Wie Legal Tech Kanzleien verändert: Ein Morgen mit Future-Law

KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech••By 3L3C

Ă–sterreichische Kanzleien stehen unter Druck. Dieser Beitrag zeigt konkret, wie KI und Legal Tech Vertragsarbeit, Recherche und Kanzleimanagement messbar verbessern.

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Warum Legal Tech jetzt Chefsache in Kanzleien ist

09:00 Uhr, Grand Salon der Future-Law Legal Tech Konferenz: Während Sophie Martinetz die Teilnehmer:innen begrüßt, ist eines sofort spürbar – hier geht es nicht mehr um „Ob“, sondern nur noch um „Wie“ Kanzleien KI und Legal Tech einsetzen.

Österreichische Rechtsanwälte stehen 2025 unter massivem Druck: Mandanten erwarten Geschwindigkeit, Transparenz und Planbarkeit. Gleichzeitig steigen Kosten und Haftungsrisiken. Wer weiter mit Word-Vorlagen von 2010 und händischer Recherche arbeitet, verspielt Margen – und irgendwann auch Mandate.

Dieser Beitrag knüpft an den Spirit der Future-Law Konferenz an und zeigt konkret, wie KI für österreichische Rechtsanwälte bereits heute funktioniert: von Vertragsanalyse über Rechtsrecherche bis zum Kanzleimanagement. Und vor allem: wie Sie den Einstieg so gestalten, dass er sich wirtschaftlich rechnet und organisatorisch beherrschbar bleibt.


Was Sophies BegrĂĽĂźung klar macht: Legal Tech ist kein IT-Projekt

Die Eröffnung durch Sophie Martinetz steht sinnbildlich für etwas, das viele Kanzleien unterschätzen: Legal Tech ist ein Business-Thema, kein Nerd-Hobby.

Die zentrale Botschaft dahinter lautet:

„Digitalisierung im Rechtsbereich entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit – nicht über Dekoration.“

Drei Missverständnisse, die man in der Praxis ständig sieht

  1. „Legal Tech ist nur etwas für Großkanzleien“
    Falsch. Gerade kleinere Kanzleien können mit KI-gestützten Tools ihre Produktivität um 20–40 % steigern, weil sie Routinearbeit reduzieren. Der Hebel pro Kopf ist dort sogar höher.

  2. „KI ersetzt Anwälte“
    Nein. KI übernimmt Mustererkennung, Vorarbeiten und Strukturierung. Die rechtliche Bewertung, Strategie und Mandantenführung bleiben klar beim Menschen. Wer das trennt, nutzt KI souverän statt ängstlich.

  3. „Wir warten, bis alles rechtlich klar geregelt ist“
    Während andere „warten“, bauen moderne Kanzleien längst saubere KI-Prozesse mit DSGVO-Konformität, Vertraulichkeitsregeln und Mandantenaufklärung auf – und sichern sich einen Vorsprung.

Die Realität: Kanzleien, die 2026 noch ohne KI arbeiten, geraten wirtschaftlich ins Hintertreffen.


Konkrete Einsatzfelder: Wo KI österreichischen Kanzleien sofort hilft

Der schnellste Weg zu Ergebnissen ist nicht der groĂźe Masterplan, sondern ein klar definierter Use Case, der in wenigen Wochen messbare Effekte bringt.

1. Vertragsanalyse: Von zwei Stunden auf zwanzig Minuten

KI-gestützte Vertragsanalyse-Tools können:

  • Klauseln erkennen, markieren und klassifizieren
  • Risiken (z.B. Haftungsverschärfungen, ungewöhnliche Laufzeiten, automatische Verlängerungen) hervorheben
  • fehlende Standardklauseln vorschlagen
  • Vergleich mit eigenen Standardvertragsmustern herstellen

Ein typisches Szenario in einer österreichischen Wirtschaftskanzlei:

  • Bisher: 2–3 Stunden manuelle PrĂĽfung eines umfangreichen Liefervertrags
  • Mit KI-Vorarbeit: 20–30 Minuten fĂĽr juristische Bewertung und Mandantenberatung

Die Qualität der Beratung steigt oft sogar, weil Anwälte mehr Zeit für Strategie und Verhandlungstaktik haben statt für reine Lese-Arbeit.

