Die Kooperation MANZ × JusHAK stärkt digitale Rechtskompetenz schon in der Schule. Warum das für LegalTech-Strategien und KI-Einsatz in österreichischen Kanzleien Gold wert ist.
Digitale Rechtskompetenz von Anfang an – ein Wettbewerbsvorteil für Kanzleien
Die meisten Kanzleien merken den Unterschied sofort: Wer schon in der Ausbildung mit professionellen Rechtsdatenbanken gearbeitet hat, steigt später deutlich schneller in die Mandatsarbeit ein. Genau hier setzt die Kooperation von MANZ mit der JusHAK an – und sie ist strategisch spannender, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Ab dem Sommersemester 2025 erhalten Schüler:innen der Vienna Business School Schönborngasse (JusHAK) kostenlosen Zugang zur RDB Rechtsdatenbank von MANZ. Strafrecht, Datenschutzrecht, Verbraucherrecht – alles wird nicht mehr nur aus dem Schulbuch gelernt, sondern direkt in einer der zentralen juristischen Informationsquellen Österreichs recherchiert.
Für österreichische Rechtsanwält:innen, die sich mit LegalTech und KI in der Kanzlei beschäftigen, ist das mehr als eine nette Branchenmeldung. Es ist ein Blick in den Talentpool von morgen – und ein Hinweis darauf, wie sich die Anforderungen an Berufseinsteiger:innen verändern werden.
Was steckt hinter der Kooperation MANZ Ă— JusHAK?
Die Kooperation ist klar umrissen: Die JusHAK an der VBS Schönborngasse testet im Sommersemester 2025 die kostenlose Nutzung der RDB Rechtsdatenbank. Danach wird evaluiert, ob alle Jahrgänge ab Herbst 2025 dauerhaft damit arbeiten.
Kernpunkte des Pilotprojekts:
- kostenloser Zugang zur RDB für alle JusHAK-Schüler:innen der VBS Schönborngasse
- Einsatz im Unterricht vor allem in Strafrecht, Datenschutzrecht und Verbraucherrecht
- Evaluation im Juni 2025 mit dem Ziel, die RDB ab Herbst in allen Jahrgängen zu verankern
Die Botschaft dahinter ist deutlich: Juristische Ausbildung wird digital, datenbankgestützt und praxisnäher. Dir. Mag. Eveline Grubner, MA, Dr. Peter Krauskopf und JusHAK-Koordinator Mag. Matthias Lenz betonen, dass digitale Tools wie die RDB ein zentraler Baustein für das Ausbildungskonzept werden.
Für die JusHAK bedeutet das: Wirtschaft, Recht, Allgemeinbildung und Praxis werden um eine weitere Dimension erweitert – digitale Rechtskompetenz.
Warum Kanzleien von besser ausgebildeten JusHAK-Absolvent:innen profitieren
FĂĽr viele Kanzleien ist JusHAK bisher vor allem mit wirtschaftlichem Know-how verbunden. Die neue RDB-Kooperation verschiebt den Fokus: Es kommen junge Leute nach, die juristische Recherche nicht erst im Praktikum kennenlernen, sondern schon jahrelang geĂĽbt haben.
Konkrete Vorteile fĂĽr Kanzleien
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Schnelleres Onboarding von Berufseinsteiger:innen
Wer bereits mit Zeitschriften, Kommentaren und Entscheidungssammlungen in einer Rechtsdatenbank gearbeitet hat, findet sich auch in beck-online, LexisNexis oder eben RDB in der Kanzlei wesentlich rascher zurecht. -
Besseres Verständnis für Quellenbewertung
Schüler:innen, die früh lernen, wie man zwischen Kommentar, Judikatur, Fachzeitschrift und Handbuch unterscheidet, sind bei der Mandatsbearbeitung weniger fehleranfällig. -
Höhere Affinität zu LegalTech-Tools
Wer digitale Recherche als selbstverständlich erlebt, hat meist auch weniger Berührungsängste mit KI-gestützter Vertragsanalyse, Dokumentenautomation oder KI-Rechtsrecherche. -
Realistischer Erwartungshorizont
JusHAK-Absolvent:innen wissen, dass gute juristische Arbeit Zeit braucht: Suchstrategie aufbauen, Quellen prüfen, Argumentation aufbauen. Das passt perfekt zu Kanzleien, die KI als Unterstützung nutzen, nicht als „Zauberknopf“.
