Wie Kanzleien wirklich attraktiv werden – mit HR, KI & moderner Rechtsanwaltsassistenz

KI für österreichische Rechtsanwälte: LegalTech••By 3L3C

Österreichische Kanzleien kämpfen um Talente. Wie Arbeitsrecht, HR, KI und eine moderne Ausbildung der Rechtsanwaltsassistenz Kanzleien wirklich attraktiver machen.

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Warum viele Kanzleien 2025 im Recruiting scheitern

Die meisten Kanzleien in Österreich haben kein Mandantenproblem, sondern ein Personalproblem. Gute Konzipient:innen, Assistenzkräfte und Jurist:innen sind rar – und sie haben die Wahl. Wer heute noch mit starren Arbeitszeiten, Null-Feedback-Kultur und Word-Serienbriefen arbeitet, verliert.

Der aktuelle RechtEasy‑Podcast mit Carina Stiglbauer zeigt sehr deutlich, wo Kanzleien ansetzen müssen: an der Schnittstelle Arbeitsrecht – Human Resources – Führung. Ergänzt man das um LegalTech und Künstliche Intelligenz, entsteht genau das, was 2025 gefragt ist: eine Kanzlei, die fachlich stark ist, menschlich attraktiv wirkt und digital effizient arbeitet.

In diesem Beitrag ordne ich die wichtigsten Aussagen aus dem Podcast ein, verbinde sie mit KI‑Anwendungen für Kanzleien und zeige, wie Sie Ihre Kanzlei konkret weiterentwickeln können – fachlich, organisatorisch und technologisch.


1. Arbeitsrecht & HR als strategische Basis fĂĽr moderne Kanzleien

Der Kernpunkt aus Carina Stiglbauers Werdegang: Arbeitsrecht wird mächtiger, wenn es mit HR gedacht wird.

Warum diese Schnittstelle so wichtig ist

FĂĽr Kanzleien bedeutet das:

  • Arbeitsrecht ist nicht nur Beratung fĂĽr Mandanten, sondern auch eigene Arbeitgeberstrategie.
  • Wer das Arbeitsrecht versteht, kann flexible Arbeitsmodelle rechtssicher gestalten, statt reflexartig „Nein, geht nicht“ zu sagen.
  • HR‑Know‑how hilft, die Kanzlei als Organisation zu entwickeln – nicht nur als Ansammlung einzelner Anwält:innen.

Die Themen aus dem Podcast – Arbeitsbedingungen, Work‑Life‑Balance, Homeoffice, Karenz, Papamonat, Teilzeit – sind längst keine weichen Faktoren mehr. Sie entscheiden darüber,

  • ob Sie Bewerber:innen ĂĽberhaupt erreichen,
  • ob sie bleiben,
  • und ob die Generation unter 35 Ihre Kanzlei ĂĽberhaupt in Betracht zieht.

Wo KI hier ins Spiel kommt

KI‑Tools können diese HR‑Perspektive sehr gut unterstützen:

  • Auswertung von Arbeitszeiten & Workloads: KI‑gestĂĽtzte Kanzleisoftware zeigt, welche Teams dauerhaft ĂĽberlastet sind – Grundlage fĂĽr bessere Personalplanung.
  • Analyse von Mitarbeiterbefragungen: Freitexte (Feedback, Exit‑Interviews) können mit KI strukturiert ausgewertet werden – Muster in Fluktuation und Unzufriedenheit werden sichtbar.
  • Simulation von Arbeitszeitmodellen: KI kann Szenarien rechnen (z.B. vier Tage Woche, mehr Teilzeit), damit Sie sehen, was wirtschaftlich möglich ist.

Der Punkt ist: Arbeitsrecht + HR + KI ergibt FĂĽhrung auf Basis von Daten statt BauchgefĂĽhl.