2. Rechtsrecherche: Von Zufallstreffern zu systematischer Analyse

KI-gestĂĽtzte Recherche kann aus heterogenen Quellen (Gesetze, Judikatur, Fachliteratur) in Sekunden:

  • relevante Normen und Leitentscheidungen finden
  • Argumentationslinien strukturieren
  • Pro-und-Contra-Ăśbersichten zu bestimmten Rechtsfragen skizzieren

Wichtig ist der richtige Umgang:

  • Nie blind vertrauen, immer Quellen prĂĽfen
  • KI als „Research Assistant“ verstehen, nicht als Ersatz fĂĽr eigene Subsumtion
  • wiederkehrende Rechtsfragen in einer Kanzleiwissen-Datenbank sammeln und mit KI kombinieren

3. Kanzleimanagement: Besser planen, statt nur reagieren

KI unterstĂĽtzt nicht nur im fachlichen Bereich, sondern auch organisatorisch:

  • Auswertung von Zeiterfassungsdaten: Welche Mandate sind profitabel, welche nicht?
  • Prognose von Auslastung: Wann drohen Engpässe, wann Leerlauf?
  • Automatisierte Fristen- und Aufgabenplanung anhand von Dokumenten

Eine kleine Wiener Kanzlei kann damit zum Beispiel erkennen:

  • 35 % der Arbeitszeit gehen fĂĽr schlecht bezahlte Pauschalmandate drauf
  • Gleichzeitig bleiben margenstarke Beratungsfelder liegen, weil Ressourcen falsch gebunden sind

Hier wird KI zum Steuerungsinstrument fĂĽr die Kanzleistrategie.


Praxisnah umsetzen: Fahrplan fĂĽr Kanzleien in Ă–sterreich

Theorie gibt es genug – entscheidend ist, wie Sie als Partner:in oder Kanzleimanager:in jetzt konkret starten.

Schritt 1: Einen klaren Business Case definieren

Starten Sie nicht mit „Wir brauchen KI“, sondern mit einer betriebswirtschaftlichen Frage:

  • Wo verlieren wir heute am meisten Zeit in Routinetätigkeiten?
  • Wo ist das Haftungsrisiko besonders sensibel (z.B. Fristen, komplexe Verträge)?
  • In welchem Bereich könnten wir mit schnelleren Durchlaufzeiten mehr Mandate annehmen?

Ein guter erster Use Case erfĂĽllt drei Kriterien:

  1. Wiederholbar (z.B. bestimmte Vertragsart, Standardverfahren)
  2. Messbar (Zeitersparnis, Fehlerreduktion, Marge)
  3. Mandantensichtbar (spĂĽrbarer Vorteil wie Schnelligkeit oder bessere Dokumentation)

Schritt 2: Tool-Auswahl mit juristischem Blick

Die Auswahl von Legal-Tech- und KI-Tools sollte immer drei Ebenen berĂĽcksichtigen:

  • Recht & Compliance: DSGVO, Datenstandort, Vertraulichkeit, Auftragsverarbeitung, Logging
  • Fachliche Eignung: UnterstĂĽtzt das Tool Ihr konkretes österreichisches Rechtsgebiet oder ist es zu generisch?
  • Usability: Nutzen Ihre Mitarbeiter:innen das Tool auch wirklich oder umgehen sie es in der Praxis?

Ich habe in Projekten immer wieder gesehen: Lieber ein Tool, das 80 % kann und täglich genutzt wird, als eine 120-%-Lösung, die im Regal verstaubt.

Schritt 3: Pilotphase mit klaren Kennzahlen

Führen Sie KI nie „auf einen Schlag“ in der gesamten Kanzlei ein. Besser:

  • 1–2 Pilotbereiche auswählen (z.B. Arbeitsrecht-Verträge, Mietrecht, KMU-Beratung)
  • 3–5 Personen in einem kleinen Kernteam verantwortlich machen
  • Zeitraum von 8–12 Wochen definieren

Messen Sie konkret:

  • durchschnittliche Bearbeitungszeit vor/nach KI-Einsatz
  • Zahl erkannter Risiken / Korrekturen
  • subjektive Zufriedenheit der Anwält:innen und Konzipient:innen

Nach der Pilotphase entscheiden Sie: skalieren, nachjustieren oder verwerfen.


