Self-Checkout 2025: Was jede 18. Kasse für Händler heißt

KI für deutsche Einzelhändler: Omnichannel-Strategien••By 3L3C

Self-Checkout wächst rasant: Jede 18. Kasse ist schon eine SB-Kasse. Wie Händler Self-Checkout, KI und Omnichannel sinnvoll verbinden, zeigt dieser Praxisleitfaden.

Self-CheckoutSelf-ScanningKI im EinzelhandelOmnichannel-StrategieLebensmitteleinzelhandelRetail InnovationInventurdifferenzen
Share:

Warum Self-Checkout jetzt zur Pflichtaufgabe wird

38.650 SB-Kassen, über 11.000 Geschäfte, jede 18. Kasse im Einzelhandel eine Self-Checkout-Kasse – diese Zahlen stammen aus der aktuellen EHI-Marktanalyse mit Stand 08.2025. Wer heute noch glaubt, Self-Checkout sei ein „nice to have“, verschließt die Augen vor der Realität.

Der Hintergrund ist klar: Personalmangel, hohe Kundenfrequenzen, Kostendruck und der Wunsch der Kundschaft nach schnellen, digitalen Prozessen. Gleichzeitig stehen Händler unter Druck, ihre Omnichannel-Strategie zu schärfen und KI im Einzelhandel nicht nur für Marketing, sondern auch an der Kasse sinnvoll einzusetzen.

In diesem Beitrag aus unserer Reihe „KI für deutsche Einzelhändler: Omnichannel-Strategien“ schauen wir uns an, was die EHI-Zahlen konkret bedeuten – und wie Sie Self-Checkout, Self-Scanning und KI so kombinieren, dass Wartezeiten sinken, Erlöse steigen und die Risiken (Stichwort Inventurdifferenzen) im Griff bleiben.


Der Status quo: Jede 18. Kasse ist eine SB-Kasse

Self-Checkout ist im deutschen Einzelhandel in der Fläche angekommen. Die EHI-Studie zeigt:

  • 11.120 Geschäfte bieten Self-Checkout oder Self-Scanning an.
  • 10.366 Geschäfte nutzen stationäre Self-Checkout-Kassen (SCO).
  • 3.646 Geschäfte bieten mobiles Self-Scanning (Handscanner, Wagen-Scanner oder App).
  • Insgesamt sind ĂĽber 38.650 SB-Kassen installiert.
  • Von rund 710.000 Kassen im Einzelhandel ist inzwischen jede 18. eine SB-Kasse.

Das Wachstum ist massiv:

  • Stationäre Self-Checkout-Systeme: +143 % in zwei Jahren.
  • Mobile Self-Scanning-Systeme: +69 % im selben Zeitraum.

Die Botschaft dahinter: Wer jetzt noch keine Strategie für Self-Checkout hat, läuft Gefahr, in zwei bis drei Jahren beim Thema Kundenerlebnis und Effizienz sichtbar zurückzuliegen.


Wo SB-Kassen heute dominieren – und warum gerade dort

Die EHI-Daten zeigen klar, welche Segmente vorne liegen. Und sie erklären, warum sich genau dort Self-Checkout so schnell durchsetzt.

Lebensmittelhandel als Taktgeber

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist der klare Vorreiter:

  • Rund 6.240 Märkte im klassischen LEH haben SB-Kassen.
  • Darunter knapp 2.300 Discounter.
  • Pro Markt stehen im Schnitt 3,98 SB-Kassen.
  • Märkte mit SB-Kassen kommen bereits auf deutlich ĂĽber 10 % Marktanteil.

Gerade im LEH sind die Hebel groĂź:

  • Hohe Kundenfrequenz, viele Klein- und Mittelkäufe.
  • Hohe Sensibilität der Kundschaft fĂĽr Wartezeiten.
  • Routinekäufe, bei denen Service eher in Schnelligkeit als in Beratung besteht.

Drogerien und Baumärkte ziehen nach

Neben dem LEH wachsen zwei weitere Gruppen stark:

  • Drogeriemärkte stellen mit 21 % der Märkte die zweitgrößte Gruppe mit SCO-Systemen.
    • Von knapp 5.200 Drogeriemärkten bieten bereits ĂĽber 40 % SB-Kassen an.
  • Bau- und Heimwerkermärkte folgen mit 8 % Anteil.
    • Von rund 2.000 Märkten der groĂźen Betreiber sind 880 Märkte mit SB-Kassen ausgestattet.

Die Logik ist ähnlich: planbare Warenkörbe, viele Stammkund:innen, klare Abläufe. Genau die Bedingungen, unter denen Self-Checkout und Self-Scanning besonders gut funktionieren.


Self-Checkout vs. Self-Scanning: Welche Lösung passt zu wem?

Viele Händler werfen Self-Checkout und Self-Scanning in einen Topf. Operativ und für Ihre Omnichannel-Strategie sind das zwei unterschiedliche Werkzeuge.

