriert sich auf wirklich komplexe Themen – und kann dort ihr Fachwissen ausspielen.
KI als Teil der Legal Operations-Strategie
KI ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein Baustein einer integrierten Legal Operations-Strategie, die drei Dinge zusammenführt:
- Preis – Was zahlen wir wofür?
- Leistung – Welche Ergebnisse bekommen wir tatsächlich?
- Wert – Wie stark trägt das Ergebnis zum Unternehmensziel bei (Risikoreduktion, Dealgröße, Vermeidung von Streitigkeiten)?
KI eignet sich besonders für:
- Due-Diligence-Analysen (Dokumentenreview, Risiko-Clustering),
- Vertragsanalyse und ‑standardisierung,
- Litigation-Analytics (z.B. Erfolgswahrscheinlichkeiten, typische Verfahrensdauern),
- Wissensmanagement in der Kanzlei und in der Rechtsabteilung.
Wer diese Leistungen aktiv in seine Ausschreibungen und Rahmenverträge integriert, kann von Kanzleien nicht nur Stunden, sondern echte Effizienzpakete einkaufen.
5. Pricing im KI-Zeitalter: Kein Einkaufsthema, sondern Steuerungsaufgabe
Legal Fees sind 2025 kein reines Einkaufsthema mehr, sondern ein Instrument der Unternehmenssteuerung. Gerade in Österreich, wo viele Unternehmen stark auf langjährige Kanzleipartnerschaften setzen, ist das eine Chance.
Die zentrale Leitfrage lautet:
Wie viel ist uns Recht wert – und wie messen wir diesen Wert?
Wer sein Kanzleipricing im KI-Kontext neu aufstellt,
- verhandelt nicht mehr primär über Stundensätze,
- sondern über Ergebnisse, Effizienz und Wertbeiträge,
- nutzt KI und Legal Tech bewusst, statt sie nur auf der Kanzleiseite „mitlaufen“ zu lassen.
Für österreichische Rechtsabteilungen und Kanzleien bedeutet das im Alltag konkret:
- Kurzfristig (0–6 Monate):
- Legal Spend erfassen und kategorisieren,
- 3–5 wichtigste Mandatstypen identifizieren,
- erste Benchmarks aufbauen.
- Mittelfristig (6–18 Monate):
- Vergaberichtlinien und Legal Procurement-Strukturen definieren,
- erste Festpreis- und Paketmodelle mit ausgewählten Kanzleien testen,
- KI-gestützte Services explizit in Ausschreibungen anfragen.
- Langfristig (18+ Monate):
- integrierte Legal Operations-Strategie etablieren,
- Legal Fees konsequent mit KPIs steuern,
- Kanzleien nach Wertbeitrag und KI-Kompetenz auswählen.
Wer heute damit beginnt, hat 2026 ein starkes Argument im Budgetgespräch mit dem CFO: Wir steuern unser Legal Budget datenbasiert und holen aus jeder Euro-Entscheidung mehr Wert heraus.
Die KI-Ära im Recht ist längst da. Die Frage ist nicht mehr, ob Kanzleien KI nutzen – sondern ob Rechtsabteilungen bereit sind, ihr Pricing- und Steuerungsmodell darauf auszurichten.