Legal Tech studieren: 5 Bachelorwege zwischen Jura & IT

KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech Praxis••By 3L3C

Fünf Bachelorstudiengänge zwischen Jura und IT im Vergleich – und warum sie für KI-Strategien in deutschen Kanzleien und Rechtsabteilungen entscheidend sind.

Legal Tech StudiumJura und ITKI in KanzleienLegal EngineerRecht der DigitalisierungKarriere im Rechtsmarkt
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Warum jetzt ein Legal-Tech-Studium den Unterschied macht

2024 wurden in Deutschland so viele Legal-Tech-Tools in Kanzleien eingeführt wie noch nie – von KI-gestützter Vertragsanalyse bis zu automatisierten Mahnverfahren. Parallel dazu klagen Kanzleien und Rechtsabteilungen über Fachkräftemangel, vor allem bei Leuten, die Jura und IT gleichzeitig verstehen.

Genau hier setzen spezialisierte Bachelorstudiengänge an der Schnittstelle von Recht und Technologie an. Sie bilden Menschen aus, die nicht nur Gesetze auslegen, sondern auch digitale Workflows, KI-Lösungen und Legal-Tech-Strategien entwickeln. Für unsere Serie „KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech Praxis“ sind diese Profile zentral: Ohne gut ausgebildete Jurist:innen mit Tech-Kompetenz lässt sich keine sinnvolle KI-Strategie in der Kanzlei umsetzen.

In diesem Beitrag schauen wir uns fünf Bachelorstudiengänge in Deutschland an, die Recht, Informatik und Digitalisierung kombinieren – und ordnen sie praktisch ein: Für wen eignet sich welcher Weg, welche Karriereoptionen ergeben sich, und wie passen diese Studiengänge in die Zukunft von KI und Legal Tech in Kanzleien und Rechtsabteilungen?


Was Legal-Tech-Studiengänge von klassischem Jura unterscheidet

Legal-Tech-Studiengänge sind immer eins: anwendungsorientiert. Statt ausschließlich auf das Staatsexamen hinzuarbeiten, geht es darum, wie sich Rechtswissen in digitale Produkte, Prozesse und KI-gestützte Workflows übersetzen lässt.

Typische Unterschiede zum klassischen Jurastudium:

  • Stärkerer Technikfokus: Programmiergrundlagen, Datenstrukturen, Softwareentwicklung, manchmal UX-Design.
  • Digital-rechtliche Schwerpunkte: IT-Recht, Datenschutz, Plattformökonomie, KI-Regulierung (u. a. AI Act), IP-Recht.
  • Projektarbeit statt nur Klausuren: Legal Bots bauen, Dokumentengeneratoren modellieren, Prototypen fĂĽr Kanzlei-Workflows entwickeln.
  • Berufsbilder abseits von Richter/Staatsanwalt/klassische Anwaltstätigkeit: Legal Engineer, Legal Operations, Inhouse-Rolle mit Digitalisierungsfokus.

FĂĽr Kanzleien, die KI einsetzen wollen, sind Absolvent:innen solcher Programme enorm wertvoll. Sie verstehen:

Wie man rechtliche Expertise so strukturiert, dass KI-Systeme und Legal-Tech-Tools damit sinnvoll arbeiten können.


1. Hannover – LL.B. IT-Recht und Recht des geistigen Eigentums

Der Studiengang in Hannover eignet sich besonders fĂĽr alle, die digitales Wirtschaftsrecht und IP lieben und perspektivisch in technologiegetriebenen Branchen arbeiten wollen.

Profil des Studiengangs

  • Abschluss: LL.B. IT-Recht und Recht des geistigen Eigentums
  • Dauer: 8 Semester (inkl. verpflichtendem Auslandsaufenthalt)
  • Stärken:
    • sehr solide juristische Grundausbildung
    • Spezialisierung auf IT-Recht (z. B. Internetrecht) und ImmaterialgĂĽterrecht (Urheber-, Patent-, Markenrecht)
    • anschlussfähig an Staatsexamen oder LL.M.

Die inhaltliche Logik ist klar: Viele Digital-Geschäftsmodelle hängen an Urheberrecht, Lizenzen, Marken, Datenbankrechten. Wer hier sattelfest ist, kann später:

  • Tech-Unternehmen und Start-ups beraten
  • KI-Entwicklungsprojekte rechtlich begleiten (Datensätze, Trainingsdaten, IP-Fragen)
  • in IP-/Tech-Kanzleien an der Schnittstelle von Recht und Innovation arbeiten

FĂĽr wen ist Hannover besonders interessant?

  • Abiturient:innen, die ein juristisches Profil mit starkem Digital- und IP-Schwerpunkt wollen
  • alle, die sich die Option Staatsexamen offenhalten möchten
  • angehende Inhouse-Jurist:innen in Medien-, IT- oder Kreativbranchen

Im Kontext „KI für deutsche Rechtsanwälte“ liefert Hannover vor allem das dogmatisch starke Fundament, auf dem später spezialisierte KI- und Legal-Tech-Projekte aufsetzen.


