Shopper Guide 2025: Was KI mit dem Wocheneinkauf macht

KI für Schweizer Einzelhandel: Retail Innovation••By 3L3C

Digitale Einkaufsplanung, Angebotsfokus und gesünderer Konsum verändern den Schweizer Detailhandel. So nutzen Händler KI, um näher an den realen Warenkorb zu rücken.

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Shopper Guide 2025: Was KI mit dem Wocheneinkauf macht

51 % der Schweizer Haushalte planen ihren Wocheneinkauf am Samstagvormittag – und sie tun das zunehmend digital. Einkaufszettel, Prospekte, Rezepte: alles auf dem Smartphone, immer öfter unterstützt durch KI.

Für den Schweizer Detailhandel ist das keine Randnotiz, sondern ein massiver Shift im Moment der Kaufentscheidung. Wer Kund:innen erreichen will, muss heute dort präsent sein, wo Einkaufslisten entstehen – nicht erst vor dem Regal. Genau hier treffen sich die Erkenntnisse des Bring! Shopper Guide 2025 und die Frage, wie KI im Schweizer Einzelhandel sinnvoll eingesetzt werden kann.

In diesem Beitrag ordne ich die wichtigsten Ergebnisse des Reports ein und zeige, wie Händler in der Schweiz mit KI und Daten aus digitalen Einkaufslisten Preisstrategie, Sortimentsplanung und Omnichannel-Marketing konkret verbessern können.


1. Digitale Einkaufsplanung ist Standard – KI macht sie intelligent

Der Kerntrend ist klar: Planung statt Spontankauf. Der Wocheneinkauf wird strukturiert vorbereitet, Spontaneinkäufe sind die Ausnahme.

Laut Shopper Guide 2025:

  • 51 % planen ihren Einkauf am Samstag zwischen 09:00 und 12:00 Uhr
  • 79 % nutzen Prospekte, um Aktionen zu prĂĽfen
  • 45 % dieser Personen bevorzugen digitale Prospekte
  • Rezepte dienen 57 % als Inspirationsquelle fĂĽr den Einkauf

Was das für Händler bedeutet

Wer Einkaufsplanung sagt, sagt heute App, digitale Liste und Personalisierung. Genau hier kommt KI ins Spiel:

  • Personalisierte Einkaufslisten: KI kann aus vergangenen Käufen, Jahreszeit und Haushaltsgrösse automatisch Artikel vorschlagen („Standard-Wocheneinkauf“).
  • Rezeptbasierte Planung: Wenn 57 % Rezepte nutzen, sind KI-basierte Empfehlungssysteme („Wenn du dieses Rezept auswählst, brauchst du zusätzlich…“) Gold wert.
  • Dynamische Angebotsintegration: Aktionen werden nicht mehr pauschal ausgespielt, sondern kontextbezogen zur Liste angezeigt – genau dann, wenn jemand an seiner Planung sitzt.

Die Realität: Viele Schweizer Händler haben zwar Apps und Newsletter, nutzen aber das volle Potenzial von KI-gestützter Einkaufsplanung noch nicht. Die Chance liegt darin, aus „Werbung“ eine echte Entscheidungshilfe zu machen.

Wer im Moment der Listen-Erstellung präsent ist, beeinflusst den Warenkorb stärker als jede POS-Zweitplatzierung.


2. Angebotsfokus: Preisbewusstsein bleibt – aber Komfort gewinnt

Der Shopper Guide 2025 zeigt: Das Preisbewusstsein ist immer noch hoch, aber leicht rückläufig.

  • 46 % der Schweizer Konsument:innen richten ihre Kaufentscheidungen gezielt nach Angeboten aus (2024: 51 %)
  • Frauen reagieren mit 52 % stärker auf Angebote als Männer (48 %)
  • Die Bereitschaft, fĂĽr Aktionen mehrere Geschäfte zu besuchen, nimmt ab

Was steckt dahinter?

