Wie Kanzleien AI Agents wirklich nutzen sollten

KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech PraxisBy 3L3C

Perplexity zeigt, wie Menschen AI Agents wirklich nutzen. Dieser Beitrag übersetzt die Erkenntnisse in konkrete Einsatzszenarien für deutsche Kanzleien.

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Warum AI Agents für Kanzleien gerade jetzt spannend sind

57 Prozent aller Anfragen an die AI Agents von Perplexity drehen sich um kognitive Arbeit: Denken, strukturieren, zusammenfassen, Entscheidungen vorbereiten. Genau das, was in deutschen Kanzleien jeden Tag passiert – nur eben noch überwiegend manuell.

Für die Serie „KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech Praxis“ ist diese neue Perplexity-Analyse ein Geschenk. Sie zeigt sehr klar, wo Menschen KI-Agenten heute tatsächlich einsetzen: Produktivität, Workflows, Lernen – und zunehmend Shopping, Networking, Travel. Für Juristen heißt das: Wir sehen, was im breiten Markt schon funktioniert und können gezielt übertragen, was für den Anwaltsalltag sinnvoll ist.

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sie die Nutzungsmuster von AI Agents – wie im Perplexity-Kosmos beobachtet – konkret auf Kanzleien übertragen können: von Vertragsarbeit und E‑Mail-Management über Rechtsrecherche bis hin zu Mandatsakquise und Karriereplanung im juristischen Umfeld.


Was Menschen heute mit AI Agents tun – und was das für Juristen bedeutet

Perplexity zeigt in seiner Analyse: AI Agents werden überwiegend für Produktivität und Lernen genutzt.

  • 36 % der Nutzung: Produktivität & Workflows
  • 21 %: Learning & Research
  • 20,8 %: Media & Entertainment
  • 10,9 %: Shopping & Commerce
  • Rest: Travel, Job & Career

Für Kanzleien sind vor allem die ersten beiden Cluster interessant – plus Job & Career für die eigene Laufbahnplanung.

Produktivität & Workflows: das direkte Kanzlei-Potenzial

Im Detail werden AI Agents laut Perplexity vor allem genutzt für:

  • Bearbeiten von Dokumenten und Formularen (21,5 % innerhalb des Workflow-Bereichs)
  • Account Management (20,5 %)
  • Verwaltung von Mails (15,8 %)
  • Multimedia Editing (6,1 %)

Übertragen auf die Anwaltskanzlei heißt das:

  • Dokumente & Formulare

    • Vorstrukturierung von Schriftsätzen (Klageentwurf, Berufungsschriftsatz, Stellungnahme)
    • Ausfüllen wiederkehrender Formulare (z. B. Anträge, Standardanschreiben an Behörden)
    • Erstellen erster Vertragsentwürfe anhand weniger Stichworte (immer mit anschließender juristischer Prüfung!)
  • „Account Management“ im Kanzleikontext

    • Pflege von Fristen- und Aufgabenlisten (z. B. Zusammenfassung aller offenen To-dos aus E-Mails eines Tages)
    • Unterstützung bei CRM-Notizen: Zusammenfassung eines Mandantentelefonats für die Akte
    • Automatisierte Drafts für Rückfragen an Mandanten auf Basis der Aktenlage
  • E-Mail-Management

    • Sortieren und Clustern von E-Mails nach Dringlichkeit und Thema
    • Erstellen von Antwortentwürfen (z. B. „Bitte übersetze diese Bullet-Points in eine höfliche, aber klare Antwort im Stil unserer Kanzlei“)
    • Extraktion von Fristen, Streitwerten und Parteien aus eingehenden Schriftsätzen

Der Punkt ist: Die Nutzungsmuster aus der Perplexity-Welt decken sich verblüffend mit den nervigsten Routineaufgaben in Kanzleien. Wer AI Agents nur für „ein bisschen Recherche“ nutzt, verschenkt 80 % des Produktivitätsgewinns.

Learning & Research: juristisches Lernen 2.0

Im Learning-Bereich dominieren laut Perplexity:

  • Kurse (61,9 %)
  • Recherche (37,9 %)

Für Juristen ist das Gold wert:

  • Erstellung individueller Lernpläne für Fachanwaltskurse oder Examen
  • Erklärung neuer Rechtsentwicklungen (z. B. KI-Verordnung der EU) in verschiedenen Detailtiefen
  • Strukturierung komplexer Themen (z. B. Compliance-Systeme, Datenschutz-Folgenabschätzung)
  • Vorbereitung von Inhouse-Schulungen für Mandanten mit Gliederung, Beispielen und Q&A-Blöcken

Die Realität: Wer KI früh für „Lernen und Recherche“ einsetzt, bleibt laut Perplexity länger aktiv und nutzt die Tools intensiver. Für Kanzleien heißt das: Associate- und Referendariatsprogramme sollten AI Agents nicht verbieten, sondern gezielt integrieren und regulieren.