Organisation & Kultur: Ohne Menschen funktioniert keine KI

Die vielleicht größte Hürde ist nicht Technik, sondern Kanzleikultur.

Typische Widerstände – und wie man sie löst

  1. „Ich vertraue der Maschine nicht.“
    Lösung: KI nie als „Black Box“ verkaufen. Transparenz schaffen, Schulungen anbieten, Beispiele zeigen, wo KI Fehler macht – und wie man sie erkennt.

  2. „Ich habe keine Zeit, mich damit zu beschäftigen.“
    Lösung: Den Einstieg auf echte Entlastung ausrichten. Wenn jemand nach 2 Wochen spürt, dass KI ihm 30 Minuten pro Tag spart, kippt die Stimmung.

  3. „Unsere Mandanten wollen das nicht.“
    Lösung: Viele Mandanten haben nichts gegen KI, solange Qualität, Sicherheit und Vertraulichkeit gewährleistet sind. Kommunizieren Sie offen, wie KI eingesetzt wird und welchen Mehrwert das bringt.

Rollen in der Kanzlei neu denken

Als roter Faden aus vielen Konferenzen, Panels und Praxisprojekten zeigt sich:

  • Partner:innen setzen die strategische Richtung („Wir wollen bis 2026 30 % der Standardarbeit KI-gestĂĽtzt machen“).
  • Konzipient:innen werden zu „Power-Usern“ von Legal-Tech-Tools und treiben Innovation im Alltag.
  • Assistenz & Backoffice nutzen Automatisierung (Workflows, Fristen, Vorlagen), um mehr koordinierende und weniger rein administrative Aufgaben zu ĂĽbernehmen.

Damit wird Legal Tech vom bloĂźen Tool-Einkauf zu einem echten Organisationsprojekt.


KI im österreichischen Rechtsmarkt: Womit Sie 2026 rechnen sollten

Wer heute – wie bei der Future-Law Legal Tech Konferenz – zuhört, merkt: Der österreichische Markt holt rasant auf.

Bis Ende 2026 ist in Ă–sterreich realistisch zu erwarten:

  • Standardisierte VertragsprĂĽfungen werden in vielen Kanzleien KI-gestĂĽtzt der Default sein, nicht mehr Ausnahme.
  • Mandanten – vor allem Unternehmen – fragen aktiv nach digital unterstĂĽtzten Services und transparenten Dashboards.
  • Kanzleien, die Legal Tech konsequent nutzen, werden deutlich präzisere Kennzahlen zu Rentabilität und Risiko haben.

Für Sie heißt das: Jetzt starten ist einfacher, als in zwei Jahren aufzuholen. Je früher Sie erste KI-Projekte umsetzen, desto entspannter verläuft die Lernkurve.


Nächste Schritte: Vom Konferenzimpuls zur Kanzleipraxis

Der Spirit von Sophie Martinetz’ Begrüßung ist klar: Österreich braucht keine theoretische KI-Debatte mehr, sondern handfeste Projekte in Kanzleien.

Wenn Sie den Gedanken ernst nehmen, dass KI für österreichische Rechtsanwälte kein Trend, sondern Infrastruktur wird, dann können Sie heute beginnen mit:

  1. Einem internen Workshop: „Wo frisst uns Routinearbeit auf?“
  2. Der Auswahl eines konkreten Use Cases für einen 3‑Monats-Piloten
  3. Der Entscheidung, wer in der Kanzlei Verantwortung fĂĽr Legal Tech ĂĽbernimmt

Wer diesen Weg geht, wird feststellen: KI nimmt Ihnen nicht den Beruf weg – sie gibt Ihnen den Raum zurück, den Sie für echten Anwaltsberuf brauchen: Strategie, Verhandlung, Vertrauen.

Die spannendste Frage für 2026 ist weniger, ob Sie KI nutzen, sondern wo Sie dann im Vergleich zum Markt stehen möchten.