Kurz gesagt: Diese Kooperation baut genau jene Brücke, die viele Kanzleien bisher schmerzlich vermissen – zwischen schulischer Theorie und digital geprägter Kanzleipraxis.
RDB heute – KI-gestützte Kanzlei morgen
Die RDB ist eine klassische Rechtsdatenbank – Fachzeitschriften, Kommentare, Judikatur, Handbücher. Für sich genommen ist das noch keine künstliche Intelligenz. Aber sie ist die Datenbasis, auf der moderne LegalTech- und KI-Lösungen aufbauen.
Warum eine gute Datenbank Grundlage fĂĽr KI im Kanzleialltag ist
Der Erfolg von KI für Rechtsanwält:innen in Österreich hängt an zwei Dingen:
- Qualität und Struktur der zugrunde liegenden Daten
- Fähigkeit der Menschen, mit diesen Daten sinnvoll zu arbeiten
Wenn JusHAK-SchĂĽler:innen lernen,
- Suchoperatoren sinnvoll einzusetzen,
- Trefferlisten zu filtern und zu vergleichen,
- Argumente aus Kommentaren und Urteilen sauber zu extrahieren,
…dann ist das im Grunde schon der erste Schritt hin zu einer KI-fähigen Arbeitsweise.
Denn moderne LegalTech-Tools – von KI-Rechercheassistenten bis zur automatisierten Urteilsanalyse – funktionieren nur dann gut, wenn
- die Nutzer:innen wissen, wonach sie suchen,
- Ergebnisse kritisch bewertet werden,
- Quellen sauber dokumentiert sind.
Die Kooperation MANZ × JusHAK sorgt also dafür, dass die nächste Generation von juristischen Fachkräften intuitiv mit solchen Systemen umgehen kann – und genau das brauchen Kanzleien, die heute damit beginnen, KI strukturiert einzuführen.
Was heiĂźt das konkret fĂĽr Ihre Kanzlei-Strategie?
Für Kanzleien, die sich mit LegalTech und KI-Einführung beschäftigen, ist diese Entwicklung ein klares Signal: Der Arbeitsmarkt dreht sich in Richtung digital und datengetrieben. Wer das ignoriert, wird mittelfristig Probleme haben, junge Talente zu gewinnen und zu halten.
1. Recruiting: JusHAK als Talentquelle ernst nehmen
Statt nur Jus-Studierende im Blick zu haben, lohnt es sich, JusHAK-Absolvent:innen aktiv anzusprechen:
- fĂĽr Praktika (z.B. in der Rechtsrecherche oder im Kanzleimanagement),
- als Berufseinsteiger:innen im Backoffice oder Legal Support,
- als Schnittstelle zwischen Kanzlei, Mandant:innen und LegalTech-Tools.
Diese Personen bringen ein Profil mit, das für moderne Kanzleien ideal ist: wirtschaftliches Verständnis, juristische Grundkompetenz und digitale Praxis.
2. Interne Weiterbildung: Digital- & KI-Kompetenz ausbauen
Wenn Berufseinsteiger:innen mit RDB-Erfahrung kommen, sollte die Kanzlei darauf aufbauen:
- interne Schulungen zu KI in der Rechtsrecherche,
- Guidelines, wie KI-Tools und Rechtsdatenbank kombiniert werden,
- klare Prozesse zu Datenschutz, Mandatsgeheimnis und Urheberrecht beim Einsatz von KI.
So entsteht eine Lernkultur, in der jĂĽngere Mitarbeitende ihr digitales Know-how einbringen und erfahrene Jurist:innen ihre juristische Tiefe beisteuern.