2. Berlin – B.Sc. Legal Tech an der Mediadesign Hochschule

Der Berliner Bachelor ist deutlich technik- und designorientierter und richtet sich an Menschen, die Recht als „Regelwerk in Softwareform“ denken wollen.

Schwerpunkt: Recht, Software, Design

  • Abschluss: B.Sc. Legal Tech
  • Dauer: 8 Semester (Online-Präsenzmix)
  • Fokus:
    • Digitalisierung rechtlicher Regelwerke mit modernen Forschungsmethoden
    • Verbindung von Rechtswissenschaft, Softwareentwicklung und UX-/Service-Design
    • flexible Online-Lehre plus Präsenzphasen

Spannend ist die Kombination aus juristischem Denken, Software-Logik und Gestaltung. Das ist genau die Mischung, die man braucht, um z. B.:

  • benutzerfreundliche Legal-Tech-Portale fĂĽr Verbraucher oder KMU zu entwickeln
  • KI-gestĂĽtzte Self-Service-Lösungen (z. B. AnspruchsprĂĽfung, Dokumentenerstellung) zu konzipieren
  • komplexe Rechtsmaterien in Entscheidungsbäume zu ĂĽbersetzen

Anrechenbarkeit von Leistungen aus dem klassischen Jurastudium macht den Studiengang auch fĂĽr Umsteiger:innen attraktiv.

Typische Karrierepfade

  • Legal Engineer / Legal Product Manager in Kanzleien oder Legal-Tech-Unternehmen
  • Schnittstelle zwischen Fachbereich Recht und Entwicklerteam
  • Aufbau von KI-basierten Mandantenportalen oder Vertrags-Workflows

Wenn eine Kanzlei ernsthaft über KI-gestützte Mandantenservices nachdenkt, gehören genau solche Profile ins Team.


3. Wismar – LL.B. Legal Tech mit starkem Informatikanteil

Wismar richtet sich eher an Technikaffine, die programmieren können wollen und trotzdem ein solides Rechtsfundament suchen.

Fokus: Programmierung + Rechtspraxis

  • Abschluss: LL.B. Legal Tech
  • Dauer: 7 Semester (Präsenzstudium)
  • Kerninhalte:
    • Wirtschaftsrecht kombiniert mit Informatik
    • Entwicklung und Anpassung von Legal-Tech-Software
    • Schwerpunkte: Dokumentengeneratoren, E‑Discovery, Legal Bots, Smart Contracts

Der Studiengang zielt explizit darauf, „Programmierer:innen mit juristischem Verständnis“ auszubilden. Das ist für Kanzleien und Rechtsabteilungen extrem wertvoll, weil damit:

  • Prototypen direkt im Haus entstehen können
  • KI-Modelle mit rechtssicheren Datenstrukturen gefĂĽttert werden
  • Automatisierung nicht an der Ăśbersetzung zwischen IT und Recht scheitert

Praxisbezug und Zugang

  • kein Auswahlverfahren – bei vollständigen Unterlagen gibt es einen Studienplatz
  • hoher Praxisanteil durch Projekte, in denen echte Tools entstehen können

Wer später KI-Projekte in Kanzleien nicht nur konzipieren, sondern mitbauen möchte, findet in Wismar ein sehr passendes Umfeld.


4. Schmalkalden – LL.B. Recht der Digitalisierung

Schmalkalden ist die richtige Adresse fĂĽr alle, die den digitalen Wandel organisatorisch und regulatorisch begleiten wollen: weniger Coding, mehr Governance, Compliance und Regulatorik.

Fokus: Digitalisierung in Unternehmen, Verwaltung, Start-ups

  • Abschluss: LL.B. Recht der Digitalisierung
  • Dauer: 7 Semester
  • Schwerpunkte:
    • Wirtschaftsrecht, IT-Recht, Datenschutz
    • Plattformökonomie, KI, IT-Compliance
    • intensive Beschäftigung mit DSGVO, DSA, DMA, AI Act

In Projekten, Fallstudien und Praktika lernen Studierende, wie man Digitalprojekte rechtlich absichert – ideal für Rollen wie:

  • Datenschutzbeauftragte:r
  • Compliance Officer mit Tech-Fokus
  • Inhouse-Beratung fĂĽr Digitalprojekte in Unternehmen oder Behörden

Relevanz fĂĽr KI in Kanzleien

Wer KI in der Kanzlei einfĂĽhren will, braucht Leute, die nicht nur Tools verstehen, sondern auch Risikobewertung, Dokumentation und Regulatorik im Griff haben:

  • Wie dokumentiere ich KI-Einsätze z. B. im Lichte des AI Act?
  • Welche Rollen und Verantwortlichkeiten mĂĽssen definiert werden?
  • Welche Daten dĂĽrfen fĂĽr Training und Prompting genutzt werden?

Genau diese Fragestellungen stehen im Schmalkaldener Profil weit oben.


5. Passau – LL.B. Legal Tech mit Staatsexamensniveau

Passau schlägt eine Brücke zwischen klassischer Jurist:innenausbildung und Legal Tech. Wer sich später in Richtung Staatsexamen oder Doppelstudium orientieren will, ist hier sehr gut aufgehoben.