Die Kund:innen sind preissensibel, aber Zeit und Komfort sind ihnen genauso wichtig. Heisst konkret:

  • Aktionen werden weiterhin geprĂĽft
  • Aber: Man fährt nicht mehr fĂĽr jedes Schnäppchen quer durch die Stadt
  • Man erwartet, dass relevante Angebote dorthin kommen, wo man bereits ist – digital und vor Ort

Wie KI hier konkret hilft

  1. Preis- und Promotionsoptimierung
    KI-Modelle können Prognosen treffen:

    • Welche Artikel sind fĂĽr welche Kundensegmente besonders preissensibel?
    • Welche Rabatthöhe bringt wirklich Mehrumsatz – und ab wann wird Marge verbrannt?
    • Welche Aktionen ziehen als Traffic-Treiber, welche funktionieren besser digital als im Laden?
  2. Personalisierte Angebotskommunikation
    Statt Massenaktionen fĂĽr alle:

    • Individuelle AngebotsbĂĽndel nach Warenkorb-Historie
    • Zeitliche Steuerung: Push-Nachrichten kurz vor dem typischen Planungszeitfenster (z. B. Samstagvormittag)
    • Haushalts- und Lebensphasen-Logik (Familien vs. Single-Haushalte, Bio-Fokus vs. Preisfokus)
  3. Omnichannel-Strategien sinnvoll verzahnen
    Wer KI für Angebotssteuerung nutzt, kann online und stationär intelligenter verknüpfen:

    • Digitales Prospekt + App-Coupon + POS-Umsetzung
    • Geotargeting: „Heute in deiner Filiale in Oerlikon: …“
    • Reportings, die zeigen, welche digitalen Impulse wirklich im physischen Warenkorb landen

Händler, die das sauber aufsetzen, reduzieren Streuverluste massiv – und genau das spürt man direkt in der Marge.


3. Gesundheits- und Nachhaltigkeitstrends: KI als Sortimentsradar

Der Shopper Guide 2025 macht deutlich, wie stark sich Ernährungs- und Konsumtrends in Einkaufslisten widerspiegeln:

  • Alkoholfreier Sekt: +91 % zum Vorjahr
  • Alkoholfreies Bier: +212 %
  • Fleischersatzprodukte in der Schweiz: +59 %
  • Tofu: +30 %
  • Zuckeralternativen (z. B. Agavendicksaft): +35 %

Das ist kein Hype mehr, sondern eine strukturelle Verschiebung. Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein sind im Alltag angekommen.

Wo KI hier den Unterschied macht

1. Sortimentsoptimierung auf Basis realer Nachfrage
Wer die Daten aus digitalen Einkaufslisten mit Abverkaufsdaten kombiniert, kann sehr präzise:

  • Sortimente nach Region und Filialtyp anpassen (Stadt vs. Land, Pendlerstandorte, Tourismusregionen)
  • Nischen frĂĽh erkennen (z. B. Trend zu bestimmten pflanzlichen Proteinen)
  • Platzierungsentscheidungen datenbasiert treffen (Regalhöhe, Flächenanteil, Zweitplatzierungen)

2. Prognosen fĂĽr Trendprodukte
KI-Modelle erkennen Muster schneller als klassische BI-Reports:

  • Saisonalität (z. B. alkoholfreier Sekt zu Weihnachten und Silvester)
  • Trendgeschwindigkeiten (wann wird ein Trend massentauglich?)
  • Kannibalisierung (welche Kategorien verlieren, wenn pflanzliche Alternativen wachsen?)

3. Storytelling und Transparenz fĂĽr bewusste Kund:innen
Wenn Nachhaltigkeit ein Kaufmotiv ist, reicht ein „Bio“-Label alleine nicht mehr. KI kann helfen,

  • Inhalte dynamisch auszuspielen (Herkunft, COâ‚‚-Fussabdruck, Tierwohl-Informationen)
  • passende Produktalternativen vorzuschlagen („Wenn du weniger Zucker willst, probier…“)
  • Loyalitätsprogramme auf nachhaltiges Verhalten auszurichten (Bonus fĂĽr Mehrweg, pflanzliche Optionen etc.)

Für Händler im Schweizer Markt ist das eine Chance, sich klar zu positionieren – gerade in einem Umfeld, in dem Preiswettbewerb alleine kaum Differenzierung schafft.


4. Contextual Advertising: KI trifft den Moment der Entscheidung

Juan-Pablo Schmid von Bring! Labs formuliert es treffend: Konsument:innen wollen Werbung, die unterstützt, nicht unterbricht. Genau darum geht es beim Contextual Advertising – und KI ist hier der Enabler.

Was ist der konkrete Vorteil?