3. LegalTech-Strategie: Vom Tool-Wildwuchs zum System
Viele Kanzleien nutzen bereits einzelne Tools – Diktierlösungen, Zeiterfassung, Fristenverwaltung, vielleicht ein paar KI-Features im Dokumentenmanagement. Was oft fehlt, ist eine Gesamtstrategie:
- Welche Arbeitsschritte sollen mittelfristig durch KI unterstützt werden? (z.B. Standardvertragsprüfung, Erstscreening von Urteilen, Entwürfe für Schriftsätze)
- Welche Datenquellen (RDB, eigene Wissensdatenbank, Dokumentenarchiv) nutzt KI dabei?
- Wer übernimmt Verantwortung für Qualitätssicherung und Compliance?
Die Tatsache, dass schon Schüler:innen in der RDB „zu Hause“ sind, macht es für Kanzleien leichter, solche Prozesse zu etablieren – die Anschlussfähigkeit ist schlicht höher.
Praxisbeispiel: Wie RDB-Kenntnisse KI-Projekte beschleunigen
Stellen wir uns eine mittelgroĂźe Wiener Kanzlei vor, die 2026 ein KI-gestĂĽtztes Recherche- und Analyse-Tool einfĂĽhrt. Ziel: Standardfragen im Verbraucherrecht und Datenschutzrecht schneller beantworten.
Zwei Mitarbeitende starten parallel:
- Person A: klassische HAK, keine Erfahrung mit professionellen Rechtsdatenbanken
- Person B: JusHAK-Absolvent:in mit zwei Jahren RDB-Praxis
Nach wenigen Wochen zeigt sich:
- Person B formuliert deutlich präzisere Suchanfragen für das KI-Tool, weil Suchlogik und Filtermechanismen vertraut sind.
- Die Einschätzung der KI-Ergebnisse („Ist dieses Urteil wirklich passend?“, „Ist der Kommentar aktuell genug?“) ist merkbar sicherer.
- Person B baut schneller eigene Prompts auf, etwa: „Fasse die wichtigsten Argumente aus den letzten fünf OGH-Entscheidungen zu § X zusammen und nenne Gegenargumente aus der Literatur.“
Der Effekt: Das KI-Projekt liefert früher verwertbare Ergebnisse. Die Kanzlei spart Zeit – und Geld.
Genau das ist der Hebel, den Kooperationen wie MANZ Ă— JusHAK fĂĽr die Praxis bedeuten.
Ausblick: Von der RDB zur KI-Kanzlei – jetzt Weichen stellen
Die Kooperation zwischen MANZ und JusHAK ist ein Vorgeschmack auf den Rechtsmarkt der nächsten Jahre: Digitale Recherche, LegalTech und künstliche Intelligenz werden nicht mehr als „Zusatz“ gesehen, sondern als selbstverständlicher Teil juristischer Ausbildung.
Für österreichische Rechtsanwält:innen, die ihre Kanzlei zukunftsfähig machen wollen, ergeben sich daraus klare Aufgaben:
- JusHAK- und digitalaffine Absolvent:innen gezielt in den Blick nehmen
- eine strukturierte LegalTech- und KI-Strategie entwickeln
- interne Prozesse so gestalten, dass KI, Rechtsdatenbanken und menschliche Expertise sinnvoll ineinandergreifen
Die gute Nachricht: Die kommende Generation bringt vieles, was Kanzleien bisher mühsam nachschulen mussten, einfach mit. Wer diese Chance nutzt, kann KI nicht nur „irgendwie“ einsetzen, sondern so, dass sie wirtschaftlich und qualitativ wirklich etwas bringt.
Wer heute mit LegalTech beginnt, wird von genau jenen Fachkräften profitieren, die jetzt an der JusHAK mit der RDB arbeiten. Die Weichen werden gestellt – die Frage ist nur, ob Ihre Kanzlei im selben Zug sitzt.