Stationäre Self-Checkout-Kassen (SCO)

Stationäre SB-Kassen ersetzen oder ergänzen klassische Bedienkassen:

  • Kunde scannt die Ware an einer fix installierten Kasse.
  • Bezahlung erfolgt dort direkt (Karte, Mobile Payment, teils bar).
  • Ideal fĂĽr kleinere bis mittlere Warenkörbe.

Sie eignen sich besonders fĂĽr:

  • Lebensmittelhandel, Drogerie, Convenience-Formate.
  • Hochfrequente Zeiten (Feierabend, Samstagvormittag).
  • Kundengruppen mit hoher Technik-Affinität.

Mobiles Self-Scanning

Mobiles Self-Scanning verlagert den Scan-Prozess auf die Fläche:

  • Kunde scannt Artikel mit Handscanner, Wagen-Scanner oder Smartphone-App.
  • Waren werden sofort in einem digitalen Warenkorb erfasst.
  • Am Ende wird nur noch bezahlt – klassisch oder an einer speziellen Station.

Typische Vorteile:

  • Kein Umpacken an der Kasse, schneller Checkout.
  • Integrierbar in Kunden-Apps – ideal fĂĽr Omnichannel- Strategien und Loyalty-Programme.
  • Basis fĂĽr personalisierte Empfehlungen in Echtzeit (z.B. KI empfiehlt passende Zusatzprodukte zum gescannten Warenkorb).

Ich habe bei Händlern, die beide Varianten testen, eines immer wieder gesehen: Die beste Lösung ist meist eine Kombination. SB-Kassen für schnellen Checkout, Self-Scanning für Stammkundschaft und größere Einkäufe, eingebettet in App und Loyalty.


Die Rolle von KI: Von Self-Checkout zu smartem Checkout

Self-Checkout ohne KI ist ein reines Prozess-Tool. Mit KI wird daraus ein strategischer Baustein Ihrer Omnichannel-Strategie.

1. KI fĂĽr Betrugs- und Fehlererkennung

Ein Einwand gegen Self-Checkout taucht in jeder Diskussion auf: Die Sorge vor Inventurdifferenzen.

KI-gestützte Systeme können hier sehr wirkungsvoll sein:

  • Computer Vision: Kamera ĂĽber oder neben der SB-Kasse prĂĽft, ob der gescannte Artikel zur erkannten Ware passt.
  • Anomalieerkennung: KI erkennt ungewöhnliche Muster im Warenkorb (z.B. teure Artikel, aber ĂĽberwiegend als „Bananen“ gescannt).
  • Risikobasierte Stichproben: Statt jeden Kunden gleich stark zu kontrollieren, wählt KI die Fälle mit der höchsten Abweichungswahrscheinlichkeit aus.

Das reduziert Diebstahl und Fehlscans, ohne das Kundenerlebnis zu zerstören.

2. Personalisierte Empfehlungen direkt an der Kasse

Wer Self-Checkout und KI verknĂĽpft, kann an der Kasse echte Mehrwerte schaffen:

  • Anzeige personalisierter Cross-Selling-Angebote auf dem Screen („Passend zu Ihrem Einkauf: …“).
  • Dynamische Preisoptimierung fĂĽr bestimmte Kundensegmente in App-basierten Self-Scanning-Lösungen.
  • Kombination mit digitalen Coupons und Loyalty-Punkten in Echtzeit.

Gerade wenn der Self-Checkout in die Kunden-App integriert ist, wird er zum starken Datensignal im KI-Modell:

  • Genaue Warenkorbdaten.
  • Verbindung mit Besuchshäufigkeit, Tageszeiten, Standort.
  • VerknĂĽpfung mit Online-Käufen fĂĽr echtes Omnichannel-Profiling.

3. Workforce-Management und Flächenplanung

Self-Checkout ist auch ein Datenlieferant fĂĽr Ihre interne Steuerung:

  • KI kann aus Transaktionsdaten StoĂźzeiten sehr präzise vorhersagen.
  • Daraus entsteht eine optimierte Planung von Personal an Bedien- und SB-Kassen.
  • Laufwege und Platzierung der SB-Kassen lassen sich mit Simulationsmodellen verbessern.

Die Realität ist: Viele Händler installieren SB-Kassen, nutzen aber nur einen Bruchteil der möglichen Daten. Wer hier nachzieht, steigert nicht nur die Effizienz, sondern verbessert auch die Grundlage für Preis- und Sortimentsentscheidungen.


Praxisleitfaden: So planen Sie Self-Checkout strategisch

Statt „Wir stellen jetzt auch ein paar SB-Kassen hin“ braucht es einen Plan. Aus Projekten und Best Practices lassen sich fünf klare Schritte ableiten.

1. Geschäftsziele sauber definieren

Vor jeder Technologieentscheidung sollten zwei bis drei harte Ziele stehen, z.B.:

  • Wartezeiten an der Kasse um 30 % reduzieren.
  • Personaleinsatz an Kassen um 15 % flexibilisieren.
  • Umsatzanteil von Stammkundschaft via App-Self-Scanning innerhalb von 18 Monaten verdoppeln.