Contextual Advertising im Retail bedeutet:

  • Werbung orientiert sich nicht an Cookie-Profilen von vor drei Monaten
  • sondern am aktuellen Kontext: Einkaufszettel, Rezept, Tageszeit, Standort

Beispiele:

  • Jemand fĂĽgt „Pasta, Tomaten, Parmesan“ zur Liste hinzu → die App zeigt eine passende Tomatensauce-Aktion an
  • Eine Nutzerin plant vegetarische Woche → KI schlägt pflanzliche Proteinquellen mit Angeboten vor
  • Samstag, 10:30 Uhr, Wocheneinkaufplanung → gezielte Push-Mitteilung mit Wochenendaktionen des nächstgelegenen Marktes

Wie Händler KI dafür praktisch nutzen können

  1. Kontextdaten sauber anbinden

    • Daten aus Einkaufslisten-Apps, Webshop, Kundenkarten und Filialbesuchen verbinden
    • Relevante Signale definieren (z. B. Kategorie, Warenkorbwert, Zeitpunkt)
  2. KI-Modelle fĂĽr Relevanzscore

    • Jedes Angebot erhält einen Relevanzscore pro Nutzer:in (Kaufhistorie, Präferenzen, Kontext)
    • Nur die Top-Treffer werden ausgespielt – Less is more
  3. A/B-Tests und kontinuierliches Lernen

    • Welche Kombination aus Botschaft, Produkt und Incentive funktioniert in welchem Kontext am besten?
    • Modelle laufend nachtrainieren, statt starre Kampagnen zu planen

Das Ergebnis: weniger „Werbe-Rauschen“, mehr gefühlte Beratung. Genau das stärkt Loyalität – und ist ein klarer Vorteil gegenüber internationalen Plattformen, die den Schweizer Kontext oft weniger gut abbilden.


5. Was Schweizer Händler jetzt konkret angehen sollten

Viele Retailer stehen genau an diesem Punkt: Man weiss, dass KI wichtig ist, hat erste Projekte gestartet – aber der rote Faden fehlt. Der Shopper Guide 2025 liefert einen guten Kompass. Aus meiner Sicht sind das die fünf pragmatischsten nächsten Schritte:

  1. Einkaufsplanungs-Daten ernst nehmen

    • Analyse: Wann planen meine Kund:innen? Ăśber welche Kanäle? Welche wiederkehrenden Muster gibt es?
    • Ziel: Planung als eigenen „Mikro-Moment“ in der Customer Journey definieren und bespielen.
  2. Personalisierte Angebotslogik aufbauen

    • Loyalty-Daten, E-Commerce, App-Daten und digitale Prospekte verknĂĽpfen
    • Ein erstes KI-Modell fĂĽr Angebotspriorisierung einfĂĽhren (z. B. nur 5 hoch relevante Angebote je Person und Woche)
  3. Sortimentsentscheidungen datenbasiert treffen

    • Besonders bei wachstumsstarken Kategorien (alkoholfrei, pflanzlich, Zuckerreduzierung)
    • Filialcluster bilden und je Cluster eigene Sortimentsregeln testen
  4. Contextual Advertising testen – klein, aber konkret

    • Pilot mit einem Kampagnenpartner in einer Einkaufslisten-App
    • Erfolgsmessung: tatsächliche Warenkörbe, nicht nur Klicks
  5. KI-Kompetenz im Team aufbauen

    • Key-People aus Einkauf, Marketing, E-Commerce zusammenbringen
    • Schulungen zu KI im Retail (Use Cases, Datenanforderungen, Datenschutz in der Schweiz)

Die gute Nachricht: Man muss nicht mit einem Grossprojekt starten. Entscheidend ist, jetzt mit einem klar umrissenen Use Case anzufangen – z. B. Angebots-Personalisierung für eine Kernkategorie – und daraus zu lernen.


Fazit: Wer die Liste kontrolliert, kontrolliert den Warenkorb

Der Bring! Shopper Guide 2025 zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht:

  • Digitale Planung ersetzt den spontanen Wocheneinkauf
  • Angebote bleiben wichtig, aber Bequemlichkeit gewinnt an Gewicht
  • Gesundheit und Nachhaltigkeit verschieben die Nachfrage spĂĽrbar

Für den Schweizer Detailhandel heisst das: KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern das Werkzeug, um diese neuen Einkaufsroutinen aktiv zu gestalten – von der Angebotsstrategie über die Sortimentsplanung bis zum Omnichannel-Marketing.

Wer jetzt in KI-gestĂĽtzte Shopper-Insights, Contextual Advertising und personalisierte Angebotslogik investiert, sichert sich einen Platz genau dort, wo Kaufentscheidungen heute fallen: auf der digitalen Einkaufsliste.

Wer im Schweizer Einzelhandel arbeitet und diese Entwicklung nutzen will, sollte sich fragen: Wie gut kenne ich die digitale Einkaufsplanung meiner Kund:innen – und wo kann KI mir helfen, hier einen echten Mehrwert zu bieten?