Breite juristische Ausbildung + Wirtschaftsinformatik

  • Abschluss: LL.B. Legal Tech
  • Dauer: 8 Semester
  • Kernidee:
    • juristische Ausbildung auf etwaigem Staatsexamensniveau
    • kombiniert mit Grundlagen der Wirtschaftsinformatik und Ă–konomie
    • Fokus auf Prozessanalyse, -optimierung und Digitalisierung, weniger auf Programmierung

Studierende lernen, Rechtsprozesse zu zerlegen: Wo entstehen MedienbrĂĽche, wo kann KI unterstĂĽtzen, wo lohnt sich Automatisierung? Perfekt fĂĽr Rollen wie:

  • Legal Engineer in größeren Kanzleien
  • Consultant fĂĽr Legal Operations und Kanzleimanagement
  • Projektleitung bei EinfĂĽhrung von KI-Tools (Vertragsanalyse, eDiscovery, Fristenmanagement)

Mit E‑Learning-Elementen und der Möglichkeit zum Doppelstudium ist Passau besonders spannend für ambitionierte Studierende, die sich alle Wege offenhalten wollen.


Wie Sie den passenden Legal-Tech-Bachelor auswählen

Wer sich zwischen diesen Wegen entscheiden möchte, sollte nicht nur auf Ort und Dauer schauen, sondern gezielt auf drei Fragen:

1. Wie nah möchte ich an der Technik sein?

  • Hoher Technik- und Programmieranteil: Wismar, Berlin
  • Mittel (Prozess- und Toolfokus, weniger Coding): Passau
  • Stärker juristisch-regulatorisch: Hannover, Schmalkalden

2. Wo sehe ich mich im Berufsbild?

Typische Rollen, die aus diesen Studiengängen entstehen können:

  • Legal Engineer / Legal Operations in Kanzleien
  • Produktentwicklung bei Legal-Tech- oder KI-Anbietern
  • Inhouse-Jurist:in mit Digitalfokus
  • Datenschutz- oder Compliance-Beauftragte:r
  • Schnittstelle Recht–IT in Unternehmen, Verbänden oder Behörden

3. Will ich später noch Staatsexamen machen?

  • Gut anschlussfähig an Staatsexamen: Hannover, Passau
  • Stärker spezialisiertes Fachprofil ohne klassischen Examenstrack: Berlin, Wismar, Schmalkalden

Für Kanzleien, die jetzt schon wissen, dass sie KI und Automatisierung systematisch aufbauen wollen, lohnt es sich, gezielt nach diesen Profilen zu rekrutieren – oder bestehende Mitarbeitende in solche Programme zu schicken.


Was das fĂĽr die Praxis von KI in deutschen Kanzleien bedeutet

Für unsere Serie „KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech Praxis“ ist eins klar: Ohne Menschen, die Recht und Technologie gleichzeitig verstehen, bleibt KI meist bei Pilotprojekten und Marketing-Folien stehen.

Absolvent:innen der vorgestellten Studiengänge können konkret helfen:

  • Vertragsanalyse-KI sinnvoll zu trainieren: saubere Datenmodelle, sinnvolle Annotationen, praxisnahe Use Cases
  • Rechtsrecherche-Tools zu bewerten: Qualität der Ergebnisse, Risikoprofile, Integration in bestehende Wissensstrukturen
  • Prozessvorhersage-Modelle zu verstehen: Welche Datenbasis, welche Fehlerquellen, welche strategische Aussagekraft?
  • Kanzleimanagement zu digitalisieren: Workflows, Fristen, Mandantenkommunikation, Billing – alles daten- und KI-fähig gestalten

Die Realität ist: Die meisten Kanzleien kaufen aktuell einzelne Tools ein, statt eine kohärente Legal-Tech- und KI-Strategie aufzubauen. Wer gezielt in diese neuen Ausbildungswege investiert – sei es als Arbeitgeber oder Studieninteressierte:r – schafft genau die Profile, die für den nächsten Schritt fehlen.


Fazit: Legal Tech studieren – Vorsprung für die nächsten 10 Jahre

Wer heute mit einem Legal-Tech- oder Digitalisierungs-Bachelor startet, wird in 5–10 Jahren zu den Leuten gehören, die bestimmen, wie KI in Kanzleien, Unternehmen und Behörden tatsächlich eingesetzt wird.

Für Studieninteressierte heißt das: Wenn dich Recht interessiert, aber reine Paragrafenarbeit zu wenig ist, können Hannover, Berlin, Wismar, Schmalkalden oder Passau der richtige Einstieg in ein Profil sein, das auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt ist.

Für Kanzleien und Rechtsabteilungen heißt das: Wer den Fachkräftemangel im IT-nahen Bereich nicht nur beklagen möchte, sollte gezielt mit solchen Studiengängen kooperieren, Praktika anbieten und eigene Talente in diese Richtung entwickeln.

Die nächsten Jahre entscheiden, wer KI nur „benutzt“ – und wer sie juristisch klug einbettet und strategisch steuert. Genau dafür werden diese fünf Bachelorstudiengänge ausbilden.