Ohne klare Zielgrößen werden Sie später weder Erfolg messen noch optimieren können.

2. Format- und Standortanalyse

Nicht jeder Standort braucht die gleiche Lösung.

Fragen, die Sie beantworten sollten:

  • Wie hoch ist die durchschnittliche Warenkorbgröße?
  • Wie digital-affin ist die Kundschaft (z.B. Innenstadt vs. ländliche Region)?
  • Welche Flächenrestriktionen gibt es im Kassenbereich?
  • Gibt es bereits eine verbreitete Kunden-App oder Loyalty-Karte?

Aus dieser Analyse ergibt sich oft ein Mix:

  • GroĂźflächige LEH- oder Bau- und Heimwerkermärkte: Kombination aus SB-Kassen und Self-Scanning.
  • Kleine Stadtfilialen: Fokus auf kompakte SB-Kassen mit schneller Abfertigung.
  • Premiumformate: Mehr bemannte Kassen, SB nur als Option fĂĽr Eilige.

3. Omnichannel-Integration von Anfang an mitdenken

Self-Checkout darf kein isoliertes IT-Projekt sein. FĂĽr eine stimmige Omnichannel-Erfahrung sollten Sie:

  • SB-Kasse und Self-Scanning an Kundenkonto und Loyalty anbinden.
  • Ihre Preis- und Promotion-Logik zentral steuern, damit online, App und Filiale ĂĽbereinstimmen.
  • Click-&-Collect und Scan-&-Go zusammen denken (z.B. Abholung + zusätzlicher Einkauf via Self-Scanning).

Hier kommen KI-Modelle für Kundenanalyse und Preisoptimierung ins Spiel, die wir in anderen Beiträgen dieser Serie vertiefen. Self-Checkout ist einer der wichtigsten Berührungspunkte, um diese Modelle mit hochwertigen Daten zu füttern.

4. Sicherheit & Compliance strukturiert adressieren

Je mehr Prozesse Sie an die Kundschaft ĂĽbergeben, desto klarer mĂĽssen Ihre Regeln und Schutzmechanismen sein:

  • KI-gestĂĽtzte Erkennung von Auffälligkeiten an SB-Kassen.
  • Schulungen fĂĽr Mitarbeitende, wie sie deeskalierend eingreifen.
  • Klare Kommunikation am POS, welche Kontrollen stattfinden und warum.
  • Datenschutzkonzept bei Video- oder Sensordaten, abgestimmt mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Wer dieses Thema nur halbherzig angeht, riskiert Frustration im Team und Misstrauen auf Kundenseite.

5. Change-Management und Kundenerlebnis

Die beste Technologie scheitert, wenn Mitarbeitende oder Kundschaft sie ablehnen.

Was in der Praxis gut funktioniert:

  • SB-Guides im Markt, die in den ersten Wochen aktiv unterstĂĽtzen.
  • Klare, visuelle Anleitungen an den Kassen.
  • Gamification-Ansätze in der App (z.B. Abzeichen fĂĽr „Power-Scanner“).
  • Feedbackschleifen: Kurze Umfragen direkt nach Nutzung des Self-Checkouts.

Ich habe oft gesehen, dass nach einer kurzen Einführungsphase die Nutzung stabil anzieht – vorausgesetzt, die Kommunikation ist klar und das System fehlerarm.


Ausblick: Self-Checkout als Kernbaustein Ihrer KI-Strategie

Die EHI-Zahlen zeigen: Self-Checkout ist im deutschen Einzelhandel kein Experiment mehr, sondern etablierte Realität. Besonders der Lebensmittelhandel, Drogerien und Baumärkte haben vorgemacht, wie stark sich SB-Kassen in nur zwei Jahren verbreiten können.

FĂĽr Ihre KI- und Omnichannel-Strategie bedeutet das:

  • Self-Checkout ist ein mächtiger Datenlieferant fĂĽr Kundenanalyse und Preisoptimierung.
  • KI macht den Unterschied zwischen „nur SB-Kasse“ und intelligentem Checkout, der Betrug reduziert, Umsatz steigert und Kundenerlebnis verbessert.
  • Wer Self-Checkout konsequent mit App, Loyalty und Online-Shop verzahnt, schafft eine nahtlose Customer Journey – von der Produktsuche bis zum Bezahlvorgang.

Die Frage ist also weniger, ob Sie Self-Checkout einfĂĽhren sollten, sondern wie schnell Sie ihn in ein durchdachtes, KI-gestĂĽtztes Omnichannel-Konzept integrieren.

Wenn Sie jetzt Ziele definieren, Datenströme planen und die richtigen Partner für KI im Einzelhandel auswählen, ist jede neue SB-Kasse nicht nur ein Stück Hardware, sondern ein Baustein Ihrer gesamten Retail-Strategie.