2. FĂĽhrung in Kanzleien: Fachlich top, menschlich oft blind

Carina trifft einen Nerv, wenn sie sagt, dass Führungskompetenz in Kanzleien massiv unterschätzt wird. Partner:innen werden Partner, weil sie fachlich stark sind, nicht weil sie führen können.

Typische FĂĽhrungsfehler in der Praxis

Was ich in Kanzleien immer wieder sehe – exakt das spiegelt auch der Podcast:

  • Keine klaren Erwartungen: Konzipient:innen erfahren nie, ob sie „gut genug“ sind.
  • Toxische Kommunikation: Choleriker werden hingenommen, weil sie Umsatz bringen.
  • Fehlendes Feedback: Lob ist selten, Kritik kommt im Affekt.
  • Null Struktur: Onboarding, Zielgespräche, Weiterbildung – alles „nebenbei“.

Die Folge: Talente gehen – oft nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Führung.

Wie KI FĂĽhrung nicht ersetzt, sondern besser macht

KI wird keine Kanzlei‑Partnerin ersetzen. Aber KI kann Führung sichtbarer, fairer und planbarer machen:

  • Transparente Performance‑Daten: Wer arbeitet woran, wie lange, wie entwickeln sich Bearbeitungszeiten? KI‑basierte Auswertungen zeigen Fakten statt EindrĂĽcke.
  • Strukturierte Feedback‑Vorbereitung: KI kann aus Projektverläufen Stichpunkte fĂĽr Mitarbeitergespräche generieren (Erfolge, Bottlenecks, Verbesserungsvorschläge).
  • Coaching‑UnterstĂĽtzung: FĂĽhrungskräfte können KI nutzen, um schwierige Gespräche vorzubereiten (z.B. Formulierungen fĂĽr Kritik ohne DemĂĽtigung).

Führung wird dadurch nicht „weich“, sondern professionell. Und genau das fehlt vielen Kanzleien.


3. Rechtsanwaltsassistenz neu denken – Ausbildung + LegalTech + KI

Ein Highlight im Podcast ist Carina Stiglbauers neue Ausbildung zur Rechtsanwaltsassistenz an der ARS Akademie. Der Ansatz ist bemerkenswert klar: Keine reine Rechts‑Schulung, sondern ein Mix aus

  • rechtlichem Basiswissen,
  • Soft Skills & Kommunikation,
  • IT- und Softwarekompetenzen,
  • Englisch und
  • Verständnis fĂĽr die Zusammenarbeit mit Anwält:innen.

Genau hier liegt fĂĽr Kanzleien ein enormer Hebel.

Warum die Assistenzrolle 2025 viel mehr kann

Die klassische Vorstellung „die Assistenz tippt, die Anwältin denkt“ ist überholt. In modernen Kanzleien kann die Assistenz:

  • KI‑Tools bedienen (z.B. fĂĽr StandardvertragsentwĂĽrfe, Checklisten, Terminszusammenfassungen),
  • Fristen und Akten ĂĽber digitale Kanzleimanagement‑Systeme steuern,
  • im Hintergrund KI‑gestĂĽtzte Recherche vorbereiten,
  • Qualitätssicherung ĂĽbernehmen (z.B. Plausibilitätschecks, Format‑ und Zitationskontrolle mit KI).

Damit das funktioniert, braucht die Assistenz systematisches Training – genau das adressiert die neue Ausbildung.

Praxisbeispiele, wie KI die Assistenz stärkt

Konkret kann eine gut ausgebildete Rechtsanwaltsassistent:in heute:

  • Eingehende E‑Mails vorsortieren: KI analysiert Inhalte, ordnet Mandaten zu, zieht Dokumente in die Akte.
  • Erste SchriftsatzentwĂĽrfe via KI erstellen: auf Basis von Templates, Textbausteinen und Akteninhalten.
  • Protokolle aus Zoom‑Besprechungen mit KI transkribieren und strukturiert fĂĽr die Anwält:innen aufbereiten.
  • Standardantworten (z.B. zu Fristen, Eingangsbestätigungen, Statusupdates) vorbereiten – natĂĽrlich mit menschlicher Endkontrolle.