Vom „Mal testen“ zur Kerntechnologie: Wie Nutzung sich entwickelt

Perplexity beschreibt einen klaren Verlauf: Menschen starten mit harmlosen Fragen (Reise, Filme, Trivia) und landen dann bei ernsthaften Produktivitätsaufgaben – und bleiben dort.

"A user might start by asking about a vacation spot, but once they use the agent to debug a Python script or summarize a financial report, they rarely go back."

Für Kanzleien lässt sich daraus eine einfache Strategie ableiten:

Phase 1: Niedrigschwelliger Einstieg

Starten Sie nicht mit „Die KI entscheidet jetzt über unsere Schriftsätze“. Starten Sie mit:

  • Zusammenfassungen von Besprechungsnotizen
  • Umformulierung von Texten (verständlicher, kürzer, für Mandanten, für Richter)
  • Erstellung von Checklisten (z. B. für DSGVO-Audits, Due-Diligence-Prüfungen)

Ziel dieser Phase: Berührungsängste abbauen und zeigen, dass KI-Agenten Werkzeuge sind – kein mystisches Risikoobjekt.

Phase 2: Produktivitäts-Kernfunktionen etablieren

Sobald das Team sieht, dass der Agent zuverlässig schreibt und strukturiert, folgen anspruchsvollere Aufgaben:

  • Erste Vertragsentwürfe auf Basis von Standardklauseln
  • Gegenüberstellung zweier Vertragsfassungen mit Hervorhebung wesentlicher Unterschiede
  • Entwurf von Fragenkatalogen für Mandantengespräche in komplexen Fällen (M&A, Arbeitsrecht, IT-Recht)

Hier sollte klar geregelt sein:

  • Was der Agent darf (Entwurf, Struktur, Formulierung)
  • Was der Mensch muss (rechtliche Bewertung, finale Fassung, Haftung)

Phase 3: Integration in Kanzleiprozesse

In der dritten Phase wird der AI Agent nicht mehr „nebenbei“ genutzt, sondern systematisch:

  • Standardisierung von Prompt-Bibliotheken für wiederkehrende Aufgaben
  • Verknüpfung mit Kanzleisoftware (soweit technisch und datenschutzrechtlich zulässig)
  • Governance-Regeln zu Vertraulichkeit, Mandatsgeheimnis und Speicherorten

Perplexity zeigt: Produktivitäts- und Workflow-Nutzung haben die höchste Retention. Wer das auf die Kanzlei überträgt, macht KI zum festen Bestandteil der Wertschöpfung, nicht zum Gadget.


Welche Berufsgruppen KI Agents treiben – und was das für Kanzleien heißt

Laut Perplexity kommen rund 30 % der Agent-Nutzung aus dem Digital-Technology-Bereich, 15,6 % von Studierenden und 10,5 % aus Marketing & Sales.

Für Kanzleien ergeben sich daraus zwei praktische Hinweise:

1. Ihre Mandanten sind weiter, als Sie denken

Wenn Tech-Unternehmen und Marketingabteilungen AI Agents längst im Alltag nutzen, dann kommen Mandanten mit anderen Erwartungen in die Kanzlei:

  • schnellere Reaktionszeiten
  • verständlichere Ausarbeitungen
  • visuelle Aufbereitung (Charts, Bullet-Points, Zusammenfassungen)

Wer als Kanzlei weiter auf reinen „Word-Output“ und langsame E-Mail-Loops setzt, wirkt 2026 schlicht aus der Zeit gefallen.

2. Ihre Nachwuchsjuristen sind KI-native

Studierende nutzen AI Agents laut Analyse stark für Recherche. Das sieht man bereits heute in der Praxis:

  • Entwürfe für Hausarbeiten und Gutachtenstrukturen
  • Erklärungen schwieriger Materie in Alltagssprache
  • Vergleich unterschiedlicher Rechtsauffassungen

Statt KI pauschal zu verbieten, ist es sinnvoller, klare Leitplanken zu setzen:

  • Nutzung erlaubt für Strukturierung, Erklärung und erste Entwürfe
  • Eigenständige Prüfung von Quellen und Normen verpflichtend
  • Offenlegung der KI-Nutzung bei internen Arbeiten

So bleibt der Qualitätsanspruch erhalten – und Sie profitieren von der höheren Produktivität.


Konkrete Einsatzideen: AI Agents im juristischen Alltag

Die Perplexity-Zahlen drehen sich nicht um LegalTech, aber die Muster sind übertragbar. Hier sind konkrete Szenarien für deutsche Rechtsanwälte.

1. Vertragsanalyse & Vertragsentwürfe

  • Zusammenfassung langer Vertragswerke in 10–15 Bullet-Points
  • Hervorhebung kritischer Klauseln (Haftung, Gerichtsstand, Kündigung)
  • Gegenüberstellung Mandantenentwurf vs. Gegenseite mit Fokus auf Risiken
  • Generierung eines ersten Vertragsentwurfs auf Basis eines „Term Sheets“

Wichtig: Keine „blinde“ Übernahme. Der AI Agent ist Ihr hochfleißiger, aber examensunerfahrener wissenschaftlicher Mitarbeiter.