Das Ergebnis:

  • Anwält:innen arbeiten stärker am rechtlichen Kern,
  • Assistenz wird zur digitalen Drehscheibe,
  • die Kanzlei gewinnt Tempo und Qualität zugleich.

Wer solche Kompetenzen aufbaut, hebt sich im österreichischen Markt deutlich ab.


4. Recruiting, Bewerbungsprozesse & KI: Wo Kanzleien heute Punkte verspielen

Carina spricht im Podcast offen darüber, wie Bewerbungsprozesse in Kanzleien ablaufen – und wo sie scheitern.

Die größten Fehler aus Kanzleisicht

Typische Probleme:

  • Langsame Reaktion auf Bewerbungen – manchmal wochenlang keine RĂĽckmeldung.
  • Unklare Kommunikation zu Gehalt, Arbeitszeiten, Entwicklungsperspektiven.
  • Zu komplexe Bewerbung: zig Dokumente, ellenlange Formulare, mehrere Gesprächsrunden – ohne echten Mehrwert.
  • Fehlende Wertschätzung im Gespräch: Telefonate dazwischendurch, keine Vorbereitung, Standardfragen.

Wer so agiert, signalisiert: „Du bist austauschbar.“ Die Generation, die Carina treffend als „Generation Freizeit statt Karriere“ beschreibt, geht dann einfach weiter.

Wie KI Recruiting effizient UND menschlich machen kann

KI kann den Bewerbungsprozess spĂĽrbar verbessern, wenn sie klug eingesetzt wird:

  • Vorsortierung von Bewerbungen: KI erkennt passende Profile anhand von Kriterien (Rechtsgebiete, Berufsjahre, Sprachkenntnisse), ohne sich von Namen oder Foto leiten zu lassen – gut gegen Bias.
  • Strukturierte Interviewleitfäden: Auf Basis der Stellenbeschreibung generiert KI passende Fragen zu Fachlichkeit und Soft Skills – so laufen Gespräche professioneller ab.
  • Schnelle, saubere Kommunikation: KI‑gestĂĽtzte Vorlagen fĂĽr Zu‑ und Absagen, Zwischenbescheide und Einladungen reduzieren Wartezeiten und Fehler.
  • Analyse von Recruiting‑Daten: Wo brechen Kandidat:innen ab? Welche Kanäle bringen gute Bewerbungen? KI erkennt Muster, die man im Alltag ĂĽbersieht.

Wichtig dabei:

KI darf im Recruiting Entscheidungen vorbereiten, aber nicht allein treffen.

Die letzte Entscheidung gehört immer Menschen, die nicht nur CVs, sondern auch Persönlichkeit, Werte und Teamfit sehen.


5. Arbeitskultur, Generationen & Flexibilität – rechtssicher gestaltet

Ein roter Faden im Gespräch mit Carina ist die Frage: Wie arbeiten wir eigentlich zusammen? Präsenzpflicht vs. Homeoffice, Vollzeit vs. Teilzeit, Karriere vs. Familie.

Was junge Jurist:innen wirklich wollen

Die Erzählung aus vielen Kanzleien lautet: „Der Nachwuchs will nicht mehr arbeiten.“ Die Realität ist differenzierter:

  • Viele wĂĽnschen sich Planbarkeit statt Dauer‑VerfĂĽgbarkeit.
  • Freizeit, Gesundheit und Familie sind echte Prioritäten.
  • Eigentum steht nicht immer im Vordergrund – Reisen oder Zeit sind manchen wichtiger.

Wer darauf nur mit „Früher ging das auch“ reagiert, verliert. Kanzleien, die strukturierte Modelle anbieten, gewinnen.