2. Rechtsrecherche & Argumentationsaufbau

  • Strukturierung einer gutachterlichen Lösung (Obersatz – Definition – Subsumtion – Ergebnis)
  • Sammlung möglicher Argumentationslinien zu einem Streitpunkt
  • Erstellung eines „Argument-Checks“: Welche Gegenargumente sind wahrscheinlich?
  • Erstellung von Mandanten-Memos in verständlicher Sprache bei gleichbleibend korrekter Struktur

Hier zeigt sich der größte Hebel: Sie denken und entscheiden, der Agent sortiert und formuliert.

3. Kanzleimanagement & Mandantenkommunikation

Angelehnt an die hohen Anteile für Mail- und Account-Management:

  • Tageszusammenfassungen: „Fasse alle heutigen E-Mails mit Fristen und offenen Aufgaben zusammen.“
  • Automatisierte Drafts für Status-Updates an Mandanten
  • Erstellung von FAQ-Dokumenten pro Mandat (z. B. typischer Ablauf einer Kündigungsschutzklage)
  • Vorschläge für Social-Media-Posts und Newsletter-Texte im Kanzleimarketing

Damit landen wir automatisch im Bereich Marketing & Vertrieb, der in unserer Kampagne eine zentrale Rolle spielt: KI kann die Lead-Generierung und Mandantenpflege massiv beschleunigen.

4. Karriere, Networking & Personalentwicklung

Perplexity sieht klare Nutzung für Job & Career: Bewerbungen, LinkedIn, Networking. Für Juristen interessant:

  • Optimierung von LinkedIn-Profilen (Schwerpunkte, Kanzleifokus, Sichtbarkeit)
  • Entwürfe für Fachbeiträge oder Kurzposts zu aktuellen Urteilen
  • Vorbereitung von Bewerbungsschreiben, wenn Sie z. B. den Schritt in eine andere Kanzlei oder inhouse planen

Wer als Partner oder HR-Verantwortlicher denkt, das sei „unseriös“, verkennt den Trend. Personal Branding und Sichtbarkeit gehören 2026 zur juristischen Karriere wie das Staatsexamen.


Was Kanzleien jetzt konkret tun sollten

Die Perplexity-Analyse zeigt: AI Agents entwickeln sich vom Spielzeug zum Arbeitspferd. Für Kanzleien heißt das:

  1. Pilotteam definieren

    • 3–5 Anwält:innen verschiedener Seniorität
    • plus eine Assistenzkraft und idealerweise jemand aus dem Marketing
  2. Klare Einsatzfelder festlegen (angelehnt an die Perplexity-Muster)

    • Dokumente & Formulare
    • E-Mail-Management
    • Recherche & Learning
    • Kanzleimarketing & Mandantenkommunikation
  3. Governance & Datenschutz klären

    • Welche Systeme sind datenschutzkonform nutzbar?
    • Welche Mandatsdaten dürfen nicht in externe Tools?
    • Wie wird Nutzung dokumentiert und überwacht?
  4. Standard-Prompts erstellen

    • z. B. „Erstelle eine strukturierte Zusammenfassung dieses Schriftsatzes für einen fachfremden Mandanten“
    • oder „Bereite aus diesem Vertragsentwurf eine Risikodokumentation für die Geschäftsführung auf“
  5. Regelmäßig auswerten

    • Wo spart das Team nachweisbar Zeit? (z. B. 30–40 % bei Erstentwürfen)
    • Wo bestehen Qualitätsrisiken?
    • Welche Aufgaben eignen sich nicht für AI Agents?

Wer diese Schritte jetzt beginnt, ist 2026 bei KI im Kanzleialltag da, wo Digitalunternehmen heute schon sind.


Ausblick: AI Agents als fester Bestandteil des LegalTech-Stacks

Die große Botschaft aus der Perplexity-Analyse: Menschen nutzen AI Agents vor allem für das, was auch in Kanzleien am meisten Zeit frisst – kognitive Routinetätigkeiten. Damit sind AI Agents nicht „nice to have“, sondern zentrale Bausteine moderner LegalTech-Praxis.

Für unsere Serie „KI für deutsche Rechtsanwälte: LegalTech Praxis“ bedeutet das:
Der nächste Schritt ist nicht die Frage, ob Sie AI Agents einsetzen, sondern wie strukturiert Sie sie in Vertragsanalyse, Rechtsrecherche und Kanzleimanagement integrieren.

Wer jetzt Strukturen aufbaut, wird in zwei Jahren nicht mehr darüber diskutieren, ob KI im Anwaltsberuf „zulässig“ ist – sondern sich über effizientere Mandatsbearbeitung, zufriedene Mandanten und ein deutlich entspannteres E‑Mail-Postfach freuen.


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