Arbeitsrecht + KI = flexible Modelle mit System

Mit gutem Arbeitsrechts‑Know‑how (wie Carina es hat) und KI‑gestützter Planung lassen sich solche Modelle sauber umsetzen:

  • Homeoffice‑Regelungen: KI‑gestĂĽtzte Tools dokumentieren Anwesenheiten, Projekte und Mandate – das erleichtert Nachvollziehbarkeit und FĂĽhrung auf Distanz.
  • Kapazitätsplanung fĂĽr Teilzeit‑Teams: KI prognostiziert Auslastung aus der Vergangenheit und unterstĂĽtzt Schicht‑ und Urlaubsplanung.
  • Transparente VergĂĽtungssysteme: KI kann verschiedene Bonus‑ und Gehaltsmodelle simulieren – auch im Hinblick auf Gender Pay Gap.

Weil all das auf Daten basiert, können Sie Entscheidungen gegenüber Team, Partner:innen und Mandanten gut begründen – und bleiben trotzdem flexibel.


6. Selbstständigkeit, Offboarding & die Rolle der Kanzlei als Marke

Spannend ist auch Carinas Blick auf Selbstständigkeit und Offboarding.

Sie beschreibt, wie gutes Offboarding Vertrauen schafft – selbst wenn jemand geht. Das ist in der Anwaltsbranche noch keine Selbstverständlichkeit, aber enorm wertvoll:

  • Ehemalige Mitarbeiter:innen werden zu Multiplikatoren Ihrer Marke.
  • Sie empfehlen die Kanzlei weiter – als Arbeitgeber oder als Mandatsadresse.
  • Sie kommen eventuell als Kooperationspartner:innen zurĂĽck.

Auch hier kann KI unterstĂĽtzen:

  • Standardisierte Offboarding‑Prozesse (Checklisten, Wissenstransfer, Exit‑Interviews) lassen sich digital abbilden.
  • KI kann Feedback aus Exit‑Gesprächen auswerten und Trends erkennen.

Parallel zeigt Carinas eigener Weg in die Selbstständigkeit, wie wichtig Vielfalt an Rollen ist: Beratung, Seminare, Interimsmanagement, Karrieregespräche. Für Kanzleien heißt das: Nicht jede Karriere muss Partner:in sein – Fachlaufbahnen, Projektrollen und Teilzeit‑Führungsmodelle sind möglich.


Fazit: Kanzleien brauchen mehr als KI – aber ohne KI wird’s eng

Die Podcast‑Folge mit Carina Stiglbauer macht sehr deutlich:

  • Arbeitsrecht + HR sind die Basis fĂĽr eine gesunde Kanzlei.
  • FĂĽhrung & Employer Branding entscheiden, ob Talente bleiben.
  • Rechtsanwaltsassistenz ist kein Anhängsel, sondern ein SchlĂĽssel fĂĽr Effizienz.

Die Verbindung zu LegalTech und KI für österreichische Rechtsanwälte ist dabei fast zwingend:

  • KI nimmt Routinen ab (Recherche, Standardtexte, Auswertungen),
  • schafft Transparenz (Workload, Recruiting, Feedback),
  • und gibt Kanzleien die Daten, um bessere arbeitsrechtliche und organisatorische Entscheidungen zu treffen.

Wer 2026 noch attraktiv sein will, sollte jetzt drei Fragen beantworten:

  1. Wie sieht unser Wunsch‑Arbeitgeberbild aus – für Konzipient:innen, Assistenzen, Jurist:innen?
  2. Welche HR‑ und Führungsprozesse brauchen wir, um das real zu machen?
  3. Welche KI‑ und LegalTech‑Lösungen unterstützen uns konkret dabei – im Recruiting, im Kanzleimanagement, in der Ausbildung unserer Leute?

Wenn Sie diese Fragen ehrlich angehen, gehören Sie zu den Kanzleien, über die in ein paar Jahren gesprochen wird – nicht, weil sie „KI einsetzen“, sondern weil sie Arbeitsrecht, HR, Führung und Technologie konsequent zusammendenken.